Findorff (Plattdeutsch ) ist ein Stadtteil von Bremen und gehört zum Bremer Stadtbezirk West.
Geografie und Ortsteile Findorff liegt nördlich vom Stadtzentrum von Bremen und ist vom Zentrum nur durch den Bremer Hauptbahnhof und die mehrfach getunnelten Gleisanlagen getrennt. Die benachbarten Stadtteile sind im Nordosten Horn-Lehe mit der Universität, im Osten Schwachhausen, im Süden Mitte und im Westen Walle.
Regensburger Straße Gesamtfläche: 60,7 ha, Bevölkerung 2007: 6.989
In dem nach der gleichnamigen Straße benannten Ortsteil befindet sich neben einer Grundschule die Oberschule Findorff an der Regensburger Straße.
Findorff-Bürgerweide Gesamtfläche: 61,4 ha, Bevölkerung 2007: 6.483
Die Bürgerweide gehört seit 1987 zu Findorff. Hier wird alljährlich im Herbst der Bremer Freimarkt abgehalten, eines der größten Volksfeste seiner Art in Deutschland. Jeweils zu Ostern findet als Frühlingsvolksfest die kleinere Osterwiese statt. Auf der Bürgerweide befindet sich weiter das Kongresszentrum mit der Stadthalle sowie das Kulturzentrum Schlachthof und eine Skateanlage. Außerhalb der Marktzeiten wird die Bürgerweide als kostenpflichtiger Parkplatz genutzt.
Weidedamm Gesamtfläche: 142,7 ha, Bevölkerung 2007: 12.304
Der Ortsteil bestand größtenteils aus Kleingartenanlagen. Hier wurden in drei Abschnitten von 1980 bis 1999 die Wohngebiete Weidedamm I bis III errichtet. Die älteren zwischen Torfhafen und Utbremer Ring gelegenen Wohngebiete entstanden von 1907 bis in die 1960er Jahre. 1969 hatte der Ortsteil Weidedamm 9.960 und 1999 bereits 11.268 Einwohner.
In den Hufen Gesamtfläche: 161,7 ha; Bevölkerung 2007: 336
Der Ortsteil besteht überwiegend aus einem hinter der Bahnlinie Bremen – Hamburg gelegenen Kleingartengebiet.
Geschichte Name Jürgen Christian Findorff (1720–1792) trieb die Kolonisierung des Teufelsmoores entscheidend voran. Findorffviertel (kurz Findorff) war im Volksmund zunächst der Name für ein Gebiet in Utbremen. Der neu gegründete Stadtteil Findorff trägt seit 1951 offiziell seinen Namen.
Mittelalter bis 1800 Im Weidebrief des Erzbischofs Hartwig I. wurde 1159 die Fläche des heutigen Findorff einschließlich Bürgerpark und Stadtwald als gemeine (Allmende) Weidefläche erwähnt. Sie war für alle Bürger nutzbar.
Irgendwann wurde der westliche Teil durch den Weidedamm abgetrennt, durch ein dichtes Netz von Entwässerungsgräben drainiert und als Bürgerweide Kämpe zu Acker- und Gartenflächen genutzt. Die Hemmstraße – früher Hempstraße – gab es schon im 12. Jahrhundert. Sie führte 1139 durch das Dorf Wallerehem, ab 1179 Dorf Hemme, von Utbremen an der Kleinen Wümme durch das Blockland zur Großen Wümme. Das Dorf war noch bis 1823 eine eigenständige Ortschaft im bremischen Landgebiet mit 20 bis 30 Einwohnern.
Die Plantage wurde von einem Bremer Kaufmann 1750 im Süden der Bürgerweide Kämpe als Sommersitz angelegt und 1802 zum Ausflugsort ausgebaut.Findorff-Chronik auf www.bremen.de, abgerufen am 24. Dezember 2017.
mini|Torfhafen
1800 bis 1900 Torfkanal Von 1817 bis 1826 erfolgte der Bau des Torfkanals in Findorff und des Torfhafens nahe der Plantage. Über den Torfkanal kam der als Heizmaterial wichtige Torf per Torfkahn aus dem Teufelsmoor in den Findorffer Torfhafen. Ein neues Hafenbecken (Theodor-Heuss-Allee) wurde 1847 gebaut. Der Torfhafen – das Torfbassin – wurde 1873 zwischen Eickedorfer-/Neukirchstraße verlegt. Das Bassin war mit Backsteinen verkleidet. Auf dem um 1945/46 zugeschütteten Teil findet seit 1948 der Findorffer Markt statt.
Die Bahnanlagen Die Eisenbahnlinie Hannover–Bremen wurde 1847 eröffnet und 1862 nach Bremerhaven verlängert. Sie führt am Rande von Findorff entlang. Gehalten wurde am sogenannten „Staatsbahnhof“ (benannt nach den Königlich Hannöverschen Staatseisenbahnen), später „Hannoverscher Bahnhof“. Der lag westlich vom 1889 eröffneten heutigen Bremer Hauptbahnhof und wurde 1885 abgerissen.
1873 war der Bau des Hamburger Bahnhofs auf der Bürgerweide und 1874 wurde die Eisenbahnstrecke nach Hamburg in Betrieb genommen, die quer durch Findorff führte und deren Trasse heute noch als Grünzug zwischen Fürther Straße und Innsbrucker Straße zu erkennen ist. Die Trasse wurde um 1890 nach Westen in ihre heutige Lage verschwenkt, der Hamburger Bahnhof abgerissen.
Die alte Trasse wurde ab 1900 jedoch erneut genutzt: Die Jan-Reiners-Bahn als Schmalspureisenbahn Bremen–Tarmstedt eröffnete den Betrieb 1900. Sie endete Ecke Hollerallee/Gustav-Deetjen-Allee. 1954 wurde diese Bahn stillgelegt.
1850 bis 1900 Der Bau der Gasanstalt (Theodor-Heuss-Allee/Gustav-Deetjen-Allee) erfolgte 1854. Das Gaswerk wurde 1901 nach Woltmershausen verlegt. Ab 1863 bauten in dem noch als Bahnhofsvorstadt bezeichneten Utbremer Gebiet an der Plantage / Buschstraße private Wohnungsbauunternehmen die ersten Mietshäuser für Eisenbahnarbeiter.
1875 hatte Findorff zirka 2500 Einwohner. 1874 wurde die Neukirchstraße durch den Fuhrunternehmer Arnold Neukirch gebaut und es entstanden noch heute gut erhaltene Häuser für Beamte und Bahnarbeiter sowie Herbergen für die Torfschiffer. 1898 folgte parallel dazu der Bau der Eickedorfer Straße, die sich zu einer Durchgangsstraße entwickelte.
Von 1879 bis 1882 erfolgte der Bau des städtischen Schlachthofs. Die Torfstraße erhielt 1892 den Namen Findorffstraße, die Findorffallee hat ihren Namen seit 1908. Das erste städtische Elektrizitätswerk entstand 1893 (Theodor-Heuss-Allee).
1893 war auch die Gründung des Eisenbahn Spar- und Bauvereins, um die Wohnungsnot zu lindern. Das Gebiet Bahnlinie–Hemmstraße–Neukirchstraße–Findorffstraße wurde mit ein- und zweigeschossigen Häusern bebaut. Viele Beamte und Angestellte wohnten hier. Der Volksmund bezeichnete das Quartier bereits als Findorff.
1900 bis 1950 mini|Schule an der Gothaer Straße mini|Altes Pumpwerk, Bayernstraße
Der Bürgerverein der Bahnhofsvorstadt wurde 1902 gegründet. Auch das Findorffviertel von Utbremen gehörte zum Einflussbereich des Vereins. Er hatte anfänglich 300 und 1922 über 1000 Mitglieder und gab die Monatsschrift „Der Findorffer“ heraus.
Die Missler-Hallen an der Hemmstraße, in denen Auswanderer aus den osteuropäischen Ländern bis zu ihrer Abreise nach Bremerhaven untergebracht werden, entstanden 1906/07. In den Misslerhallen errichten die Nazis 1933 ihr erstes Konzentrationslager in Bremen.
Ab 1907 erfolgte eine erste Bebauung am Weidedamm, einem Damm, der den Torfkanal begleitete und später zur Straße wurde.
1912 hatte das Findorffviertel von Utbremen ca. 10.000 Einwohner.
Straßenbahn: Ein Anschluss an das Netz der Bremer Straßenbahn wurde 1913 mit der neuen Linie 9 von der Hemmstraße über Admiralstraße – Findorfftunnel – Hauptbahnhof zur Sankt-Jürgen-Straße hergestellt. Eine zweite Anbindung entstand 1927, als die Strecke zum Bürgerpark durch die Eickedorfer Straße bis zur Hemmstraße verlängert wurde. Beide Strecken wurden zu einem Ring verbunden.
Schulbau: Die Schule an der Herbststraße entstand mit 16 Klassenräumen 1908. Dieses Schulgebäude wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. 1912 musste bereits die Schule an der Nürnberger Straße zu Entlastung mit 18 Klassen gebaut werden. (heute Oberschule Findorff) Eine Volksschule an der Regensburger Straße mit 19 Klassen und fast 1000 Schüler war 1913 fertiggestellt worden. Weitere 12 Schulräume für eine Sonderschule entstanden bis 1914 mit der Schule an der Gothaer Straße (heute Oberschule Findorff).
Ein Pumpwerk an der Bayernstraße wurde 1915/16 gebaut. Das Parzellengebiet In den Hufen entstand 1916.
Der Freimarkt wurde 1934 von der Neustadt auf die Bürgerweide verlegt.
1950 bis heute Das Findorffviertel (ein Teil vom heutigen Stadtteil) wurde 1848 als Teil der Feldmark Utbremen in die Stadtgemeinde Bremen eingemeindet. Nach den Zerstörungen im Krieg erfolgte ab 1945 eine Neugegliederung im Bremer Westen. 1951 wurden das Findorffviertel und die dann eingemeindeten noch ländlichen nördlichen Gebiete zum neuen Bremer Stadtteil Findorff. Er erhielt nunmehr seinen amtlichen Namen.
1955 wurde nach Plänen von Gustav Meckseper die Schule an der Augsburger Straße gebaut und bis 1968 mehrfach erweitert. Von 1955 bis 1958 erfolgte auch der Bau der Schule an der Admiralstraße nach Plänen von Ludwig Almstadt.
Die letzte Straßenbahn in Findorff fuhr 1967. Seither ist der Stadtteil nur durch Linienbusse der BSAG angeschlossen.
Der Schlachthof wurde 1976–1980 nach Oslebshausen verlegt. Die meisten Hallen wurden abgerissen. In der Markt- und Kesselhalle und im Turm entstand ein Kulturzentrum. Die Bürgerweide bis zum Bahnhof wurde 1987 Findorff zugeschlagen.
1995 erfolgte nach kontroversen Diskussionen die Räumung des Parzellengebiets im Gebiet Weidedamm III. Eine Bebauung mit unterschiedlichen Haustypen fand statt. 2001 konnte in dem Gebiet auch die Grundschule Am Weidedamm eingeweiht werden. 1969 hatte der Ortsteil Weidedamm 9.960 und 1999 bereits 11.268 Einwohner.
Durch den Nordausgang des Bremer Hauptbahnhofes ist die Bürgerweide und Findorff seit 2000 besser an das nahe Stadtzentrum angeschlossen. 2006 wurde die Sanierung des Torfhafens abgeschlossen.
mini|Dampflok „Johann Reiners“ in der Mitte des „Findorffer Winterdorfs“ Im November 2021 präsentierte sich der Jan-Reiners-Park auf dem Gelände des ehemaligen Bahnhofs Hemmstraße der Kleinbahn Bremen–Tarmstedt: Erstmals wurde das „Winterdorf“, das bis 2019 seinen Standort auf dem Gelände des Kulturzentrums Schlachthof hatte, im Jan-Reiners-Park ausgerichtet. Im Juni 2021 war die generalüberholte Dampflokomotive Johann Reiners auf ihrem Platz beim ehemaligen Bahnhof wieder aufgestellt worden; sie soll alljährlich den Mittelpunkt und die Hauptattraktion des „Winterdorfs“ bilden. Der dort stattfindende Markt ist als Alternative zu einem traditionellen Weihnachtsmarkt konzipiert und soll alljährlich vom November bis ins neue Jahr hinein durchgeführt werden.
Einwohnerentwicklung Orts-/Stadtteil 1864 1912 1960 1975 1995 2007 Regensburger Straße 7.703 6.931 6.977 Findorff-Bürgerweide 8.155 6.650 6.453 Weidedamm 8.915 10.830 12.311 In den Hufen 1.654 552 334 Stadtteil ≈1.000 ≈10.000 35.870 26.426 24.962 26.076 Ab 1975 durchschnittliche Jahresbevölkerung als Angaben vom Statistischen Landesamt Bremen
Politik und Verwaltung
Beirat Der Beirat Findorff tagt regelmäßig und in der Regel öffentlich im Ortsamt oder in anderen Einrichtungen wie z. B. Schulen. Der Beirat setzt sich aus den auf Stadtteilebene gewählten Vertretern der politischen Parteien oder Einzelkandidaten zusammen. Die Beiratswahlen finden alle vier Jahre statt, zeitgleich mit den Wahlen zur Bremischen Bürgerschaft. Der Beirat diskutiert über alle Belange des Stadtteils, die von öffentlichem Interesse sind, und fasst hierzu Beschlüsse, die an die Verwaltung, die Landesregierung und die Stadtbürgerschaft weitergeleitet werden. Für seine Arbeit bildet er Fachausschüsse. Dem Beirat stehen für stadtteilbezogene Maßnahmen eigene Haushaltsmittel zur Verfügung.
Ortsamt Das Ortsamt ist seit 1946 eine örtliche Verwaltungsbehörde. 1979 wurde ein gemeinsames Ortsamt West für die Beiräte Gröpelingen, Walle und Findorff eingerichtet. Es unterstützt die Beiräte bei ihrer politischen Arbeit. Es soll bei allen örtlichen Aufgaben, die von öffentlichen Interesse sind, mitwirken. Es wird von einem vom Beirat vorgeschlagenen und vom Senat bestätigten Ortsamtsleiter geführt. Ortsamtsleiterin ist Ulrike Pala.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Stadthalle Bremen, dahinter das Congress Centrum mini|Messehalle 6, vom Torfhafen aus betrachtet
Bauwerke Alter Lloyd-Bahnhof von 1913, geplant von Rudolf Jacobs, Bürgerweide, Gustav-Deetjen-Allee 2–6 Stadthalle Bremen von 1964, Entwurf von Roland Rainer, 2004/05 umgebaut und auf 14.000 Plätze vergrößert Congress Centrum Bremen von 1997 mit mehreren Tagungsräumen, Architekt: Thomas KlumppArchitekturführer Bremen: Messe- und Veranstaltungszentrum Bremen auf der Bürgerweide, Architekt Gert SchulzeArchitekturführer Bremen: