Die Fleischstraße ist eine Straße in der Trierer Innenstadt. Sie führt vom Viehmarktplatz über den Kornmarkt zum Hauptmarkt. Parallel verläuft die Brotstraße. Sie ist eine der Hauptgeschäftsstraßen der Stadt und ist seit 1977 Fußgängerzone.

Geschichte Die Straße leitet ihren Namen von Ständen der Metzgerzunft ab, die im Mittelalter am Anfang der Straße standen. Der älteste Beleg für die Straße stammt von 1190. Seit 1248 wurde sie platea vulgo Vleysgasse genannt.

Einkaufsmöglichkeiten und Dienstleistungen Die Fleischstraße hat mehrere Geschäfte, Cafés und Restaurants. Auffällig war bis 2024 die Filiale Galeria Kaufhof (eine weitere Kaufhof-Filiale existiert in der Simeonstraße) mit rund 11.000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Von 1973 bis 1997 war hier eine Niederlassung der Kaufhauskette Horten ansässig. Die immer noch mit den typischen Hortenkacheln verkleidete Fassade verleiht dem Gebäude sein eigenwilliges Gepräge.Erst Horten, dann Kaufhof: 40 Jahre Warenhaus in der Fleischstraße, Trierischer Volksfreund, vom 17. Juni 2014; abgerufen am 17. August 2020 Ende April 2024 wurde die Schließung zum 31. August des Jahres (wie auch 15 weitere Filialen bundesweit) bekanntgegeben, sodass das Gebäude seitdem leersteht.Filiale in der Fleischstraße macht dicht: Bestürzung in Trier über Schließung von Galeria Karstadt Kaufhof-Filiale, swr.de, vom 27. April 2024; abgerufen am 29. April 2024Filialen von Galeria Karstadt Kaufhof in Mainz und Trier sollen schließen, swr.de, vom 28. April 2024; abgerufen am 4. Mai 2024

Fast in unmittelbarer Nähe befindet sich die 2008 eröffnete Trier Galerie, ein Einkaufszentrum („Shopping Mall“) mit rund 15.000 Quadratmetern Verkaufsfläche.Einkaufszentrum Trier Galerie (gewerbliche Website); abgerufen am 17. August 2020 Die Postanschrift Fleischstraße 62 der Trier Galerie war ab 1931 der Sitz eines ERWEGE-Einheitspreisgeschäftes (seit 1933 Kaufhaus Porta (Frank und Schloß)). 1935 gelangte es durch „Arisierung“ in das Eigentum des Trierer Geschäftsmannes Adolf Hägin – gegen den Willen der jüdischen Inhaber Kurt Frank und Hugo Schloß.Adölf Hägin und sein „deutsches“ Geschäft, Trierischer Volksfreund, 17. Juni 2014; abgerufen am 20. März 2021"Staatlich legalisierter Raub", 16vor, 8. Dezember 2014; abgerufen am 20. März 2021 Das bald als Kaufhaus Hägin firmierende Geschäft zog später in die Simeonstraße (seit 1965 Standort des Kaufhof-Neubaus).Shoppen im Parkhaus, Rathaus-Zeitung, vom 6. Dezember 2011; abgerufen am 20. März 2021 Das „arisierte“ Grundstück an der Fleischstraße 62 verkaufte Hägin an das Bistum Trier, das es in den 1950er Jahren, nach Abriss des Altbestands und unter Einbeziehung weiterer Grundstücke, für die Neuerrichtung der Paulinus Druckerei und der Paulinus Fachbuchhandlung nutzte.

Dem Neubau der Trier Galerie musste der architektonische Altbestand abermals komplett weichen: das alte City-Parkhaus (zwischen Metzel- und Zuckerbergstraße) sowie – zwischen Fleischstraße und Metzelstraße – die ehemalige Paulinus Druckerei sowie die 1971 aus der Paulinus Fachbuchhandlung hervorgegangene Akademische Buchhandlung Interbook (seit April 2008 Interbook Mayersche; abgerufen am 17. August 2020Erste Mayersche außerhalb von NRW. Mayersche: Interbook Mayersche startet in Trier (gewerbliche Website); abgerufen am 17. August 2020, seit Januar 2019 fusioniert mit ThaliaMayersche Buchhandlung räumt am Trierer Kornmarkt die obere Etage, [www.volksfreund.de], 4. Februar 2019; abgerufen am 17. August 2020). Die Buchhandlung war, in den 1950er Jahren, an der Fleischstraße anstelle kriegszerstörter Gebäude errichtet worden.Vgl. Trier – Bildstadtplan (Nr. 12), gezeichnet von Hermann Bollmann, Bollmann-Bildkarten-Verlag, Braunschweig 1959; sowie: Trier – Bildstadtplan (ohne Nummer), gezeichnet von Hermann Bollmann, Bollmann-Bildkarten-Verlag, Braunschweig 1953 Sie zog nun in einen eigens errichteten, vollverglasten Neubau an den Kornmarkt und eröffnete dort im März 2004.Trier: Interbook eröffnet neues Domizil am Kornmarkt, Trierischer Volksfreund, vom 11. März 2004; abgerufen am 17. August 2020

In der Fleischstraße 16 war bis Ende Februar 2020 die Buchhandlung Stephanus niedergelassen. Das 1878 von Heinrich Stephanus gegründete Unternehmen entstand aus der Übernahme der Groppeschen Buchhandlung. Heute ist sie Triers älteste noch existierende Buchhandlung.Bewegte Vergangenheit – spannende Zukunft, volksfreund.de, 5. November 2018; abgerufen am 17. August 2020 In Trier ist Stephanus weiterhin mit der Universitätsbuchhandlung in Tarforst vertreten. Als Grund für die Schließung wurde die wachsende Konkurrenz durch den Onlinehandel genannt. In der Fleischstraße unterhält Stephanus nur noch die eigene Verwaltung, das Erdgeschoss wurde an eine Kette für Damenmoden vermietet.Buchhandel in Trier: Stephanus Bücher schließt in der Innenstadt, Börsenblatt, 20. August 2019; abgerufen am 17. August 2020

Am Kornmarkt führt die Straße entlang des Posthofs, eines Büro- und Geschäftshauses und vormaligen Sitzes der Oberpostdirektion.

mini|Galeria Kaufhof mit Hortenkacheln

Kulturdenkmäler In der Fleischstraße stehen 24 Kulturdenkmäler. Sie ist Teil der Denkmalzone Fleischstraße 33-37, 40-45 / Metzelstraße 19, Nagelstraße 2, 3, 28-32. Die meisten Gebäude stammen aus dem 19. Jahrhundert. Auffallend ist das Gebäude der Galeria Kaufhof mit den typischen Hortenkacheln.

Viele historische Gebäude an der Straße wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Von diesen Gebäuden ist insbesondere das Haus an der Fleischstraße 14 zu erwähnen, das gegenüber dem heutigen Kaufhof stand. Die Geschichte des Gebäudes geht bis in das 15. Jahrhundert zurück. Das Haus wurde 1756 neu aufgebaut. Seinerzeit diente es als Gericht sowie der Pfarrei Sankt Gangolf als Schule, bis es 1819 an Herrn Mohr versteigert wurde, der das Gebäude dem damaligen Zeitgeist anpasste. Das rustizierte Erdgeschoss zeichnete sich durch ein Sohlbankgesims im 1. Obergeschoss sowie ein darunter im Brüstungsbereich verlaufendes, von den oberen Etagen abgesetztes Wellenbandmotiv aus. Zu den zerstörten Gebäuden zählt auch das sogenannte Stadtarmenhaus aus dem Jahre 1794 in der Fleischstraße 17.Michael Zimmermann: Klassizismus in Trier. Die Stadt und ihre bürgerliche Baukunst zwischen 1768 und 1848. WVT Wissenschaftlicher Verlag Trier, 1997, ISBN 3-88476-280-X.

Im Folgenden werden einige bedeutsame Gebäude genauer beschrieben:

Fleischstraße 2, 3, 4

Fleischstraße 2, 3 und 4 sind Wohn-, Miets- und Geschäftshaus des Kaufmanns Lambert Bertrams. Sie sind mit leichten Abänderungen nach einem Entwurf des Architekten Carl Walter von 1907/1908 über drei alten Parzellen errichtet. Das viergeschossige, im Dach ausgebaute Traufenhaus verbindet eindrucksvoll die reformerische Baugesinnung seiner Zeit mit einem aufwendigen Putz- und Sandsteindekor, der Jugendstilformen mit klassizistischen Schmuckdetails des Louis-Seize in eigentümlicher Mischung verbindet. Die Fassade betont die Mittelachse durch einen zeittypisch beliebten, mit Stichbögen vortretenden und bis zur Traufe hochgezogenen Erker. Die seitlichen Achsen sind von Pilastern gerahmt. Der üppige Fassadendekor ordnet die kantig-geometrisierten Jugendstilformen den Pilastern und den großformatigen Beletagefenstern der Seitenteile zu. Die vornehmen, auf das um 1800 übliche Formenrepertoire zurückgreifenden, klassizistischen Putzreliefs sind dagegen vorrangig zur Aufwertung des Erkers eingesetzt. Die dominierenden Dekorationsformen zeugen davon, dass der Architekt noch stark vom Historismus geprägt war.

Haus Eichhorn (Fleischstraße 12) mini|hochkant|Fleischstraße 12 Das Haus in der Fleischstraße 12 wurde 1826 von dem Arzt Lambert Bernhard Theys errichtet und auch als „Haus Eichhorn“ bezeichnet. Das große Haus deutet mit seinen Formen sowie in einigen Details wahrscheinlich auf Johann Georg Wolff als Planer hin, denn diese auf die preußischen Architekten Langhans, Gilly und Gentz zurückgehenden Formen finden sich in Trier nur an Bauten Wolffs oder ihm mit großer Sicherheit zuzuschreibenden Gebäuden wider. Ähnlich wie bereits am Kornmarktkasino zeigen sich auch hier die Binnenformen von Gillys Palais Lottum wie die rückspringende Mittelachse mit dem Eingangsportal und der modifizierten Serliana darüber. Ähnliche Formen findet man auch am Vieweghaus in Braunschweig. Zudem zeigt es die für Wolff typische Kämpferkapitellausbildung, die sich auch am Hauptzollamt Trier finden lässt.Helmut Lutz, Städtische Denkmalpflege (Hrsg.): Verzeichnis der seit 1930 untergegangenen denkmalwerten Bauanlagen. Denkmalpflege in Trier. 1975. Heute sind in dem nach dem Krieg wieder aufgebauten Haus ein Restaurant und einige Arztpraxen untergebracht.

Fleischstraße 28 mini|hochkant|Fleischstraße 28 Das Haus Fleischstraße 28 entstand 1913 nach einem Entwurf des Architekten Franz Josef Kuhn. Es ist ein dreigeschossiges Wohn-, Miets- und Geschäftshaus des Konditors Gustav Amling an der Stelle eines barocken Traufenhauses, dessen tonnengewölbter Keller übernommen wurde. Als Zeilenhaus tritt es mit einer auffallend breitgelagerten, horizontal geschichteten Putzfassade in Erscheinung. Die mit einem mittleren (veränderten) Geschäftseingang und einem seitlichen Wohnungseingang ausgestattete Ladenzone gliedern kannelierte Kunststeinpilaster. Dominant ist ein gerundeter Mittelerker zwischen dreiteiligen und gewändelosen Fenstern, die im ersten Obergeschoss mit flach gerundeten Lünetten ausgestattet sind und im oberen Stock als kantig gebrochene Erker vortreten. Über dem weit vorgezogenen Traufgesims befindet sich ein langgestrecktes, niedriges Zwerchhaus mit flach gebogenem Giebel. Hoher Gestaltungswert kommt auch der reichen, der Fassadengroßgliederung untergeordneten Putzornamentik zu; sie unterstreicht das beherrschende Mittelmotiv des Erkers. Zur ursprünglichen Ausstattung der Fassade zählen außer den Sprossenfenstern der Obergeschosse auch die seitlichen, mit versprosstem Oberlicht ausgestatteten Schaufenster. Ihre für die Bauzeit moderne Gestaltung zeigt sich heute noch am linken Fenster, das mit einer Abrundung zum zurückgelegten Wohnungseingang überleitet. Unter den erhaltenen, ausgeführten Reformarchitektur-Entwürfen Kuhns, der ansonsten strenge, klassizisierende Formen bevorzugte, stellt das Haus Fleischstraße 28 eine verspielte Variante dar.

Fleischstraße 39 mini|hochkant|Fleischstraße 39 mini|hochkant|Fleischstraße 45 (Foto 2014) Das im Jahr 1844 errichtete Gebäude Fleischstraße 39 vermischt bei der Gliederung seiner Obergeschosse durch Stockwerkpilaster frühneuzeitliche und antike Bauformen. Zwar sind die Geschosse größtenteils mit für die Renaissance (speziell die niederländische Renaissance) typischen Säulen ausgestaltet, im 1. Obergeschoss tauchen aber auch Elemente toskanischer und darüber stilisiert ionischer Ordnung auf. Die Säulen orientieren sich in ihrer Darstellung also sowohl der vereinfachten Renaissance-Variante antiker Säulen als auch den für Griechenland (ionisch) und italische Tempel (toskanisch) typischen Säulen, wie sie an antiken Gebäuden aus dieser Zeit zu finden sind. Dabei sind die Säulen aber nicht als festes Bauelement vorhanden, sondern wurden freskenhaft nachgestellt.

Große Teile des Gebäudes sind insbesondere durch den holländisch-englischen Palladianismus geprägt, wie er sich im Werk Jacob van Campens und seiner Zeitgenossen Arent van ’s Gravesande und Pieter Post um die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts zeigt, jedoch auch bereits bei dem Engländer Inigo Jones zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Bedeutender Unterschied sind auch hier die Trierer klassizistisch geraden und horizontal gliedernden Simse im Gegensatz zu den teils barockisierenden Verkröpfungen bei van Carolen und Jones. Wie vergleichbare Bauten, u. a. Neustraße 43, Fleischstraße 39 und Simeonstraße 36, in Trier stammt auch dieses Haus von Peter Bentz. Auch in anderen Städten des Rheinlands finden sich vereinzelt Bauten, die diese Form des Klassizismus zum Vorbild haben, z. B. in der Trankgasse 24 in Köln.