mini|St.-Bartholomäus-Kirche von 1180 mini|Ortsbild mini|Funkturm Kirchwalsede, auf dem Hampberg Kirchwalsede ist eine Gemeinde in der Samtgemeinde Bothel im Landkreis Rotenburg (Wümme) in Niedersachsen.

Geografie Geografische Lage Kirchwalsede liegt im Dreieck zwischen Rotenburg (Wümme), Visselhövede und Verden (Aller) in einem Ausläufer der zum Naturraum Stader Geest gehörenden Achim-Verdener Geest. Kirchwalsede ist flächenmäßig die größte Gemeinde der Samtgemeinde Bothel. Die höchste Erhebung in der Gemarkung, der Hampberg, mit 61 m über NHN, liegt am südöstlichen OrtsrandMartin Stellmann, Hans Hermann Gätjen, „Beiderseits der Wümme – Land zwischen Weser und Elbe“, Heimatbund Rotenburg/Wümme e. V. 1974. Darüber hinaus sind die nächsten größeren Erhebungen erst die hinter Visselhövede gelegenen Höllen-Berg (93 m) und Elmhorst-Berg (88 m). Das machte den Hampberg schon in der Pionierzeit des Funks zum Standort eines Funkturms.

Gemeindegliederung Zu der Gemeinde Kirchwalsede gehören das Haufendorf Kirchwalsede und die vier Weiler: Riekenbostel, Weißenmoor, Federlohmühlen und zum Teil Düsternheide (der andere Teil gehört zu Wittorf (Visselhövede)).

Nachbargemeinden Nachbarorte sind – von Norden aus im Uhrzeigersinn Hemsbünde (12 km), Visselhövede (13 km), Jeddingen (12 km), Bendingbostel (im Landkreis Verden) (12 km), Kirchlinteln (im Landkreis Verden) (12 km), Westerwalsede (3 km) und Rotenburg (Wümme) (12 km).

Geschichte Name Zum Ursprung des Namens Kirchwalsede gibt es zwei Erklärungen: Nach der ersten Version geht Walsede auf den Flussnamen Walse zurück, der identisch sei mit dem heute noch existierenden Fuhlbach, der durch alte Flurnamen belegt ist. Die Endung -ede lässt die Namenforschung auf einen Entstehungszeitraum zwischen dem 1. und 5. Jahrhundert schließen. Sie steht für das altgermanisch ithi, das viel, also „viel Wasser führend“ bedeutet. Die zweite Version sieht den Namen „aus den Begriffen Wald und Sede=Sitz entstanden und beschreibt einen Ort im Wald“„Kirchwalsede – Unser Dorf im Wandel der Zeit“, Chronik herausgegeben 1994, S. 12. Der Reichtum an Grün, bis zum heutigen Tag, wird als Argument für die zweite Version in die Waagschale geworfen.

Später entstanden die Tochtersiedlungen Westerwalsede und Süderwalsede. Der Zusatz Kirch- ist jüngeren Datums, wohl als Unterscheidungsmerkmal zu den Tochtersiedlungen eingeführt worden. Über die Jahrhunderte hinweg ist eine Reihe von Ortsbezeichnungen überliefert: Walsede (1320), Kerckwalsede (1385), Walssede (1479), Walsede (1540), Kirchwalßde (1581), Kirchwalsede (1718) abgerufen am 26. Juli 2021. Seit Ende des 17. Jahrhunderts wird der heutige Name genannt.

Vor- und Frühgeschichte Ein Kulthügel mit Steinkreis aus Feldsteinen aus der Zeit um 700 v. Chr. am Rande des Weißen Moores, bei Kirchwalsede wurde 1955 beim Eggen entdeckt„Kirchwalsede – Unser Dorf im Wandel – Bilder aus vergangener Zeit“, Chronik herausgegeben 1994, S. 1. Auch Vor – und Frühgeschichtliche Funde im nahen Wittorf belegen eine frühe Besiedlung der Gegend. Auch auf dem Wanderweg durch das Naturschutzgebiet „Großes und Weißes Moor“ ist ein Grabhügel aus der Steinzeit, aufgerufen am 9. Februar 2022, aufgerufen am 9. Februar 2022.

Mittelalter Erstmals erwähnt wurde Westerwalsede 1231, sowie Süderwalsede und Walsede um 1320Besitzregister des Verdener Bischofs..

Neuzeit Dem dazugehörigen Kirchspiel gehören neben Wester- und Süderwalsede noch Odeweg und Schafwinkel der Einheitsgemeinde Kirchlinteln des Landkreises Verden an. Der evangelische Bischof Eberhard von Holle führte im Kirchspiel 1567 die Reformation ein, die 1629 durch das kaiserliche Restitutionsedikt für zwei Jahre aufgehoben wurde. 1628 wurde Kirchwalsede von der Pest schwer in Mitleidenschaft gezogen, so dass nur drei Ehepaare von der Krankheit verschont blieben.

Am Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde 1645 das Herzogtum Verden mit dem Ort an die schwedische Krone übertragen, blieb staatsrechtlich ein eigenständiges deutsches Herzogtum. 1712 kam das Herzogtum mit Kirchwalsede unter dänischer Herrschaft und 1719 wurde es Teil des Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg„Kirchwalsede – Unser Dorf im Wandel der Zeit“, Chronik herausgegeben 1994, S. 12. Zwischen 1805 und 1813 gehörte Kirchwalsede die meiste Zeit zu Frankreich. Die Befreiung von der französischen Herrschaft erfolgte durch die Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813. Danach gehörte Kirchwalsede zum Königreich Hannover. Nach der Niederlage Hannovers 1866 im Deutschen Krieg, wurde es von Preußen als Provinz Hannover annektiert. 1946, nach der Auflösung Preußens, war es Teil des Landes Hannover und ab November 1946 im Land Niedersachsen.

Dorfentwicklung ab 1800 Torfstechen, Trockenlegung und Wiedervernässung von Mooren Die größte Veränderung, die das Dorf im Laufe der Zeit erlebte, war die Flurbereinigung („Verkoppelung“), die in den Jahren 1848–1850 stattfand. Dabei wurden Sümpfe und Moraste, die unmittelbar am Dorf lagen, trockengelegt und in Wiesen umgewandelt. 1922 gründeten die drei Dörfer Kirchwalsede, Unterstedt und Westerwalsede eine gemeinsame „Moorkultivierungsgenossenschaft“, die in den Jahren 1927/28 das Große Moor durch Anlegen großer Gräben trocken legte„Kirchwalsede – Unser Dorf im Wandel der Zeit“, Chronik herausgegeben 1994, S. 45/47.

1947 wurde durch einen Unternehmer aus Kirchlinteln ein Torfwerk in Weißenmoor gegründet. Der Abbau von Torf erfolgte industriell und der zum Brand in einer Ziegelei bestimmte Torf wurde mit einer Lorenbahn abtransportiert„Kirchwalsede – Unser Dorf im Wandel der Zeit“, Chronik herausgegeben 1994, S. 14. Das Torfstechen war in dieser Zeit die Hauptbeschäftigung vieler Bewohner. Auch für den privaten Gebrauch wurde, mangels alternativen Heizmaterials, Torf gestochen. Viele Höfe besaßen zu diesem Zwecke ihre jeweils eigenen Torfgruben. Der Torfabbau zu Heizzwecken wurde noch bis zum Beginn der 1970er Jahre praktiziert.

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts begann eine Diskussion um die Bedeutung der Moore als wichtige CO2-Speicher und die Notwendigkeit des Schutzes gefährdeter Pflanzenarten. Sie führte zur Idee der Wiedervernässung von Mooren, mittels regulierbarer Dämme in den vorhandenen Entwässerungsgräben. Schon 2023 wurde im Odeweger Moor, einem entwässerten aber nicht kultivierten Moor, fast 100 Jahre nach dessen Trockenlegung, erfolgreich eine erste Vernässung durchgeführt „Das Odeweger Moor im Landkreis Verden wird wieder CO2-Speicher“, Kreiszeitung Verden Kirchlinteln, 18. Mai 2023.

Die Besiedlung von Weißenmoor Eine deutliche Ausweitung der landwirtschaftlich genutzten Flächen ist schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit der Nutzung und Besiedlung des Weißen Moores erkennbar. Das älteste Gebäude von Weißenmoor ist die Neubauerstelle Dietrich Thies, früher Kirchwalsede Hausnr. 35, heute Weißenmoor 6„Kirchwalsede – Unser Dorf im Wandel der Zeit“, Chronik herausgegeben 1994, S. 242. Es wurde etwa 1812–1817 errichtet und stammt ursprünglich aus Sehlingen. Der Begründer hieß Harm Vogelsang. Zu den frühen Stellen gehört auch die Anbauerstelle Hüner, früher Kirchwalsede Hausnr. 47, heute Weißenmoor 3„Kirchwalsede – Unser Dorf im Wandel der Zeit“, Chronik herausgegeben 1994, S. 262. Wohl der jüngste Hof, er ist erst Ende der 1920er Jahre entstanden, ist Weißenmoor 2. Hier lag früher die lokale Lehmgrube.

Gebietsreform Seit der Gebietsreform am 1. März 1974 werden Kirch- und Westerwalsede hauptsächlich durch die Samtgemeinde Bothel verwaltet.

Am 1. März 1974 wurde die Nachbargemeinde Riekenbostel zu Kirchwalsede eingegliedert.

Bevölkerungsentwicklung + Bevölkerungsentwicklung Zeit Einwohner Bemerkungen/Quelle 1628 6 Die Pestepidemie 1626/28 überlebten nur 3 Ehepaare„Kirchwalsede – Unser Dorf im Wandel der Zeit“, Chronik herausgegeben 1994, S. 59 1908 555 Volkszählung 1908„Kirchwalsede – Unser Dorf im Wandel der Zeit“, Chronik herausgegeben 1994, S. 37 1910 584 Volkszählung 1910„Kirchwalsede – Unser Dorf im Wandel der Zeit“, Chronik herausgegeben 1994, S. 381913 über 600 „Kirchwalsede – Unser Dorf im Wandel der Zeit“, Chronik herausgegeben 1994, S. 39 1939 680 „Kirchwalsede – Unser Dorf im Wandel der Zeit“, Chronik herausgegeben 1994, S. 12 1946 um 1.280 + 600 Flüchtlinge„Kirchwalsede – Unser Dorf im Wandel der Zeit“, Chronik herausgegeben 1994, S. 12 1950 um 930 − 350 wandern 1948/49 ins Bergbaugebiet ab„Kirchwalsede – Unser Dorf im Wandel der Zeit“, Chronik herausgegeben 1994, S. 14 1967 900 1968 knapp 1.000 nach Eingemeindung von Riekenbostel„Kirchwalsede – Unser Dorf im Wandel der Zeit“, Chronik herausgegeben 1994, S. 16 1978 1.142 aufgerufen am 31. Januar 2022 1988 1.194 1998 1.226 2008 1.268 2020 1.188

Politik Gemeinderat Der Rat der Gemeinde Kirchwalsede besteht aus elf Mitgliedern., abgerufen am 28. Februar 2017. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.

Die letzte Kommunalwahl am 12. September 2021 ergab das folgende Ergebnis:Gemeindewahl Kirchwalsede 2021, abgerufen am 16. Januar 2022.

Partei Anteilige Stimmen Anzahl Sitze CDU 40,83 % 4 Bürgerliste Kirchwalsede 59,17 % 7

Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl 2021 lag mit 78,28 % über dem niedersächsischen Durchschnitt von 57,1 %.Wahlbeteiligung, abgerufen am 16. Januar 2022

Bürgermeister Der Gemeinderat wählte das Gemeinderatsmitglied Friedrich Lüning (Bürgerliste) zum ehrenamtlichen Bürgermeister für die aktuelle WahlperiodeGemeindewahl , abgerufen am 31. Dezember 2021.

Seine Amtsvorgänger waren„Kirchwalsede – Unser Dorf im Wandel der Zeit“, Chronik herausgegeben 1994, S. 69–70: 2011–2021 Ursula Hoppe 1996–2011 Klaus Lütjens 1972–1996 Fritz-Alexander Hornhardt 1952–1972 Heinrich Tramm 1946–1952 Hinrich Eggers 1945–1946 Hermann Haase 1935–1945 Heinrich Cordes 1923–1934 Ernst Schwertfeger 1915–1923 Hinrich Meyer 1869–1915 Diedrich Vorwerck 1867–1869 Hinrich Schwacke 1849–1867 Friedrich Cohrs

Wappen Im Schildhaupt des Kirchwalseder Wappens ist die Kirche von Kirchwalsede mit grauem Felssteinmauerwerk und rotem Ziegeldach dargestellt. Deutlich zu erkennen ist der Turm und das dreifach abgestufte Dach, das charakteristisch für diese Kirche ist. Das Feld (der Hintergrund) im Schildhaupt ist blau.

Die Schildteilung in Höhe von ⅔ des Wappens in Form eines roten Balkens bildet die Kirchhofsmauer ab.

Im Schildfuß wird eine blaue Wasserquelle dargestellt, die aus grauen Feldsteinen entspringt und ein graues Mühlrad antreibt. Das Mühlrad befindet sich in der Mitte des Schildfußes. Das Feld (der Hintergrund) ist hier grün.

Wirtschaft, Verkehr, Infrastruktur Wirtschaft Kirchwalsede ist durch fünf bäuerliche Vollerwerbsbetriebe landwirtschaftlich geprägt. Es besitzt Geschäftsstellen der Volksbank Wümme-Wieste eG und der Sparkasse Rotenburg-Bremervörde.

Verkehrsanbindung Straßen Bundesstraße 440 im Osten: Sie verbindet mit Rotenburg (Wümme) und Visselhövede. Bundesstraße 215 Nordwestlich von Kirchwalsede: Sie führ nach Verden (Aller) und Rotenburg (Wümme)t. Mitten im Ort kreuzen sich zwei Kreisstraßen. Die K 205 kommt von Lüdingen über den Ortsteil Weißenmoor, im Osten und führt nach Westerwalsede im Nordwesten; die Kreisstraße K 206 kommt von Süderwalsede im Südwesten und führt nach Hastedt und weiter zur B 71 im Nordosten (Liste der Kreisstraßen im Landkreis Rotenburg (Wümme)). Einzugsbereich der Autobahnen A7, A27, und A1

Bahn Bahnanbindungen: Bahnhof Rotenburg (Wümme) (13 km) Bahnhof Verden (Aller) (19 km) Bahnhof Visselhövede (13 km)

Nahverkehr Es bestehen mehrere Buslinien des öffentlichen Personennahverkehrs. Eine Ergänzung ist das Anrufsammeltaxi abgerufen am 11. Juni 2021.

Freiwillige Feuerwehr Kirchwalsede Freiwillige Feuerwehr Kirchwalsede von 1919 mit Kinder- und Jugendfeuerwehr von 2003 der Ortswehren von Wester-, Süder- und Kirchwalsede.Feuerwehr Kirchwalsede, aufgerufen am 21. Juni 2022