mini|hochkant|Mykola Lyssenko (1869) Mykola Witalijowytsch Lyssenko (, wiss. Transliteration , ; * in Grinki bei Krementschug, Gouvernement Poltawa, Russisches Kaiserreich; † in Kiew, Russisches Kaiserreich) war ein ukrainischer Komponist, Pianist und Dirigent.Artikel zu Mykola Lyssenko in der Encyclopedia of Ukraine (englisch)
Leben und Wirken Lyssenko wuchs in einer Familie auf, die zur ukrainischen Erbaristokratie gehörte. Sein Vater, Witali Romanowitsch Lyssenko, war ein Oberst des russischen kaiserlichen Kürassierregiments. Die Mutter von Mykola Lyssenko unterrichtete ihn französisch und der russische Dichter Afanassi Fet unterrichtete ihn in Russisch.Nikolay Lysenko, ukrainischer Komponist: Biographie, Kreativität.
Lyssenko studierte an der Charkower Universität Biologie, gleichzeitig nahm er privaten Musikunterricht. Das Biologiestudium setzte er an der Kiewer Universität fort und beendete es 1865. Ab dieser Zeit begann Mykola ukrainische Volkslieder zu sammeln und zu harmonisieren. Als Stipendiat der russischen Musikgesellschaft studierte er 1867 bis 1869 Musik am Konservatorium Leipzig. mini|Marko Kropywnyzkyj, Mykola Lyssenko und Mykola Sadowskyj unter den Mitgliedern von Lyssenkos Kiewer Amateurchor, 1888 Mitte der 1870er-Jahre kam Lyssenko nach Sankt Petersburg, um bei Nikolai Rimski-Korsakow zu studieren. Seine offen deklarierte Anhänglichkeit zur ukrainischen Kultur brachte ihm oft Schikanen. Er unterstützte die Russische Revolution von 1905 und kam 1907 ins Gefängnis. 1904 gründete Lyssenko in Kiew seine eigene Schule (seit 1913 „Lyssenko-Schule“). 1908 wurde er zum Vorsitzenden des Ukrainischen Klubs in Kiew gewählt.
Er starb 1912 in Kiew und wurde dort auf dem Baikowe-Friedhof beerdigt.Kyiv: Enzyklopädische Referenz / Herausgegeben von A. B. Kudrytskoho. - K : Home Edition der ukrainischen Sowjetenzyklopädie, 1981.
Die Oper Taras Bulba nach Nikolai Gogol mit ukrainischem Libretto von Mychajlo Staryzkyj gefiel Peter Tschaikowski, weshalb er sie in Moskau aufführen wollte. Lyssenko stellte jedoch die Bedingung, dass die Aufführung in ukrainischer Sprache erfolgen solle.
Seine Oper Natalka-Poltawka entstand als Vertonung der Erzählung von Iwan KotljarewskyjPhilipp Hofeneder: Das ukrainische Volkstheater. Zwischen sprachlicher Stilisierung und Volksbildung. In: Zeitschrift für Slavische Philologie, Bd. 68, Nr. 2, Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2011, S. 271–303, abgerufen am 13. Februar 2019.. Insgesamt komponierte Lyssenko neun Opern und drei Kinderopern (alle drei Libretti von Dniprowa Tschajka) und viele Lieder zu den Texten von Heinrich Heine in ukrainischen Übersetzungen sowie ukrainischer Dichter. Die Vertonung von Gedichten Taras Schewtschenkos nahm einen besonderen Platz in seinen Werken ein. Insbesondere Schewtschenkos Gedichtsammlung Kobsar faszinierte ihn, sodass er zu insgesamt 82 Texten von Schewtschenko die Musik komponierte.ЛИ́СЕНКО Микола Віталійович. Eintrag zu Mykola Witalijowytsch Lyssenko in der Enzyklopädie der modernen Ukraine. Auf ESU.com.ua (ukrainisch), abgerufen am 13. Februar 2019.
Lyssenko beschäftigte sich wissenschaftlich mit der Volksmusik von ukrainischen Wandermusikanten, wie Ostap Weressai, Pawlo Bratytsia und Opanas Slastion, sowie mit ukrainischen Musikinstrumenten. Lyssenko auch schrieb Melodie und Chorsatz des Gebet für die Ukraine, ein patriotisches Lied. Familie Lyssenko war der Vetter und Schwager des Kulturaktivisten und Schriftstellers Mychajlo Staryzkyj. Seine beiden Nichten und eine Großnichte wurden als Vertreterinnen der „hingerichteten Wiedergeburt“ () Opfer des stalinistischen Terrors: Ljudmyla Staryzka-Tschernjachiwska (1868–1941) Schriftstellerin, Tod während der Deportation Oksana Steschenko (1875–1942) Schriftstellerin, Tod im Gulag. Weronika Tschernjachiwska (Вероні́ка Олекса́ндрівна Черняхі́вська, 1900–1938) Dichterin, hingerichtet. Sein Sohn Ostap (1885–1968) war ein Musikwissenschaftler. Schrieb u. a. „Erinnerungen an M. Lyssenko“.http://esu.com.ua/search_articles.php?id=54892 Dessen Tochter Ariadna ("1921) Pianistinhttp://esu.com.ua/search_articles.php?id=54827 Weitere Linie: Tochter Marjana (1887–1946) Pianistinhttp://esu.com.ua/search_articles.php?id=54863 Deren Sohn Witali (1941–1999?)http://esu.com.ua/search_articles.php?id=54837 und Enkel Mykola (* 1971) sind Dirigentenhttp://esu.com.ua/search_articles.php?id=54865.
Werke (Auswahl) mini|hochkant|Mykola Lyssenko Oper: Andrassyada // Андрашіада, Libretto von Mychajlo Staryzkyj und Mychajlo Drahomanow, 1866–77 Schwarzmeer // Чорноморці, Libretto von Mychajlo Staryzkyj nach dem Stück von Jakiw Kucharenko, 1872 Weihnachtsabend // Різдвяна ніч, Libretto von Mychajlo Staryzkyj nach der Erzählung von Nikolai Gogol, 1874 Die Ertrunkene // Утоплена, Libretto von Mychajlo Staryzkyj nach der Erzählung von Nikolai Gogol Eine Mainacht oder Die Ertrunkene, 1883 Natalka Poltawka, Drama von Iwan Kotljarewskyj, 1889 Taras Bulba, Libretto von Mychajlo Staryzkyj nach der Erzählung von Nikolai Gogol, 1890 Hexe // Відьма, Text von Ljubow Janowska, 1901 Sappho // Сапфо, Libretto von Ljudmyla Staryzka-Tschernjachiwska, 1896–1904 Enejida, Libretto von Mykola Sadowskyj nach Iwan Kotljarewskyj, 1910 Nocturne // Ноктюрн, Opernminiatur, Libretto von Ljudmyla Staryzka-Tschernjachiwska 1912
Kinderoper: Koza-dereza // Коза-Дереза, Libretto von Dniprowa Tschajka,1888 Herr Kotsky // Пан Коцький, Libretto von Dniprowa Tschajka, 1891 Winter und Frühling, oder das Schneemädchen // Зима і Весна, або Снігова краля, Libretto von Dniprowa Tschajka, 1892
Musik für Theaterstücke: Zauberhafter Traum // Чарівний сон, Text von Mychajlo Staryzkyj, 1894 Die letzte Nacht // Остання ніч, Text von Mychajlo Staryzkyj, 1899 Kantaten:
Die Schwellen brechen auf // Б'ють пороги, nach Worten von Taras Schewtschenko, 1878 Freue dich, ungepflügtes Feld // Радуйся, ниво неполитая nach Worten von Taras Schewtschenko, 1883 Zum ewigen Gedenken an Kotliarevsky // На вічну пам'ять Котляревському, nach Worten von Taras Schewtschenko, 1895 Zum 50. Jahrestag von Schewtschenko // До 50-х роковин Шевченка, basierend auf den Worten von Wolodymyr Samijlenko, 1911
Romanze
Oh, allein bin ich, allein bin ich // Ой одна я, одна, Worte von Taras Schewtschenko, 1868 Der Abend im Dorfe // Садок вишневий коло хати, Worte von Taras Schewtschenko, 1868 Hetmans, hetmans // Гетьмани, гетьмани, Worte von Taras Schewtschenko, 1872 Hätte ich Schuhe // Якби мені черевики, Worte von Taras Schewtschenko, 1872 Durch die Eichen heult der Wind // По діброві вітер виє, Worte von Taras Schewtschenko, 1872 Milovanka // Милованка, Worte von Adam Mickiewicz, 1881 Ich hatte ein geliebtes Heimatland // У мене був коханий, рідний край, Worte von Heinrich Heine, 1893 Vergiss deine Jugend nicht // Не забудь юних днів, Worte von Iwan Franko, 1898 Ein endloses Feld // Безмежнеє поле, Worte von Iwan Franko, 1898 Im tristen Frühling // Смутної провесни, Worte von Lessja Ukraijnka, 1909 Astern // Айстри, Worte von Oleksandr Oles, 1907
Gedenken und Rezeption (Auswahl) mini|hochkant|Grab von Mykola Lyssenko Am 14. September 1913 fand in Poltawa eine Gedenkfeier zum ersten Todestag von Mykola Lyssenko statt.
Im Frühjahr 1913 fand in Charkiw ein Wettbewerb für den Entwurf eines Grabmals statt. Zur Jury zählten unter anderem Serhij Wassylkiwskyj und Mychajlo Berkos. Kostjantyn Schukow, Serhij Tymoschenko und Wiktor Trozenko reichten ihre Projekte im Stil des ukrainischen Modernismus ein. Aufgrund des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs wurde keiner der Entwürfe umgesetzt. Erst 1939 errichtete Juchym Bilostozkyj einen graniternen Grabstein im Stil des sozialistischen Realismus.
Denkmäler und Gedenktafeln Am 29. Dezember 1965 wurde vor der Nationale Oper der Ukraine ein Denkmal für Mykola Lyssenko enthüllt (Bildhauer: Oleksandr Kowaljow, Architekt: Wassyl Gnezdilow) Am 16. Juni 2019 wurde in Leipzig eine Gedenktafel für Mykola Lyssenko in der Nürnberger Straße 16 an jenem Haus enthüllt, in dem er während seines Studiums lebte. mini|hochkant|Denkmal für Mykola Lyssenko vor dem Opernhaus in Kiew
Mykola Lyssenko als Namensgeber Nach Mykola Lyssenko wurden unter anderem benannt:
die Nationale Mykola-Lyssenko-Musikakademie Lwiw das Charkiwer Nationales Akademisches Theater für Oper und Ballett der Nationale Philharmonie der Ukraine die Kiewer Fachschule für Musik die Staatliche Musikhochschule Poltawa der Mykola-Lyssenko-Preis der Mykola-Lyssenko-Musikwettbewerb in Kiew Straßen in Kiew, Lwiw, Kamjanske und anderen Orten in der Ukraine
Briefmarken und Münzen
Im Jahr 2002 gab die Nationalbank der Ukraine zum 160. Geburtstag des Komponisten eine Jubiläumsmünze im Wert von 2 Hrywnja heraus.
Filme
1986: «І в звуках пам'ять відгукнеться …» // Und in den Tönen schwingt Erinnerung. (Regie: Tymofij Lewtschuk, Hauptrolle: Fedir Stryhun)
Literatur (Auswahl) Taras Filenko, Tamara Bulat: The World of Mykola Lysenko: Ethnic Identity, Music, and Politics in Nineteenth-Century Ukraine. Ukraine Millennium Foundation (Canada), 2001, ISBN 966-530-045-8. Lubomyra Jarosewytsch: Lyssenko Lysenko, O. M.V. Lysenko: Spohady syna (Kyiv 1959, 1966) Rudnyts’kyi, A. Ukraïns’ka muzyka (Munich 1963) Zahaikevych, M. (ed). Mykola Lysenko: Borets’ za narodnist’ i realizm u mystetstvi (Kyiv 1965) Lysenko, O. (ed). M.V. Lysenko u spohadakh suchasnykiv (Kyiv 1968) Vasylenko, Z. Fol’klorystychna diial’nist’ M.V. Lysenka (Kyiv 1972) Bulat, T. M. Lysenko (Kyiv 1973) Arkhimovych, L.; Hordiichuk, M. Mykola Vitaliiovych Lysenko: Zhyttia i tvorchist’, 3rd rev ed (Kyiv 1992)
Weblinks
Lyssenko Streichquartett in d-Moll
Eintrag zu Mykola Lyssenko in der Enzyklopädie der Geschichte der Ukraine (ukrainisch) Eintrag zu Mykola Lyssenko in der Ukrainischen Sowjetenzyklopädie (ukrainisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Komponist (Romantik) Kategorie:Komponist (Ukraine) Kategorie:Komponist (Russisches Kaiserreich) Kategorie:Klassischer Pianist Kategorie:Musikwissenschaftler Kategorie:Künstler (Kiew) Kategorie:Absolvent der Nationalen Taras-Schewtschenko-Universität Kiew Kategorie:Geboren 1842 Kategorie:Gestorben 1912 Kategorie:Mann