Viehmarktplatz mit „Ungers-Vitrine“|300px|mini Der Viehmarktplatz, im Volksmund auch kurz Viehmarkt genannt, ist ein Platz am Rande der Trierer Innenstadt. In den 1980er und 1990er Jahren wurden hier die römischen Thermen am Viehmarkt entdeckt und ausgegraben.
Lage Der Platz liegt in der historischen Altstadt von Trier. Unmittelbar über den Platz verläuft die Jüdemerstraße, östlich tangiert ihn die Neustraße und westlich die Stresemannstraße.
Geschichte mini|Teile der Thermen mini|Viehmarktbrunnen, erbaut 1829, abgerissen 1898 Im Mittelalter befand sich am Rande des heutigen Viehmarkts, auf Höhe der jetzigen Jüdemerstraße (= Judenmauer-Straße), Triers jüdische Friedhof. Bei Ausgrabungen entdeckte man Grabsteine mit Datierungen zwischen 1262 und 1349. Die Nutzung endete spätestens 1419, mit der erstmaligen Vertreibung der Juden aus Trier, unter Erzbischof Otto von Ziegenhain.
Später gerieten Teile der Flächen in den Besitz der katholischen Kirche. Nach Errichtung eines Kapuzinerklosters, ab 1617, diente die Fläche als dessen Garten, bis das Monasterium zur Franzosenzeit im Rahmen der Säkularisation 1802 aufgelöst und umgenutzt wurde. Den ersten Viehmarkt hielt man dort am 2. Juli 1811 ab. Hergerichtet wurde der Platz allerdings erst 1812 von 2000 spanischen Kriegsgefangenen. Andere Quellen nennen als Zeitpunkt Herbst und Winter 1811 Im Jahr 1813 schlug man einen Teil des Kirchhofs von St. Antonius dem Viehmarktareal zu. Der Viehmarktplatz diente außerdem, neben dem Hauptmarkt, als Ort für Wochenmärkte.
Von 1938 bis 1943 hieß das Areal Ludwig-Christ-Platz, nach dem 1938 verstorbenen NS-Oberbürgermeister der Stadt Trier.
1987 stieß man bei Aushubarbeiten zu einer geplanten öffentlichen Tiefgarage nicht nur erwartungsgemäß auf die Reste des ehemaligen Klostergartens, sondern auch auf ein urnenfelderzeitliches Bestattungsfeld aus der Zeit um etwa 1000 v. Chr. sowie auf eine antike Badeanlage. Dies bedingte erhebliche Neuplanungen und verzögerte die zur Umgestaltung des Viehmarktplatzes notwendigen Baumaßnahmen um Jahre. Vor deren Beginn erfolgten, von 1988 bis 1994, umfangreiche archäologischen Ausgrabungen. Während anschließend die Überbleibsel des Klosters abgetragen wurden, galt die römische Anlage als erhaltenswürdig. Dazu errichtete man, zwischen 1993 und 1998, über dem antiken Baukomplex ein Thermenmuseum. Diese sogenannte „Ungers-Vitrine“ (nach dem Architekten Oswald M. Ungers) wurde im Juni 1999 offiziell eröffnet. Der Ungers-Bau dient, über die Erhaltung des antiken Fundbestands hinaus, zu dessen touristischer Erschließung. Der Glasbau überdeckt die Ruine der großen Anlage und ermöglicht deren Betrachtung vom höher gelegenen Viehmarkt aus.
Den einstigen Straßenverlauf entlang der römischen Blockbebauung zeichnet die ebenfalls von Ungers entworfene Oberflächengestaltung des Viehmarktplatzes nach: Die dortige antike Straßenkreuzung hebt eine terrakottafarbenen Pflasterung optisch hervor. Die notwendigen Steine stammen aus Vietnam. Die bei der Neugestaltung des Viehmarktplatzes angefallenen Kosten beliefen sich auf umgerechnet 80 Millionen Euro, worin die rund 11,4 Millionen Euro (22,2 Millionen DM) für den Ungers-Bau eingerechnet sind.
Eine Plakette auf dem Platz erinnert an die römische Neugründung Triers im Jahr 17 v. Chr. (Augusta Treverorum).
Heutige Nutzung Mit der Umgestaltung des Platzes änderte das Areal seinen Charakter. Die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs praktizierte Nutzung als Parkplatz entfiel, dessen Areal dient seitdem im östlichen Randbereich als Außenfläche der dort teils neu etablierten Gastronomiebetriebe. Der Viehmarktplatz ist jedoch weiterhin, wie ehedem, Ort der Peter-und-Paul-Kirmes (im Frühsommer) und der Allerheiligenmesse (Ende Oktober/Anfang November). Zudem finden dort der Trierer Wochenmarkt und diverse Großveranstaltungen statt. Rund um den Platz sind diverse Geschäfte und Büros angesiedelt, unter ihm liegt eine Tiefgarage.
Am Südrand des Viehmarktplatzes liegt der Haupteingang der 1977 vollendeten Europahalle.
Seit 2022 unterhält die Stadt Trier am Nordwestrand des Viehmarktplatzes ihr Bürgeramt. Das Gebäude befindet sich im Eigentum der Sparkasse Trier. Es war als Sitz der Stadtsparkasse Trier geplant worden, doch schon vor der Einweihung des Gebäudes im Juni 1995, am 1. Januar 1995, fusionierten die Stadtsparkasse und die Kreissparkasse Trier-Saarburg. Die fusionierte Sparkasse Trier hat ihren Sitz seitdem in der Theodor-Heuss-Allee, dem vorigen Sitz der Kreissparkasse. Der Standort am Viehmarktplatz diente somit als größere Filiale, in der auch Gewerbe- und Firmenkunden betreut wurden. 2021/22 wurde sie zur reinen Privatkundenfiliale verkleinert.
Ende 2024 kündigte Innenstadtdezernent Ralf Britten (CDU) Planungen für eine Neugestaltung des Viehmarktplatzes an. Der Bevölkerung wurden im März 2026 drei Varianten einen Monat lang zur Wahl gestellt: Das von der Mehrzahl favorisierte „Klima-Szenario“ (77 Prozent der 1785 abgegebenen Stimmen) sowie das „Freizeit-Szenario“ (20 Prozent) und das „Minimal-Szenario“ (3 Prozent). Die Abstimmung dient jedoch nur als Stimmungsbild, die endgültige Entscheidung verbleibt beim Stadtrat.
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