mini|Stadtflagge Dillingen/Saar, Stadtfarben rot-gold, Wappen: Auf blauem Grund eine silberne, gezinnte und gefugte Mauer, darüber ein silberner, goldgekrönter und goldbewehrter Adler mit ausgebreiteten Flügeln und roter Zunge aus dem Wappen Lothringens. In der Mauer ein goldenes Tor mit rotem Rand. Darauf einen roten Zickzackbalken, der von einem dreilätzigen, blauen Turnierkragen überragt wird. Das Wappen lehnt sich in seiner Gestaltung an das Wappen der Edelherren von Siersberg, Herren zu Dillingen (roter Zickzackbalken und blauer Turnierkragen auf Goldgrund) und an das Amtswappen der ehemaligen Prévôté (Vogtei) Siersberg (silberner Turm mit Adler auf blauem Grund) an. Das Wappen der Edelherren wird im Dillinger Wappen zum Tor in einer Stadtmauer umgedeutet.
Die Geschichte der Stadt Dillingen umfasst die Entwicklungen auf dem heutigen Gebiet der Stadt Dillingen an der Saar von der ersten Besiedlung bis zur Gegenwart. Sie beginnt mit der gallo-römischen Siedlung Contiomagus, die an der Kreuzung der Fernstraßen Metz–Mainz und Trier–Straßburg, im heutigen Stadtteil Pachten, bestand. 275/276 wird Contiomagus im Zuge der Völkerwanderung zerstört und wieder aufgebaut. 1324 erfolgt die erste urkundliche Erwähnung von Diefflen und 1357 die erste Erwähnung des Alten Schlosses. Zwischen 1618 und 1648 gab es Verwüstungen im Dreißigjährigen Krieg. 1685 erhielt Dillingen durch Ludwig XIV. eine Erlaubnis zur Errichtung von Eisenhütten vor den Toren Saarlouis. 1815 wird die Region preußisch. 1949 erhielt Dillingen die Stadtrechte. 1990 wurde in Dillingen bzw. Pachten eine 2000-Jahr-Feier veranstaltet.
Vor- und Frühgeschichte Wie zahlreiche archäologische Funde belegen, war das Saartal bereits in der Altsteinzeit von Menschen besiedelt. Das älteste Zeugnis für die Anwesenheit des vorgeschichtlichen Menschen in der Gegend stellt der „Ludweiler Faustkeil“, ein etwa 200.000–300.000 Jahre altes Steinwerkzeug, dar.Lehnert, Aloys: »Geschichte der Stadt Dillingen Saar«, Druckerei Krüger, Dillingen 1968, S. 27. Der im Jahr 2018 auf der Dillingen gegenüberliegenden Saarseite gefundene Faustkeil von Wallerfangen wird der Mittelsteinzeit zugeordnet.Constanze Höpken, Nicholas Conard: Der Faustkeil aus Wallerfangen. In: Von der Steinzeit bis zur Gegenwart - Nachforschungen zur Wallerfanger Geschichte, Theodor Liebertz zu Ehren herausgegeben zu dessen 150. Geburtstag. Verein für Heimatforschung Wallerfangen e.V., Wallerfangen 2019, S. 83–90. Die ältesten Siedlungsspuren im heutigen Dillinger Stadtgebiet gehen auf die Jungsteinzeit zurück. Zahlreiche Steinbeile, auch „Donnerkeile“ genannt, wurden aus dieser Zeit auf den Dillinger und Pachtener Gemarkungen gefunden. Steinbeile waren Holzbearbeitungsgeräte, sicherlich auch Waffen und Prestigeobjekte. Besonders die jung- und endneolithischen Beile (Hammer- und Streitäxte) werden meist als Waffen gedeutet.
Auf dem Gebiet der Dokumentation dieser Steinbeile haben im 19. Jahrhundert der Dillinger Pfarrer Philipp Schmitt und der mit ihm befreundete Saarlouiser Justizrat und Notar Nicolas Bernard Motte Beachtliches geleistet.Schmitt, Philipp: »Der Kreis Saarlouis und seine Umgebung unter den Römern und Celten«, Trier 1850.Nicolas Bernard Motte: Manuscrit tiré des archives mêmes de Sarrelouis et de ses environs par Nicolas Bernard Motte Seigneur d'Altvillers (1777–1860), Handschrift in der Stadtbibliothek Saarlouis.
In der unmittelbaren Umgebung Dillingens belegen im Jahr 1850 bei Wallerfangen in den Gemarkungen „Eichenborn“ und „Lehmkaul“ gefundenen reiche Bronzedepots der späten Urnenfelderzeit (9. Jh. v. Chr.)Walter Zimmermann: Die Kunstdenkmäler der Kreise Ottweiler und Saarlouis, Düsseldorf 1934, S. 34.Keune, Johann Baptist: Zur Urgeschichte der Kreise Ottweiler und Saarlouis, in: Walter Zimmermann: Die Kunstdenkmäler der Kreise Ottweiler und Saarlouis, Düsseldorf 1934, S. 301–338., eine mehrfach gestaffelte Abschnittsbefestigung der Hallstattzeit (8.–6. Jh. v. Chr.) auf dem Limberg und ein Gräberfeld mit einem durch goldene Hals- und Armringe ausgezeichneten „Fürstinnengrab“ der spätesten Hallstattzeit (um 500 v. Chr.) eine gewisse Zentrumsfunktion des Raumes in vor- und frühgeschichtlicher Zeit.
In keltischer Zeit befand sich das heutige Dillinger Stadtgebiet im Einflussbereich der Stämme der Treverer und Mediomatriker.
Antike
Die gallo-römische Siedlung Contiomagus entstand während der Besiedlungsphase nach der Eroberung Galliens durch Gaius Iulius Caesar von 58 bis 51 v. Chr. Contiomagus lag an der Kreuzung der Fernstraßen Metz-Mainz und Trier-Straßburg, im heutigen Stadtteil Pachten. 275/276 wurde Contiomagus im Zuge der Völkerwanderung zerstört und wieder aufgebaut.mini|Contiomagus-Pachten, Rekonstruktion eines römischen Kastellturmes
Mittelalter Nachrömische Zeit und fränkische Neubesiedelung Aufgrund von Grabfunden in der Umgebung der heutigen Pachtener Kirche ist zu vermuten, dass das antike Pachten in der nachrömischen Zeit, wenn überhaupt, nicht lange brach lag, sondern sehr früh, spätestens seit dem 7. Jahrhundert, wieder eine fränkische Besiedlung vorweisen konnte. Dies bestätigen auch weitere Bodenfunde (Waffen, Schmuck).Hennes, Franz: Stadt Dillingen-Saar Festschrift anlässlich der Stadtwerdung, Dillingen/Saar 1949, S. 29.
Der Name Dillingen (ursprünglich Dullingen, erst seit dem 16. Jh. Dillingen) dürfte auf einen fränkischen Ortsgründer namens Dullo hinweisen.Gillet, Josef: Der Ortsname Dillingens in der Geschichte, in: Saarheimat 7/8, 1964. Unklar bleibt, warum der mittelalterliche Ortsname Pachten keinerlei Bezugnahme mehr zu dem ursprünglichen gallorömischen Ortsnamen Contiomagus aufweist. Diefflen (erste Nennung als Dieffendael; heutige Schreibweise durch königlich-preußischen Erlass vom 16. Januar 1858 festgelegtScherer, Alois: Dieffler Geschichten, Diefflen, wie es einmal war in Dokumenten, Berichten, Erzählungen, Bildern, Dillingen/Saar 2009, S. 188.) bedeutet „Siedlung im tiefen Tal“ (gemeint ist das Nalbacher Tal, dessen tiefstgelegene Ortschaft Diefflen war).
Urkundliche Ersterwähnungen Die älteste schriftliche Nachricht von „Dillingen“ und „Pachten“ findet sich in der Urkunde des Trierer Bischofs Albero von Montreuil (1131–1152), wonach 76 Pfarreien der Saargegend, darunter auch „Dullinga“ und „Pahta“ jedes Jahr an Palmsonntag zum Grab des Abtes Liutwin ins Kloster Mettlach an der Saar wallfahren mussten.mini|Altes Schloss in Dillingen, Eingang zur Vorburg 1324 erfolgt die erste urkundliche Erwähnung von Diefflen und 1357 die erste Erwähnung des Alten Schlosses.
Teil Lotharingiens Mit dem Vertrag von Verdun vom 10. August 843 wurde das Gebiet der heutigen Stadt Dillingen als Teil des fränkischen Mittelreiches Kaiser Lothar I. als unmittelbarer königlicher Herrschaftsbereich (Lotharii Regnum) zugeteilt. Nachfolger Lothars I. als König (jedoch ohne die Kaiserwürde) wurde dessen Sohn Lothar II.; er gab dem Großterritorium, zu dem Dillingen, Pachten und Diefflen zugehören, die Bezeichnung „Lotharingien“ („das Reich Lothars“). Nachdem König Heinrich I. die Zentralgewalt im Ostfrankenreich wiederhergestellt hatte, unterwarf sich ihm im Jahr 925 auch der lothringische Herzog Giselbert. Heinrich gliederte das Herzogtum Lothringen als fünftes Stammesherzogtum in das Ostfrankenreich ein. Somit kam im Jahr 925 auch das heutige Stadtgebiet mit dem lothringischen Herrschaftsterritorium endgültig an das ostfränkische Reich.
Teil Oberlothringens mini|Amt Siersberg in der ältesten Lothringen-Karte von 1508
Mit dem Zerfall des alten Herzogtums in die Herzogtümer Oberlothringen und Niederlothringen kam das heutige Stadtgebiet zu Oberlothringen und war Teil des herzoglichen Hausbesitzes. Dillingen und Pachten unterstanden dem herzoglich-lothringischen Amt Siersberg auf der anderen Saarseite. Beide Dörfer hatten aber mindestens seit dem 13. Jahrhundert eine eigene Gerichtsbarkeit.
Amt Siersberg mini|Ruine der lothringischen Landesburg Siersberg mit Bergfried
Das Siersberger Amt übte in Dillingen und Pachten im Namen der Herzöge von Lothringen Steuerrechte, Regalien, Monopolrechte und Wehrhoheit aus. Die Grundhoheit sowie die mittlere und hohe Gerichtsbarkeit wurde von der örtlichen Lehnsherrschaft, den Herren von Siersberg als lothringische Lehensnehmer, ausgeübt. Dabei waren die Herren von Siersberg in Personalunion auch Herren von Dillingen. Die Herren von Siersberg sind urkundlich erstmals im Jahr 1131 fassbar.
Die als Burgbefestigungen errichteten Herrschaftssitze der Siersberger Herren in Dillingen und auf der Siersburg dienten der Kontrolle der Schifffahrt auf der Saar sowie der vorbeiführenden Handelsstraßen, etwa der Flandernstraße von Italien nach Flandern (unterhalb des Limberges im Pachtener Bann mit der Niedüberquerung bei Siersdorf) sowie der alten Römerstraße von Metz über Tholey nach Mainz.Schulte, Aloys: Geschichte des mittelalterlichen Handels und Verkehrs zwischen Westdeutschland und Italien mit Anschluss an Venedig, Band I, Leipzig 1900, S. 426 ff.
Mit der Eroberung der Siersburg durch Erzbischof von Trier Arnold I. im Jahr 1172 wurde der eigentliche Lehensgeber Herzog Simon II. von Lothringen gezwungen, die trierische Lehenshoheit über Dillingen und Siersberg anzuerkennen.Brouwer, Christoph u. Masen, Jacob: Antiquitatum et Annalium Treverensium libri XXV., Lüttich 1670, I, S. 76. – Brouwer, Christoph und Jakob Masen: Metropolis ecclesiae Trevericae, quae metropolitanae ecclesiae originem, jura, decus, officia tum subjectorum illi episcopatuum, regionum, urbium, ecclesiarum, abbatiarum et monasteriorum ortus progressusque per archidiocesin Trevirensem complectitur, hrsg. von Christian von Stramberg. 2 Bde. Koblenz 1855 und 1856.
Odilienpatronat mini|Odilienstatue vor dem Saardom, errichtet zur Erinnerung an das Kirchenpatronat des Klosters Hohenburg auf dem Odilienberg
Das Kloster Hohenburg auf dem Odilienberg im Elsass unterstellte die mittelalterliche Pfarrei Dillingen (heute St. Johann) seiner Klostergründerin Odilia. An der Ecke von Trierer Straße (alter Postweg nach Trier durch den Dillinger Wald) und Dieffler Straße befand sich bis zum Jahr 1912 zusätzlich eine Odilienkapelle. Ihr gegenüber entsprang ursprünglich eine Quelle, die zahlreiche Pilger anzog und die ebenfalls der elsässischen Heiligen geweiht war. Der Kapelle zugeordnet war eine kleine Einsiedelei, in der ein Eremit wohnte, der die kleine Odilienkapelle zu betreuen hatte. Diese Einsiedler gehörten zu einer Eremitenbruderschaft unter der Kontrolle des Bistums Trier.Lehnert, Aloys: »Geschichte der Stadt Dillingen Saar«, Druckerei Krüger, Dillingen 1968. S. 312–314.Pfarrarchiv Dillingen, I, S. 277.Bistumsarchiv Trier, A, VI, 12.
Das Kirchenpatronat zu Dillingen wurde von den Herren von Dillingen um das Jahr 1250 dem Frauenkloster abgekauft.Baltzer, Georg: Historische Notizen über die Stadt Saarlouis und deren unmittelbare Umgebung, Teil II, Trier 1865, S. 132. Die Erinnerung an die hl. Odilia wird auch heute noch in Dillingen u. a. durch die Namensgebung der Odilienschule und des Odilienbrunnens auf dem Odilienplatz sowie durch das Odiliendenkmal (siehe Dillingen/Saar – Kunst) vor dem Saardom aufrechterhalten.
Streitigkeiten zwischen Lothringen, Trier und Saarbrücken