mini|250px|Gesetzliche Situation in den Bundesstaaten in Bezug auf die Todesstrafe (daneben kann die Todesstrafe auch nach Bundesrecht und im Militärstrafrecht verhängt werden): mini|250px|Zum Teil ist die Abschaffung der Todesstrafe nicht rückwirkend erfolgt, so dass schon zum Tode verurteilte Personen weiterhin hingerichtet werden können.
Die Todesstrafe in den Vereinigten Staaten ist eines der national wie international umstrittensten Elemente des Rechtssystems in den Vereinigten Staaten von Amerika. Ihre Verhängung sowie ihre Vollstreckung obliegt in den meisten Fällen den Bundesstaaten, von denen viele die Todesstrafe mittlerweile abgeschafft haben. Das Bundesstrafrecht sieht sie weiterhin vor, sowohl in der Militärgerichtsbarkeit als auch in den (wenigen) Strafangelegenheiten für Zivilisten nach Bundesrecht. Daher kann auch für Taten, die in einem Staat begangen wurden, der die Todesstrafe abgeschafft hat, diese verhängt werden, wenn der Täter nach Bundesrecht verurteilt wird. Aufgrund eines bundesweiten Vollstreckungsmoratoriums wurden zwischen 1967 und 1976 keine Hinrichtungen vorgenommen.
Geschichte Exekutionen in den USA 1976–2015 350px|zentriert Justiz Exekutionenseit 1976Executions by State and Region Since 1976 Webseite des Death Penalty Information Center. Abgerufen am 8. Juni 2026(per 2. Juni 2026) aktuell zum Tode verurteilte GefängnisinsassenDeath Row Overview Webseite des Death Penalty Information Center. Abgerufen am 8. Juni 2026(per 1. Oktober 2025) Letztmalige Vollstreckung der Todesstrafe (per 2. Juni 2026)Bundesregierung der Vereinigten Staaten1632021US-Streitkräfte041961Texas6001692026Florida1332652026Oklahoma131292026Virginia113–*2017Missouri10282025Alabama831592025Georgia77362024Ohio561162018South Carolina50272025North Carolina431242006Arizona431102026Arkansas31242017Louisiana29612025Mississippi25362025Indiana2362025Tennessee16432025Delaware16–*2012Kalifornien135802006Nevada12582006Illinois12–*1999theguardian.com vom 2. Juli 2014: Former Illinois governor 'regrets’ allowing state’s last executionUtah862024South Dakota512019Washington5–*2010Maryland5–*2005Nebraska4112018Idaho392012Kentucky3242008Montana322006Pennsylvania31051999Oregon201997Connecticut1–*2005New Mexico1–*2001Colorado1–*1997Wyoming101992Kansas091965New Hampshire0 11939USA: New Hampshire schafft die Todesstrafe ab. In: Die Zeit, 30. Mai 2019. Auf Zeit.de, abgerufen am 29. Juli 2021.Vereinigte Staateninsgesamt1.6692.024**2026* Todesstrafe abgeschafft. In Oregon gilt seit November 2011 ein unbefristetes Moratorium.Todesstrafe abgeschafft – Connecticut will keine Menschen mehr hinrichten Weitere Staaten ohne Todesstrafe: Alaska, Colorado, Connecticut, Delaware, Hawaii, Illinois, Iowa, Maine, Massachusetts, Michigan, Minnesota, New Hampshire, New Jersey, New York, North Dakota, Rhode Island, Virginia, Vermont, Washington (Bundesstaat), West Virginia, WisconsinWeitere Territorien ohne Todesstrafe: District of Columbia, Amerikanische Jungferninseln, Amerikanisch-Samoa, Puerto Rico, Guam, Nördliche Marianen, United States Minor Outlying Islands
** Mehrere Gefangene wurden in mehr als einem Staat zum Tode verurteilt, sodass die Gesamtzahl niedriger ist als die Summe der Zahlen der einzelnen Staaten.
Jahr Anzahl verhängterTodesurteilehttps://www.deathpenaltyinfo.org/documents/FactSheet.pdf(24. Januar 2026) Anzahl Exekutionen(24. Januar 2026)199829568199927998200022385200115366200216671200315165200413859200514060200612353200712642200812037200911852201011446201185432012824320138339201474352015492820163120201739232018432520193422202018172021181120222118202321242024262520252347
Staat Exekutionen in den USA von 1680 bis 1976Hinrichtungen in den Vereinigten Staaten von 1680–1976 Virginia 1.277 New York 1.130 Pennsylvania 1.040 Georgia 950 North Carolina 784 Texas 755 Kalifornien 709 Alabama 708 South Carolina 641 Louisiana 632 Arkansas 478 Ohio 438 Kentucky 424 New Jersey 361 Mississippi (Bundesstaat) 351 Illinois 348 Massachusetts 345 Tennessee 335 Florida 314 Maryland 309 Missouri 285 West Virginia 155 Oklahoma 132 Indiana 131 Connecticut 126 Oregon 122 Washington, D.C. 118 Washington 105 Arizona 104 Colorado 101 New Mexico 73 Montana 71 Minnesota 66 Delaware 62 Nevada 61 Kansas 57 Rhode Island 52 Hawaii 49 Iowa 45 Utah 43 Nebraska 34 Idaho 26 Vermont 26 New Hampshire 24 Wyoming 22 Maine 21 South Dakota 15 Michigan 13 Alaska 12 North Dakota 8 Wisconsin 1 Vereinigte Staaten insgesamt14.489
Die britischen Kolonien in Nordamerika verhängten bereits kurz nach ihrer Gründung die Todesstrafe. Die erste bekannte Hinrichtung war 1608 die von Kapitän George Kendall, der wegen Spionage für Spanien verurteilt worden war. Die erste Frau, Jane Champion, wurde 1632 wegen Kindstötung hingerichtet. Bis in die 1990er Jahre waren weniger als drei Prozent der Hingerichteten weiblich. Seit Beginn der amerikanischen Kolonialzeit bis 1996 wurden etwa 20.000 Menschen hingerichtet, davon 400 Frauen, von denen wiederum 27 der Hexerei für schuldig befunden worden waren.Thad Rueter: Why Women Aren't Executed: Gender Bias and the Death Penalty, Human Rights, Fall 1996, Vol. 23, No. 4, p.10-11. online unter .
Ab 1834 begann man, Hinrichtungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu vollstrecken. Die letzte öffentliche Hinrichtung fand am 14. August 1936 in Owensboro (Kentucky) statt, als der 22-jährige Afroamerikaner Rainey Bethea vor etwa 20.000 Zuschauern gehängt wurde.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in Wisconsin und Michigan die Todesstrafe abgeschafft. 1888 wurde der elektrische Stuhl anstelle der bisherigen Methoden des Erschießens und Hängens eingeführt. Von 1924 an gab es in einigen Bundesstaaten als weitere „moderne“ Vollstreckungsmethode die Gaskammer.
mini|hochkant=1.5|Hinrichtungen in den Vereinigten Staaten von 1608 bis 2009 Im 20. Jahrhundert gab es mehrere Fälle mit politischem Hintergrund, die großes Aufsehen erregten und die Öffentlichkeit polarisierten, zum Beispiel die Todesurteile gegen Sacco und Vanzetti sowie gegen das Ehepaar Ethel und Julius Rosenberg. 1935 wurden in den USA 199 Menschen hingerichtet, mehr als in jedem anderen Jahr. Im Jahr 1944 wurde mit dem 14-jährigen George Stinney der jüngste Mensch in den USA seit Beginn des 20. Jahrhunderts exekutiert. Sein Todesurteil wurde postum 2014 wegen Verfahrensfehlern für ungültig erklärt.
Um das Jahr 1960 tendierte die öffentliche Einstellung allmählich gegen die Todesstrafe. Von 1940 bis 1949 fanden noch 1296 Hinrichtungen statt,Executions in the U.S. 1608-2002: The ESPY File Executions by Date. In: deathpenaltyinfo.org, abgerufen am 18. Juli 2026. (PDF) zehn Jahre später waren es noch 715, und die Zahl fiel weiter auf 191 von 1960 bis 1967. Laut einer Umfrage im Jahre 1966 befürworteten zu dieser Zeit nur noch 42 Prozent der amerikanischen Bevölkerung die Todesstrafe.
Nach der Hinrichtung von Luis Jose Monge in der Gaskammer des Staates Colorado am 2. Juni 1967 kam es zu einem USA-weiten faktischen Vollstreckungsmoratorium, da mehrere Fälle über die grundsätzliche Zulässigkeit beim Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten vorlagen. 1972 kam der Fall Furman v. Georgia vor den Obersten Gerichtshof. Furman argumentierte, die Todesstrafe werde willkürlich und je nach Laune verhängt und verletze den 8. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten, der jeder Person Schutz vor grausamer und ungewöhnlicher Strafe gewährt. Die Obersten Richter urteilten, dass eine Strafe „grausam und ungewöhnlich“ sei, wenn sie dem Verbrechen nicht angemessen sei, wenn sie willkürlich verhängt werde, wenn sie den öffentlichen Gerechtigkeitssinn verletze und wenn sie nicht wirksamer sei als eine andere harte Strafe. Die Richter gaben Furman schließlich Recht, dass die Todesstrafe grausam und ungewöhnlich sei und den 8. Zusatzartikel verletze. Am 29. Juni 1972 erklärte der Oberste Gerichtshof 40 Todesstrafengesetze für nichtig, setzte die Todesstrafe im ganzen Land aus und wandelte die Todesurteile von 629 Gefangenen in lebenslängliche Haftstrafen um.
Die Bundesstaaten überarbeiteten ihre Todesstrafengesetze, um Willkür bei der Verhängung eines Todesurteils auszuschließen. Es wurden Richtlinien festgelegt, die es einem Richter oder den Geschworenen ermöglichen, erschwerende oder strafmildernde Faktoren zu berücksichtigen. Weiterhin wurden zwei unterschiedliche Phasen der Gerichtsverhandlung eingeführt – eine, in der über Schuld oder Nichtschuld des Angeklagten entschieden wird, und eine zweite, in der im Falle eines Schuldspruchs die Höhe der Strafe bestimmt wird. Außerdem wurden automatische Rechtsmittel festgelegt, nach denen Urteil und Strafe in der Berufung noch einmal geprüft werden können. Am 2. Juli 1976 erklärte der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten die Todesstrafe für einen 1973 in Georgia begangenen Mord für zulässig, da dort ein neues Gesetz eingeführt worden war (Gregg v. Georgia).
Von Juli 1967 bis Dezember 1976, also neuneinhalb Jahre lang, fanden in den USA keine Vollstreckungen von Todesurteilen statt. Die Hinrichtungen wurden am 17. Januar 1977 wiederaufgenommen. Gary Gilmore wurde im Staatsgefängnis Utah durch ein Peloton exekutiert. Am 7. Dezember 1982 wurde mit Charlie Brooks in Texas erstmals ein Verurteilter per Giftspritze getötet. Am 2. Dezember 2005 wurde in den USA Kenneth Lee Boyd als der 1000. Häftling seit Wiedereinführung der Todesstrafe hingerichtet.
Im Oktober 2009 schlossen die USA und die Europäische Union ein neues Auslieferungs- und Amtshilfeabkommen ab, demzufolge durften Gefangene aus einem EU-Land nur dann ausgeliefert werden, wenn ihnen in den Vereinigten Staaten nicht die Todesstrafe droht. Das Abkommen trat im Februar 2010 in Kraft. Bereits vorher galt jedoch ein allgemeines Verbot der Auslieferung, wenn die Todesstrafe drohen sollte, in Deutschland etwa durch des Gesetzes über die internationale Rechtshilfe in Strafsachen oder durch Artikel 19 Absatz 2 der Charta der Grundrechte der europäischen Union.. In Amtsblatt der Europäischen Union. C, Nr. 326, 26. Oktober 2012, S. 399.
Todesstrafe in der öffentlichen Meinung Nach Meinungsumfragen des Gallup-Instituts bewegte sich die Zustimmungsrate der Bevölkerung zur Todesstrafe im Zeitraum von 1985 bis 2007 zwischen 64 und 80 Prozent, im Oktober 2007 lag sie bei 69 Prozent. Wird bei der Frage ausdrücklich die Möglichkeit der lebenslangen Freiheitsstrafe ohne die Möglichkeit der vorzeitigen Entlassung angeboten, sinken die Werte auf 47 bis 54 Prozent.Sixty-Nine Percent of Americans Support Death Penalty In der Gallup-Meinungsumfrage vom November 2019 befürwortete erstmals eine Mehrheit der Befragten die lebenslange Freiheitsstrafe ohne die Möglichkeit der vorzeitigen Entlassung als Strafe für Mord gegenüber der Todesstrafe. Jedoch befürwortete weiter eine Mehrheit grundsätzlich die Todesstrafe als Bestandteil des Strafrechts.
Kosten Die Todesstrafe in den USA gilt als kostenintensiv. Eine Studie aus dem Jahr 2011 kam am Beispiel Kaliforniens zu dem Ergebnis, dass seit der Wiedereinführung der dortigen Todesstrafe 1978 insgesamt Mehrkosten in Höhe von über vier Milliarden Dollar entstanden waren. Dies entsprach Kosten von 307.692.308 Dollar für jede der im Untersuchungszeitraum durchgeführten 13 Hinrichtungen.Death penalty costs California $184 million a year, study says, latimes.com, 20. Juni 2011
Fehlurteile
Bis 2007 wurden in den USA insgesamt 15 zum Tode Verurteilte aufgrund neuer DNA-Beweise freigesprochen. Nach Einschätzung von Amnesty International wurden im Zeitraum von 1900 bis 1985 in den USA 350 Menschen zum Tode verurteilt, die unschuldig gewesen seien. In 97 Fällen von ihnen sei erst postum die Unschuld festgestellt worden. Bei 23 weiteren Hinrichtungen bestehen sehr starke Zweifel an der Schuld der hingerichteten Personen, in einem Fall erst durch einen DNA-Vergleich.