mini|hochkant=1.5|Das Europa-Haus am Kröpcke, Georgstraße Ecke Karmarschstraße
Das Europa-Haus in Hannover ist der erste Neubau eines Geschäftshauses in der niedersächsischen Landeshauptstadt nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Gebäude oberhalb der historischen Kellergewölbe des Hauses Brackebusch am Kröpcke unter der heutigen Adresse Georgstraße 26 Ecke Karmarschstraße im Stadtteil Mitte gilt als Symbol für den Wiederaufbau der Stadt.Helmut Knocke: Europa-Haus. In: Stadtlexikon Hannover, S. 167.
Geschichte
mini|links|Haus Brackebusch (Bildmitte) an der Ecke Karmarschstraße, links das Hotel Continental, davor das ehemalige Café Kröpcke; Ansichtskarte Nr. 535 (sogenannte Mondscheinkarte) von Karl F. Wunder, um 1898
mini|Historisches Kreuzrippengewölbe im Keller des Europa-Hauses, heute genutzt von der Gaststätte Jack the Ripper's London Tavern im Stil eines englischen Pubs
mini|„Kamin-“ und Raucher-Lounge „Mitre Square“ in der „London Taverne“
mini|Das Europa-Haus bei Nacht
Als wenige Jahre nach der Gründung des Deutschen Reichs 1878 die Verlegung des ehemaligen Polytechnikums (heute: Leibniz Universität Hannover) bevorstand, konnte der Bauunternehmer Ferdinand Wallbrecht mit der Karmarschstraße den ersten Straßendurchbruch quer zu den jahrhundertealten, gleichgerichteten Hauptstraßen der hannoverschen Altstadt vornehmen – und zwar „rein privatwirtschaftlich“.Helmut Knocke: Karmarschstraße. In: Stadtlexikon Hannover, S. 337. Als Eckgebäude zur Georgstraße errichtete 1881 hier nun der Architekt Hubert Stier das sogenannte „Haus Brackebusch“.
Das Gebäude überdauerte sowohl das Kaiserreich als auch die Weimarer Republik, nicht jedoch die Zeit des Nationalsozialismus: Im Zweiten Weltkrieg fiel es während der Luftangriffe auf Hannover durch Fliegerbomben in Schutt und Asche. Unter den Trümmern der bald zu 48 Prozent zerstörten StadtKlaus Mlynek: Zweiter Weltkrieg. In: Stadtlexikon Hannover, S. 694f. blieben lediglich die Kellerräume mit ihren Kreuzrippengewölben erhalten.Vergleiche die Dokumentation bei Commons (siehe unter dem Abschnitt Weblinks)
Ab dem Jahr der Währungsreform 1948 und im Jahr der Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 entwickelte sich der Handelsschulkaufmann Friedrich Buhmann,Helmut Knocke, Hugo Thielen: Georgstraße 26. In: Hannover Kunst- und Kultur-Lexikon, S. 121. der Begründer der Dr. Buhmann Schule,Waldemar R. Röhrbein: Buhmann, Dr. B. Schule. In: Stadtlexikon Hannover, S. 96. zu einer der treibenden Persönlichkeiten in der Aufbaugemeinschaft Hannover: In Buhmanns Auftrag errichtete der Architekt Joseph Herlitzius – aufbauend auf dem erhaltenen Kellergeschoss des Vorgängerbaues und noch nach dem ersten (Wieder-)„Aufbauplan“ in den historischen Straßenfluchten – das Europa-Haus: Das Richtfest für das erste neu errichtete Hochhaus in Hannover fand am 16. Dezember 1948 statt „in Anwesenheit von Oberstadtdirektor Gustav Bratke und Oberbaurat Prof. Dr. Rudolf Hillebrecht“. 1949 ging dann auch der Fahrstuhl des Aufzugbauers Hävemeier & Sander in Betrieb. Als erster Geschäftshausneubau in Hannover nach dem Krieg wurde das Europa-Haus zur „Eckdominante des [seinerzeit erst entstehenden ...] Kröpckeplatzes“ und als Symbol für den Wiederaufbau zugleich Kopfbau der später angebauten Häuserzeile in der Karmarschstraße.
Die erhaltenen Kreuzrippengewölbe aus dem 19. Jahrhundert unterhalb der Straßenebene ließen später „düstere“ Assoziationen zu ähnlich alten Londoner Tavernen und die Zeit von Jack the Ripper aufkommen: Die historische Kellerkulisse dient heute (Stand: 03/2014) der im Stil eines englischen Pubs eingerichteten Gaststätte Jack the Ripper's London Tavern.
Im Frühjahr 2019 wurde die Fassade des Europa-Hauses umfassend saniert.
Baubeschreibung Der oberirdisch sichtbare Teil des Europa-Hauses wurde als 6- bis 7-geschossiger, schlichter Betonskelettbau mit zurückgestaffeltem Flachdach errichtet. Der in weiß verputzte Eckbau hält im Erdgeschoss eine Arkade vor, die ursprünglich durch die erst später in der Karmarschstraße entstandenen Geschäftsneubauten fortgesetzt werden sollte.
Literatur Architekten- und Ingenieur-Verein Hannover (Hrsg.), Theodor Unger (Red.): Hannover. Führer durch die Stadt und ihre Bauten. Festschrift zur fünften Generalversammlung des Verbandes Deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine. Klindworth, Hannover 1882, S. 30, 197ff. (Nachdrucke: Vincentz, Hannover 1978, ISBN 3-87870-154-3 und Europäischer Hochschulverlag, Bremen 2010, ISBN 978-3-86741-493-7). Helmut Knocke, Hugo Thielen: Georgstraße 26. In: Hannover Kunst- und Kultur-Lexikon, 2007, S. 121. Helmut Knocke: Europa-Haus. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 167.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Geschäftshaus in Niedersachsen Kategorie:Bürogebäude in Hannover Kategorie:Erbaut in den 1880er Jahren Kategorie:Erbaut 1949 Kategorie:Mitte (Hannover)