Die Klasse 123 (nach dem Typschiff auch Brandenburg-Klasse genannt) ist eine aus vier Fregatten bestehende Kriegsschiffklasse der Deutschen Marine. Die Brandenburg wurde am 14. Oktober 1994 in Dienst gestellt. Ihr folgten die Schleswig-Holstein (Indienststellung 24. November 1995), die Bayern (Indienststellung 15. Juni 1996) und die Mecklenburg-Vorpommern (Indienststellung 6. Dezember 1996). Die Schiffe der Brandenburg-Klasse ersetzten die Zerstörer der Hamburg-Klasse im Verhältnis 1:1.

Bis 2014 lag der Schwerpunkt der Fregatten auf der U-Jagd, mit der Möglichkeit, Seeziele anzugreifen. Die Boden-Luft-Komponente war durch die NSSM-Flugkörper nur wenig ausgeprägt. Seit 2014 werden ESSM-Flugkörper nachgerüstet.

Namensgebung Der Name Brandenburg wurde erstmals von dem Panzerschiff der Kaiserlichen Marine, der Brandenburg der gleichnamigen Klasse getragen. Die Namen Bayern und Schleswig-Holstein wurden von den Zerstörern der Hamburg-Klasse übernommen.

Entwicklung Die Fregatten des Typs F123 wurden in den 1980er-Jahren als Ersatz für die veralteten Zerstörer der Hamburg-Klasse geplant. Basierend auf den Erfahrungen mit der Bremen-Klasse sowie dem aufgegebenen Projekt NFR-90 begann Blohm + Voss mit der Entwicklung eines neuen Schiffstyps, der auch die Vorteile des modularen MEKO-Systems berücksichtigte. 1989 wurde der Bau von vier Schiffen genehmigt. Das erste Schiff, die Brandenburg, wurde 1992 bei Blohm + Voss in Hamburg auf Kiel gelegt, lief noch im gleichen Jahr vom Stapel und wurde 1994 bei der Deutschen Marine in Dienst gestellt. Noch im gleichen Jahr wurde die von den Howaldtswerken in Kiel gebaute Schleswig-Holstein in Dienst gestellt. 1996 folgten dann die Bayern, gebaut von den Nordseewerken in Emden, und die von der Bremer Vulkan Werft gebaute Mecklenburg-Vorpommern.

Für die Fregatten des Typs F123 ist ein umfassendes Modernisierungsprogramm, die sogenannte „Fähigkeitsanpassung F123“ vorgesehen. Unter anderem sollen die Sea-Sparrow-Boden-Luft-Flugkörper ab 2014 im Rahmen eines Munitionstausches durch die Weiterentwicklung ESSM ersetzt werden. Als weitere Maßnahme war geplant, die F123 zwecks verbesserter Stabilität zu verlängern. Diese Maßnahme wurde inzwischen aus Kostengründen gestrichen; stattdessen erfolgen stahlbauliche Veränderungen im Schiff, um die Stabilität zu verbessern. Es ist auch geplant, die noch analoge Steuerung der schiffstechnischen Systeme durch eine digitale zu ersetzen. Die leichten 20-mm-Geschütze Rh 202 wurden durch zwei 27-mm-Marineleichtgeschütze ersetzt. Als neues Führungs- und Waffeneinsatzsystem (FüWES) wird „SABRINA 21“ verwendet, damit werden auch die Fähigkeiten des Systems insgesamt erweitert; außerdem wird die Feuerleitanlage ersetzt. Nachdem die Fregatte F 216 Schleswig-Holstein bereits im Dezember 2006 mit vier Täuschkörperwurfanlagen (TKWA) des Typs MASS von Rheinmetall ausgerüstet worden war, erhielten bis 2009 auch die anderen drei Fregatten des Typs F123 dieses System.

Im Zeitraum 2009–2011 wurden alle Fregatten mit einer neuen Aussetzvorrichtung für Speedboote versehen, gleichzeitig erfolgt die Ausrüstung mit neuen Speedbooten der Firma Boomeranger. Testweise wird die Fregatte Bayern 2011 mit einem Marine-Evakuierungssystem der Firma Viking Life Sea Systems ausgerüstet; nach erfolgreicher Erprobung sollen alle Fregatten des Typs F123 mit diesem System ausgerüstet werden.

Überblick Ein möglicher Konflikt mit dem Warschauer Pakt im Nordatlantik, der GIUK-Lücke und im Europäischen Nordmeer wurde von der NATO bereits 1957 in der Operation Strikeback geübt. Operation Strikeback war mit 200 Kriegsschiffen, 650 Flugzeugen und 75.000 Personen die größte Marineoperation zu Friedenszeiten und versammelte die größte Flotte seit dem Zweiten Weltkrieg. Zusammen mit zeitgleich laufenden NATO-Übungen wurden 250.000 Personen, 300 Schiffe und 1.500 Flugzeuge auf einer Front von Norwegen bis zur Türkei in Bewegung gesetzt, um den Krieg gegen die Sowjetunion zu simulieren. Um die REFORGER-Konvois zu simulieren, wurden über 200 Handelsschiffe in die Übung eingebunden, darunter auch die Queen Mary und Ile de France, die beide als Zielschiffe markiert wurden. Nach einer fulminanten „Seeschlacht“, in die auch die beiden Atom-U-Boote Seawolf und Nautilus auf „gegnerischer“ Seite eingebunden waren, und 8.000 Marines, die nach einem simulierten taktischen Kernwaffeneinsatz in den Dardanellen angelandet wurden, um diese zurückzuerobern (Operation Deep Water), belegte die NATO die durch die „gegnerische“ Seite okkupierten norwegischen Stützpunkte mit simulierten taktischen Kernwaffen und konnte so den „Krieg“ für sich entscheiden.

Der Warschauer Pakt „revanchierte“ sich 1970 in der Übung Okean, die die größte Marineübung der Welt seit dem Zweiten Weltkrieg war. Über 200 Schiffe und mehrere hundert Flugzeuge simulierten in der Ostsee, Barentssee, im Atlantik, Mittelmeer, Nordmeer und im Pazifik, in der Philippinensee und dem Japanischen Meer den Krieg gegen die NATO. Bomber flogen simulierte Angriffe gegen sowjetische Einsatzgruppen im Atlantik und Pazifik, die US-Flugzeugträgerkampfgruppen darstellten. 1981 wurde zusammen mit Syrien amphibische Kriegsführung mit der Anlandung von Truppen geprobt. 1983 wurde in einer großen Marineübung, neben den üblichen Angriffen auf „US-Trägerkampfgruppen“, auch mit 40 sowjetischen Handelsschiffen der Kampf mit Konvois geübt.

mini|Die Mecklenburg-Vorpommern

Die Schiffe der Brandenburg-Klasse wurden letztlich dafür konzipiert, zusammen mit den Kriegsmarinen der NATO-Länder REFORGER-Konvois über den Atlantik zu eskortieren. Die Rote Flotte hätte dabei versucht, durch Backfire-Angriffe und U-Boote diese Konvois zu versenken. Folglich wurde Wert auf eine kombinierte Luft- und U-Boot-Abwehr gelegt, wobei das Hauptaugenmerk der Brandenburg-Klasse auf die Uboot-Jagd gelegt wurde. Seit der Auslieferung wurden folgende Kampfwertsteigerungen nur ansatzweise oder überhaupt nicht umgesetzt, die angedacht, möglich oder nötig waren:

Die U-Jagd kann durch Einrüstung eines Schleppsonars verbessert werden, um entweder passiv im Niedrigfrequenzbereich zu lauschen oder im Mittelfrequenzbereich mit den U-Booten der Klasse 212A eine bistatische Anordnung zu bilden, um deren Lagebild zu verbessern. Die Senkrechtstartanlage Mk. 41 Mod. 4 kann auch mit Anti-U-Boot-Raketen wie der RUM-139 VL-ASROC beladen werden, die von der Bundeswehr nicht beschafft wurden. Die Verbandsflugabwehr kann durch Hochrüstung der Senkrechtstartanlage von 16 auf 32 Zellen deutlich verbessert werden. Das Mk. 41 Mod. 4 kann auch die Standard Missile 2 und ESSM aufnehmen, welche durch das STIR ins Ziel geführt werden können. Letztlich entschied sich die Bundeswehr nur, ab 2014 die NSSM durch weiter reichende ESSM zu ersetzen, um die NSSM für die Fregatten der Bremen-Klasse vorzuhalten. Die verwendeten Exocet-MM38-Seezielflugkörper erreichen 2015 ihr Nutzungsende. Zukünftig wird die Einrüstung des Seeziel-LFK vom Typ RGM-84 Harpoon auch an Bord der Fregatten-Klasse 123 als Exocet-Ersatz erfolgen.

Die Sachsen-Klasse ist für ein identisches Aufgabenspektrum konzipiert, allerdings liegt der Schwerpunkt hier auf der Verbandsflugabwehr. Folglich wurden weitreichende SM-2-Lenkwaffen und modernste Radartechnik eingerüstet. Das TASS-6-3-Schleppsonar kann auch in die Schiffe der Sachsen-Klasse eingerüstet werden.

Technik Sensoren Ursprünglich verfügte die Brandenburg-Klasse über keine Sensorfusion. Das Führungssystem SATIR-III mit AN/UYK-43 und 14 Konsolen von Atlas Elektronik besaß lediglich das Norden Track Management System (TMS) zur Trackfusion. Die Datenverarbeitung war in Ada programmiert. 1997 wurden in die Operationszentrale (OPZ) noch SATCOM-Terminals vom Typ SCOT 3 von Matra Marconi nachgerüstet. Um Kontakt zu getauchten Ubooten zu halten, verfügt die Klasse über ein Unterwassertelefon des Typs Honeywell-ELAC UT 2000. Die Torpedokonsolen wurden von den Zerstörern der Hamburg-Klasse kannibalisiert. Später wurde noch eine stabilisierte Multi-Sensor-Plattform (MSP) 500 eingerüstet.

Die Fregatten Schleswig-Holstein und Bayern sind zusätzlich mit dem MAIGRET von EADS ausgerüstet, um feindliche Kommunikation abhören zu können. Das System verwendet eine Reihe von zusätzlichen Antennen, um Signale von 1 bis 1000 MHz abzufangen und anzupeilen. Eine Emitterdatenbank ermöglicht die automatische Identifikation. Das System kann im V/UHF-Band 3.300 Kanäle pro Sekunde abscannen (linear, d. h. ohne Frequenzsprungverfahren) bzw. bis zu eine Milliarde pro Sekunde im Adaptivmodus (d. h. bei Frequenzsprungverfahren). Die Richtungspeilung kann auf einem PPI oder A-Scan angezeigt werden. Die charakteristischen Eigenschaften eingehender Signale werden statistisch erfasst und ausgewertet.

Ab 2011 wird als neues Führungs- und Waffeneinsatzsystem (FüWES) SABRINA 21 verwendet. Damit werden auch die Fähigkeiten des Systems insgesamt erweitert; außerdem wird die Feuerleitanlage ersetzt. SABRINA basiert wie das CDS der Sachsen-Klasse auf dem TACTICOS von Thales und vernetzt ausnahmslos alle Sensoren und Effektoren des Schiffes über Ethernet mit verteilten Rechnerschränken und modernen Mehrzweckkonsolen, die mit offenen Gateways und missionsspezifischer Software arbeiten. Das System kann auch mit kommerzieller Software und speziellen Programmen wie Datenbankmanagementsystemen, Expertensystemen, Blackboards und Künstlichen Neuronalen Netzen arbeiten. Jede Konsole verfügt dabei über die gesamte Anwendungssoftware in ihrem Massenspeicher, sodass der Bediener schnell zwischen verschiedenen Aufgaben wechseln kann. Über die Netzwerkknoten werden Programme und Rechenleistung bei Ausfällen automatisch verschoben; funktionale und Datenbank-Informationen werden auf Basis semantischer Verknüpfungen laufend automatisch verschoben.

SMART-S mini|Zwei Fregatten der Brandenburg-Klasse mit SMART-S auf den Mastspitzen. Auf dem Vorsprung darunter das STIR. Die Kästen des FL 1800 befinden sich an den Ecken der Mastspitze unter dem SMART-S.

Das SMART-S von Thales Naval Nederland ist ein passiv phasengesteuertes rotierendes Radar. Die rechteckige Antenne befindet sich auf dem höchsten Mast. Das Radar wurde explizit zur Ortung von tieffliegenden, Mach-3-schnellen Seezielflugkörpern mit einem Radarquerschnitt von 0,1 m² entwickelt, kann aber auch Flugkörper im Sturzflug mit 60° Sinkwinkel orten. Die Signalverarbeitung kann bis zu 160 Luft- und 40 Schiffsziele gleichzeitig verfolgen.

Das S-Band (2–4 GHz) wurde als Kompromiss zwischen Reichweite, Clutter und Antennendimensionen gewählt. Die 4,8 × 2,05 m große Antenne rotiert mit 27 Umdrehungen pro Minute und wiegt 1,2 Tonnen. Die Radarenergie wird durch eine Wanderfeldröhre mit einer Spitzenleistung von 145 kW erzeugt, die Sendekeule wird dann durch einen Hornstrahler mit 23 dB breit abgestrahlt. Die empfangenen Signale werden von 16 horizontalen Streifen aufgefasst, die durch die Signalverarbeitung 12 übereinander gestapelte virtuelle Signalkeulen mit 2° horizontalem und 9° vertikalem Öffnungswinkel bzw. 31,5 dB erzeugen, die von 0° bis 90° alle Elevationsbereiche abdecken. Das Rollen und Stampfen des Schiffs wird durch die Signalverarbeitung eliminiert.

Das Radar ermöglicht die direkte Zielzuweisung an den Beleuchter. Das SMART-S besitzt Festzeichenunterdrückung durch schnelle Fourier-Transformation und Kohärenz. Im Normalfall wird mit einer Impulsfolgefrequenz von 3800/s und 0,6 µs Pulsbreite gesendet, bei EloGM ändert sich diese sukzessive. Die Sendefrequenz wechselt dann ebenfalls von Puls zu Puls. Das Radar hat weder Freund-Feind-Erkennung noch die Fähigkeit zur nichtkooperativen Zielidentifizierung.

STIR