mini|Wappen der Reichsgrafen von Hamilton, 1695Graf Johann Jakob von Hamilton (; * 1642 vermutlich in London; † 5. Juni 1717 in Neuburg am Inn) war ein schottischer Staatsmann, der in kurpfälzischen und kaiserlich-österreichischen Diensten stand und 1695 zum Reichsgrafen erhoben wurde. Die Reichsgrafen von Hamilton starben 1776 in männlicher Linie aus.

Leben John James Hamilton war der Sohn von Sir Alexander Hamilton (* um 1613; † 1665/69) aus Holborn bei London aus der schottischen Familie der Earls of Hamilton-Abercorn und (⚭ um 1634) Lady Elizabeth Bedingfield of Oxburgh (* um 1610; † 1683) aus Redlingfield (Suffolk). Beide Familien hatten überwiegend das katholische Haus Stuart gegen das protestantische Haus Tudor unterstützt. Sein Vater war Urenkel von James Hamilton, 2. Earl of Arran († 1575), George Seton, 7th Lord Seton (1531–1586) und Robert Boyd, 5th Lord Boyd († 1590), seine Mutter war eine Urenkelin von Sir Henry Bedingfeld (1505/1509–1583), der als Constable des Towers of London Elisabeth I. während ihrer Gefangenschaft bewachte, und eine Urenkelin des anti-elisabethanischen Verschwörers Anthony Fortescue († nach 1608), Marshal of Ireland.

Die Familie flüchtete nach der Hinrichtung des Stuart-Königs Karl I. von England 1649 von Großbritannien auf das Festland. Jakob von Hamiltons Mutter, die mit der Ordensgründerin Maria Ward (1585–1645) befreundet war, lebte nach dem Tod ihres Mannes als Witwe zunächst bei den Armen Klarissen in Gravelines. 1673 trat sie als Stiftsdame unter dem Namen Anna Bonaventura in den Augustinerinnen-Orden in Brügge einIhre Tante Helen Bedingfield (* um 1604; † 1661) war 1640 bis 1661 unter dem Namen Augustina Priorin des Klosters gewesen. und legte 1674 ihre Profess ab.Vgl. Who were the Nuns? A Prosopographical study of the English Convents in exile 1600–1800 (Online; Queen Mary University London, abgerufen am 31. März 2014). James Hamiltons Großvater war James Hamilton, 1. Earl of Abercorn (1575–1618).Vgl. George Harvey Johnston: The heraldry of the Hamiltons. With notes on all the males of the family, description of the arms, plates and pedigrees. W & A. K. Johnston, Edinburgh / London 1909, S. 19f, dort fälschlich „Alexander“ (so oft von Sekundärliteratur aufgenommen) statt „James Hamilton“, „who was created a Count of the Empire“ (Digitalisat) bei OpenLibrary. Die Abstammung wurde 1683 von Stuart-König Karl II. von England (1630–1685) testiertVgl. Johann Georg Adam von Hoheneck: Genealogia Und Stamm-Tafel Der Herrn Grafen von Hamilton. Grafschafft Neuburg am Ihnn. Denen Herrn Grafen von Hamilton gehörig. In: Die Löbliche Herren Herren Stände Deß Ertz-Hertzogthumb Oesterreich on der Ennß, Bd. I. Gabriel Mangold, Passau 1727, S. 284f. und 1725 auf Bitte von Julius von Hamilton hin nach einer Anfrage des Reichsherolds Sir William O’Kelly d’Aghrim († 1751) noch einmal vom Herald’s Office of Scotland bestätigt.Schriftliche Anfrage aus Wien vom 25. März 1725; die gesiegelte Auskunft wurde am 31. Mai 1725 von Lord Advocate Duncan Forbes, Lord Culloden (1685–1747) und Solicitor Charles Erskine, Lord Tinwald (1680–1763) erteilt; vgl. The National Archives London-Kew (SP 54/15/15A und SP 54/15/15C).

Kurpfalz Jakob von Hamilton kam an den Hof von Philipp Wilhelm von der Pfalz (1615–1690) in Düsseldorf bzw. Neuburg an der Donau. Seine Tante Magdalen Bedingfield (* 1620/21; † 1684) war nacheinander in beiden Städten Priorin der Karmelitinnen.

1667 war Hamilton Kornett (Fähnrich) im pfalzgräflichen Militär.Vgl. Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Jülich-Berg II Nr. 3968). Unter den Kurfürsten Philipp Wilhelm und Johann Wilhelm von der Pfalz (1658–1716) wurde Jakob von Hamilton kurpfälzisch-neuburgischer Kämmerer, Oberst-Stallmeister und Geheimer Rat. 1676 begleitete er Eleonore Magdalene von Pfalz-Neuburg (1655–1720) zu ihrer Hochzeit mit Kaiser Leopold I. (1640–1705) nach Passau bzw. nach Wien. miniatur|links|Ehemalige pfalzgräfliche Residenz in Hilpoltstein 1677 war Jakob von Hamilton als Kapitän-Lieutenant der Leibgarde zu Fuß Pfleger der neuburgischen Ämter Heideck und Hilpoltstein in der Oberpfalz.Vgl. Karl August Böhaimb: Beiträge zur Genealogie oberpfälzischer Adelsgeschlechter. In: Verhandlungen des Historischen Vereines von Oberpfalz und Regensburg 23 (1865), S. 210–375, bes. S. 374 (Google-Books). 1680 wird er als Pfleger von Hilpoltstein „Hamilton auf Kreuth“ genannt;Vgl. Carl Siegert: Geschichte der Herrschaft, Burg und Stadt Hilpoltstein. In: Verhandlungen des Historischen Vereines von Oberpfalz und Regensburg 20 (1861), S. 1–441, bes. S. 428f Anm. * (Google-Books). er war inzwischen mit dem pfalzgräflichen „Haus zum Kreutt“ belehnt worden. Bereits in dieser Zeit wird er als „Graf“ bezeichnet.Vgl. zum Beispiel ein Schreiben von Kurfürst Philipp Wilhelm von 1680 an die Landstände, in: Felix Joseph Lipowsky: Geschichte der Landstände von Pfalz-Neuburg. Ignatz Lentner, München 1827, S. 231 (Google-Books). 1679, 1685 und 1691 wurde er jeweils für sechs Jahre zu einem der beiden Landschaftskommissare von Pfalz-Neuburg bestellt.Vgl. Freiherr Johann Nepomuk Anton von Reisach: Historisch-Topographische Beschreibung des Herzogthums Neuburg. Johann Leopold Montag, Regensburg 1780, S. 27 (Google-Books). Von 1681 bis 1694 amtierte er als Nachfolger des Freiherrn Christian Friedrich von Spee (1649–1681) als kurpfälzischer Oberst-Kämmerer.

Kurfürst Philipp Wilhelm sandte Hamilton 1686 als außerordentlichen Gesandten an den Hof von König Jakob II. (1633–1701) nach England.Vgl. Edward Kimber: The peerage of Scotland. John Almon, London 1767, S. 110 (Google-Books). Er erhielt dort zwei Diamanten-Schmuckstücke mit dem Bildnis des Königs als Geschenk, jedes im Wert von 800 Pfund.Vgl. William Arthur Shaw (Hrsg.): Calendar of Treasury Books, Bd. VIII 1685–1689. Her Majesty’s Stationery Office, London 1923, S. 617 (Digitalisat bei British History Online).

Seit 1686 besaß Hamilton die pfalz-neuburgische Hofmark Tapfheim an der Donau. Abt Elias Götz († 1696) kaufte sie ihm 1692 für 80.000 Gulden für das Kloster Kaisheim ab. In Düsseldorf besaß er bis 1693 das Haus Altestadt 6.Heinrich Ferber: Historische Wanderung durch die alte Stadt Düsseldorf. Lieferung I., hrsg. vom Düsseldorfer Geschichtsverein. Krauss, Düsseldorf 1889, S. 22 (Digitalisat)

Von Mitte Oktober 1689 bis Anfang Februar 1690 nahm der Geheimrat und Obrist-Stallmeister Graf Jakob von Hamilton in Augsburg im Gefolge von Kurfürst Philipp Wilhelm am Reichstag und der Krönung von Joseph I. zum römisch-deutschen König teil.

Odenwald und Rhein-Neckar-Dreieck Aus dem ehemaligen Besitz der Herren von Hirschberg an der Bergstraße im Odenwald, die 1611 ausgestorben waren, erwarb Jakob von Hamilton 1688/91 die Pfandschaft auf Lützelsachsen. Nachdem er zusammen mit Oberstmarschall Kasimir Heinrich von und zu Steinkallenfels (1634–1693) und Kanzler Johann Ferdinand von Yrsch (1619–1701) bereits 1688 in einen Teil der Lehensgefälle eingesetzt worden war und er 1691 die beiden Mitinhaber der Pfandschaft ausgezahlt hatte, wurde Hamilton 1694 von der Kurpfalz mit dem Schloss Ilvesheim, den Dörfern Ilvesheim, Leutershausen, Ursenbach, Hornbach und Kreidach sowie mit Gütern, Gerechtsamen und Gefällen in Großsachsen, Heddesheim, Neuenheim, Weinheim, Wallstadt, Rippenweier, Rittenweier, Muckensturm und anderen Orten belehnt.Vgl. Generallandesarchiv Karlsruhe (72 Lehen- und Adelsarchiv, Nr. 5494, 5785, 5835 und 9055). Als „Herr auf Kreuth und Hirschberg“ wurde Jakob von Hamilton von 1689 bis etwa 1691 zum kurpfälzischen Oberamtmann des Oberamtes Kreuznach bestellt.

1691 war Hamilton Obrist des kurfürstlichen Leibregiments zu Pferd.Vgl. Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Reichskammergericht 3756, Az. M 853a/2328c (Q 15)). Er wurde mit der Heimholung von Anna Maria Luisa de’ Medici (1667–1743), der Braut des Kurfürsten Johann Wilhelm, aus Florenz beauftragt.Vgl. Jacob Wilhelm Imhof: Notitia S. Rom. Germanici Imperii procerum. 3. Auflage Cotta & Brunnius, Tübingen 1693, S. 50, vgl. S. 500 (Google-Books). Bei der Trauung per Stellvertreter im Dom zu Florenz fungierte Hamilton als einer der beiden Zeugen.Vgl. Karl Bernd Heppe (Hrsg.): Anna Maria Luisa Medici, Kurfürstin von der Pfalz. R. Meyer, Düsseldorf 1988, S. 41f. In ihrem kurpfälzischen Hofstaat amtierte er als Obrist-Hofmeister.

1698 verkaufte Hamilton Ilvesheim, Lützelsachsen, Hornbach und Kreidach an Lothar Friedrich von Hundheim (1668–1723). Ursenbach besaß Hamilton bis 1700. Das pfälzische Lehnsgut Leutershausen, in dem er den Frankensteiner Hof innehatte, verkaufte Hamilton nach 1701 an den kurfürstlichen Hofkammerdirektor Johann Heinrich Violät.Vgl. Generallandesarchiv Karlsruhe (72 Lehen- und Adelsarchiv, Nr. 8803).

Nordkirchen und Merfeld Die Herrschaft Nordkirchen im Münsterland mit Oestorp, Allrath, Klein-Buxfort, die Schepershove, die Bertholdshove und die Dieckhove zu Selm, Spintrup zu Seppenrade, die Hälfte von Davensberg, Haselburg und dem Gericht Capelle fielen 1691, als mit Johann Bernhard von Morrien-Nordkirchen (* um 1630; † 1689) dieser Familienzweig ausgestorben war, an dessen Nichte Maria Sophia von Weichs, Hamiltons Frau.Vgl. Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Münster (Reichskammergericht, Nr. W 413) u. a. Es handelte sich um Lehen des Stiftes Werden.Vgl. Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Werden, Akten Nr. 8 b 137 Bd. II). Gut Kokeldorp und die Hervesthove zu Selm sowie die Schurhove zu Südkirchen trug Hamilton vom Stift Herford zu Lehen.Vgl. Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Münster (Fürstabtei Herford, Lehen-Akten, Nr. 324). 1694 kaufte Fürstbischof Friedrich Christian von Plettenberg von Münster den Besitz.Vgl. Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Adelsarchiv Nordkirchen).

1691 erwarb Jakob von Hamilton von Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz als Graf von Ravensberg für 14.000 Reichstaler die sog. „adolfinische Hälfte“Anteil des Adolf von Merveld; der adolfinische Mannesstamm starb 1691 mit Friedrich Wilhelm von Merveld aus. an der Freigrafschaft Merfeld im westlichen Münsterland. Er wurde mit ihr als ein Kunkellehen belehnt, das ggfs. eine weibliche Erbfolge einschloss.Vgl. Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Münster (Minden-Ravensberg, Regierung, Nr. 483); Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Berg, Lehen, Spezialia Nr. 51 Urk. 11); Stadtarchiv Lünen (Haus Schwansbell, Akte 633). Es entwickelte sich ein Rechtsstreit zwischen Magdalena Sibylla von Merveld, verheiratete von der Recke zu Horst, der Schwester des verstorbenen Friedrich Wilhelm von Merveld († 1691), und Hamilton. Um 1704/05 trat Graf Jakob von Hamilton gegen Erstattung der 14.000 Reichstaler die adolfinische Hälfte von Merfeld an sie bzw. an Werner Lambert von Merode († 1729) zu Merfeld ab.Vgl. Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Reichskammergericht 3756, Az. M 853a/2328c); Vereinigte Westfälische Adelsarchive e. V. (B.04, Assen, Landessachen des Hochstifts Münster, Nr. 194); Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Münster (Manuskripte, Nr. 388 Bd. 6); Österreichisches Staatsarchiv (HHStA RHR Judicialia Antiqua 2–3 Hamilton, Graf Jakob von, 1694–1697).

In kaiserlich-österreichischen Diensten mini|Wappen der Familie Hamilton am Eingangstor von Schloss Dürnkrut 1692/93 erwarb Hamilton für 100.000 Gulden die vorderösterreichische Lehensherrschaft Schramberg als Kunkellehen für sich und seine Erben, trat sie aber 1696 für 130.000 Gulden an den Freiherren Johann Friedrich von Bissingen (* um 1601; † 1663) ab, nachdem er sich mit der Stadt Rottweil nicht über die Ausübung des Jagdrechtes einigen konnte.Vgl. Adam Friedrich Koch: Die Ritterburgen und Bergschlösser im Königreiche Württemberg, Bd. I. C. F. Richter, Cannstatt 1828, S. 58–60 (Google-Books); Hauptstaatsarchiv Stuttgart (B 32 Österreichische Lehen in Württemberg II, Bü 5).