Repelen bzw. amtlich Rheinkamp-Repelen ist einer der neun Ortsteile (offiziell Wohnplatz) des statistischen Stadtteils Rheinkamp in Moers. Mit einer Bevölkerungszahl von 11.029 (Stand: 31. Dezember 2023) hat er die meisten Bewohner des Stadtteils.
Räumliche Lage mini|links|Wohnplätze von Moers; Repelen liegt im nordwestlichen Bereich von Moers Repelen liegt im nordwestlichen Bereich von Moers. Der Ort ist im Wesentlichen fast vollständig von anderen Ortsteilen Rheinkamps, und zwar Kohlenhuck, Bornheim, Rheinkamp-Mitte (Meerfeld) und Genend, umgeben. Lediglich im Westen grenzt ein kleiner Bereich der Ortsgrenze an die Stadt Kamp-Lintfort. Wie Moers lag Repelen im Mittelalter an einem wasserführenden Arm des Rheins, der später bei der Verlagerung des Rheins nach Osten vom Rheinstrom nicht mehr durchflossen wurde und dessen geografische Spur sich heute als Moersbach mit dem Repelner Meer findet. Zum Wohnplatz Repelen gehörten die Siedlung Muspasch und das Dorf Rheim.J. H. Mooren: Die Erzdiözese Köln bis zur französischen Staatsumwälzung, Band 2. 1893. Nach dem Beginn des Bergbaus entstand südwestlich die große Siedlung Repelen als Bergarbeitersiedlung.
Geschichte mini|hochkant|Evangelische Dorfkirche Vom Beginn der menschlichen Besiedlung im direkten Ortsbereich Repelens liegen bis zur Römerzeit am Linken Niederrhein fast keine Funde vor. Lediglich in der Nähe des Moersbachs am Repeler Meer wurde bisher ein Tongefäß aus der Späten Eisenzeit gefunden.Margret Wensky (Hrsg.): Moers. Die Geschichte der Stadt von der Frühzeit bis zur Gegenwart. Band 1. Böhlau Verlag, Köln 2000, ISBN 3-412-04600-0. Aus der Römerzeit, etwa dem 2. bis 3. Jahrhundert n. Chr., wurden sowohl in Repelen im Bereich des Zechengeländes Pattberg wie auch in Kohlenhuck (teilweise in der Nähe des Schenkschen Hofes) diverse Gräber von Römern oder Germanen mit unterschiedlichen Fundobjekten wie Knochen oder Brandknochen (von Brandgräbern), Keramik und Münzen entdeckt und ausgegraben.
Spätestens nach dem Ende der Römerzeit scheint das Gebiet um Repelen stärker von den Franken besiedelt gewesen zu sein. Nordwestlich im heutigen Wohnort Eick-West, das pastoral bis zur Neuzeit zum Pfarrbezirk Repelen gehörte, wurde in der Nähe zur Grenze mit Repelen ein größerer Friedhof der Franken aus der Zeit um die Mitte des 6. bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts n. Chr. gefunden. Dies ist ein deutlicher Hinweis für die stärkere Besiedlung des Gebietes zwischen Repelen und Eick zu dieser Zeit.Hermann Hinz: Das fränkische Gräberfeld von Eick. 1969, S. 56–63.
Weiterhin gehört die heutige evangelische Dorfkirche Repelen zu den ältesten Kirchen im Rheinland; ihr erster Vorläufer, eine kleine Kapelle, soll bereits um 700 n. Chr. errichtet worden sein. Für den Bereich Repelen vermutet man, dass das Kloster Echternach urkundlich bereits 726 Pfründen und 855/56 Eigentum gehabt haben könnte.Ein Edelmann überschreibt in einer Urkunge einen Hof in Repelen (auch „Reple“ oder auch „Replo(e)“ geschrieben) an das Kloster Echternach. Dass dieses Reple mit Repelen identisch sei, ist heute umstritten. Einige Historiker nehmen an, dass „Reppel“ in Nordbrabant gemeint sei. Bedingt durch die Kirche und den zugehörigen Pfarrbezirk war Repelen der Zentralort für die angrenzenden Gebiete mit bäuerlichen Hofanlagen. Die ältesten Urkunden stammen deshalb von kirchlichen Aufzeichnungen.
1122 wird Repelen bei der Gründung der Abtei Altenkamp durch den Kölner Erzbischof Friedrich I. in der Gründungsurkunde angeführt. Zum Patronat der Abtei Altenkamp gehörte damals der Pfarrbezirk Repelen. Die Kirche in Repelen wird erstmals schriftlich als „ecclesia in Replere“ in einer Urkunde von 1176 angeführt. Darin wurden Einkünfte aus den Pfründen der Kirche vom Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg der zu dieser Zeit notleidenden Kellnerei des Stiftes Xanten geschenkt.
In einer weiteren Urkunde wurde für 1176 die Pfarrkirche in Replar (Repelen) mit dem Hinweis angegeben, dass die Kirche in Berke (Rheinberg) eine Filiale sei. Diese zeitweilige Zugehörigkeit vom Kirchbezirk Rheinberg ist aber umstritten und vermutlich falsch. Repelen war im Mittelalter eine der 55 Pfarreien des Dekanats Xanten. Entsprechend dem Urbar des Xantener Viktorstifts für das späte 13. Jahrhundert erhielt das Stift zu dieser Zeit den Zehnt von der Pfarre Repelen. Sowohl die Pfarrei Repelen wie auch Rheinberg wurden vom Kloster Camp pastoriert.
In einer Urkunde aus dem Mittelalter verkauft ein damaliger Rittergutsbesitzer Alexander von Repelen 1226 der Abtei Camp eine Hufe. In diesem Schriftstück beurkundet der Graf Theoderich von Moers, dass die „Abtei Camp“ in Rheydt ein Grundstück erworben hat.Theodor Joseph Lacomblet: Urkundenbuch/Urkunde Nr. 138, Band 2. 1846, S. 74 (Digitalisat der ULB Bonn). Ein weiteres ehemaliges Rittergut im Einflussbereich von Repelen ist das der Edelherren von Eyck. 1323 kaufte ein Georg von Eyk urkundlich das Gut Terwingen. Für 1624 wird für das Kirchdorf Repelen der Bestand von 30 bis 40 Hofstellen angegeben.Carl Hirschberg: Geschichte der Grafschaft Moers. 2. Auflage. 1904, S. 33.
Repelen gehörte zum Gebiet der Grafschaft Moers. Ein früher Hinweis darauf, dass die Grafen von Moers auch im Bereich von Repelen Grundbesitz hatten, ist eine Urkunde von 1288. Darin überschrieb Friedrich von Moers ein Gut im Bereich von Repelen (in der Urkunde wird die Lage mit „Rinkampe“ angegeben) an Graf Adolf V. von Berg und erhielt dieses dann zum Lehen.Christoph Jacob Kremer: Akademische Beiträge zur gülch-bergischen Geschichte, in der Urkunde CLXV vom 7. Lenzmonat (März) 1288. 1781, S. 186. Die weitere Geschichte ab Ende des 13. Jahrhunderts entspricht der Geschichte der Grafschaft Moers.
Die zentrale Funktion von Repelen für die umliegenden kleineren Siedlungsbereiche bestand unverändert bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Nach dem Ende der französischen Annexion mit der Zugehörigkeit des Rheinlands zu Preußen wurden zeitweise auch die Bürgermeistereien Neukirchen und Vluyn von der Bürgermeisterei Repelen mit verwaltet.Johann Georg von Viebahn: Statistik und Topographie des Regierungs-Bezirks Düsseldorf, Zweiter Theil. Düsseldorf 1836, S. 107 (Digitalisat der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln; PDF; 73,2 MB).
Zu Beginn der 1830er Jahre werden folgende Daten für die Bürgermeisterei Repelen ohne Neukirchen und Vluyn angegeben. Neben dem Dorf Repelen gehörten 8 weitere Bauerschaften und 2 Rittergüter (Haus Tervoort und Strommoers) mit insgesamt 219 Wohnhäusern und 1904 Bewohnern dazu. Im Einzelnen betrugen die Zahlen der Häuser und Bewohner ohne Repelen zu dieser Zeit:Die Rheinprovinz der preussischen Monarchie, 1. Band, Sechstes Heft. 1834, S. [219+220] 161, 162. Genend: 29 Häuser und 248 Personen Rheim: 24 Häuser und 162 Personen Kohlenhuck: 20 Häuser und 159 Personen Moerserhuck (Graft): 17 Häuser und 119 Personen Rheinkamp: 23 Häuser und 204 Personen Bornheim: 18 Häuser und 183 Personen Utfort: 12 Häuser und 58 Personen Eyck: 8 Häusern und 54 Personen sowie Rittergut Haus Tervoort: 3 Wohn- und Wirtschaftsgebäude und 12 Personen Rittergut Strommoers: 1 Wohngebäude und 23 Personen. Zusätzlich gehörte als neunte Bauerschaft noch „Niephauserfeld“ mit 19 Wohnhäusern und 157 Personen zur Bürgermeisterei, obwohl diese in dem Handbuch nicht angeführt ist.Johann Georg von Viebahn gibt in seinem Buch Statistik und Topographie des Regierungsbezirks Düsseldorf von 1836 auf Seite 107 auch die Bauerschaft Niephauserfeld mit 19 Wohnhäusern und 157 Personen als zur Bürgermeisterei zugehörig an. mini|Zeche Rheinpreußen in Utfort, Schacht 5/9 um 1959 In einer Auflistung für Repelen von 1901 gehörten zur Gemeinde unverändert das Kirchdorf Repelen mit den neun vorstehend angeführten Bauerschaften und den zwei Gütern. Die Einwohnerzahl war zu diesem Zeitpunkt auf 2377 angestiegen.Berenberg: Grosses-Landes-Adressbuch. Hannover 1901, S. [1190/2]1116/8 (Onlinefassung)
Ende des 19. Jahrhunderts begann am linken Niederrhein der Steinkohlenbergbau. Im Bereich der Bürgermeisterei Repelen wurde in Utfort ab 1900 der Schacht 5 der Zeche Rheinpreußen angelegt. Es folgte ab 1922 der Bau von Schacht 6 auf der Rheimschen und Repelener Heide zwischen dem Ortskern Repelen und der Bauernschaft Rheim. Die bisher rein bäuerliche Infrastruktur der Ortsgebiete musste deshalb dem neuen zusätzlichen industriellen Umfeld in kurzer Zeit angepasst werden, u. a. durch den Bau von Siedlungshäusern für die im Bergbau Beschäftigten südwestlich der Zeche (Siedlung Repelen) und nördlich der Zeche (Siedlung Muspasch).
Um die notwendigen Änderungen leichter großräumig durchführen zu können, wurden die bisherigen selbständigen Bürgermeistereien Repelen und Baerl 1910 vereinigt und die neue Gesamtgemeinde Repelen-Baerl gebildet. 1950 änderte diese Gemeinde ihren Namen in Rheinkamp.
Bei der kommunalen Neuordnung der Kreise und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen 1975 wurde die Gemeinde Rheinkamp aufgelöst und geteilt. Der Teil der ursprünglichen Gesamtgemeinde, zu dem Repelen gehörte, wurde unter dem Namen Rheinkamp einer der drei Stadtteile von Moers.
Repelen als übergeordneter lokaler Verwaltungsbereich ist zwar Vergangenheit. Generell hat aber der heutige Moerser Stadtteil Rheinkamp, bezogen auf seinen Gebietsumfang, mit der historischen Bürgermeisterei Repelen einen geschichtlichen Vorläufer. Bis auf Graft gehören alle für 1830 aufgelisteten Bauerschaften zum heutigen Stadtteil Rheinkamp, nur erweitert um die zusätzlichen Wohnbereiche Baerler Busch und Meerbeck. Im Bereich zwischen den Wohnorten Repelen, Eick und Utfort entstand zudem weitgehend auf ehemaligem Gebiet von Repelen der heutige Wohnbereich „Rheinkamp Mitte“. Hierdurch liegt nun „Repelen Dorf“ mit der Dorfkirche nicht mehr im Zentrum, sondern im östlichen Randgebiet von Repelen.Wohnplätze in Moers
Mundart In Repelen (wie in den anderen Ortsteilen der ehemaligen Grafschaft Moers) wurde „Grafschafter Platt“ in einer lokalen Ausprägung gesprochen. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg war „Platt“ die Umgangssprache einer breiten Bevölkerungsschicht – heute nur noch von wenigen Menschen gesprochen und verstanden.Gottfried Krach: Min Modersprok. Steiger Verlag, Moers 1977, ISBN 3-921564-05-0, S. 3 ff.
Repelen liegt im südniederfränkischen Mundartraum.
Das Grafschafter Platt zeigte in den einzelnen zum früheren Rheinkamp gehörenden Ortsteilen eine unterschiedliche Ausprägung, so dass sich zum Beispiel Repelner, Baerler oder Meerbecker Plattsprecher durchaus an der Aussprache unterscheiden konnten. Eines der wichtigsten Merkmale des zum Nordniederfränkischen zählenden Grafschafter Platt ist die Aussprache des Personalpronomenes „ich“ als ek, während es im Süden des Niederrheins als ech gesprochen wird. Auch das Wort „auch“ wird unterschiedlich ausgesprochen, nämlich als ook im Norden und ooch im Süden. Auch das Verb „haben“ wird unterschiedlich gesprochen: Auf Grafschafter Platt heißt es z. B. ek häbb; weiter südlich heißt es ech han. Die Bergmanns-Sprache hat ebenfalls ihre Spuren im örtlichen Dialekt hinterlassen. Viele alte Repelner kennen den Spruch „da hasse abber Futtsack dran!“ (Der Ausdruck Futtsack zeigt an, dass irgendetwas „schief gelaufen ist“. Er kommt aus der Zeit, als noch Grubenpferde unter Tage arbeiteten, die bei „schwierigen Verhältnissen“ mit dem Futtersack (Futtsack) ruhig gestellt wurden.)
Auch wenn die Mundart auf dem Rückzug ist, so wird Platt zu Karneval, auf Mundartabenden und in Vereinen gepflegt. Es gibt eine reichhaltige lokale Mundart-Literatur. Zu nennen sind die Bücher von Georg Kreischer u. a.: Op Platt vertällt on opgeschrewen. 2001. Gottfried Krach u. a.: Min Modersprok. Steiger Verlag, 1977.
Als Quelle zur Geschichte und Mundart gelten auch die Bücher:Heinz Wilhelm Rosendahl, Heinz Peter Splittorf: Repelen – eine uralte Geschichte. printmediapart, 2008, ISBN 978-3-00-024177-2, S. 7 ff.Ernst Kelter: Chronik der Gemeinde Rheinkamp. Steiger Verlag, Moers 1960, ISBN 3-921564-13-1, S. 5 ff.