mini|hochkant|Karl Marx, um 1931 Karl Marx (* 12. November 1897 in München; † 8. Mai 1985 in Stuttgart) war ein deutscher Komponist und Musikpädagoge.

Leben Karl Marx war Sohn des Obersteuersekretärs Josef Marx und dessen Ehefrau Emilie, geb. Eheberg.Marx, Karl Julius. In: Kürschners Deutscher Musiker-Kalender. 1954. Walter de Gruyter, Berlin 1954, Sp. 797.

Nach frühem Violin- und Klavierunterricht studierte er 1916 zunächst Naturwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Begegnung mit Carl Orff, bei dem er nach dem Ersten Weltkrieg privat Tonsatzunterricht nahm, war entscheidend für seinen Entschluss, sich beruflich der Musik zuzuwenden. 1920–1922 studierte Marx an der Akademie der Tonkunst in München Komposition bei Anton Beer-Walbrunn und Dirigieren bei Eberhard Schwickerath und Siegmund von Hausegger.

Von 1924 bis 1935 war Marx Solorepetitor der Gesangsklasse von Felix von Kraus; von 1935 bis 1939 leitete er eine eigene Interpretationsklasse für Lied- und Oratoriensänger an der Akademie der Tonkunst in München und unterrichtete zwischen 1929 und 1939 dort auch Harmonie- und Formenlehre. 1928–1939 leitete er den Chor des Münchener Bachvereins, bis 1931 zusammen mit Edwin Fischer, bis 1933 mit Carl Orff.

In dieser Zeit entstanden erste Vertonungen von Texten Rainer Maria Rilkes; einen ersten großen Erfolg hatte Marx mit der Rilke-Motette Werkleute sind wir op. 6 beim Tonkünstlerfest 1928 in Schwerin und den VII. Weltmusiktagen der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (ISCM World Music Days) 1929 in Genf.Programme der ISCM World Music Days von 1922 bis heuteAnton Haefeli: Die Internationale Gesellschaft für Neue Musik – Ihre Geschichte von 1922 bis zur Gegenwart. Zürich 1982, S. 480ff.

In der Folge wurden seine Werke von führenden Interpreten aufgeführt, u. a. das Klavierkonzert op. 9 durch Edwin Fischer unter Eugen Jochum, das Bratschenkonzert op. 10 in Berlin unter Hermann Scherchen und die Passacaglia op. 19 von den Berliner Philharmonikern unter Wilhelm Furtwängler. 1932 wurde Marx mit dem Musikpreis der Stadt München ausgezeichnet.

Nach 1933 sah sich Marx Diffamierungen der nationalsozialistischen Presse ausgesetzt, sein Name verschwand nach und nach aus den Konzertprogrammen. Rückblickend schrieb er darüber 1963 an Fred K. Prieberg: „[…] meine Werke – vor allem die größeren – verschwanden nach der ‚Machtübernahme‘ fast völlig aus den Konzertprogrammen, woran vermutlich weniger der Stil der Werke als mein ‚aggressiver‘ Name schuld gewesen sein dürfte“.Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945. CD-ROM-Lexikon, Kiel 2009, 2. Auflage, S. 4786 Dagegen sprechen allerdings zahlreiche Aufführungen zwischen 1939 und 1944. Vor allem Felix Oberborbeck, der Leiter der von den Nationalsozialisten gegründeten Reichhochschule für Musikerziehung in Graz-Eggenberg, dirigierte in Graz und in der Steiermark immer wieder Werke von Karl Marx.Völkischer Beobachter vom 26. Juni 1940, S. 7; Völkischer Beobachter vom 23. März 1944, S. 4. Marx stellte Oberborbeck (NSDAP-Mitglied seit 1933) in dessen Entnazifizierungsverfahren 1948 einen sogenannten „Persilschein“ aus.Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, Bestand NW 1003-48, Signatur 2296. Marx wurde aber auch etwa in München 1941 im Rahmen der Süddeutschen Tonkünstlerwoche aufgeführt.Signale für die musikalische Welt Nr. 21/22, 1941, S. 201.

Die Behauptungen, die Michael H. Kater in seinem Buch Die mißbrauchte MuseMichael H. Kater: Die mißbrauchte Muse. Musiker im Dritten Reich. Piper, München 2000. aus dem Jahr 2000 über die angebliche NS-Vergangenheit von Karl Marx aufstellt, halten Prieberg zufolge keiner Überprüfung stand.Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945. CD-ROM-Lexikon, Kiel 2009, 2. Auflage, S. 4787 Zugleich konstatierte Prieberg bei Marx „ungenaue Erinnerung“. So habe der Komponist dem Autor gegenüber zahlreiche Werke, die in den Liederblättern der NS-Organisation Kraft durch Freude oder in den Liederblättern der Hitler-Jugend erschienen sind, verschwiegen.Prieberg, S. 4787

An der Akademie der Tonkunst hatte er, da er nicht der NSDAP angehörte, keine weitere berufliche Zukunft zu erwarten. Umso erstaunlicher ist, dass Karl Marx einen Ruf an die nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten in Österreich neugegründete Hochschule für Musikerziehung in Graz erhielt und diesen auch annahm (von 1940 bis 1945 unterrichtete er Tonsatz, Formenlehre und Komposition), zumal die Auswahl der Lehrenden und Studierenden an dieser Hochschule hauptsächlich nach parteipolitischen Gesichtspunkten erfolgte.Helmut Brenner: Musik als Waffe? Theorie und Praxis der politischen Musikverwendung, dargestellt am Beispiel der Steiermark 1938-1945, Graz 1992, S. 175.

Der kompositorische Schwerpunkt verlagerte sich zunehmend auf Chor- und Laienmusik, es entstand u. a. die Rilke-Kantate zu Worten aus dem Stunden-Buch op. 43, 1942. Zu den bekanntesten Liedern von Marx gehört Jeden Morgen geht die Sonne auf nach Worten von Hermann Claudius.

1946–1966 lehrte Marx Tonsatz und Komposition an der Staatlichen Hochschule für Musik in Stuttgart, ab 1955 als Leiter der Abteilung Schulmusik. 1953 wurde die Kantate Und endet doch alles mit Frieden nach Worten aus dem Hyperion von Friedrich Hölderlin für Soli, Chor und Orchester op. 52 uraufgeführt. Marx wurde 1954 in den Deutschen Musikrat (1977 Ehrenrat) berufen. 1963 war er für 3 Monate Ehrengast der Deutschen Akademie „Villa Massimo“ in Rom. 1966 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen.

Karl Marx nennt einmal zwei Wesenszüge, die seine Musik kennzeichnen: Sparsamkeit in der Anwendung der Mittel und konstruktives Denken, und fährt fort: „Daneben steht das Bekenntnis zur Melodie, das vom Umgang mit dem Volkslied ebenso beeinflusst ist wie von der Begegnung mit der vorklassischen Polyphonie“.

Werke (Auswahl) Werke für Orchester Passacaglia op.19 (1932) Festliches Vorspiel op. 34/1 (1936/39) 15 Variationen über ein deutsches Volkslied „Was wolln wir auf den Abend tun“ op. 34/2 (1938) Musik für Streichorchester nach alpenländischen Volksliedern (1940) Partita für Streichorchester über „Es ist ein Ros entsprungen“ (1953) Festliches Vorspiel (1956) Konzert für Streichorchester (1964), (Neufassung der Passacaglia op. 19) Fantasia sinfonica op. 67 (1967), (Neufassung 1969) Fantasia semiseria op. 75 (1977) Reflexionen für Streichorchester über die Motette „Herr, du erforschest mich“ nach Psalm 139 op. 77a (1980)

Konzerte Konzert für zwei Violinen und Orchester a-Moll op. 5 (1926) Konzert für Klavier und Orchester e-Moll op. 9 (1929), (Neufassung 1980) Konzert für Bratsche und Orchester c-Moll op. 10 (1929) Konzert für Violine und Orchester C-Dur op. 24 (1935) Konzert für Flöte und Streichorchester Es-Dur op. 32 (1937) Fantasia concertante für Violine, Violoncello und Orchester op. 68 (1972)

Musik für Bläser Divertimento für 16 Blasinstrumente op. 21 (1934) Turmmusik für drei Trompeten und drei Posaunen; Pauken ad lib. Op. 37/1 (1938) Bläsermusik in vier Sätzen für drei Trompeten und drei Posaunen (1975)

Kammermusik Duos Sonatine in G für Violine und Klavier op. 48/2 (1948) Sonatine in C für Flöte und Klavier op. 48/3 (1949) Sonatine in D für Sopranblockflöte und Klavier op. 48/4 (1949) Sonatine in G für Altblockflöte und Klavier (oder Cembalo mit Gambe ad lib.) op. 48/6 (1951) Musik in drei Sätzen für Geige und Klavier op. 53/1 (1953) Sonate für Violoncello und Klavier op. 62/1 (1965) Sechs Miniaturen für Oboe d’amore und Cembalo op. 62/2 (1974) Elegie für Viola da Gamba und Cembalo op. 62/4 (1976) Neufassung für Bassklarinette und Klavier op. 62/4a (1981) Duo Domestico für Violine und Viola op. 81/2 (1982)

Trios Trio für Flöte, Violoncello und Klavier op. 61 (1962) Variationen über einen Klang, Scherzo und Kanzone für Klavier, Violine und Violoncello op. 73 (1978) Trio für Klavier, Violine und Violoncello über Gesänge aus der Südsee op. 78 (1980), (Neufassung von op. 69)

Quartette Streichquartett in g-Moll op. 7 (1927) Musik in zwei Sätzen für Blockflötenquartett oder andere Instrumente, op. 53/2 (1954) Zwölf Variationen über „Nun laube, Lindlein, laube“ für Blockflöten-Quartett oder andere Instrumente op. 53/3 (1954) Sechs Variationen über „Es taget vor dem Walde“ für vier Gitarren (1957) Musik für Blockflöten-Quartett nach plattdeutschen Volksliedern (1963) Partita über „Ein feste Burg“ für Streichquartett oder Streichorchester (1967) Quartettino für Sopranblockflöte (oder Querflöte), Oboe, Viola da Gamba (oder Violoncello) und Cembalo op. 62/3 (1975) Capriccio für Streichquartett op. 86/1 Tango nostalgico für Streichquartett op. 86/2

Quintett bis Septett Achtzehn Variationen über ein altes englisches Volkslied für zwei Blockflöten in f, Oboe, Geige, Bratsche und Violoncello op. 30 (1937) Divertimento in F-Dur für Flöte, Geige, Bratsche, Violoncello und Klavier op. 21a (1943) Kammermusik für sieben Instrumente (Flöte, Oboe, Gambe, Cembalo, Geige, Bratsche, Violoncello) op. 56 (1955) Quintett für Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott über Gesänge aus der Südsee op. 69 (1973)

Solo-Instrumente Drei Etüden für Altblockflöte (1958) Fantasie für Violine allein (1966) Partita über „Was Gott tut“ für Flöte solo (1979)

Klaviermusik Klaviermusik nach Volksliedern op. 40 (1940) Sonatine in A für Klavier op. 48/1 (1948) Sonatine in E für Klavier zu vier Händen op. 48/5 (1951) Klaviermusik nach Volksliedern, Zweite Folge op. 59 (1960)

Orgelmusik Variationen für die Orgel op. 20 (1933) Toccata für die Orgel op. 31 (1937)

Spielmusik für Laien Ein kleines Flötenbuch zum Singen und Spielen für zwei Blockflöten, Violine, Singstimme ad lib. op. 27a (1937) Kleine musikalische Reise in Liedern und Tänzen für Flöten und Geigen oder andere Instrumente, Singstimmen ad lib. op. 27b (1938) Kleine Weihnachtsmusik für drei Blockflöten oder andere Instrumente op. 27c (1938) Kleine Suite nach Tänzen aus Leopold Mozarts Notenbuch für Wolfgang für Blockflötenquartett, Streichquartett oder andere Instrumente (1938) Spielmusik für Streichquartett oder -orchester mit Blasinstrumenten ad lib. (1941) Klavierbüchlein für Peter (1948) Flötenbüchlein für Klaus, 16 kurze Stücke für Sopranblockflöte und Klavier (1950) Zweite Suite nach Klavierstücken aus Leopold Mozarts Notenbuch für Wolfgang für Blockflötenquartett, Streichquartett oder andere Instrumente (1961) Balletische Partita nach Klavierstücken aus dem „Musikalischen Blumenbüchlein“ des Joh. Casp. Ferd.Fischer für Blockflötenquartett, Streichquartett oder andere Instrumente (1971)

Vokalmusik Gemischter Chor Mit Orchester Rilke-Kantate zu Worten aus dem „Stundenbuch“ für Sopran, Bariton, gemischten Chor und Orchester op. 43 (1942) Und endet doch alles mit Frieden, Kantate nach Worten aus dem „Hyperion“ von Friedrich Hölderlin für Soli, Chor und Orchester op. 52 (1952) Raube das Licht aus dem Rachen der Schlange, Kantate nach Worten von Hans Carossa für Bariton, Chor und Orchester op. 57 (1957) Schweige unseres Alltags Plage, Kantate auf Worte von Albrecht Goes für Chor, Einzelstimmen und Orchester (1960)

Mit Streich- oder Kammerorchester oder Einzelinstrumenten Die heiligen drei Könige (Rainer Maria Rilke) für Sopran, gemischten Chor und Instrumente op. 28 (1936) Maienkantate über ein altes Tanzlied aus dem Rheinlande für gemischten Chor und Instrumente (1937) Kantate zum Erntefest nach Worten von Heinz Grunow für Vorsänger, Chor und Instrumente op. 38 (1918) Von Opfer, Werk und Ernte, Kantate nach Gedichten von Hermann Claudius für Chor, Einzelsänger und Instrumente op. 36 (1938) Auftrag und Besinnung, Kantate zur Schulentlassung nach verschiedenen Dichtern für gemischten Chor und kleines Orchester (1961) Von den Jahreszeiten der Liebe nach Versen von Mascha Kaléko für Chor und sieben Instrumente op. 60 (1961)