mini|App-Symbol Signal seit 2024
Signal ist ein fast vollständig quelloffener Instant-Messaging-Dienst für verschlüsselte Online-Kommunikation der US-amerikanischen gemeinnützigen Signal-Stiftung. Er ist vor allem für seine Datensparsamkeit und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bekannt und wurde mehrfach von Sicherheitsexperten und Datenschutzorganisationen empfohlen. Zur Umsetzung der Datensparsamkeit dient das „Zero-Knowledge-Prinzip“, bei dem der Betreiber keinerlei Zugriff auf Nutzerdaten hat. Signal ist als Mobile App für Android und iOS und als Desktop-Version für Windows, macOS und Linux verfügbar; eine Web-Version existiert aus Sicherheitsgründen nicht. Für die Verschlüsselung von Nachrichten, Anrufen und Videotelefonie kommt das freie Signal-Protokoll zum Einsatz.
Eigenschaften Verschlüsselung Die Anwendung verschlüsselt automatisch Unterhaltungen, die mit anderen registrierten Signal-Benutzern geführt werden. Signal ermöglicht das verschlüsselte Senden von Textnachrichten, Dokumenten, Fotos und Kontaktinformation in Einzel- oder Gruppenchats, sowie Gruppentelefonate mit zuschaltbarer Videofunktion mit bis zu 40 Teilnehmern. Die Verschlüsselung bietet folgende Eigenschaften:
Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bedeutet, dass auch der Betreiber keinen Zugriff auf den Inhalt von Nachrichten hat, die mit Signal versendet werden. Perfect Forward Secrecy bedeutet, dass auch bei Bekanntwerden des geheimen persönlichen Langzeitschlüssels eines Benutzers zurückliegende Nachrichten nicht entschlüsselt werden können. Dies liegt daran, dass für jede Nachricht aus dem Langzeitschlüssel ein eigener temporärer Schlüssel erzeugt wird, der nach Übermittlung verworfen wird. Post-Compromise Security ist das Gegenstück zu Perfect Forward Secrecy und bedeutet, dass bei Kompromittierung einer Nachricht bzw. deren Schlüssel zukünftige Nachrichten nicht entschlüsselt werden können. Authentifizierung mittels abfotografierbarer Schlüssel-Fingerabdrücke erlaubt den Benutzern zu verifizieren, dass sie wirklich nur mit derjenigen Person kommunizieren, die für den Empfang der Nachrichten vorgesehen ist. Man-in-the-Middle-Angriffe können hierdurch ausgeschlossen werden. Glaubhafte Abstreitbarkeit schützt Benutzer (bspw. in repressiven Regimen) davor, dass ihnen eine bestimmte Nachricht zugeschrieben werden kann. Da die Urheberschaft von Nachrichten nicht nachvollziehbar ist, bleibt also der Quellenschutz gewahrt. Verschlüsselte Benutzerprofile erlauben es, Benutzerfotos und Namen zwischen den Benutzern zu übertragen, ohne dass der Betreiber diese einsehen kann. Einmalig anzeigbare Medien () erlaubt es Mediendateien zu versenden, die nach einmaligem Ansehen aus der Unterhaltung entfernt werden. Diese Funktion führte Signal in seiner Beta-Version 2019 ein. Post-Quanten-Kryptographie: Im September 2023 wurde das Signal-Protokoll durch die Integration des quantensicheren Schlüsselkapselungsverfahren Kyber gegen rückwirkende Attacken durch Quantencomputer abgesichert. Verschwindende Nachrichten: Benutzer können einen Timer setzen, nach dessen Ablauf Nachrichten aus der App gelöscht werden. Im iOS werden die Nachrichten allerdings nicht gänzlich vom Gerät gelöscht, sondern können weiterhin aus der Datenbank für Push-Benachrichtigungen forensisch abgegriffen werden. In den Einstellungen der Signal-App lässt sich die Weitergabe von Nachrichten aber einschränken oder abschalten.
Neben diesen Maßnahmen zur Transportverschlüsselung werden von Signal sowohl in der iOS- als auch in der Android-Variante die auf dem Smartphone abgelegten Daten durch SQLCipher verschlüsselt. Die Verschlüsselung der lokal gespeicherten Chatverläufe wird nicht für die Desktop-Version angeboten.
Auf den Servern des Betreibers werden Kontoeinstellungen, Kontakte und blockierte Kontakte nicht im Klartext gespeichert, sondern mit einer PIN verschlüsselt, die nur dem Nutzer bekannt ist. Bei Gruppenchats sind die Mitgliederliste und der Admin-Status der Mitglieder sowie andere Gruppendetails als verschlüsselte Liste auf den Servern gespeichert (sogenannte Gruppen neuen Typs).
Sicherheit Signal ist vor allem für seine Datensparsamkeit und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bekannt und wurde mehrfach von Sicherheitsexperten und Datenschutzorganisationen empfohlen.Edward Snowden twitter.com, Februar 2019 Zur Umsetzung der Datensparsamkeit dient das „Zero-Knowledge-Prinzip“, bei dem der Betreiber keinerlei Zugriff auf Nutzerdaten hat, was u. a. auch eine FOIA-Anfrage vom Januar 2021 an das FBI bestätigte. Seit März 2017 ist Signal für den US-Senat und dessen Mitarbeiter zugelassen, seit Februar 2020 ist Signal die empfohlene Anwendung für den Nachrichtensofortversand der Europäischen Kommission und ihrer Mitarbeiter, aber für die ranghöchsten Beamten wurde im April 2026 aus Furcht vor Spionageangriffen die Auflösung einer Signal-Gruppe angewiesen. In einer Untersuchung von 2022 der Stiftung Warentest erreichte Signal den ersten Platz der getesteten Messenger. Signal ist als Mobile App für Android und iOS und als Desktop-Version für Windows, macOS und Linux verfügbar; eine Web-Version existiert aus Sicherheitsgründen nicht. Die Desktop-Version setzt allerdings voraus, dass die App bereits auf einem Smartphone installiert ist. Für die Verschlüsselung von Nachrichten, Anrufen und Videotelefonie kommt das freie Signal-Protokoll zum Einsatz, das von Sicherheitsexperten als sicher eingestuft wird. An der Weiterentwicklung und dem Betrieb von Signal sind 50 Mitarbeiter beteiligt.
Der vollständige Quellcode der Signal-Clients und des Servers ist öffentlich auf GitHub zugänglich. Ausgenommen hiervon ist lediglich eine Komponente in der Spam-Erkennung. Diese Zugänglichkeit ist nur bei sehr wenigen Anwendungen in dieser Sparte der Fall und erlaubt interessierten Personen und Organisationen, den Code auf Schwachstellen zu untersuchen und dessen sichere Funktionalität zu verifizieren. Fortgeschrittene Benutzer haben auch die Möglichkeit, eigene Versionen von Signal für Android zu kompilieren und diese mit der durch den Betreiber verteilten Version zu vergleichen (reproducible builds).
Im Oktober 2014 wurde von Wissenschaftlern der Ruhr-Universität Bochum eine Analyse des damals noch TextSecure-Protokoll genannten Protokolls veröffentlicht: Neben einigen anderen Punkten entdeckten sie auch eine bisher unbekannte Schwachstelle (key-share attack), kamen jedoch insgesamt zu dem Ergebnis, dass das Protokoll sicher sei. Im Oktober 2016 analysierte eine Forschergruppe der University of Oxford, der Queensland University of Technology und der McMaster University das Signal-Protokoll formal. Nach eigener Aussage ist es die erste akademische Analyse dieser Art für das Produkt. Laut Forschungsergebnis ist das Signal-Protokoll sicher und erfüllt die Anforderungen wie Forward Secrecy. Im Januar 2018 entdeckten Sicherheitsforscher der Ruhr-Universität Bochum in einer weiteren Analyse unter anderem eine theoretische Lücke in der Konzeption von Gruppenchats. So kann ein Angreifer, der die Gruppen-ID und Telefonnummer eines Gruppenteilnehmers kennt, sich selbst dieser Gruppe hinzufügen und die eigentlich verschlüsselten Nachrichten lesen. Allerdings würden alle anderen Gruppenmitglieder über den neu Hinzugestoßenen benachrichtigt.
Für die Benutzung von Signal ist – wie bei der Mehrzahl der Konkurrenzprodukte – eine Telefonnummer erforderlich. Die Macher von Signal sind sich darüber im Klaren, dass hierdurch ein Teil der Anonymität verloren geht. Laut ihnen wird dieser Nachteil dadurch aufgewogen, dass sich Benutzer durch ihre Telefonnummern leicht und komfortabel gegenseitig in der App als Kontakte finden können. Um trotzdem Anonymität zu gewährleisten, werden von Signal niemals Telefonnummern im Klartext an den Server zum Abgleich geschickt. Vielmehr werden die Nummern zunächst auf dem Gerät des Nutzers verschlüsselt und dann zum Abgleich in einen verschlüsselten, für Dritte nicht zugänglichen Arbeitsspeicher der Server übermittelt. Letztlich ist es das Ziel der Betreiber, selbst keine Kenntnis davon zu haben, wer mit wem wann worüber kommuniziert. Seit 2017 lässt sich Signal auch ohne Googles Push-Dienst nutzen, so dass Google nicht mehr sieht, wann ein Nutzer eine Nachricht erhält.Golem: „Signal ab sofort ohne Play-Services nutzbar“, abgerufen am 22. Februar 2017.
Zwar ist der Code für die Serverplattform öffentlich zugänglich, was eine Föderierbarkeit grundsätzlich möglich machen würde, jedoch haben sich die Betreiber dagegen ausgesprochen. Föderierung nehme ihnen die Flexibilität zu schnellen und umfassenden Anpassungen der Plattform und führe somit zu einer starken Entwicklungsverlangsamung, wie sie sich bei E-Mail und XMPP beobachten lässt. Zwar ist es jedermann möglich, einen eigenen Signal-Server und damit einen Signal-Dienst zu betreiben, deren Nutzer könnten jedoch nicht mit jenen des offiziellen Dienstes kommunizieren.
Die Abschaffung der SMS- und MMS-Verschlüsselung ab Version 2.7 im Frühjahr 2015 wurde von verschiedenen Seiten kritisiert, die diese Funktion schätzten. Die Möglichkeit, Signal unter Android zum Versand von SMS zu nutzen, wurde 2023 vollständig entfernt. Als Gründe wurden genannt, dass der Versand von SMS grundsätzlich als nicht sicher erachtet wird und die Funktion zudem verwirrend für Nutzer sei sowie Kosten verursachen kann, wenn bei der Nutzung übersehen wird, dass der Versand einer Nachricht als SMS anstatt einer Signal-Nachricht erfolgt – üblicherweise, wenn auf der Empfangsseite nicht ebenfalls die Signal-App installiert ist.
Die französische Regierung verbot per 8. Dezember 2023 die WhatsApp-, Telegram- und Signal-Nutzung durch Regierungsmitglieder aufgrund von nicht näher beschriebenen „Sicherheitsmängeln“.
Nach jahrelanger Entwicklung wurde im Februar 2024 in der Beta-Version, im März in den öffentlichen Versionen die Funktion eingeführt, sich mit anderen Nutzern nicht nur über die Telefonnummer, sondern auch über einen Benutzernamen verknüpfen zu können. Dieser kann frei mit kleinen Einschränkungen ausgewählt und auch geändert werden, an den Benutzernamen wird nach einem Punkt automatisch eine Zahl angehängt. Zudem kann in den Datenschutz-Einstellungen angegeben werden, ob Kontakte, welche über den Benutzernamen verknüpft wurden, die eigene Telefonnummer sehen können oder nicht. Für die Nutzung von Signal ist somit weiterhin eine Telefonnummer notwendig, Chats können allerdings nun völlig anonym gestartet und geführt werden.
Als in EU-Gremien im Juni 2024 wieder Diskussionen über mögliche Chatkontrollen durch Behörden aufflammten, widersprach dem Meredith Whittaker und drohte damit, eher die EU zu verlassen als ein Untergraben der Privatsphäre-Garantien von Signal hinzunehmen.Kann man den Messenger Signal in Europa bald nicht mehr nutzen? in der Tech-Box vom 4. Juni 2024, abgerufen am 25. November 2024
Zensurumgehung Signal nutzt zur Umgehung von Zensur ein sogenanntes Domain Fronting, basierend auf Server Name Indication (SNI) und Transport Layer Security (TLS), welches zum Ziel hat, den eigentlichen Endpunkt einer Kommunikation zu verschleiern. Hierbei teilen sich mehrere, unterschiedliche und verschlüsselt abrufbare Dienste in unterschiedlichen Domains einen physischen Serverzugang unter einer IP-Adresse, beispielsweise auf dem für HTTPS genutzten TCP-Port 443. Von außen ist aufgrund der im Rahmen von TLS eingesetzten Verschlüsselung nicht unterscheidbar, welcher Dienst dabei kontaktiert wird. Zugänge wie HTTPS können im Regelfall wegen ihrer Popularität nicht so einfach abgeschaltet werden, ohne weitreichende Störungen zu verursachen. Da Google-Dienste weltweit große Popularität genießen, entschied Signal, Domain Fronting in Zusammenhang mit Google-Diensten zu verwenden. Diese Funktion muss von Nutzern eigens in den Einstellungen der App aktiviert werden.