Pritschaly (, , ) ist ein Ort am Kurischen Haff in der russischen Oblast Kaliningrad. Er gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Slawsk im Rajon Slawsk.
Geographische Lage Pritschaly liegt 30 Kilometer nordwestlich der Kreisstadt Slawsk (Heinrichswalde) und ist Endpunkt einer Nebenstraße, die südlich von Prochladnoje (Kallningken, 1938 bis 1946 Herdenau) von der Straße Malyje Bereschki (Neu Lappienen, 1938 bis 1946 Rautersdorf)–Prochladnoje abzweigt. Eine Bahnanbindung besteht nicht.
Geschichte Das Haffdorf InseInse. In: D. Lange: Geographisches Ortsregister Ostpreußen. 2005. lag zu beiden Seiten des gleichnamigen Flüsschens (heutiger Name: Chlebnaja), das wenige hundert Meter später in das Kurische Haff (russisch: Kurschski saliw) mündet. Die Inse war nur einen Kilometer lang und entstand aus dem Zusammenfluss von Griebe (heute russisch: Promyslowaja) und Pait (russisch: Chlebnaja).Kirchspiel Inse, Kreisgemeinschaft Elchniederung e.V.
Das Dorf Inse zählte zu den ältesten Fischersiedlungen am Haff.Pricaly - Inse. Informationszentrum Ostpreußen. Bis 1930 unterschied man die eigenständigen Gemeinden Alt Inse im Norden und Groß Inse im Süden, weiter nördlicher lag die Försterei Klein Inse, die seit 1910 nach Tawellningken, Forst (1938 bis 1946: Tawellenbruch, Forst) gehörte. Die beiden Gemeinden schlossen sich am 1. Juli 1930 zur neuen Landgemeinde Inse zusammen. Bis zu der Zeit vor 1945 lebte die Bevölkerung vor allem von der Fischerei, aber auch der Gemüseanbau war von großer Bedeutung.
Dem Schiffsanleger von Inse kam noch eine besondere Bedeutung zu: Immer, wenn Kaiser Wilhelm II. sich zur Jagd in die sechs Kilometer entfernte Förstetei Pait (heute ein Teil von Chrustalnoje) begab, fuhr er mit seiner Staatsyacht nach Inse und stieg dann in den Jagdwagen um. Das Dorf bereitete ihm stets einen großen Empfang. Letzter Nutzer des Jagdhauses Pait zur Elchjagd war Hermann Göring in seiner Funktion als Reichsjägermeister, der die Anlage auch umbauen und erweitern ließ.Geschichte von Pritschaly - Pait und seiner Prominenz. Informationszentrum Ostpreußen.
In Folge des Zweiten Weltkrieges kam Inse 1945 mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion. Der Ort erhielt 1947 die russische Bezeichnung „Pritschaly“ und wurde gleichzeitig in den Dorfsowjet Saliwenski selski Sowet im Rajon Slawsk eingegliedert. Seit 1965 gehörte der Ort zum Prochladnenski selski Sowet. Von 2008 bis 2015 gehörte Pritschaly zur Landgemeinde Jasnowskoje selskoje posselenije und seither zum Stadtkreis Slawsk.
Nur noch wenige alte Fischerhäuser sind vorhanden neben mehreren im sozialistischen Stil errichteten Neubauten. Der ehemalige Friedhof des Dorfes, der sich auf einem Sandhügel in der Nähe des Jagdhauses Pait befand, ist noch vorhanden und wird von der Pait-Stiftung sowie ehemaligen Inser und Paiter Bürgern, die heute in der Grafschaft Bentheim und in Berlin leben, wieder als Stätte des Gedenkens hergerichtet.
Einwohnerentwicklung Jahr EinwohnerVolkszählungsdaten Bemerkungen 1910 585 Alt Inse und Groß Inse zusammen 1933 476 1939 543 2002 136 2010 123
Amtsbezirk Inse (1874–1945) Am 26. März 1874 wurde der Amtsbezirk Inse errichtet, der bis 1945 bestand und zum Kreis Niederung (1939 bis 1945 „Kreis Elchniederung“) im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte. Ihm gehörten anfangs elf, später nur noch drei Orte an:Rolf Jehke: Amtsbezirk Inse, territorial.de.
Name Russischer Name Bemerkungen Alt Inse Pritschaly 1930 in die Landgemeinde Inse eingegliedert Augstutt Groß Inse Pritschaly 1930 in die Landgemeinde Inse eingegliedert Ibenhorst, Forst 1886 in die Landgemeinde Alt Inse eingegliedert Klein Inse 1910 in den Gutsbezirk Tawellningken, Forst, eingegliedert Kurrenberg 1876 in die Landgemeinde Matzgirren eingegliedert Löckerorth Loye Rybatschje Matzgirren,1938–46: Kurrenberg Chlebnoje 1934 in den Amtsbezirk Lappienen umgegliedert Pait 1929 in die Landgemeinde Kurrenberg, 1934 in denGutsbezirk Tawellningken, Forst, eingegliedert Tawe Saliwino
Am 1. Januar 1945 bestand der Amtsbezirk Inse noch aus den Gemeinden Inse, Loye und Tawe.
Kirche
Kirchengebäude Ein erstes Gotteshaus erhielt Inse bereits im Jahre 1576. Nach etwas mehr als hundert Jahren wurde um 1700 ein NeubauWalther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 2: Bilder ostpreußischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 92, Abb. 376–378. erforderlich, und es entstand ein achteckiger Zentralbau aus Holz mit kleinem Turm, der – später blau angestrichen – eindrucksvoll am Flussufer gelegen war. Der Innenraum hatte eine flache Decke, die auf toskanischen Säulen ruhte. In der Mitte stand ein achteckiger granitener Taufstein aus dem 17. Jahrhundert. Das Gebäude kam gut durch den Krieg. Allerdings wurde es 1964 eingerissen und abgeräumt. Heute fehlt von der Kirche jede Spur.
Kirchengemeinde Eine eigene Kirchengemeinde wurde in Inse im Jahre 1570 gegründet.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 3: Dokumente. Göttingen 1968, S. 482. Bis darin gehörte das Dorf mit seinen Nachbarorten zur Kirche Kunzen auf der Kurischen Nehrung (heute russisch: Kurschskaja kossa). Bis 1684 war die Gemeinde eigenständig, danach wurde sie eine Filialkirche der Kirche Kallningken (der Ort hieß 1938 bis 1946: Herdenau, heute russisch: Prochladnoje). Im Jahre 1810 wurde die Gemeinde erneut selbständig und galt bis 1945 als das älteste Kirchspiel im Kreis Niederung.
Das Kirchspiel Inse zählte 1925 etwa 1000 Gemeindeglieder, die in sechs Ortschaften entlang der Haffküste lebten. Bis 1945 war es Teil des Kirchenkreises Niederung (Elchniederung) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Heute liegt Pritschaly im Einzugsbereich der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Slawsk (Heinrichswalde) in der Propstei Kaliningrad (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.
Weblinks Pritschaly bei prussia39.ru (russisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Rajon Slawsk