Cameron Todd Willingham (* 9. Januar 1968 in Oklahoma, Vereinigte Staaten; † 17. Februar 2004 in Huntsville, Bundesstaat Texas, Vereinigte Staaten) war ein US-amerikanischer Mann, der des Mordes an seinen drei jungen Kindern angeklagt wurde. Willingham soll am 23. Dezember 1991 Brandstiftung an seinem eigenen Haus in Corsicana, Texas, begangen haben. Er wurde im Jahr 2004 hingerichtet."Shake-up in Texas execution probe draws criticism, questions". CNN. 2. Oktober 2009
Leben Willinghams Fall erlangte erneutes Aufsehen im Jahr 2009, als ein von David Grann verfasster Untersuchungsreport in dem Magazin The New Yorker veröffentlicht wurde. Besagter Bericht stützt sich auf Brandstiftungsexperten und Fortschritte in der sich mit Feuer beschäftigenden Wissenschaft, die seit der Untersuchung des Falls im Jahr 1992 stattgefunden haben. David Granns Schlussfolgerung ist, dass das Beweismaterial, welches angeblich Willinghams Schuld untermalt, nicht überzeugend sei. Wäre diese Information während des Gerichtsverfahrens gegen Willingham zugänglich gewesen, hätte dieser womöglich ein freisprechendes Urteil erhalten."Statement of Sherry Cooley"The Dallas Morning News:
Gemäß einem anderen Untersuchungsbericht, ebenfalls aus dem Jahr 2009, ist die ursprüngliche Klage wegen Brandstiftung zweifelhaft. Besagter Bericht stammt von einem von der Texas Forensic Science Commission angestellten Experten. Dennoch focht die Brandschadenabteilung Corsicanas mit der Begründung, dass der Report über wichtige Nachweise hinweggesehen habe, diese Befunde an. Der Fall Willingham wurde durch den an den Texanischen Gouverneur Rick Perry gerichteten Vorwurf, dieser habe durch den Austausch von drei aus insgesamt neun Kommissionsmitgliedern versucht, die Ermittlungsergebnisse der Kommission zu beeinflussen, nochmals verkompliziert. Rick Perry bestreitet diese an ihn gerichtete Anschuldigung. mini|Ort des Geschehens: Corsicana, Texas
Brand Am 23. Dezember 1991 zerstörte ein Feuer das Haus der Familie Willingham in Corsicana, Texas. Bei diesem Feuer kamen die drei Töchter der Familie ums Leben: die zweijährige Amber Louise Kuykendall und die ein Jahr alten Zwillinge Karmon Diane Willingham und Kameron Marie Willingham. Willingham selbst entkam dem Feuer mit leichten Brandverletzungen. Stacy Kuykendall, Willinghams Ehefrau und Mutter seiner drei Kinder, war, als das Feuer ausbrach, nicht im Hause – sie kaufte zu dem Zeitpunkt ein. Die Kläger kamen daher zu dem Schluss, dass Willingham das Feuer gelegt haben könnte, um zu versuchen, einen Missbrauch an den Mädchen zu verheimlichen. Dennoch gab es keine Hinweise auf jeglichen Kindesmissbrauch und Willinghams Ehefrau, Stacy, berichtete den Klägern, dass ihr Mann niemals in der Lage gewesen sei, den Kindern Schaden zuzufügen. „Wir haben unsere Kinder total verwöhnt“, sagte sie, darauf beharrend, ihr Mann würde ihnen niemals etwas antun.The Clark County Prosecuting Attorney: Cameron Todd Willingham
Untersuchung & Gerichtsverfahren Beweismittel Das Hauptbeweismittel, welches zu Willinghams Festnahme und Verurteilung führte, bestand aus polizeilichen Untersuchungen direkt nach dem Brand, die feststellten, dass das Feuer durch den Gebrauch eines flüssigen Brandbeschleunigers entfacht worden war. Diese Beweisführung beruhte auf Verkohlungen auf dem Boden, welche die Form von „Pfützen“ hatten, die zahlreichen Ausgangspunkte des Feuers und die Annahme, das Feuer habe „schnell und heiß“ gebrannt. All diese Befunde resultierten in dem Erachten, das Feuer habe sich mithilfe eines flüssigen Brandbeschleunigers entzündet. Die Ermittler fanden ebenfalls Verkohlungen unter dem aus Aluminium bestehenden Pfosten der Vordertür, welche sie für ein weiteres Indiz der Entzündung durch flüssigen Brandbeschleuniger hielten. Tests ergaben einen Nachweis für solch einen Brandbeschleuniger in der Nähe der Vordertür. Obwohl kein klares Motiv gefunden wurde und Willinghams Ehefrau einen Streit vor der Nacht, in der das Feuer brannte, abstritt, lautet die spätere Aussage eines Mithäftlings, Willingham habe gestanden, den Brand entfacht zu haben.
Brennflüssigkeit, die dafür genutzt wird, Holzkohle zu entfachen, und ein Freiluftgrill wurden auf der vorderen Veranda aufbewahrt, was durch einen geschmolzenen Container bewiesen wurde. Etwas von dieser Brennflüssigkeit mag durch den Vordereingang des Hauses eingetreten und von dem Wasser eines Löschschlauchs mitgerissen worden sein. Während Labortests bekräftigten, dass ein Brandbeschleuniger nahe der vorderen Veranda genutzt worden war, wurde ebenso behauptet, dass dieser Brandbeschleuniger absichtlich in der Nähe der Veranda, eines der Kinderzimmer und eines der Hausflure ausgegossen worden war, um das Feuer zu entzünden. Willingham habe den Eingangsweg an der Veranda einbezogen, um Rettungsversuche zu erschweren oder gar zu verhindern. Er behauptete, Eichhörnchen seien Wochen vor dem Brand in das Dach des Hauses gelangt. Direkt nach dem Feuer sagte er seinen Nachbarn, er habe die Vermutung, das Feuer resultiere aus einem elektrischen Problem. Er behielt diese Aussage, mit Vorbehalten aufgrund seines Mangels an fachlichen Kenntnissen, auch in seiner polizeilichen Stellungnahme bei. Die Staatsanwaltschaft nutzte diese und andere Theorien der Brandlegung, von denen einige im Nachhinein in Frage gestellt wurden.innocenceproject.org:
Lange nach dem ursprünglichen Urteil, im Jahr 2004, untersuchte Gerald Hurst, Doktor der Chemie, die von Manuel Vasquez, einem Sprecher der Feuerwehr, aufgestellten Brandstiftungsnachweise. Hurst stellte fest, dass Vasquez inkorrekt gewesen sei, als er sagte, dass die extreme Hitze des Feuers (bewiesen durch eine geschmolzene Aluminiumtürschwelle) anzeigte, dass ein Brandbeschleuniger benutzt worden war. Hurst bewies durch vergleichbare Experimente zudem, dass Feuer durch Holz und solche durch flüssigen Brandbeschleuniger mit gleicher Hitze brennen können. Anhand seiner eigenen Experimente wurde festgestellt, dass das Brennen mit einem Brandbeschleuniger nicht die Art von braunen Flecken hinterlässt, die Vasquez als Nachweis seiner Theorie gebrauchte. Hurst sagte außerdem, dass das gerissene Glas, welches Vasquez als Folge des Brandbeschleunigers sah, ein Resultat von Unterholzbränden anderswo sei. Experimente zeigten, dass gerissenes Glas nicht durch schnelles Erhitzen, sondern schnelle Kühlung hervorgerufen wird und das Glas, welches von Wasser eines Löschschlauches gekühlt wurde, zu einer größeren Wahrscheinlichkeit Risse aufweist. Eine 20 000 $ teure experimentelle Entzündung eines Musterhauses ohne die Benutzung von Brandbeschleunigern kreierte dieselben Guss- und V-geformten Muster, die Vasquez als Indikator für einen flüssigen Brandbeschleuniger nutzte. Vasquez dachte, Willingham habe gelogen, als er sagte, er sei aus dem Haus geflohen, ohne seine Füße zu verbrennen, weil er vermutete, dass ein Brandbeschleuniger benutzt worden war, der das Feuer auf dem gesamten Flur verbreitet habe. Da jedoch kein Brandbeschleuniger nötig ist, um die gefundenen Resultate zu erzielen, könnte Willingham sehr wohl die Wahrheit gesagt haben, als er behauptete, ohne Verbrennungen an den Füßen das Haus verlassen zu haben, bevor jegliche schlagartige Flammenausbreitung stattfand.
Hurst zufolge ist es unmöglich, Spuren von Brandbeschleuniger zu erkennen, wenn ein Feuer einmal anfängt, sich ruckartig auszubreiten. Während die Anklage dachte, dass der „bizarre“ Weg der Flammen die Nutzung von Brandbeschleuniger nachweise, sagte Hurst, dass der Weg der Flammen dem nach einem Flammenübersprung üblichen Muster entspreche, nach dem Flammen in Richtung von Belüftung folgen. Obwohl Willingham beschuldigt worden war, Brandbeschleuniger an drei verschiedenen Orten benutzt zu haben, ist die vordere Veranda der einzige Ort, an dem Brandbeschleuniger anhand von Labortests nachgewiesen wurde. Eine Fotografie des Hauses vor dem Feuer zeigte, dass der Holzkohlegrill sich in der Tat üblicherweise auf der Veranda befand. Die Familie bestätigte, dass Zündflüssigkeit benutzt wurde, um den Grill für Familiengrillpartys zu entzünden. Von den Feuerwehrmännern verteiltes Wasser kann leicht die Zündflüssigkeit von dem geschmolzenen Container gesprüht haben. Alle zwanzig von Vasquez gelisteten Indikatoren zur Nutzung eines Brandbeschleunigers wurden von Hurst widerlegt.
Bei der Rückkehr zu seinem Haus in Begleitung von Feuerwehrmann Ron Franks sagte Willingham, er habe entzündbares Eau de Cologne der Marke British Sterling im Flur vom Badezimmer zum Schlafzimmer, in dem die Zwillinge gestorben worden waren, verteilt, da diese den Geruch geliebt hatten.
Ein von Craig Beyler für die Texas Forensic Science Commission verfasster Bericht besagte, dass Ermittler die wissenschaftliche Methode, beschrieben in NFPA 921, Richtlinie für Feuer- und Explosionsermittlungen zur Analyse von Bränden, ignoriert hatten und sich stattdessen auf „Folklore“ und „Mythen“ verließen. Beyler sagte außerdem, dass Vasquez im Unrecht war, als er sagte, dass Zeugen drei verschiedene Brände gesehen hatten und dass diese lediglich von Rauch stammend vom Brand des Schlafzimmers berichteten. Beyler schrieb in seinem Report, dass „am Ende die einzige (Basis) für Feststellung der Brandstiftung…die Brandspuren auf dem Boden des Kinderzimmers, des Flures und der Veranda als Fleck einer Zündflüssigkeit interpretiert wurden. Keine dieser Feststellungen hat irgendeine Grundlage der modernen Wissenschaft.“ Trotzdem war die Stadt Corsicana sehr kritisch in Bezug auf Beylers Bericht und produzierte eine 21-seitige Antwort, die die fehlende Objektivität des Berichtes darstellte und Beyler die vermeintliche Rolle des Anwaltes von Willingham zuschrieb.Beyler Report, 25. August 2009.
Die Stelle für Begnadigungen und Haftentlassungen erhielt Hursts Beschreibung, lehnte aber Willinghams Gnadengesuch einstimmig ab. Gouverneur Perry lehnte den Verzicht auf Hinrichtung ab und gab durch einen Sprecher bekannt, dass „der Gouverneur seine Entscheidung aufgrund von Fakten zu dem Fall getroffen habe“. Gouverneur Perry sagte, dass die „vermeintlichen Experten“ falsch gewesen waren und dass niemand der Anti-Todesstrafen-Propaganda Beachtung schenken solle. Perrys Berater Mary Anne Wiley sagte, die 30 000 $ teure Anheuerung von Feuerexperte Craig Beyler sei eine Verschwendung von Steuergeldern gewesen. Jackson, einer der Kläger, bestätigte, dass ein „unwiderruflich mangelhafter forensischer Bericht“ benutzt worden war, um Willingham zu verurteilen, dass aber dennoch andere Gründe dagewesen waren, die dessen Schuld zeigten. mini|Gouverneur Rick Perry