Wilhelm Franz (* 23. Januar 1864 in Weilmünster; † 26. November 1948 in Dahlwitz-Hoppegarten bei Berlin) war ein deutscher Architekt, kommunaler Baubeamter und Hochschullehrer.

Leben Wilhelm Franz besuchte das Gymnasium in Wiesbaden. Er begann sein Architekturstudium an der Technischen Hochschule Hannover und studierte dann vom Wintersemester 1886/1887 bis zum Wintersemester 1890/1891 an der Technischen Hochschule (Berlin-)Charlottenburg, wo er das Studium mit dem Ersten Staatsexamen abschloss.Es gibt in den Studierendenmatrikeln zwei Daten für die Abschlusszeugnisse: 24. März 1887 (wohl für die „Bauführer-Prüfung“ = 1. Staatsexamen) und 26. Februar 1891 (wohl für die „Baumeister-Prüfung“ = 2. Staatsexamen), Quelle: Studierendenmatrikel Bd. III, S. 252 und S. 269; Weitere Quellen neben den Vorlesungsverzeichnissen und den Studierendenmatrikeln, wie z. B. die Studentenakte, sind infolge der Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg nicht erhalten geblieben.

Wilhelm Franz absolvierte ab dem Jahr 1893 ein Referendariat bei der Stadtverwaltung in Wiesbaden. Er war dort so erfolgreich, dass er ab April 1894 als Abteilungsleiter im Stadtbauamt eingesetzt wurde.Fr. Hellwig: Das Saarbrücker Rathaus in St. Johann an der Saar. S. 167, Anmerkung Nr. 10. In Wiesbaden lernte Franz beim Bau des Neuen Rathauses den Architekten des Gebäudes, Georg von Hauberrisser, kennen und schätzen.B. Huber: Das Neue Rathaus in München, Georg von Hauberisser (1841–1922) und sein Hauptwerk. S. 226, Anmerkung Nr. 131.

Franz wechselte zum 16. Mai 1895 als Stadtbaumeister nach St. Johann (Saar) (heute Saarbrücken) und wurde dort schon im August 1895 zum besoldeten Beigeordneten gewählt. 1896 vermittelte er Hauberisser als Architekt des Rathauses St. Johann. Am 30. Juli 1896 beschloss die St. Johanner Stadtverordnetenversammlung, das Vorprojekt Hauberrissers anzunehmen, und kurze Zeit darauf wurde am 3. September 1896 durch den Stadtbaumeister Franz der Vertrag mit Hauberrisser abgeschlossen.Charlotte Kranz-Michaelis: Das Rathaus Georg Hauberissers in St. Johann an der Saar. S. 447, Anmerkung Nr. 15.

Wilhelm Franz schrieb in einem Brief an den St. Johanner Bürgermeister Neff am 26. September 1906:

1901 übersiedelte Wilhelm Franz von St. Johann nach Charlottenburg, wo er zum 1. Oktober 1901 als ordentlicher Professor die neu geschaffene Professur für Baukonstruktionen und Industriebauten in der Abteilung III für Maschinen-Ingenieurwesen (ab 1922 Fakultät III für Maschinenwirtschaft, ab 1928 Fakultät III für Maschinenwesen, Lehrgebiet: Hoch- und Tiefbau) der Technischen Hochschule (Berlin-)Charlottenburg antrat. Er war in den Studienjahren 1902/1903, 1908/1909 und 1909/1910 Abteilungsvorsteher (Dekan) der Abteilung III.Universitätsarchiv der Technischen Universität Berlin, Codex Professorum, Wilhelm FranzVDI-Zeitschrift, 91. Jahrgang, Nr. 6 (vom 15. März 1949) (Nachruf auf Wilhelm Franz) Am 25. Februar 1929 wurde er emeritiert.

Wilhelm Franz starb am 26. November 1948 in Dahlwitz-Hoppegarten bei Berlin.Friedrich Hellwig: Das Kaiserliche Post- und Telegrafenamt zu St. Johann an der Saar und seine Baugeschichte. In: Saarheimat, 34. Jahrgang 1990, S. 42–49, Anmerkung 33.

Auszeichnungen Die Technische Hochschule Breslau verlieh Franz die Ehrendoktorwürde (als Dr.-Ing. E. h.).Friedrich Hellwig: Das Kaiserliche Post- und Telegrafenamt zu St. Johann an der Saar und seine Baugeschichte. In: Saarheimat, 34. Jahrgang 1990, S. 42–49, Anmerkung 33. Am 12. Juli 1929 wurde Wilhelm Franz die Ehrenbürgerwürde der Technischen Hochschule Berlin verliehen. Die philosophische Fakultät der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin verlieh ihm ebenfalls die Ehrendoktorwürde.Universitätsarchiv der Technischen Universität Berlin, Codex Professorum, Wilhelm FranzVDI-Zeitschrift, 91. Jahrgang 1949, Nr. 6 (vom 15. März 1949). (Nachruf auf Wilhelm Franz)

Bauten 1896: Erweiterungsbau der Bismarckschule in (Saarbrücken-)St. Johann, Karlstraße 3 (unter Denkmalschutz) 1896–1897: Alte Feuerwache in (Saarbrücken-)St. Johann mit Turnhalle des Turnerbundes St. Johann, heute Spielstätte des Saarländischen Staatstheaters (unter Denkmalschutz)Albert Ruppersberg: Geschichte der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken, Geschichte der Städte Saarbrücken und St. Johann 1815-1909, der Stadt Malstatt-Burbach und der vereinigten Stadt Saarbrücken bis zum Jahre 1914. Band III, Teilband 2, 2. Auflage, Saarbrücken 1914, S. 486. 1898–1899: Dienstgebäude für das Kaiserliche Post- und Telegrafenamt (Saarbrücken-)St. Johann, Dudweilerstraße 15/17 / Stephanstraße (neobarock, nach Veränderungen in der Dachzone postmodern rekonstruiert; unter Denkmalschutz) 1904: Königlich Preußische Oberrealschule in (Saarbrücken-)St. Johann, Landwehrplatz 3 (heute Otto-Hahn-Gymnasium; unter Denkmalschutz)Albert Ruppersberg: Geschichte der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken, Geschichte der Städte Saarbrücken und St. Johann 1815-1909, der Stadt Malstatt-Burbach und der vereinigten Stadt Saarbrücken bis zum Jahre 1914. Band III, Teilband 2, 2. Auflage, Saarbrücken 1914, S. 132–133. 1906–1908: Rathaus in Dillingen

Literatur Friedrich Hellwig: Das Kaiserliche Post- und Telegrafenamt zu St. Johann an der Saar und seine Baugeschichte. In: Saarheimat, 34. Jahrgang 1990, S. 42–49.

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