Thiosemicarbazid ist eine chemische Verbindung und ein Hemihydrazin-Derivat des Thioharnstoffs.

Gewinnung und Darstellung Es kann durch Erhitzen einer wässrigen Lösung von Ammoniumthiocyanat mit Hydraziniumsulfat und Natriumhydroxid hergestellt werden.

Eigenschaften Die Verbindung zersetzt sich oberhalb des Schmelzpunktes stark exotherm. Die mittels DSC bestimmte Zersetzungsenthalpie beträgt −770 kJ·kg−1 bzw. −70,1 kJ·mol−1.Jimmie C. Oxley; James L. Smith; Kishore Marimaganti: Developing small-scale tests to predict explosivity. In: J. Therm. Anal. Calorim. Bd. 102, 2010. S. 597–603, .

Verwendung Thiosemicarbazid wird als Antioxidans, Korrosionsinhibitor, Stabilisator in der Photographie und als Rohstoff zur Herstellung von Pharmaka (Tuberkulostatikum Thioacetazon und Virostatikum Methisazon) verwendet. Einer der Väter dieses Medikaments ist Gerhard Domagk, der 1950 das Buch Chemotherapie der Tuberkulose mit den Thiosemikarbazonen herausgab.Gerhard Domagk (Hrsg.): Chemotherapie der Tuberkulose mit den Thiosemikarbazonen, online in der Datenbank der Deutschen Nationalbibliothek Der Landeswohlfahrtsverband Hessen (LWV) stellte im April 2024 in einer Vorabberichterstattung über eine von ihm 2020 in Auftrag gegebene Studie fest, dass der Kinderarzt Catel „zusammen mit dem Labormediziner Dr. Gerhard Domagk mit einer Versuchsreihe zur Erprobung eines neu entwickelten Präparats zur Chemotherapie der Tuberkulose begann. Das dabei verabreichte Medikament TB I 698, das später nur für Erwachsene als Conteben auf den Markt kam, habe bei mindestens vier Kindern zum Tod geführt.“Martina Schüttler-Hansper: „Medikamentenversuche in Mammolshöhe bestätigt. LWV legt Studie zur Kinderheilstätte in den 1950er Jahren vor“, Online auf LWVblog, 23. April 2013 Bei dem erwähnten Präparat TB I 698 handelt es sich um Thiosemicarbazone.

Einzelnachweise

Kategorie:Thioharnstoff