Die Litauischen Seestreitkräfte () sind eine Teilstreitkraft der Litauischen Armee und unterstehen dem litauischen Verteidigungsministerium. Der Befehlshaber der Seestreitkräfte ist Kapitän zur See Tadas Jablonskis. Wichtigster Stützpunkt der Seestreitkräfte ist Klaipėda.

Geschichte Schon die historische Königliche Republik Polen-Litauen verfügte über eine Flotte, als deren Gründer Sigismund II. August gilt. Diese verlor aber mit dem Niedergang des Staates zunehmend an Bedeutung. Erst nachdem man 1923 die Kontrolle über das Memelgebiet und die dortige Hafenstadt Klaipėda erlangt hatte, hatte das 1918 unabhängig gewordene Litauen begonnen, wieder eigene Seestreitkräfte aufzubauen. Hierzu wurde 1927 ein deutsches Minensuchboot erworben und als Schulschiff Prezidentas Smetona in Dienst gestellt. Am 1. August 1935 wurde die Marine von General Stasys Raštikis zu einer selbstständigen Teilstreitkraft erhoben. Nur wenige Jahre später war deren vorläufiges Ende besiegelt, als das Memelgebiet 1939 an Deutschland zurückfiel und das restliche Litauen im Jahr darauf von der Sowjetunion ohne Gegenwehr besetzt wurde.Angaben zur Geschichte auf der Internetseite der Marine (englisch) (litauisch) Die Prezidentas Smetona war dabei die einzige Einheit Litauens, deren Flagge nicht an die Sowjetischen Streitkräfte übergeben wurde. Die Besatzung hatte in der Nacht die Flagge nieder geholt und sich mit dieser über das Meer abgesetzt. So gelangte die Flagge später noch in die USA.Onlinemeldung auf der Internetseite der litauischen Streitkräfte (litauisch)

links|mini|Ehrengarde der Litauischen Marine Nach der wiedererlangten Unabhängigkeit Litauens 1990/91 wurden die Seestreitkräfte, wie auch die anderen Teilstreitkräften, neu aufgestellt. Als Datum der Neugründung der Marine gilt dabei heute der 4. Juli 1992. Zum Aufbau einer eigenen Flotte wurden in der Folgezeit zunächst zwei ehemals sowjetische Korvetten übernommen. Im Jahr 1993 übergab die Russische Föderation den litauischen Seestreitkräften den Küstenschutz des Landes. Ende des Jahres 1996 begann eine Kooperation mit den Seestreitkräften Estlands und Lettlands. Daraus entwickelte sich in den nächsten zwei Jahren das gemeinsame Ostseegeschwader BALTRON.

Mit dem NATO-Beitritt Litauens am 29. März 2004 fand, wie in den anderen baltischen Staaten, eine umfassende Modernisierung der Flotte statt. Im Jahr 2009 wurde innerhalb der Seestreitkräfte ein Rettungszentrum () aufgebaut, dessen Aufgabe die Koordination von Seenotrettungen und die Bekämpfung von Öl- und Gefahrstoffunfällen ist.

Seit der Neuaufstellung der Marine in den 1990ern hat es sich eingebürgert, die Schiffe nach historischen Regionen Litauens zu benennen.

Befehlshaber der Seestreitkräfte mini|hochkant|Giedrius Premeneckas (2020) Seit ihrem Neuaufbau im Jahr 1992 wurden die litauischen Seestreitkräfte von folgenden Offizieren geführt: Name Dienstzeit Bemerkung Juozapas Algis Leisis 1992 Raimundas Saulius Baltuška 1992 – 1999 Kęstutis Macijauskas 28. April 1999 – 4. Juni 2008 Artūras Stankaitis 4. Juni 2008 – 24. Oktober 2008 interim Olegas Mariničius 24. Oktober 2008 – 1. März 2010 Artūras Stankaitis 2. März 2010 – 30. April 2010 interim Kęstutis Macijauskas 30. April 2010 – 27. Juli 2015 2. Amtszeit Arūnas Mockus 2. August 2015 – 11. August 2020 Giedrius Premeneckas 11. August 2020 – 28. Juli 2025 Tadas Jablonskis seit 28. Juli 2025

Organisation Die Seestreitkräfte untergliedern sich in die sechs Bereiche: Flotte ()Karo laivų flotilė (litauisch) Minenabwehrgeschwader () Patrouillengeschwader (Patrulinių laivų divizionas) Hilfsschiffgeschwader (Pagalbinių laivų divizionas) See- und Küstenüberwachung (Jūros ir pakrančių stebėjimo tarnyba) Hafen- und Küstenverteidigung (Uosto ir priekrantės gynybos tarnyba) Maritimes Rettungskoordinationszentrum (Jūrų gelbėjimo koordinavimo centras) Logistikabteilung (Logistikos tarnyba) Ausbildungszentrum (Mokymo centras)

Ausrüstung mini|Patrouillenschiff Dzūkas

Die litauische Marine verfügt etwa über einen Bestand von 11 Seefahrzeugen: 4 Patrouillenschiffe der Flyvefisken-Klasse 2 Minenjagdboote der Hunt-Klasse 1 Kommando- und Versorgungsschiff der Vidar-Klasse 1 Hafenkutter 2 Schlepper 1 SAR-Schiff

Dienstgrade und Dienstgradabzeichen Offiziere Dienstgradgruppe Flaggoffiziere Stabsoffiziere Subalternoffiziere Ärmelabzeichen 45px|zentriert 45px|zentriert 45px|zentriert 45px|zentriert 45px|zentriert 45px|zentriert 45px|zentriert 45px|zentriert 45px|zentriert 45px|zentriertDienstgrad Admirolas Viceadmirolas Kontradmirolas Flotilės admirolas Jūrų kapitonas Komandoras Komandoras leitenantas Kapitonas leitenantas Vyresnysis leitenantas Leitenantas Dienstgrad(Bundeswehr) Admiral Vizeadmiral Konteradmiral Flottillenadmiral Kapitän zur See Fregattenkapitän Korvettenkapitän Kapitänleutnant Oberleutnant zur See Leutnant zur See NATO-Rangcode OF-9 OF-8 OF-7 OF-6 OF-5 OF-4 OF-3 OF-2 OF-1

Unteroffiziere Dienstgradgruppe Unteroffiziere Ärmelabzeichen 45px|zentriert 45px|zentriert 45px|zentriert 45px|zentriert 45px|zentriert 45px|zentriert 45px|zentriert 45px|zentriert 45px|zentriertDienstgrad Vyresnysislaivūnas Laivūnas Štabolaivūnas Štabolaivūnasspecialistas Vyresnysisseržantas Vyresnysisseržantasspecialistas Seržantas Seržantasspecialistas Grandinis Dienstgrad(Bundeswehr) Oberstabsbootsmann Stabsbootsmann Hauptbootsmann Oberbootsmann/ Bootsmann Obermaat/ Maat Oberstabsgefreiter/ Stabsgefreiter NATO-Rangcode OR-9 OR-8 OR-7 OR-6 OR-5 OR-4

Mannschaften Dienstgradgruppe Mannschaften Ärmelabzeichen 45px|zentriert 45px|zentriert 45px|zentriertDienstgrad Vyresnysis jūreivis Jūreivis Jaunesnysis jūreivis Dienstgrad(Bundeswehr) Hauptgefreiter/ Obergefreiter Gefreiter Matrose NATO-Rangcode OR-3 OR-2 OR-1

Siehe auch Baltic Naval Squadron

Literatur Karinės jūrų pajėgos Istorijos metraštis (Publikation der Seestreitkräfte zum 20. Jahrestag der Neugründung) – als PDF-Datei auf der Internetseite der Seestreitkräfte (Downloadquelle) abrufbar Eric Wertheim: The Naval Institute Guide to Combat Fleets of the World: Their Ships, Aircraft, and Systems, US Naval Institute Press, 2007, ISBN 1-59114-955-X, S. 449 ff.

Weblinks

Internetseite der Seestreitkräfte (englisch)

Einzelnachweise