Aitrach ist eine Gemeinde im Südosten Baden-Württembergs und gehört zum Landkreis Ravensburg.
Geographie Aitrach liegt zwischen Leutkirch und Memmingen an der Mündung des Flüsschens Aitrach in die Iller.
Naturschutzgebiet Das Naturschutzgebiet Kiesgrube Aitrach ist Bestandteil des FFH-Gebiets 8026-341 Aitrach und Herrgottsried.
Nachbargemeinden Die Gemeinde Aitrach grenzt an die folgenden Städte und Gemeinden: Im Norden an Haslach und Tannheim im Landkreis Biberach, im Osten an die kreisfreie Stadt Memmingen in Bayern und Lautrach im bayerischen Landkreis Unterallgäu, im Süden an Aichstetten und im Westen an Bad Wurzach (beide Landkreis Ravensburg).
Ortsteile Neben dem Kerngebiet Aitrach bestehen noch folgende Ortsteile: Mooshausen Treherz
Daneben gehören zu Aitrach noch folgende Wohnplätze: Marstetten, Ferthofen, Ober- und Untermuken, Schmiddis, Schnaggenberg, Rotengrund, Baniswald, Sigglis, Vogelherd, Wald, St. Johann, Stibi, Rank, Burghalde, Pfänders, Oberhausen und Riedhof.
Geschichte Mittelalter Die erste urkundliche Erwähnung von Aitrach stammt aus dem Jahre 838. In dieser Urkunde, die im Kloster St. Gallen aufbewahrt wird, ging es um ein Tauschgeschäft zwischen dem Kloster Kempten und dem Grafen Wanning. Während der Zeit des Hochmittelalters lag der Ort im Herzogtum Schwaben. Die mittelalterliche Geschichte Aitrachs ist insbesondere auch mit der Geschichte der Burg Marstetten verbunden.
Neuzeit Von 1566 bis 1803 verlieh das Fürststift Kempten den Ort an das Haus Waldburg.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg (124 Pesttote) war das Dorf nahezu ausgestorben und erholte sich nur sehr langsam.
Seit 1675 übte die Linie der Grafen von Waldburg zu Zeil-Wurzach die Herrschaft am Ort aus.
Nach der Mediatisierung des Hauses Waldburg 1806 war Aitrach vier Jahre lang beim Königreich Bayern. 1810 kam der Ort an das Königreich Württemberg und wurde dem Oberamt Leutkirch zugeordnet. Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Aitrach 1938 zum Landkreis Wangen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort Teil der Französischen Besatzungszone und kam somit zum Nachkriegsland Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Land Baden-Württemberg aufging.
Seit der Kreisreform von 1973 ist Aitrach Teil des Landkreises Ravensburg.
Einwohnerentwicklung Jahr 1871 1890 1910 1939 1961 1970 1991 1995 2002 2005 2010 2015 2020 Einwohner 1118 1299 1471 1535 2186 2320 2277 2414 2600 2579 2525 2544 2737
Religionen mini|St. Gordianus und Epimachus Aitrach ist wie das gesamte Umland römisch-katholisch geprägt. Die Gemeinde ist Sitz der Pfarrei St. Gordianus und Epimachus in Aitrach, der Pfarrei St. Johann Baptist in Treherz und der Pfarrei St. Johann Baptist in Mooshausen. Die Kirchengemeinden bilden mit zwei weiteren die Seelsorgeeinheit Aitrachtal im Dekanat Allgäu-Oberschwaben der Diözese Rottenburg-Stuttgart.
Die evangelische Kirchengemeinde Aitrach umfasst auf etwa 300 km² Fläche die Gemeinden Aitrach, Tannheim, Aichstetten, sowie die Orte Haslach (Ortsteil von Rot an der Rot) und Hauerz (Ortsteil von Bad Wurzach). Die evangelische Diaspora-Gemeinde gehört zum Kirchenbezirk Ravensburg und hat 1067 Mitglieder (Stand Ende 2022). Sie hat 2023 sich mit benachbarten Kirchengemeinden zur Verbundkirchengemeinde Leutkirch-Aitrach-Kißlegg zusammengeschlossen.
Es gibt auch eine neuapostolische Kirche im Ort.
Politik Verwaltungsgemeinschaft Mit der Stadt Leutkirch im Allgäu und der Gemeinde Aichstetten wurde eine Verwaltungsgemeinschaft vereinbart.
Gemeinderat Der Gemeinderat in Aitrach besteht aus den zwölf gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart
Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 47,79 6 44,3 5 FLA Freie Liste Aitrach 41,95 5 30,0 4 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 10,26 1 19,5 2 FDP Freie Demokratische Partei – – 6,1 1 gesamt 100,0 12 100,0 12 Wahlbeteiligung 59,74 % 50,6 %
Bürgermeister
1984–2008: Peter Alexa seit 2008: Thomas Kellenberger
Wappen
Sehenswürdigkeiten
Die Kirchen St. Gordianus und Epimachus in Aitrach und St. Johann Baptist in Mooshausen zählen zu den bedeutendsten Bauwerken der Gemeinde. Die Burgruine Marstetten befindet sich noch im Besitz des Hauses Waldburg. Der ehemalige Zehntstadel stammt von 1511 und ist das älteste noch original erhaltene Gebäude im Ort. Neben der Fürst-Erich-Kapelle, einer Wegkapelle an der Stelle im Wald, an der Erich von Waldburg-Zeil 1953 mit seinem Auto tödlich verunglückte, gibt es die Bruder-Konrad-Kapelle, die Hofkapelle Schlecht und die Fatimakapelle.
Wirtschaft und Infrastruktur Die Haupterwerbsquelle der Aitracher Bürger war neben der Landwirtschaft der Holzhandel und die Illerflößerei. Zu manchen Zeiten war jeder zweite Mann ein Flößer. Als früheste Erwähnung der Illerflößerei gelten die kaiserlichen Zollprivilegien aus dem Jahre 1397, die dem Adelshaus Königsegg als Besitzer der Burg Marstetten gewährt wurden. Die kaiserlichen Besitzerrechte an der Flößerei gingen später auf das Adelshaus Waldburg-Zeil über. Mit den Niedergang der Flößerei setzte eine erste Industrialisierung ein. Mühlen siedelten sich an und der Kies- und Steinabbau gewann an Bedeutung, Schotter für die Eisenbahn wurde begehrt. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich der Strukturwandel vom armen Flößer- und Bauerndorf zu einer Gemeinde, die maßgeblich von Handwerk und Industrie geprägt wird, verstärkt fort.
Verkehr Aitrach ist durch die Bundesautobahn 96 (Lindau (Bodensee)–Memmingen–München) an das überregionale Straßennetz angebunden. Durch das nahe Autobahnkreuz Memmingen besteht auch eine Anbindung in Nord-Süd-Richtung mit der A 7. Im Ortsteil Marstetten befindet sich der Haltepunkt Marstetten-Aitrach, der die Gemeinde über die Bahnstrecke Leutkirch–Memmingen mit dem Schienennetz verknüpft. Im Ort kreuzen sich die Landesstraße 260 und die Kreisstraße 7922. Durch den Ortsteil Ferthofen führt die Landesstraße 2009.
Durch eine Alltagsroute aus dem Radnetz Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de ist Aitrach über den Ortsteil Ferthofen Richtung Memmingen und eigentlich in der anderen Richtung über Aichstetten mit Leutkirch verbunden; hinter Aichstetten-Altmannshofen besteht jedoch eine Netzlücke, da es dort an der stark befahrenen L260 keinen Radweg gibt.
Ansässige Unternehmen Am Ort befinden sich mehrere Unternehmen, hauptsächlich im Gewerbegebiet Ferthofen. Dort ist auch der Weltmarktführer im Bereich Parksysteme, die Firma Klaus Multiparking, ansässig.
Bildung Im Hauptort gibt es eine Grundschule. Für die jüngsten Einwohner gibt es den Kindergarten Arche Noah.
Persönlichkeiten und Ehrenbürger Bernhard Grupp (1834–1922), Lehrer, Mesner, Kirchenchordirigent und ImkerHomepage der Gemeinde Aitrach Hugo Gaisser (1853–1919), Benediktiner und Choralforscher Hermann Krum (1868–1959), Unternehmer (Inhaber der Göppinger Papierfabrik G. Krum) Josef Weiger (1883–1966), römisch-katholischer Pfarrer in Mooshausen Rudolf Fritz Weiss (1895–1991), Facharzt für Innere Medizin, Experte für Pflanzenheilkunde Alfons Baumgärtner (1904–1976), römisch-katholischer Geistlicher, geboren in Treherz Winfried Aßfalg (* 1940), Pädagoge und Heimatkundler Susanne Kiebler (* 1959), Künstlerin und Dozentin Bernd Kirschner (* 1980), Künstler (Maler)
Literatur
Weblinks
Gemeinde Aitrach Aitrach bei LEO-BW
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Ravensburg Kategorie:Ort in Oberschwaben Kategorie:Ersterwähnung 838