Die SetesdalsbaneIm Norwegischen ist die Endung „-en“ bei Substantiven ein bestimmter Artikel. Daher ist die korrekte Bezeichnung in deutschen Texten entweder „Setesdalsbanen“ oder „die Setesdalsbane“. ist eine 1896 eröffnete schmalspurige Eisenbahnstrecke in Norwegen, die ursprünglich zwischen Kristiansand und Byglandsfjord im Setesdal verlief. Die Strecke war 78 km lang. Sie wurde in der Kapspur (Spurweite 1067 mm) gebaut. Der südliche Teil der Strecke (20 km) wurde 1938 umgespurt und in die Sørlandsbane integriert, ein Großteil 1962 stillgelegt. Lediglich ein kleiner Teil (8 km) blieb als Museumsbahn erhalten. Diese Bahn ist eine Touristenattraktion in Sørlandet.
Geschichte
Der Stortingbeschluss zum Bau der Strecke erfolgte am 8. Juli 1890. Die ersten Züge auf der damals noch Setersdalsbane genannten Strecke verkehrten ab dem 25. November 1895 zwischen Kristiansand und Hægeland, die feierliche Eröffnung der Gesamtstrecke bis Byglandsfjord durch Ministerpräsident Francis Hagerup erfolgte am 27. November 1896. Einer der ersten Verkehrsleiter der Strecke war ab 1896 der norwegische Eisenbahningenieur Lars Lysgaard. Zum 1. Oktober 1921 erfolgte die Umbenennung in Setesdalsbane.
In den 1940er Jahren wurde der Personenverkehr größtenteils auf Triebwagen umgestellt, und die Umspurung sowie eine Verlängerung bis Ustaoset an der Bergensbane geprüft, von der Eisenbahnkommission mehrheitlich empfohlen, vom Hauptvorstand aber abgelehnt.
Die Bahnstrecke war Teil des Verkehrssystems im Setesdal. Von der Endstation Byglandsfjord konnten die Reisenden das (heute als Touristenattraktion verkehrende) Dampfschiff Bjoren über Bygland nach Ose nehmen. Von Ose gab es zuerst eine Verbindung mit Pferden in das obere Tal, später fuhr ein Linienbus. Als die Straße um das Fånefjell gebaut wurde, verkehrte der Linienbus am Fjord entlang bis Byglandsfjord.
Umspurung Im Zuge des Baues der Sørlandsbane wurde der untere Abschnitt von Kristiansand nach Grovane (20,41 km) auf Normalspur umgebaut und am 14. Mai 1938 als deren Teil wieder eröffnet. Die Setesdalsbane wurde entsprechend eingekürzt, neue Endstation war damit Grovane, weshalb hier auch eine neue Betriebswerkstatt entstand.
Stilllegung und Museumsbahn Grovane–Røyknes Auf Beschluss des Stortings vom 13. Januar 1960 wurde die Setesdalsbane dann am 1. September 1962 eingestellt, die Strecke zwischen Byglandsfjord und Beihølen abgebaut, das Planum teilweise für die Anlage von Straßen weiterverwendet. Einige Fahrzeuge wurden in Grovane verbrannt, andere an die Sulitjelmabane verkauft.
Die 5,2, nach anderer Quelle nur 4,7 Kilometer lange Strecke zwischen Grovane und Beihølen dam blieb aufgrund der Bemühungen des 1964 gegründeten Setesdalsbanens Hobbyklubb ebenso erhalten wie etliche Fahrzeuge. Der Verein organisierte den Fahrbetrieb als Norwegens erste Museumsbahn, der erste Museumszug fuhr am 24. Juni 1964. Am 23. November 1996 erfolgte eine erste Verlängerung bis Beihøldalen, weitere zwei Kilometern nach Røyknes wurden anschließend wiederhergestellt und am 5. September 2004 eröffnet, der Museumsbetrieb entsprechend ausgedehnt. Seit dem 1. Januar 2006 ist Setesdalbanen eine eigene Abteilung des Vest-Agder Museum IKS. Der Betrieb findet in der Regel von Juni bis September am Wochenende statt.
Museumsfahrzeuge Vier Dampflokomotiven aus den Jahren zwischen 1894 und 1902 blieben erhalten, dazu eine Reihe von Personen- und Güterwagen sowie einer der Triebwagen. mini|hochkant=0.9|Museumszug auf der Setesdalsbane an der Paulen bro, 23. Juli 2003 mini|ohne|Zwei Lokomotiven in Røyknes, 9. Mai 2004
Dampflokomotiven Schmalspur Type XXI Nr. 1, 1894 von Dübs and Company gebaut, nicht in Betrieb. Type XXI Nr. 2, 1894 von Dübs and Company gebaut, schadhaft abgestellt. Type XXI Nr. 5, 1901 von Thunes mekaniske verksted gebaut, betriebsfähig. Type XXII Nr. 6, 1902 von Thunes mekaniske verksted gebaut, betriebsfähig.
Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor SJ Z4t Nr. 227, 1950 von Kalmar Verkstads AB gebaut, 1976 von Statens Järnvägar gekauft. SJ Z4t Nr. 307, 1952 von Kalmar Verkstads AB gebaut, 1981 von SJ gekauft. Skd 206 Nr. 39 und 44, 1938 als Sk 1 von Norsk Maskin Industri gebaut. Diese Normalspurloks werden für den Rangierbetrieb in Grovane, das teilweise mit einem Dreischienengleis ausgestattet ist, benötigt. Benzintriebwagen Co-m type 1/Cmbo Typ 1 (1067) Nr. 2672, gebaut 1932 von Strømmens Værksted für Vestfoldbanen der NSB, seit 3. Oktober 1949 in Grovane; selbsttragender Aluminiumkasten, 56 Sitzplätze in 3 Abteilen, 2 Benzinmotoren Typ BUDA GF6 (je 120 PS), nach 1945 Hercules HXB (125 PS), 4-stufige pneumatisch betätigte Getriebe, Achsfolge 1A'A1', abgestellt Dieseltriebwagen Cmdo Sulitelma, gebaut 1957 von Strømmens Værksted für Sulitjelmabanen, seit 4. November 1972 in Grovane, 1977 nach Generalüberholung in Betrieb genommen. 2 Leyland-Motoren Typ 680 (je 150 PS), Wandler, Viergang-Wilson-Getriebe mit Abtrieb auf eine Achse eines Drehgestell, nach anderer Quelle Achsfolge Bo'Bo'.
Infrastruktur
Die Stationen entlang der Linie waren unter anderem Mosby, Vennesla, Grovane, Iveland und Hægeland. Die Gebäude sind meist dem Drachenstil zuzuordnen, Architekt war Paul Due. Der Endbahnhof Byglandsfjord lag auf der Ostseite des Flusses Otra am südlichen Ende des Sees Byglandsfjord. Das Empfangsgebäude ist heute, zusammen mit Güter- und Lokschuppen, Toilettenhäuschen und der Umgebung samt den Resten der Bahneinrichtung, Kulturerbe (). Es wurden sogar einige Schienen wieder verlegt. Eine Drehscheibe war ebenfalls vorhanden.
mini|ohne|Bahnhofsgebäude von Byglandsfjord 2011
Auch Teile des Unterbaus (Einschnitte, Dämme, Brücken, Tunnel) sind noch vorhanden und als Kulturerbe geschützt, oder wurden für die Neuanlage von Straßen verwendet. Im Zuge der Umspurung des Abschnitts von Kristiansand bis Grovane wurde in Grovane ein Betriebswerk errichtet (bzw. das vorhandene ausgebaut).
Für den Museumsbetrieb wurde in Røyknes ein Wasserturm neu errichtet.
Literatur
Weblinks
Archiv DigitaltMuseum mit über 4.500 Fotographien und Zeichnungen vorrangig zur Setesdalsbane Setesdalsbanens Venners nettsider Setesdalbanen i openstreetmap.org
Einzelnachweise
Anmerkungen
Kategorie:Spurweite 1067 mm Kategorie:Spurweite 1435 mm Kategorie:Bahnstrecke in Agder