Als Verschwendung (oder Vergeudung; ) wird der übermäßige Verbrauch oder die unwirtschaftliche Verwendung von Ressourcen bezeichnet. Gegensatz sind Sparsamkeit und Geiz.

Etymologie Das Wort Verschwendung ist die Substantivierung des althochdeutschen Verbs firswenden, firswenten für .Gerhard Wahrig (Hrsg.): Deutsches Wörterbuch. 1968, ISBN 978-3-577-10079-3, Sp. 3840.Vgl. auch Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Herausgegeben von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 818 (verschwenden: von althochdeutsch verswenden „verschwinden machen“).

Allgemeines Ein Lexikon aus dem Jahre 1862 definierte Verschwendung als die „vernunftwidrige Anwendung, Verprassung des zeitlichen Gutes. Insbesondere verschwendet man sein Geld und Gut im unmäßigen Genuss von Speis und Trank, durch leichtfertige Teilnahme an sinnlichen Vergnügungen und Unterhaltungen, durch einen verhältnismäßig großen Aufwand in Kleidern oder durch einen übertriebenen Luxus in Rücksicht auf die Wohnungen und ihre Einrichtung“.Franz Edmund Krönes, Homiletisches Real-Lexicon, 1862, S. 323 f.

Verschwendet werden können Arbeit und Kraft oder Wirtschaftsobjekte wie Geld, Güter, Steuern, Vermögen oder die Zeit. In den Wirtschaftswissenschaften wird Verschwendung prominent thematisiert, da sie im Zusammenhang mit dem Wirtschaften steht.

Geschichte Im Evangelium nach Markus wird erzählt, nachdem eine Frau in Betanien über Jesus das kostbare Nardenöl ausgoss, „wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls?“ . Der zwischen 54 und 68 nach Christus regierende römische Kaiser Nero ließ sich Prunkbauten errichten, die eine Rotunde enthielten, welche Tag und Nacht rotierte wie das Weltall.Hans Baake, Gekrönte Häupter, 1895, S. 42 Einer der größten Verschwender jener Zeit war der 69 regierende Vitellius, der seine Kleidung so übermäßig mit Edelsteinen schmückte, dass das Gewicht kaum tragbar war. Sein goldenes Geschirr ließ er nach einer Mahlzeit verschenken.Franz Edmund Krönes, Homiletisches Real-Lexicon, 1862, S. 325

Auch spätere Adelige, Kaiser und Könige neigten zur Verschwendung. Friedrich I. wurde bereits zu Lebzeiten von seinen Zeitgenossen Verschwendung vorgeworfen.Werner Schmidt, Friedrich I. Kurfürst von Brandenburg. König in Preußen, 2004, S. 210; ISBN 978-3-424-01319-1 Trotz der sehr hohen Hofhaltungskosten, die 1712 bei einem Staatsbudget von 4 Millionen Taler immerhin 561.000 Taler (22 %) betrugen, war im 18. Jahrhundert die Repräsentation (wozu Feste, Schlösser, Kunstförderung, aber auch die Beschaffung von exotischen Tieren für den sogenannten „Hetzgarten“ gehörten) ein wichtiger Machtfaktor und Statussymbol, mit denen ein König ausdrückte, wie viel Macht er besaß. Eine prägende Forschungsmeinung für die Historie stellte die schriftlichen Äußerungen seines Enkels Friedrich II., eines Vertreters des aufgeklärten Absolutismus, über seinen Großvater dar. So beschrieb dieser in seinem 1750 erschienenen Historienwerk Geschichte meiner Zeit den Großvater als törichten Verschwender.Otto Ernst Kempen, Das Spektakel des Hauses Brandenburg, in: Preußenjahrbuch – Ein Almanach, 2001, S. 19; ISBN 978-3-930929-12-2

Ursache des finanziellen Zusammenbruchs des französischen Staatswesens war die ungeheure Staatsverschuldung, die von den Kriegen und der Prunksucht Ludwigs XIV. herrührte, und die sinnlose Verschwendung unter Ludwig XV. mit der schamlosen Bereicherung seiner Maitressen und Günstlinge bis zu 4 Milliarden Livres.Hermann Stöckel, Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit, 1889, S. 352 Sein Enkel Ludwig XVI. (1774–1792) war zu schwach, um den Missbrauch öffentlicher Gelder am Hofe abzustellen. Seine prachtliebende Gattin Marie Antoinette und seine Brüder (der spätere Ludwig XVIII. und der spätere Karl X) nahmen an der Verschwendung des Hofes teil.

Dem König von Bayern Ludwig II. (1864–1886) wurde Prunksucht nachgesagt. Dessen Kabinettssekretär und Kassierer der Kabinettskasse hielten es für ihre Pflicht, der Neigung zur Verschwendung entgegenzuwirken, was auch auf die Ausgaben des Königs für den befreundeten Richard Wagner zutraf.Clara Tschudi, König Ludwig II. von Bayern, 2022, S. 46

Werner Sombart setzte 1913 Luxus mit verschwenderischem Konsum gleich.Werner Sombart, Studien zur Entwicklungsgeschichte des modernen Kapitalismus, Band I: Luxus und Kapitalismus, 1913, S. 135 Aus dem Geist der Verschwendung ist Sombart zufolge der Kapitalismus entstanden. Georges Bataille betrachtete 1933 die Verausgabung () – die höchste Form der Verschwendung – als nutzlose Zerstörung und totalen Verlust von Ressourcen und Werten; nur der produktive Verbrauch außerhalb der Verschwendung wird als akzeptabel angesehen. Für ihn gehörten zur unproduktiven Verausgabung „Luxus, Trauerzeremonien, Kriege, Kulte, die Errichtung von Prachtbauten, Spiele, Theater, Künste, die perverse (d. h. von der Genitalität losgelöste) Sexualität“.Georges Bataille, La notion de dépense, 1933, S. 12

Betriebswirtschaftslehre mini|Jede Erdbeere einzeln verpackt: Fragwürdige Verschwendung von Ressourcen|alternativtext= mini|Gebrauchte Kaffeekapseln Das von Taiichi Ohno 1993 weiterentwickelte Toyota-Produktionssystem zielt darauf ab, die Produktion zu optimieren und Verschwendung jeder Art zu vermeiden.Gerhard Müller/Jens Reichel/Johannes Mandelartz, Betriebliche Instandhaltung, 2009, S. 29 ff. Danach ist Verschwendung () die Gesamtheit aller Tätigkeiten, die den Wert eines Produktes nicht erhöhen und für den Produktionsprozess nicht erforderlich sind.Taiichi Ohno, Das Toyota-Produktionssystem, 1993, S. 46; ISBN 978-3-593-38836-6

Für Ohno besteht die gegenwärtige Kapazität eines Unternehmens aus Arbeit und Verschwendung : . Wird die Verschwendung beseitigt, ist die Arbeitskapazität aus ökonomischer Sicht voll produktiv ausgelastet.

Taiichi Ohno zählte sieben Arten der Verschwendung auf:Taiichi Ohno, Das Toyota-Produktionssystem, 1993, S. 46

Verschwendungsart Beschreibung Auswirkung Fehlproduktion Produkte und Dienstleistungen entsprechen nicht den Kundenerwartungen Produktrisiko führt zur Produkthaftung Lagerhaltung überhöhter Lagerbestand Lagerrisiko mit erhöhten Lagerkosten Transportwesen überlange Transportwege Transportrisiko mit erhöhten Transportkosten überflüssige Bewegungen der Materialfluss ist suboptimal höhere Durchlaufzeiten Überkonsum übertriebenes Konsumverhalten der Verbraucher allgemein: Überflussgesellschaft, bei Nahrung und Getränken: Übergewicht Überproduktion das Absatzvolumen übersteigt die Güternachfrage Angebotsüberhang ungeeignete Produktionsprozesse die Kombination von Maschinen, Material und Personal ist suboptimal hohes Produktrisiko und damit hohes Absatzrisiko unnötige Wartezeiten Behinderung des Arbeitsablaufs und Störungen erhöhen die Durchlaufzeiten und Herstellungskosten, Engpässe, Warteschlangen

Ohno zufolge führt dies zu einer Überlastung von Personal (Arbeitsüberlastung) und Maschinen (), unausgeglichenen Produktionsprozessen und ungleichmäßiger Auslastung ().

Lean Management ist unter anderem gekennzeichnet durch wenige Hierarchie-Ebenen und das ausgeprägte Bestreben um Vermeidung jeglicher Verschwendung von Sachgütern und Zeit.Jürgen Bloech, Lean Management, in: Wolfgang Lück (Hrsg.), Lexikon der Betriebswirtschaft, 2004, S. 426 Was für den Kunden keinen Kundennutzen und damit auch keine Wertschöpfung erbringt, ist Verschwendung.Andre M. Schmutte/Peter F.-J. Niermann, Exzellente Managemententscheidungen, 2014, S. 410 Die Vermeidung von Verschwendung gilt für alle mit „Lean“ () beginnenden Managementprozesse wie Lean Development, Lean Production oder Lean Startup.

Die Vermeidung der Verschwendung ist neben der kontinuierlichen Verbesserung eines der wichtigsten Gestaltungsprinzipien der Ganzheitlicher Produktionssysteme.Verein Deutscher Ingenieure VDI (Hrsg.), Ganzheitliche Produktionssysteme – Grundlagen, Einführung und Bewertung, 2012, 2870-1

Energie Energieverschwendung ist der übermäßige Energieverbrauch durch Wirtschaftssubjekte oder die in der Energieerzeugung und dem Energietransport innewohnenden technisch-physikalischen Mängel. Die Fachliteratur erwähnt folgende Arten der Energieverschwendung:Reimund Neugebauer (Hrsg.), Handbuch Ressourcenorientierte Produktion, 2014, S. 46 Verluste durch die Energiebezugsart: Die Auswahl des falschen Energieträgers oder des falschen Tarifs. Umwandlungsverluste in der Industrie zwischen verschiedenen Energieträgern. Verteilungsverluste durch Energietransport und Energiespeicherung. Verluste durch die Betriebspraxis von Geräten: Überdimensionierung von Betriebsmitteln. Schlechte Fahrweise im Produktionsprozess bei Maschinen, technischen Anlagen oder Fahrzeugen. Der Stand-by-Betrieb verbraucht zwar relativ wenig Energie, ist aber ineffizient. Effizienzverluste: Von der bereitgestellten Endenergie kann lediglich ein Teil in Arbeit umgesetzt werden, während der Rest als Abwärme dissipiert. Mangelhafte oder fehlende Energierückgewinnung. Nicht erst hohe Energiekosten in einer Energiekrise dürfen der Anlass für Energieeinsparung sein, sondern vielmehr müssen alle Wirtschaftssubjekte bei ihrem Konsumverhalten stets auch Energieeffizienz zum Ziel haben.

Lebensmittel

Lebensmittelverschwendung (; dort wortgleich mit der Bezeichnung für „Lebensmittelabfall“) bezeichnet die Beobachtung, dass große Teile der zur menschlichen Ernährung hergestellten Lebens- und Genussmittel nie verbraucht werden, weil sie dem Verderb etwa aufgrund falscher Lagerung oder zu umfangreicher Einkäufe (Überkonsum) unterliegen oder noch nicht verdorbene Lebensmittel beispielsweise aufgrund der Fehlinterpretation von Mindesthaltbarkeitsdaten oder bereits vor dem Verkauf aufgrund eines Überangebots oder Unkonformität vernichtet werden.

Das Problem der Lebensmittelverschwendung tritt insbesondere in Privathaushalten (42 %) am meisten auf, ist aber auch auf allen Fertigungsstufen (39 %), in der Gastronomie (14 %) und in den Liefer- und Absatzketten (5 %) zu finden.Isabell Yasmin Schwill/Marie Joelyn Kratzberg, Zu gut für die Tonne, 2022, S. 3

Ökologie Verschwendung betrifft in der Ökologie natürliche Ressourcen, die der Übernutzung unterliegen. Zu den natürlichen Ressourcen gehören die weltweite Landfläche, Wasserfläche, der Luftraum und allgemein die Umwelt. Deren Übernutzung stellt eine volkswirtschaftliche Fehlallokation dar.Holger Rogall, Ökologische Ökonomie, 2008, S. 69

Untersucht man diese natürlichen Ressourcen, so fällt auf, dass es sich um Allmendegüter handelt; sie alle unterliegen der Tendenz zur Übernutzung.Dirk Piekenbrock, Gabler Kompakt-Lexikon Volkswirtschaftslehre, 2009, S. 466 Garrett Hardin erkannte 1968, dass den Wirtschaftssubjekten (Privatpersonen, Unternehmen, Staat nebst seinen Gebietskörperschaften) ein unbeschränkter und (meist) kostenloser Zugang zu diesen Ressourcen möglich ist und sie zur Übernutzung dieser Ressourcen neigen.Garrett Hardin, The Tragedy of the Commons, in: Science 162, 1968, S. 1243–1248 Die von ihm titulierte Tragik der Allmende besteht darin, dass die Erträge der intensivierten Nutzung privatisiert werden können, während die Kosten sozialisiert werden.Bernhard Nagel, Eigentum, Delikt und Vertrag, 2003, S. 36 f. Das bedeutet, dass beispielsweise ein Unternehmen durch seine Produktion Gewinne erwirtschaftet, aber die vom Unternehmen emittierten Schadstoffe die Gesundheit schädigen und als Gesundheitskosten der Allgemeinheit angelastet werden.

Die Internalisierung negativer externer Effekte gleicht ökologische Verschwendung aus oder schafft Anreize zur Verhinderung.Wolf-Rüdiger Bretzke, Nachhaltige Logistik, 2012, S. 37 Werden Unternehmen vom Staat durch Gesetz gezwungen, Grenzwerte durch Androhung einer Geldstrafe einzuhalten und diese Werte werden überschritten, so erhöhen sich für betroffene Unternehmen die Umweltkosten und sinken die Gewinne.