Östliche Vorstadt ist ein Stadtteil von Bremen und gehört zum Bremer Stadtbezirk Ost.

Geografie und Ortsteile Die Östliche Vorstadt liegt östlich direkt neben dem Zentrum von Bremen am rechten Ufer der Weser.

Benachbarte Stadtteile sind im Norden Schwachhausen, im Osten Hemelingen mit seinem Ortsteil Hastedt, im Süden jenseits der Weser die Neustadt und im Westen Mitte.

Die Östliche Vorstadt begann vom Rathaus aus betrachtet historisch am Ostertor bzw. an den Wallanlagen. Bis 1959 gab es im damaligen Stadtteil „Ostertorvorstadt“ einen größeren Ortsteil Ostertor, der bis zur St.-Jürgen-Straße reichte. 1959 wurde dieser Ortsteil geteilt, das Gebiet östlich des Dobben bildet seitdem den Ortsteil Steintor. Aus diesem Anlass wurde auch die „Ostertorvorstadt“ in „Östliche Vorstadt“ umbenanntDie Vahr wird ein eigener Stadtteil, Weser-Kurier vom 25. März 1959, S. 3, online nur für Abonnenten. Im Sinne der amtlichen Gebietseinteilung beginnt deshalb heute die „Östliche Vorstadt“ erst am Dobben und der schon im 14. Jahrhundert als „vorstede vor dem Osterendore“ erwähnte Bereich um den Ostertorsteinweg zählt politisch zum Stadtbezirk Mitte.

Steintor links|mini|Vor dem Steintor, 1900 mini|Merian 1641: Brema, am rechten Rand mit der Nr. 25 das Steintor Fläche: 0,50 km², 7509 Einwohner

Das Steintor wird – zusammen mit dem Ortsteil Ostertor, der zum Stadtteil Mitte gehört – umgangssprachlich als Das Viertel bezeichnet. Der zentrale Straßenzug Ostertorsteinweg / Vor dem Steintor zeichnet sich durch viele kleine Läden und Kneipen aus.

Das historische Steintor, bestehend aus einer Zugbrücke über den Dobben neben einem Wachturm (dem Steinthorn oder Steinturm) und einem einfachen Tor auf der Ost- also Feldseite ist im Merian-Stich von 1641 eingetragen. Dobben war ein Graben mit einem kleinen Wall auf der Westseite und bildete so zusammen mit dem anschließenden Kuhgraben eine von der Weser bis zur Wümme reichende Landwehr. Mit der Weser war er durch ein Siel am Übergang vom Punkendeich zum Eisenradsdeich verbunden, daher der Straßenname Sielwall. In manchen Quellen wird Steintor als Verballhornung von Steinthorn erklärt. Da aber an den übrigen Straßenübergängen über die Bremer Landwehren ebenfalls gemauerte Türme standen, und die Landstraße in Richtung Verden als erste auf Bremer Gebiet Steinpflaster erhielt, so dass sie schon 1359 als SteenstrateBremer Archäologische Blätter, Beiheft 3 (2004): Gefundene Vergangenheit, S. 79ff. Straßen und Infrastruktur erwähnt wurde (Die Warturmer Heerstraße erhielt erst 1523 Steinpflaster, der Buntentorsteinweg 1563/64http://www.bauumwelt.bremen.de/sixcms/media.php/13/VUHuckelriede_ohnePl%E4ne.pdf Bremen Huckelriede/Kattenturm (Sielhof) (PDF, 11,9 MB) → 1.1.1 Städtebauliche Struktur → Geschichte), liegt nahe, dass das Steintor einfach nach dem Straßenpflaster benannt war.

Eine Erinnerung an den Dobben als Graben bietet das Ortsamt Östliche Vorstadt, Am Dobben 91. Der Bauunternehmer Lüder Rutenberg, der die Erschließung der Östlichen Vorstadt initiierte, hatte es eilig mit dem Bau seiner eigenen Villa. Im frisch zugeschütteten Graben hatte sich der Boden noch nicht richtig gesetzt. So hat das ganze Haus heute „Schlagseite“.

Die Straße Fehrfeld ist ein Rest des alten Weges vom Steintor nach Schwachhausen.

Erwähnenswert sind die Gebäude oder Ensembles Villa Rutenberg von 1864, Villa Wolde von 1898 und die Wohnhausgruppe Fehrfeld von 1873.

Fesenfeld

Fläche: 0,44 km², 6904 Einwohner

miniatur|Der Centaurenbrunnen Ecke Schwachhauser Heerstraße / Bismarckstraße um 1900 Am Rande des Ortsteils Fesenfeld liegt die große Straßenkreuzung Bismarckstraße / Schwachhauser Heerstraße / Dobbenweg / Außer der Schleifmühle. An dieser Kreuzung stand an der Stelle des jetzigen Möbeldesignladens form29 das Haus des Bremer Bürgermeisters Otto Gildemeister. Um den Bau einer öffentlichen Bedürfnisanstalt zu verhindern, wurde hier auf seine Kosten der Centaurenbrunnen errichtet, der aus verkehrstechnischen Gründen 1958 in die Neustadtswallanlagen in die Nähe des Leibnizplatzes verlegt wurde. Auf den Brunnen bezieht sich die Centauren-Apotheke, erbaut 1928 im Stil des norddeutschen Backstein-Expressionismus nach Entwurf des Architekten Carl Heinrich Behrens-Nicolai.

Erwähnenswert sind die Gebäude Ensemble Mathildenstraße von 1871 und AfA-Siedlung Bremen von 1930.

Peterswerder Fläche: 1,58 km², 9962 Einwohner

Dieser Ortsteil besteht zur Hälfte aus der Pauliner Marsch, in der sich in einem Weserbogen jenseits des Osterdeichs rund um das Weserstadion Sportplätze, Kleingärten und Grünanlagen befinden. Der andere Teil besteht aus Wohnhäusern rund um die Hamburger Straße. Die Nebenstraßen sind, ähnlich wie im Steintor, enge Einbahnstraßen, häufig auch mit Kopfsteinpflaster.

„Peterswerder“ war ursprünglich der Name zweier kleiner Inseln (Werder bedeutet ‚Flussinsel‘) etwa an der Stelle des heutigen Weserstadions, gelegen vor dem rechten Weserufer, wo dieses westlich der Pauliner Marsch an den Eisenradsdeich stieß. Vor dessen östlicher Fortsetzung, dem Kleinen Deich oder Langendeich, der parallel der gepflasterten Landstraße, heute Am schwarzen Meer verlief, gab es noch um 1800 ein kleines Fließgewässer mit zwei Tümpeln. Das legt nahe, dass es einmal ein Altwasser der Weser war, aber zu der Zeit der ersten exakten Kartierungen war ein Schwarzes Meer (vgl. Straßenname Am Schwarzen Meer; „Meer“ hier in der niederdeutschen und ostfriesischen Bedeutung „Binnensee“) nicht mehr vorhanden. Nach dem schweren Hochwasser von 1881, bei dem zum bisher letzten Mal Weserwasser zur Wümme durchbrach, wurde flussaufwärts der Bremer Altstadt ein neuer stärkerer und geraderer Deich gebaut, der Osterdeich. Das so gewonnene Bauland wurde von der neu angelegten Hamburger Straße aus mit einem überwiegend rechtwinklig angelegten Straßennetz erschlossen.

Außerdem ist hier Werder Bremen zuhause. Gespielt wurde früher auf dem „Stadtwerder“, der auf der gegenüberliegenden Weserseite liegt. Dem verdankt der Verein seinen Namen. Später zog man um auf den „Peterswerder“.

Der Straßenname Bei den drei Pfählen bezieht sich auf die alte Landesgrenze zwischen dem reichsstädtischen Pagenthorn und den zum hannöverschen Herzogtum Bremen gehörenden Gemarkungen Hastedts und der Pauliner Marsch.

Erwähnenswert sind die Gebäude oder Ensembles Gymnasium an der Hamburger Straße von 1885, Häuser der Eugen-Kulenkamp-Stiftung von 1905, Wohnanlage Hamburger Straße von 1929 und die Gebäude Stader Straße 35 (St. Petri Waisenhaus, Polizei, Kaserne, Geschäftshaus).

Hulsberg Fläche: 0,79 km², 5308 Einwohner

Der Name des Ortsteils und der ihn gegen Peterswerder abgrenzenden Straße bezieht sich auf einen Teil der Bremer Düne, auf der auch die Steenstrate (Steinweg, Poststraße nach Verden) verlief.

Hier befindet sich das Klinikum Bremen-Mitte (ehemals: Zentralkrankenhaus St.-Jürgen-Straße, umgangssprachlich: St.-Jürgen-Krankenhaus), welches einen großen Anteil am Ortsteil ausmacht. In den kommenden Jahren werden große Teile des Klinikums abgerissen. Auf diesen Grundstücken entstehen Wohngebiete, deren Bebauung unter umfassender Bürgerbeteiligung als neues „Hulsberg-Quartier“ erfolgt.

Erwähnenswert sind die Gebäude oder Ensembles Schule an der Stader Straße von 1920, Schule an der Schaumburger Straße von 1931, Fernsprechamt „Hansa“ von 1922, das Alte Klinikgebäude Ecke Bismarckstraße/St.-Jürgen-Straße von 1851 und die Alt Hastedter Kirche von 1862.

Geschichte

Mittelalter bis 1800 mini|Bremen 1641, am rechten Bildrand mit der Nr. 25 Steintor und Steinturm mini|Östliche Vorstadt 1757, von Heinbach etwas an den Rand seines Stadtplans geklemmt Zur Sicherung Bremens wurde einen halben Kilometer östlich der Stadtmauer eine vorgelagerte Verteidigungslinie angelegt, die sich von der Weser bis zur Wümme erstreckte. Den südlichen Teil dieser Landwehr aus einem niedrigen Wall und einem Graben bildete der Dobben. Den Übergang über den Dobben für die Landstraße nach Verden bildete das Steintor mit dem Steinturm.Verbreitete Angaben von 1309 als Baujahr beruhen auf einem Missverständnis: Im 13. und 14. Jahrhundert wurde als porta lapidea (Steintor) das Tor zwischen der schon im 13. Jahrhundert ummauerten Altstadt und dem Stephaniviertel bezeichnet:

Karolin Bubke: Die Bremer Stadtmauer. Schriftliche Überlieferung und archäologische Befunde eines mittelalterlichen Befestigungsbauwerks. Staatsarchiv Bremen, Bremen 2007, ISBN 978-3-925729-48-5 (Veröffentlichungen aus dem Staatsarchiv der Freien Hansestadt Bremen Bd. 68). Bremisches Urkundenbuch: [Urkunden bis 1300] › 1. Band , Lieferung 4–6 › [Nr. 278 - Nr. 548] Urkunde Nr. 417 von 1284, S. 449 „ex illo vera parte sancti Stephani ante portam lapideam“. [Urkunden von 1351 – 1380] Urkunde Nr. 29 S. 22/23 – hier ist unklar, ob das Steintor im früheren oder im heutigen Sinne gemeint ist. Ein Verweis von einem Autor zum anderen führt schließlich in die Rynesberg-Chronik. Dort wird über eine kriegerische Auseinandersetzung „an der Landwehr beim Spital“ also am Dobben in der Nähe der Rembertikirche berichtet, aber erst 1349 und ohne Hinweis auf einen Turm. Auf jeden Fall wurde der heutige Ostertorsteinweg als „Pflasterstraße namens Stenstrade“ erwähnt.BUB, Bd. 3, Nr. 141 (S. 120/121): plateam dictam Stenstrate; „platea“ war die damals übliche Bezeichnung für gepflasterte Straßen Der nächste Übergang über die Landwehr bestand beim Pagenthorn (Pferdeturm) am Nordende der Rembertistraße. Nach ihm wurde im 18. und frühen 19. Jahrhundert das ganze Gebiet zwischen der Umwallung der Altstadt und der Grenze nach Schwachhausen und Hastedt, die erst 1803 zum Landgebiet der Freien Stadt Bremen kamen, als Pagenthorn bezeichnet.

Um das 1050 auf einem Dünenhügel gegründete Paulskloster hatte sich schon im 14. Jahrhundert eine Vorstadt gebildet. Nach dem Abriss des Klosters 1523 und der Abtragung des Hügels 1628 blieb dessen Gelände zunächst unbebaut. In der Nähe des Ostertores durften keine massiven Gebäude errichtet werden. Hier lagen Bleichen. Kleinere Siedlungen gab es am Fedelhören und beim Rembertispital. Südöstlich der Dobbenlinie erstreckte sich die Pagentorner Feldmark, in der um 1600 wohl nur vier Meierhöfe lagen. Später gab es im Bereich der heutigen Friesenstraße eine Abdeckerei.

Die Pagentorner Bauernschaft bewirtschafte ihre Felder innerhalb und außerhalb des bewehrten Dobbens. Die Bewohner Pagentorns konnten das Vorstadtsrecht erwerben, ein Bürgerrecht, das nicht voll dem Umfang der Bürgerrechte in der Altstadt entsprach. Erst ab 1820 gab es in Bremen ein einheitliches Bürgerrecht.

Bis Ende des 17. Jahrhunderts endete die Pflasterstraße am Steintor. Erst 1704 wurde der Auftrag erteilt, auch den übrigen Bremer Teil der „Heerstraße“ zu pflastern. Seit der Pflasterung wurden östlich des Steintors zahlreiche Häuser entlang der Straße gebaut. Sie hieß zunächst Außerm Steintor, wurde 1855 in Steintorssteinstraße und 1870 in Vor dem Steintorr umbenannt.

1800 bis 1900

Ein Deichbruch von 1827 verursachte eine Überschwemmung der gesamten östlichen Vorstadt. Es siedelten sich Kleingewerbe und nur sehr wenig Industrie in der Östlichen Vorstadt an. Die Aufhebung der Torsperre und die rechtliche Gleichstellung der Vorstädter mit den Stadtbürgern in der Mitte des 19. Jahrhunderts machte den Umzug in die Vorstädte attraktiver. mini|hochkant|Schmalere Bremer Häuser