Die ehemals königliche St.-Johannis-Mühle (auch Johannismühle – im Dänischen Sankt Hans Mølle – genannt) ist eine um 1800 erbaute Windmühle in Flensburg. Sie befindet sich auf einer Anhöhe im Flensburger Stadtteil Sandberg im Winkel der Straßen Adelbylund und An der Johannismühle. Der zweistöckige, hölzerne Galerieholländer ist, neben der Bergmühle in der Flensburger Nordstadt, eine der letzten beiden Mühlen in der einst von 24 Wasser- und 30 Windmühlen geprägten Stadt.

Ihr Name stammt vom Stadtviertel St. Johannis, dessen Johannis Lücken direkt an das Grundstück grenzten. In verschiedenen Beschreibungen ist die Mühle auch Sünderup oder Adelbylund zugeordnet, während sie auf alten Fotografien und Ansichtskarten auch als Adelbyer Mühle oder Mühle Adelby benannt wurde.

Das Mühlengewese Die Mühlenanlage besteht aus einem Mühlenturm, dem Müllerwohnhaus und zwei Wirtschaftsgebäuden, die gemeinsam einen Dreiflügelhof um einen kopfsteingepflasterten Mühlenhof bilden. Das einst etwa 3.000 m² große Grundstück mit Garten lag zur Errichtungszeit bei den Grenzsteinen 5 und 6 unmittelbar vor der Flensburger Stadtgrenze im Kirchspiel Adelby.

Das Grundstück wurde ursprünglich vom Weg nach Husby erschlossen. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte die Adressbezeichnung mehrfach: zunächst Süderhohlweg Nr. 888 (1849), später Nr. 986 (1868), dann Nr. 46 und ab 1881 Kappelner Straße 36. Im Jahr 2001 erhielt die Hofzufahrt die Bezeichnung Zur Johannismühle – mit Hausnummern von der Mühle (Nr. 1) bis zum Müllerhaus (Nr. 6). Die westliche Grenze bildet die 1973 eingeweihte Straße An der Johannismühle.

Die Mühle Die Mühle (Nr. 1) ist ein achtseitiger, zweistöckiger Galerieholländer ohne gemauertes Fundament. Ihre 17 Meter langen Pfähle bestanden ursprünglich aus skandinavischem Eichenholz und ruhen auf acht Granitsteinen. Der Turm hat einen Durchmesser von 35 Fuß (ca. 11,0 m), der sich bis zum obersten festen Geschoss auf 13 ½ Fuß (ca. 4,2 m) verjüngt; die Höhe bis unter das oberste Tafelwerk beträgt 50 ½ Fuß (ca. 15,8 m). Der untere Turmteil war holzverschalt und oberhalb der Galerie mit Eichenschindeln eingedeckt. Im Inneren gab es drei Mahlwerke („Gänge“), Gerätschaften für die Mehlherstellung, Lager- und Transporträume für Getreide sowie das Flügelrad, das das Mahlwerk per Windkraft antrieb.

Ihr Flügelrad mit vier Segelflügeln aus Föhrenholz (Ruthenlänge je 80 Fuß, ca. 25,1 m) saß ursprünglich auf einer hölzernen Welle (Vierkant 30 Zoll, ca. 78 cm), die später durch eine Stahwelle ersetzt wurde. Das Stirnrad hatte einen Durchmesser von 11 Fuß (ca. 3,5 m). Die Drehkraft übertrug ein hölzernes Kammrad (9 ¾ Fuß, ca. 3,1 m) auf eine aufrechte Welle aus Föhrenholz (17×15 Zoll, ca. 44 × 39 cm) mit einem Stirnrad (11 Fuß, ca. 3,5 m). Das Flügelrad war in etwa 17 Metern Höhe an einer auf Schmierklötzen gelagerten, drehbaren „Kappe“ (ca. 12 Tonnen) montiert und so konstruiert, dass der Flügelkopf mit einem Steert in den Wind gedreht werden konnte. Auf der Rückseite der Kappe befanden sich drei mit Glasscheiben verschlossene Luken. Das Stirnbrett war mit dem in Frakturschrift geschriebene Name St. Johannis-Mühle verziert.

Das Kroygetriebe im Durchmesser von 4 ½ Fuß (ca. 1,4 m) bestand aus einem aufstehenden Spill, einer Schneckenschraube, einem eisernen Dreher und einer Bindekette. Die umlaufende Galerie ruhte auf mindestens 25 hölzernen Stützbalken, die in etwa 1,6 Meter über dem Terrassenplateau in die Außenhaut des Turms eingelassen waren.

Technische Verbesserungen Im Zuge einer Erweiterung der Mühle wurden die Mahlgänge auf fünf ausgebaut: zwei Roggengänge, zwei Schälgänge und einen französischen Stein, ergänzt durch eine Beutelkiste, in der das gemahlene Getreide gesiebt und abgefüllt werden konnte.

In einer weiteren Modernisierung erhielt die Mühle eine automatische Kappennachführung. Eine sogenannte Windrose, ein querstehendes Windrad am hinteren Ende der Kappe, sorgte dafür, dass das Flügelrad stets in die richtige Windrichtung ausgerichtet wurde. Durch diese Mechanisierung entfiel die händische Nachführung der Kappe seitens des Müllers, der sie zuvor mit Hilfe von Joch und Steert von der Galerie aus ausrichten musste. Eine letzte technische Verbesserung auf der Johannismühle war der Austausch der Segelflügel gegen Jalousieflügel, was die Arbeit zusätzlich erleichterte.

Die letzte technische Ausstattung bestand aus einem Schrotgang, einem Futterschrotgang aus Kunststein sowie einem Mehl- und Feinschrotgang, dessen französischer Stein aus einzelnen Stücken zusammengesetzt war. Ergänzend dazu kamen ein Motorgang für Schrot, eine Schälmaschine für Graupen und eine bis zum Jahr 1900 genutzte Haferquetsche.

Verfall Nach wiederholten Flügelbrüchen folgte die Stillegung des Windmühlenantriebs und ihr Verfall setzte ein. Um das Außenbild der Mühle zu erhalten, wurden die Flügel durch Attrappen ersetzt. Mit der Außerbetriebnahme des Windantriebs ging jedoch ein großer Teil der technischen Ausstattung verloren, wobei ein Teil der Technik später in der Bergmühle Verwendung fand.

In der Folgezeit verzögerten Restaurierungsarbeiten im Inneren, an den Flügeln sowie die Reparatur der Windrose zeitweise den weiteren Niedergang. Um 1969 war die Kappe mit großformatigen Blechen eingedeckt und trug auf dem Kappendach einen mehrere Meter langen und zu drei Seiten abgespannten Blitzableiterstab.

Trotz dieser Maßnahmen ließ sich die Zerstörung nicht aufhalten. Die fehlende Standsicherheit erzwang schließlich den Abriss der Galerie, und die fortschreitende Bauschädigung machte die Demontage der Kappe erforderlich, wobei auch die im Mühlengarten abgelegten Flügelattrappen verloren gingen. Ein erneuter Restaurierungsversuch scheiterte, sodass die dabei zwischenzeitlich neu installierte (gebrauchte) Mühlentechnik nach kurzer Zeit erneut demontiert wurde.

Neuaufbau und Ausstattung alternativtext=St.-Johannis-Mühle Turmschaden (2013)|mini|Der beschädigte Turm mit fehlender Galerie vor der Restaurierung (2013) Ab 2021 begann die Planung zur umfassenden Sanierung der bis dahin stark verwitterten Mühle. Das Bauwerk wurde von Grund auf erneuert, sodass im Inneren vier Wohneinheiten für Feriengäste entstanden.Frederike Lindberg: Johannismühle: So sehen die neuen Ferienwohnungen aus. In: Flensborg Avis, 23. März 2024, S. 4

Die vollmöblierten Ferienapartments sind unter anderem mit Fußbodenheizung, Einbauküchen und Duschbädern ausgestattet. Zwei der Apartments verfügen über 40 m² Wohnfläche und eine 25 m² große Außenterrasse, während die beiden anderen jeweils 80 m² Wohnfläche auf zwei Etagen sowie eine 80 m² große Terrasse auf der Galerie bieten. Bei der Sanierung wurde besonderer Wert auf Brandschutz, Statik und Denkmalschutz gelegt, während gleichzeitig alle noch erhaltenen Merkmale der verschiedenen Mühlentechnologien bewahrt wurden – insbesondere die Kappe, der Mühlenturm und die einzigartige Tragstruktur. Dennoch wurden im Inneren rund 80 Prozent der Balken erneuert.

Äußere Instandsetzung Der untere Bereich der Mühle besitzt nun einen umlaufenden gemauerten Sockel aus gelben Klinkersteinen, während der darüberliegende Teil mit Lärchenholz beplankt ist. Die neue Galerie wird von acht im Terrassenplateau verankerten Stützen getragen. Die ehemals mit Eichenholzschindeln gedeckte Turmbekleidung wurde durch halbrunde, graue Bitumenschindeln (Biberschindeln) ersetzt. Die restaurierte Kappe (ca. 15 Tonnen) verfügt nun an der Vorder- und Rückseite jeweils über zwei Sprossenfenster. Das Dach ist schuppenartig mit kleinen, auf der Ecke stehenden viereckigen Zinkblechen gedeckt. An der Front prangt erneut ein Schild mit der Aufschrift St. Johannis Mühle, darunter die Jahreszahlen *1808 und **2025.

Um eine Beeinträchtigung der Nachbarschaft durch den Schlagschattenwurf der Flügel auszuschließen, wurde die Kappe durch ein Bartbrett festgesetzt, sodass eine Rotation der Mühlenkappe nur eingeschränkt möglich ist.

Das Müllerwohnhaus An der Westseite der Mühle befindet sich das eingeschossige Müllerwohnhaus (Nr. 6), ein geschlämmtes Backsteingebäude mit einem leicht geschweiften Satteldach und großen Sprossenfenstern. Die Hauptansicht liegt nach Norden zur Straße hin und wird durch ein markantes stichbogiges Portal geprägt, in dem sich eine zweiflügelige Haustür in klassizistischen Formen mit geriefeltem Rahmen und kunstvoll gearbeiteten Füllungen befindet. Ein fein versprosstes Oberlicht vervollständigt die Eingangsgestaltung.

Im Inneren ist neben den klassizistischen Füllungstüren und den hölzernen Decken die ursprüngliche Raumstruktur erhalten geblieben.

Nach einer bauhistorischen Aufnahme vom 1835 bestand das Haus aus einer Brandmauer von 1 ½ Stein Stärke. Es war 44 ½ Fuß (ca. 14,0 m) lang, 30 Fuß (ca. 9,4 m) breit und 9 Fuß (ca. 2,8 m) hoch. Beide Giebel waren gerade ausgebildet, der Sockel aus einer Reihe gespaltener Feldsteine gemauert.

Der Grundriss zeigte auf der Ostseite (links) eine Schlafstube und eine Stube, in der Mitte die Vordiele mit steinernem Boden sowie Treppe, Küche und darin abgetrennten Waschraum. Von der Küche führte eine Tür in die südwestlich gelegene Mädchenkammer. Auf der Nordseite (rechts) befanden sich ein Saal und eine weitere Schlafstube.

Die links gelegene Stube war mit einem zweistöckigen, die Mädchenkammer mit einem einstöckigen eisernen Windofen und kupfernem Rauchrohr ausgestattet.

Die Fensteranlagen bestanden aus zwei sechsscheibigen und zwei vierscheibigen Sprossenrahmen mit Fensterläden (zwei nach Osten, fünf nach Norden, einer nach Westen) sowie zwei achtteiligen Fenstern mit Laden nach Süden.

Im Dachgeschoss lagen eine westliche Dachstube und eine östliche Dachstube mit zwei Bettstellen. Über den Kehlbalken befand sich ein Dachboden, im Ostgiebel ein ovales Fenster mit vier Scheiben. Eine mit Brettern verkleidete Rauchkammer mit steinernem Fußboden war dort abgeteilt. Im Dach selbst waren drei Glasscheiben eingelassen, während der Westgiebel zusätzlich mit Brettern verkleidet war.

Die Wirtschaftsgebäude mini|320px|alt=St.-Johannis-Mühle Westansicht (2025)|Westansicht der Mühle (2025) Die L-förmig angeordneten Wirtschaftsgebäude (Nr. 2–5) grenzen an das Müllerwohnhaus und umschließen den kleinen, kopfsteinpflasterten Mühlenhof. Der gegenüberliegende Gebäudeflügel besteht teilweise aus Fachwerk und umfasst den ursprünglichen Speicher, der nach Osten durch einen Halbwalmgiebel abgeschlossen wird. Dieser verfügt über ein großes Tor zum Hof, über dem sich ein hölzerner Windenerker mit Ladeluke befindet.

Im westlichen Abschnitt führen weitere Großtore sowohl zum Hof als auch zur Straße und ermöglichen eine Durchfahrt. Daneben liegt der Wohnteil, der durch einen Flügel direkt mit dem Müllerhaus verbunden ist. Die Gebäude sind insgesamt in fünf Wohneinheiten zur Wohnnutzung aufgeteilt.

Nach Inventarerfassung vom 22. Juli 1835 gehörten folgende Strukturen zum Ensemble:

Westliches Halbdach (am Wohnhaus) Ein mit Pfannen gedecktes Halbdach (Nr. 5) westlich am Wohnhaus, 26 Fuß (ca. 8,2 m) lang, 14 Fuß (ca. 4,4 m) breit und 6 ½ Fuß (ca. 2,0 m) hoch bis unter den Laden der Brandmauer. Die Brandmauer war 1 Stein dick, die übrigen Flächen mit Brettern bekleidet und nach Osten zum Hof hin ca. 14 Fuß (ca. 4,4 m) als Tafelwerk ausgeführt.

Darunter lag ein Keller von ca. 12 Fuß (ca. 3,8 m) Länge, 17 Fuß (ca. 5,3 m) Breite und 6 Fuß (ca. 1,9 m) Höhe unter dem Balken, mit Diele aus Mauersteinen. Der Keller besaß zwei kleine Fensteröffnungen mit eisernen Stangen davor. Eine Abteilung war mit Brettern und Tür abgetrennt. Über dem Keller lag auf 14 ¼ Fuß (ca. 4,5 m) eine Bretterdiele; der Rest des Halbdachs war gebrückt. Ein vierteiliger Sprossenfenster spendete Licht im Hühnerhausbereich.

Stall (einsch. Halbdach mit Halbboden) Ein eingeschossiger Stall (Nr. 4) als Halbdach mit Halbboden und Pfannendeckung, 44 ½ Fuß (ca. 14,0 m) lang, 14 ½ Fuß (ca. 4,6 m) breit und 7 Fuß (ca. 2,2 m) hoch unter dem Balken. Die Brandmauer war 1 ½ Stein dick.

Innerhalb befanden sich: