H. Benne Henton, eigentlich Benjamin HopkinsHopkins ist ursprünglich ein Familienname. Seine Großeltern hießen Benjamin Henton und Sarah Hopkins. Der Namensbestandteil Hopkins wurde an mehrere Männer der Familie weitergegeben. Henton (* 23. Oktober 1877Daten des United States Census 1880 aus dem Ridge Township (Shelby County, Illinois) auf files.usgwarchives.net. Abgerufen am 28. April 2014.Oftmals wird als Geburtsdatum auch 1867 genannt. Etwa in: Michael E. Hester: A study of the saxophone soloists performing with the John Philip Sousa Band 1893–1930. (PDF; 4,9 MB) University of Arizona Press, Tucson 1995, S. 47. Stephen Cottrell: The Saxophone. Yale University Press, New Haven 2013, ISBN 978-0-300-10041-9, S. 161. Als verlässlichste Quelle gelten jedoch die Daten des United States Census, der 1877 als Geburtsjahr ausweist. in Shelbyville, Illinois; † 9. Juli 1938 in Philadelphia) war ein dem Ragtime sowie dem frühen Jazz zuzuordnender US-amerikanischer Altsaxophonist und der erste in den Vereinigten Staaten geborene Vertreter seines Faches, der internationale Reputation erlangte. Insbesondere in den 1910er Jahren trug er mit zahlreichen Tonaufnahmen und seinem furiosen Spiel in verschiedenen Bands maßgeblich zur Steigerung der Popularität des Saxophons in der Bevölkerung bei. Er gilt nach wie vor als der erste „Superstar“ dieses InstrumentsAls „erste Superstars des Saxophons“ gelten gleichermaßen allerdings auch Edward A. Lefebre (1834–1911) und Rudy Wiedoeft (1893–1940). und der erste Musiker, der ein Saxophon-Solo aufgenommen hat. In späteren Jahren tat er sich als Musiklehrer, Unternehmer, Musikalienhändler, Dirigent und Autor hervor.
Familie und Privatleben mini|Hentons Grabstelle: Die Boardman Crypt auf dem North Cedar Hill Cemetery in Philadelphia Der Künstler wurde als Sohn des Waggonbauers Isaiah Henton (1836–1924) und Susan A. Freshwater (1839–1904) unter dem bürgerlichen Namen Benjamin geboren. Seine Eltern hatten 1858 geheiratet. Benne hatte fünf ältere Geschwister: Dora A. (* 1859; ⚭ William Oaks) Alice M. (* 1861–1940; ⚭ Elias Miller) Minnie A. (* 1862–1945; ⚭ Electious Downs) Rachel A. (* 1863) John Rodney (1866–1951; ⚭ Gertrude Richardson) Er lebte in seiner Kindheit mit der Familie im Ridge Township (Shelby County, Illinois). Später wohnte er um 1907 in La Porte (Texas) und verbrachte dort nach eigener Aussage zweieinhalb der glücklichsten Jahre seines Lebens.Houston Texas Chronicle, 29. Dezember 1919. Im März besagten Jahres wurde Henton für zwölf Monate als Sekretär in den Vorstand der Friedhofs-Gesellschaft gewählt, die den neuen Cedarhurst Cemetery konzipierte, gestaltete und verwaltete.La Porte Chronicle, 14. März 1907, S. 1. Um 1910 lebte er in seiner Geburtsstadt Shelbyville bei seiner Schwester Alice und ihrem Mann Elias, um 1917/1918 in Atlantic City auf genforum.genealogy.com und ab etwa 1920 in Philadelphia. 1915 hatte er Mabel Jane Vickers (* 1894) geheiratet.
Henton, der in der Öffentlichkeit nie sein Alter genannt hatte,The Evening News, 11. Juli 1938, S. 18. starb am 9. Juli 1938 sechzigjährig und wurde vier Tage später auf dem North Cedar Hill Cemetery (Sec. K, Lot 35, 36, 49, 50, Boardman Crypt) in Philadelphia beigesetzt.Die unterirdische Boardman-Gruft wurde im Jahre 1907 von John Boardman erworben. Henton wurde dort aufgrund verwandtschaftlicher Beziehungen bestattet: Seine Schwiegermutter Mary J. Boardman war die Tochter von John Boardman.
Musikalische und berufliche Laufbahn
Die Anfänge Wie viele Saxophonisten fand auch Henton seinen Weg in die Musik über die Klarinette. Früh zeigte sich seine musikalischen Neigung, als er bereits mit drei Jahren auf dem Instrument großes Geschick bewies, Töne zu erkennen und zu halten.The Lincoln Star, 6. Januar 1918, S. 11. Im Alter von zehn Jahren gehörte er einer kleinen Stadtkapelle in Tower Hill (Illinois) an.Boys’ Life, März 1930, S. 47. Als sich im Teenageralter sein weiterer künstlerischer Werdegang abzuzeichnen begann, wollte ihn seine Familie von diesen Überlegungen abbringen. Stattdessen sollte er entweder eine Karriere als Priester oder als Rechtsanwalt einschlagen. Um dem zu entgehen, das Land bereisen und als professioneller Musiker arbeiten zu können, schloss er sich zunächst der Band des Ringling Brothers Circus an, tourte allerdings auch mit Minstrel Shows.C. G. Conn’s Musical Truth, Vol. IX, № 11, Januar 1912, S. 18.
Hentons favorisierte Tonart auf der Klarinette war stets Es-Dur.James Russell Noyes: (PDF; 5,7 MB) Manhattan School of Music, New York City 2000, S. 168. Bereits mit 15 Jahren bewarb er sich – offenbar überzeugt vom eigenen Talent – im Februar 1893 um eine Aufnahme in die Band des bekannten Dirigenten John Philip Sousa, wurde allerdings abgelehnt.James Russell Noyes: (PDF; 5,7 MB) Manhattan School of Music, New York City 2000, S. 263.
Wahrscheinlich inspirierten ihn die Darbietungen des zur damaligen Zeit sehr bekannten Saxophon-Komödianten Knox Wilson zum Umstieg auf dessen Instrument. Den Schritt vollzog er 1903 und erlernte das Saxophonspiel in Chicago. Dort arbeitete Henton mit zahlreichen Violinisten und Opern- beziehungsweise Operettensängern zusammen, was sein Augenmerk auch auf die unterschiedlichen Tonlagen der menschlichen Stimme als Mittel zum künstlerischen Ausdruck lenkte – und darauf, dass das Saxophon diese von allen Instrumenten am besten imitieren kann.
Einsetzender Ruhm Über die folgenden Stationen von Hentons Karriere liegen nur bruchstückhafte Informationen vor, die beispielsweise weder genaue Aussagen über Datum noch über Dauer einzelner Engagements oder Zusammenarbeiten ermöglichen. Gesichert ist jedoch, dass er bereits im folgenden Jahr am 31. März 1904 als Leiter des Saxophonquartetts bei der vom Komponisten Richard Strauss selbst dirigierten ersten Aufführung der Sinfonia domestica auf US-amerikanischem Boden in der New Yorker Carnegie Hall spielte.Vorstellung von Henton auf classicalmusicnow.com. Abgerufen am 3. April 2014. Die vorherigen Aufführungen in Deutschland hatten in Ermangelung geeigneter MusikerFrederick L. Hemke: The early history of the saxophone. University of Wisconsin Press, Madison 1975, S. 302. noch keine der daher ad libitum komponierten Saxophon-Passagen beinhaltet. Er war Solist in der bekannten Band Allessandro Liberatis (1847–1927) sowie in Thomas D. van Ostens Marine-Band, ehe er mit anderen Musikern die szenische Rezitatorin und Bühnenkünstlerin Lulu Tyler Gates begleitete – dabei spielte er zunächst noch sowohl Klarinette als auch Saxophon. auf lib.uiowa.edu (University of Iowa). Abgerufen am 22. April 2014. Während dieser unklar definierten Periode stand er unter dem Management des Redpath Lyceum Bureau und des Slayton Lyceum Bureau. 1906 war Henton dann GründungsmitgliedStephen Cottrell: The Saxophone. Yale University Press, New Haven 2013, ISBN 978-0-300-10041-9, S. 161. der Band von Bohumir Kryl (1875–1961).
Bereits kurz nach seinem Umstieg auf das Saxophon hatte er als Ausnahmetalent gegolten und seine Auftritte wurden stets mit großem Lob und Bewunderung bedacht.Joel Patrick Vanderheyden: Approaching the classical style. A resource for jazz saxophonists. University of Iowa, 2010, S. 6. Ab 1909 nahm er für die Victor Talking Machine Company sowie Edison Records zahlreiche seiner Arrangements auf Phonographenwalzen und Schellackplatten auf – ab 1911 auch eigene Kompositionen. Die Aufnahmen fanden Absatz in aller Welt und erhielten in der Regel äußerst positive Rezensionen. Wie schon seit spätestens Ende August 1909 für mehrere Saisons, stieß er auch im Juli 1916 wieder als Solist und Assistenz-Dirigent zur Band von Patrick Conway (1865–1929) und absolvierte mit ihr in den folgenden Jahren viele Auftritte.
208 Tage mit Sousa Am 11. Juni 1919 reiste er nach New York City, um zweitägige Proben mit Sousas Band zu absolvieren. Auch diesem waren weder Hentons mittlerweile herausragender Ruf noch die Tatsache, dass das Saxophone bei Musikern und Publikum eine nie da gewesene Beliebtheit erreichte, verborgen geblieben und als er im Sommer wie jedes Jahr einige Neubesetzungen vornahm, engagierte er mit insgesamt sieben Saxophonisten mehr als je zuvor. Auch Henton überzeugte ihn und wurde – anders als noch 26 Jahre zuvor – in die Gruppe aufgenommen; er war als publikumswirksamer Solist, die anderen als Sextett vorgesehen.
Wenig später brach man zu einer großen, 20 Konzerte umfassenden Tour durch Kanada auf, in deren Verlauf Henton am 30. Juni im Rahmen der Calgary Exhibition seinen ersten Auftritt mit der Band hatte. Dieser Termin – wie auch alle weiteren der fünfwöchigen Tour in Edmonton, Saskatoon, Winnipeg und Regina – waren Buchungen der Western Canada Fairs Association.Billboard, 12. April 1919, S. 49. H. Benne Henton wurde schnell zu einem Publikumsliebling und erhielt bei den Konzerten auch ausreichend Möglichkeiten, sich zu profilieren. Zwischen dem 7. August und dem 14. September gastierte man in Willow Grove (Pennsylvania), unter anderem mit einigen Park-Konzerten. Am 15. September schließlich begann in Westfield (Massachusetts) der eigentliche Hauptteil der Saison: Die jährliche Transcontinental Tour der Band, die zwölfte insgesamt.
Zumeist wurden an den Auftrittsorten, die sich über die gesamten Vereinigten Staaten erstreckten, eine nachmittägliche Matinée sowie eine Abendvorstellung gegeben. Hentons Soli waren anders als jene früherer Sousa-Saxophonisten nicht einem festen Programmplatz zugeordnet. So spielte er manchmal an siebter Stelle, manchmal an achter Position und manchmal an zweiter. Je nach Applaus, der für ihn in der Regel überschwänglich ausfiel, schenkte er dem Publikum noch ein oder zwei Einzelzugaben oder wurde dabei vom Saxophon-Sextett begleitet. Sein Repertoire in dieser Zeit bestand aus dreizehn Musikstücken, von denen er drei selbst komponiert und drei weitere selbst arrangiert hatte.