Die Dorfkirche in Hohen Neuendorf befindet sich in der Berliner Straße 40 und ist ein Kirchengebäude der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg. Neben dem Wasserturm ist sie eine Höhendominante des Ortes.

Das Kirchengebäude wurde von 1907 bis 1909 im Zuge der deutschen Dorfkirchenbewegung gebaut, 1909 eingeweiht und steht seit 1998 unter Denkmalschutz.

mini|Dorfkirche Hohen Neuendorf

Geschichte Bis zum Bau der Kirche Hohen Neuendorf war kein Vorgängerbau bekannt. Bei Bauarbeiten des Reichsbahn-Außenrings wurden jedoch im Jahre 1953 Reste einer alten Kirche aus dem ausgehenden Mittelalter gefunden. Da bei der politischen Führung in der DDR kein Interesse an der Kirchengeschichte bestand, wurden diese Artefakte zugeschüttet und überbaut. Der Fundort ist nicht archäologisch dokumentiert.

Seit 1847 versuchten die Einwohner in Hohen Neuendorf eine eigene Kirche zu etablieren. Zunächst genehmigte die preußische Regierung im Jahr 1896 eine Hilfspredigerstelle. Am 15. Januar 1898 schenkte der Bauer Hornemann der evangelischen Gemeinde im Ort ein Baugrundstück mit der Auflage, innerhalb von zehn Jahren dort ein Kirchengebäude zu errichten. Der gegründete Kirchenbauverein sammelte die notwendigen Finanzmittel von insgesamt rund 50.000 Mark, von denen 15.000 aus Kleinspenden, 20.000 von der Gemeindevertretung, 10.000 vom kurmärkischen Ämterkirchenfonds und 5.000 vom Oberkirchenrat stammten.

Die Planungsunterlagen für das Gotteshaus im Heimatschutzstil mit Neobarockelementen an der Fassade (sogenannter Putzbarock) und mit romanisierender Apsis erstellte der königliche Baurat Georg Büttner und setzte sich mit seinem Entwurf gegen einen neuromanischen Entwurf mit Rüdersdorfer Kalkstein von Ludwig von Tiedemann durch. Büttner, ein Verfechter der Dorfkirchenbewegung, hatte auch die Bauleitung. Von Tiedemann wurde an der Bauausführung beteiligt.

Die Grundsteinlegung erfolgte am 26. September 1907 im Beisein des Generalsuperintendenten von Berlin, Oberkonsistorialrat Probst D. Faber. Der Grundstein enthält einen verlöteten kupfernen Dokumentenkasten mit der Stiftungsurkunde, einem kurzen Geschichtsabriss von Hohen Neuendorf, den Sammellisten des Kirchenbauvereins, den Programmen der Feierlichkeiten, einem Exemplar der Annalen, einem Adressbuch, einer Kollektion Reichsmünzen und dem Plan der Hohen Neuendorfer Ortsvereine.

Der Turmkopf wurde am 18. Juni 1908 gesetzt. In ihm ruht eine Schatulle mit einer von Pfarrer Lehmann verfassten Urkunde, einer kurzen Darstellung des Kirchenbaus, einem Abriss der Geschichte von Hohen Neuendorf, einem Programm der Grundsteinlegungsfeier und Berliner Ortszeitungen.

Am 21. Februar 1909 konnte die evangelische Kirchengemeinde Hohen Neuendorf die Einweihung ihres neuen Kirchengebäudes feiern. Das Gebäude diente als Simultankirche und stand den Katholiken des Ortes für den Gottesdienst zur Verfügung, erst ab den 1930er Jahren baute sich die katholische Gemeinde ein eigenes Gotteshaus im Ort.

Im Jahr 1935 wurden das Pfarrhaus und das Gemeindehaus gebaut. Im selben Jahr wurde auf das gesamte Kirchengebäude Rauputz aufgetragen und die ursprünglich reichlich eklektizistisch-ländlich verzierte Fassade überdeckt. Im Zuge dieser Arbeiten wurden die vollflächigen floral-ornamentalen Wandmalereien der Apsis mit weißer Latexfarbe übermalt.

Nach 1956 wurden die letzten Reste der verzierten Fassade (z. B. ein großes Kreuz über dem Portal, das zur Straße zeigte) verputzt.siehe Bild in

Im Kirchturm ist seit 1998 eine T-Mobile-Antenne eingebaut, da er als Höhendominante eine gute Abdeckung des Stadtgebietes gewährt.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts fand eine umfangreiche Sanierung und Restaurierung des Bauwerks unter Leitung des Gemeindekirchenrats und Bauingenieurs Wolfgang Scheibe statt. Die Kosten für die Renovierung aus Anlass der 100-Jahr-Feier betrugen 285.000 Euro. Davon stellte die evangelische Kirche 100.000 Euro über einen Kredit bereit, weitere Beträge kamen aus Spenden, aus dem Haushalt der Stadt und aus der Partnergemeinde in Müllheim.

Baubeschreibung Das Kirchengebäude ist ein rechteckiger, verputzter Ziegelbau, der als Saalkirche errichtet wurde. Aus städtebaulichen Gründen wurde auf eine Ostung verzichtet, stattdessen sind der Kirchturm und das Eingangsportal parallel zu der vorbeiführenden Straße orientiert.

Die Apsis ist dadurch auf der Südwestseite angegliedert. Der mächtige Kirchturm befindet sich an der südöstlichen Seite.

Im Kirchenschiff, das von einem Tonnengewölbe überwölbt wird, haben rund 500 Besucher Platz. Das Tonnengewölbe ist mit einer kassettierten Holzkonstruktion architektonisch gegliedert und mit zwei Spannriegeln unterteilt. Ein mit Dachziegeln gedecktes Satteldach ruht auf dieser Gewölbekonstruktion. Als Hauptzugang dient ein rundbogiges Portal mit kupferner Bedachung auf der Ostseite.

Der im Grundriss quadratische Zwiebelturm an der südöstlichen Seite des Kirchengebäudes ist 40 Meter hoch. Er trägt drei Glocken und an jeder Seite eine Uhr. Eine geschweifte, mit Schiefer gedeckte Haube trägt eine achtseitige, verschieferte Laterne. Eine Kugel und ein Kreuz schließen ihn ab.

Die Fassadenfarbgestaltung erfolgte auf den Flächen in Maria-Theresien- oder Schönbrunner Gelb genannten Farbton, die architektonischen Gliederungselemente sind weiß gehalten.

Ausstattung

Chor und Apsis mini|Apsis und Chor, mit Taufbecken, Altar und Kanzel

Die Apsis wird über zwei Stufen betreten. Das Halbkuppelgewölbe im südwestlich gelegenen Chor trägt seit der Renovierung im Jahr 2009 wieder eine vollflächige floral-ornamentale Wandmalerei, die die Malerfirma Jacob aus Ketzür unter einer einfarbigen Latexbemalung freilegte und restaurierte. Das Licht fällt durch drei rundbogige Buntglasfenster ein, deren Laibungen mit senkrechten Strichen holzähnlich verziert sind. In gleicher Art ist das Paneel des Altarraumes gestaltet. Helle gemalte Girlanden umranden die Altarnische. Der Triumphbogen erhielt eine Kassettenbemalung mit aufwendiger Zierfüllung.

Altar Der Altarbereich wird über eine weitere Stufe betreten. Er stammt aus der Bauzeit der Kirche, besteht aus Holz und hat rechts und links eine Schranke. Geschmückt wird er von zwei Messingleuchtern, die einst Rentier Hoppe stiftete. Der ursprüngliche Altarteppich, der ein Geschenk des Kirchengemeinderates Birkenwerder war, wurde im Jahre 1920 gestohlen. Die in Eigenfertigung hergestellte und mit kunstvollen Stickereien versehene Altardecke stammt ebenfalls aus der Bauzeit der Kirche und wurde von Frau Kunze aus Hohen Neuendorf geschaffen.

Das Retabel des Altars ist ebenfalls aus Holz, besteht aus drei Teilen und wird von einem hoch aufragenden Kruzifix gekrönt.

Im rechteckigen, ebenfalls in Schönbrunner Gelb gehaltenen Mittelfeld, steht der Spruch aus dem Johannes-Evangelium „Ich bin der Weg die Wahrheit und das Leben“ . Direkt darüber sind die Initialen IHS in goldenen Lettern gemalt. Ein Kreis, der symbolisch für den Erdball steht, umschließt die Vierung des Kreuzes im oberen Bereich. In der Vierung wiederholt sich das Symbol des Kreuzes.

Emporen mini|Südöstliche Empore

Auf der Nordostempore, die vom Kirchenchor mit 25 Mitgliedern und dem Bläserchor mit 20 Mitgliedern gleichzeitig benutzt werden kann, steht die Orgel. Diese Empore ist in den Raum des Kirchenschiffes hineingeschwungen um den Chören mehr Platz zu bieten. In der Mitte der Brüstung steht der Spruch aus dem Lukas-Evangelium „Ehre sei Gott in der Höhe Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“ . Flankiert wird dieser Spruch von zwei Engeln. Links davon steht in roten Lettern der Psalm „Jauchzet dem Herrn in aller Welt“ und rechts davon der Psalm „Lobe den Herrn meine Seele“ .

Eine weitere, südöstlich gelegene Empore bietet Platz für weitere 50 Besucher der Kirche. Auf ihren beiden Bögen sind die vier Symbole der Evangelisten gemalt.

In der Mitte der linken Seite der Brüstung steht der Bibelspruch „Ich bin das Licht der Welt“ und in der Mitte der rechten Seite „Selig sind die Gottes Wort hören und bewahren“ .

Unterhalb der Brüstung hängt eine Gedenktafel für die ehemaligen judenchristlichen Gemeindemitglieder Emma Rosenthal und den Pfarrer Ernst Flatow, die durch die nationalsozialistische Verfolgung zu Tode kamen.

Kronleuchter links|mini|Kassettendecke mit den 2 Spannriegeln und Kronleuchter

Mittig im Kirchenschiff, unter einem Spannriegel, hängt ein schmiedeeiserner Kronleuchter, der seit der Renovierung im Jahre 2009 mit 24 dimmbaren hängenden Leuchten bestückt ist, die ihr Licht fast ausschließlich nach unten abstrahlen. Er ist ein Geschenk des Berliner Kunstschlossermeisters Ottomar Holdefleiss aus der Bauzeit der Kirche und wurde ursprünglich mit Gas betrieben. Die Versorgungsleitung durchbricht einen der Spannriegel.

Die 24 Leuchtmittel, die ein warmweißes Licht ausstrahlen, werden von goldenen Sockeln gehalten, die mit roten, floralen Elementen seitlich am Leuchter befestigt sind. Der Leuchter hat das Aussehen eines Wagenrades mit zwei Speichen. Über dem großen Kranz befindet sich mit etwas Abstand ein weiteres Rad, das alle Halteelemente des unteren Rades zusammenfasst. Darauf stehen acht goldene Kreuze, die in die vier Himmelsrichtungen ausgerichtet sind. Der gesamte Leuchter ist reich mit goldenen, roten und metallfarbenen Blumenmustern verziert.

Kanzel hochkant=0.5|mini|Kanzel

Rechts neben dem Altar, in der westlichen Ecke des Kirchenschiffs, befindet sich die hölzerne, in grünen Farben gehaltene, mit neobarocken Schnitzereien versehene Kanzel. Der polygonale Korb stützt sich auf drei Engelsköpfe, der in einen Pfosten aus Holz übergeht. Die seitlichen Brüstungsfelder enthalten rot-weiße Blumenmuster, auf dem vorderen Brüstungsfeld sind die Initialen IHS gemalt. Der Zugang zur Kanzel befindet sich auf der rechten Seite der Apsis, es müssen sieben Stufen bis zur Kanzel erklommen werden. Eine Inschrift auf der Rückseite besagt, dass die Evangelische Frauenhilfe 1500 M stiftete.

Taufbecken links|hochkant=0.5|mini|Taufnische und Taufbecken mit aufgesetzter Kuppa

Links neben dem Altar in einer halbrunden Nische steht das Taufbecken aus Sandstein. Die Nische ist ebenfalls in Schönbrunner Gelb mit floralen Mustern gehalten, im oberen Bereich ist als Symbol des Heiligen Geistes eine weißgraue Taube gemalt. Der Hintergrund im oberen Bereich ist in schlichtem Grau mit Blumenmustern gehalten. Das Taufbecken hat eine schlichte runde Kuppa aus Metall in Glockenform und trägt an den vier Seiten die Evangelistensymbole mit ihren in den Stein gravierten Namen, die nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet sind. Der Evangelist Matthaeus schaut nach Norden, der Stier des Lukas nach Süden, der Adler des Johannes nach Osten und der Löwe des Markus nach Westen. Laut Inschrift wurde das Taufbecken von der Familie Kupper gestiftet.

Ölgemälde mini|Ölgemälde Die Anbetung der Hirten

Rechts von der Kanzel, an der Nordwestseite des Gebäudes zwischen den beiden Fenstern, hängt das Ölgemälde Die Anbetung der Hirten mit einem goldenen Rahmen. Es ist ins Kirchenschiff geneigt, um Reflexionen des Kronleuchters auszuschließen. Frau A. Koch († 1910) malte das Bild 1902 oder 1905 und schenkte es der Kirchengemeinde. Bis zum Bau der Kirche hing es im Betsaal der Schule als Altarbild.

Es zeigt das Jesuskind mit Heiligenschein in einem zur Wiege umfunktionierten mit unschuldig weißem Tuch ausgekleideten Futtertrog, neben dem Maria sitzt. Hinter ihr steht Josef, der in einen braunen Mantel gehüllt ist und sich auf einen Stab stützt. Vor ihnen knien zwei in Schaffelle gekleidete Hirten mit gefalteten Händen. Ein dritter Hirte mit braunem Mantel und Hut fällt auf die Knie und faltet die Hände. An der linken Seite des Ölgemäldes sind ein Ochse und ein Esel zu sehen, wodurch das Bild der Krippe vervollkommnet wird. Über allem strahlt der Heilige Geist von der oberen Mitte des Bildes.

Liedanzeiger