Breitengüßbach (bambergisch: Güßboch) ist eine Gemeinde im oberfränkischen Landkreis Bamberg. Breitengüßbach ist ein Kleinzentrum und zählt zur Metropolregion Nürnberg.

Geographie Lage Durch das Gemeindegebiet fließt der Güßbach, der an der westlichen Gemeindegrenze in die dort befindliche Weiherplatte des Mains als rechter Zufluss mündet. Gegen Osten wird das Gelände hügeliger. Rund die Hälfte des Gemeindegebiets ist bewaldet. Es gibt zahlreiche Baggerseen, beispielsweise den Brückenhaussee, den Großen See und den Baunacher See.

Entfernungen zu größeren Orten im Umkreis: Bamberg 10 km, Bad Staffelstein 18 km, Ebern 17 km, Scheßlitz 12 km, Coburg 37 km, Lichtenfels 25 km, Haßfurt ca. 35 km, Forchheim 34 km, Erlangen 49 km und Nürnberg 73 km.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Zapfendorf, Scheßlitz, Memmelsdorf, Kemmern, Baunach und Rattelsdorf.

Gemeindegliederung Es gibt fünf Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Breitengüßbach (Pfarrdorf) Hohengüßbach (Kirchdorf) Leimershof (Einöde) Unteroberndorf (Kirchdorf) Zückshut (Kirchdorf)

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Breitengüßbach, Hohengüßbach, Unteroberndorf und Zückshut. Die Gemarkung Breitengüßbach hat eine Fläche von 7,789 km². Sie ist in 3268 Flurstücke aufgeteilt.

Ortsname Der Ort wurde 809/831 als „Gusibach“ erstmals urkundlich erwähnt. Das Bestimmungswort des dem Ortsnamen zugrundeliegenden Hydronyms ist , demnach also ein Bach mit dieser Eigenschaft. Die heutige Schreibweise findet sich erstmals im Jahr 1561 in der latinisierten Form „Breitengüßbacensis“.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 41. Die ursprüngliche Form war dennoch bis Ende des 18. Jahrhunderts geläufig.

Geschichte mini|Pfarrkirche St. Leonhard Bis zur Gemeindegründung Nach der Ersterwähnung von Breitengüßbach Anfang des 9. Jahrhunderts und der beurkundeten Zugehörigkeit zum Königshof Hallstadt schenkte König Heinrich II. im Jahr 1007 bei der Gründung des Bistums Bamberg den Königshof mit Güßbach der Bamberger Kirche als Tafelgut. Bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts hatte Breitengüßbach ein eigenes Gotteshaus, St. Leonhard. Im Jahre 1392 wurde Güßbach von der Pfarrei Hallstadt abgetrennt und bekam eigene Pfarrrechte.

Eine neue Dorfordnung (Dorfverfassung) gaben sich die Güßbacher bereits 1594 als Grundlage für ein geregeltes Gemeindewesen in den folgenden Jahrhunderten. Der Schulmeister, der Schmied, der Bader, der Hirte und eine Hebamme wurden von der Gemeinde gestellt und besoldet. Ein eigenes Gemeindehaus, eine gemeindeeigene Dorfschmiede und eine öffentliche Badestube waren in der Gemeinde vorhanden. In den Schwedenkriegen wurde am 8. Februar 1633 halb Güßbach in Schutt und Asche gelegt.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Breitengüßbach aus 91 Anwesen. Das Hochgericht hatte das bambergische Centamt Hallstadt. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte die Amtsverweserei Hallstadt aus. Grundherren waren das Amt Hallstadt: 1 Sölde, 9 Söldenhäuser, 5 Söldenhäuslein, 27 Häuser mit Stadel, 9 Häuser, 1 Erbschenkstatt mit Bräuhaus, 5 Wirtshäuser mit Bräuhaus und Schildgerechtigkeit, 3 bebaute Hofstätten, 1 bebautes Hofstättlein; das Domkapitel Bamberg, Oblei Güßbach: 2 Söldenhäuser, 3 Söldenhäuslein, 7 Häuser mit Stadel, 2 Häuser, 1 Hofhäuslein, 1 Häuslein; das Gotteshaus Güßbach: 1 Söldenhaus, 2 Söldenhäuslein, 2 Gütlein, 1 Mühle mit zwei Mahlgängen; die Pfarrei Güßbach: 1 Haus, 1 Söldenhäuslein, 1 Gütlein; die Gemeinde: 1 Gemeindehaus, 1 Hirtenhaus, 1 Schmiede; Freieigen: 1 Gütlein, 1 Haus.H. Weiß: Bamberg-Scheßlitz, S. 110. Die Viehzucht und der Getreidebau waren vortrefflich.J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 2, Sp. 431f.

Im Jahre 1802 kam Breitengüßbach an das Kurfürstentum Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1811 der Steuerdistrikt Breitengüßbach gebildet, zu dem Unteroberndorf gehörte. 1818 entstand die Ruralgemeinde Breitengüßbach ohne Unteroberndorf. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Scheßlitz zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Scheßlitz (1919 in Finanzamt Scheßlitz umbenannt, ab 1928 Finanzamt Bamberg-Land). Ab 1862 war das neu gebildete Bezirksamt Bamberg I für die Verwaltung zuständig, mit dessen Auflösung im Jahr 1929 ist es das Bezirksamt Bamberg (1939 in Landkreis Bamberg umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Scheßlitz (1880 in Amtsgericht Scheßlitz umbenannt, 1932 aufgelöst, seitdem Amtsgericht Bamberg).H. Weiß: Bamberg, S. 236. Die Gemeinde hatte 1964 eine Fläche von 7,775 km².

20. und 21. Jahrhundert Im Ersten Weltkrieg veränderten sich das Ortsbild und die bäuerliche Struktur kaum. Auch der Zweite Weltkrieg ging an der Gemeinde glimpflich vorüber.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden eine Turnhalle gebaut, Wasserleitung und Kanalisation gelegt und eine Kläranlage errichtet. Eine neue achtklassige Volksschule entstand, ein Sportzentrum wurde geschaffen. Umfangreiche, attraktive Baugebiete wurden ausgewiesen, dazu ein größeres Gewerbegebiet. Ein Naherholungswald wurde angekauft und ausgebaut. All das schuf die Voraussetzung für eine rege Siedlungstätigkeit.

Breitengüßbach wurde als Kleinzentrum eingestuft. Durch den Umbau des ehemaligen Schulhauses im Ortskern zum Rathaus im Jahre 1979 wurde die Grundlage für eine moderne, bürgernahe Verwaltung geschaffen.

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Januar 1972 Hohengüßbach mit Leimershof, am 1. Mai 1978 wurden Unteroberndorf und Zückshut eingemeindet.

Demographie Einwohnerentwicklung Im Zeitraum von 1988 bis 2018 wuchs die Gemeinde von 3673 auf 4512 um 839 Einwohner bzw. um 22,8 %. Ein Höchststand wurde 2011 mit 4693 Einwohnern erreicht.

Gemeinde Breitengüßbach Jahr 1987 2007 2010 2013 2016 2019 2023Einwohner 3583 4614 4672 4566 4535 4454 4495HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1799 werden diese als Häuser bezeichnet und von 1871 bis 2023 als Wohngebäude. 881 1228 1238 1259 1277Quelle

Ort Breitengüßbach (=Gemeinde Breitengüßbach bis zur Gebietsreform) Jahr 1799 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900Einwohner 440 520 689 705 739 709 664 696 686 752 733 722 740 707Häuser 95 101 124 130 128 129Quelle

Jahr 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 1987 2020Einwohner 791 777 767 805 812 989 1405 1380 1390 1623 1998 2540 3523Häuser 141 175 273 615 Quelle

Religion Laut Zensus am 9. Mai 2011 waren 72,2 % der Einwohner römisch-katholisch und 14,9 % evangelisch-lutherisch. 12,9 % hatten eine andere Religion oder waren konfessionslos.

Politik Bürgermeisterin Erste Bürgermeisterin ist seit April 2013 Sigrid Reinfelder vom Unabhängigen Bürgerblock (UBB), die sich in der Stichwahl mit 52,79 % durchsetzte und 2020 bei einem Gegenkandidaten mit 80,62 % im Amt bestätigt wurde. Sie war bei ihrem Amtsantritt die erste hauptamtliche Bürgermeisterin im Landkreis Bamberg. Ihr Vorgänger war seit 2001 Reiner Hoffmann (UBB).

Gemeinderat Im Gemeinderat sind in der Wahlperiode 2020/2026 folgende Parteien und Wählergemeinschaften vertreten (2014/2020, 2002/2008, 2008/2014): CSU: 4 Sitze (5, 5, 5) SPD: 2 Sitze (3, 4, 4) BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: 2 Sitze (-, -, -) Unabhängiger Bürgerblock (UBB): 5 Sitze (3, 3, 3) Freie Wählergemeinschaft Zückshut (FWZ): 1 Sitz (1, 2, 2) Freie Wählergemeinschaft Unteroberndorf (FWU): 1 Sitz (2, 1, 1) Wählergemeinschaft Hohengüßbach (WGH): 1 Sitz (1, 1, 1) Junge Wählergemeinschaft (JWG): - Sitz (1, 0, 0) +20022008201420202026CSU55544SPD44321BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN - - -21Unabhängiger Bürgerblock (UBB)33355Freie Wählergemeinschaft Zückshut (FWZ)22112Freie Wählergemeinschaft Unteroberndorf (FWU)11212Wählergemeinschaft Hohengüßbach (WGH)11111Junge Wählergemeinschaft (JWG) - -1 - -

Wappen

Flagge Die Gemeindeflagge ist rot-gelb gestreift mit aufgelegtem Wappen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bau- und Bodendenkmäler

Bahnhof Breitengüßbach St. Leonhard (Breitengüßbach) St. Nikolaus (Breitengüßbach)

Vereine Freiwillige Feuerwehr Freiwillige Feuerwehren bestehen in Breitengüßbach, Hohengüßbach, Unteroberndorf und Zückshut.

Musikverein Breitengüßbach e. V. Der Musikverein Breitengüßbach wurde 2007 gegründet und spielt moderne, sinfonische und auch traditionelle Blasmusik. Er besitzt über 250 Mitglieder.

Sportverein Die Basketballer des TSV Tröster Breitengüßbach sind die bekannteste Sportmannschaft Breitengüßbachs. Mehrere deutsche Nationalspieler und Basketball-Weltmeister wie Andreas Obst und Johannes Thiemann haben bereits Spiele für Breitengüßbach absolviert. Der Kooperationsverein des deutschen Meisters Bamberg Baskets spielt in der 1. Regionalliga Bayern Nord und trägt seine Heimspiele in der Hans-Jung-Halle aus. Schützenverein Die Schützengesellschaft (SG) Breitengüßbach 1965 e. V. ist ein speziell in der Jugendarbeit aktiver Verein. Im Erwachsenenbereich beteiligt sie sich mit acht Mannschaften an den Rundenwettkämpfen. Golfclub Bamberg auf Gut Leimershof e. V. Der Golfclub in Leimershof veranstaltet auf der internationalen 18-Loch-Anlage während der Saison nahezu wöchentlich Turniere wie z. B. Prominentengolf und den Audi-Cup. Reitverein Gut Leimershof e. V. Der Reitverein in Leimershof wurde nach dem Bau der Reitanlage in Leimershof als Verein der englischen Reitweise gegründet. Zusätzlich zum Unterricht hat sich eine Sparte für Kinder- und Jugendtraining entwickelt. Kapellenverein Dreifaltigkeitskapelle Leimershof Der ökumenische Verein unterstützte die Bewohner der ehemaligen Klosterstätte beim Bau einer neuen Kapelle. Nach deren Fertigstellung übernahm der Verein für Pflege und Erhalt die Verantwortung. Gesangverein Cäcilia Breitengüßbach (gegründet 1898) Der vierstimmige Chor (Leitung Walter Hartmann) ist in und um Breitengüßbach bei vielen gemeindlichen und kirchlichen Anlässen mit einem breiten Repertoire (u. a. Elvis Presley, Mozart) eingesetzt.

Wirtschaft und Infrastruktur Brauereien Im Gemeindegebiet bestand bis 2011 die Brauerei Hümmer, die angeschlossene Gaststätte existierte bis 2021 weiterhin. Hümmer-Bräu wird seit 2011 aber noch in der Pension Karin gebraut.http://pensionkarin.de/unsere-brauerei/ Am 1. September 2012 wurde mit dem Brauhaus Binkert (Main Seidla) eine weitere Brauerei im Ort eröffnet.https://nachrichtenamort.de/breitenguessbach/main-seidla-brauerei-eroeffnung/ Im Jahr 2025 schloss diese wieder.

Verkehr Eisenbahn mini|Straßenseite des ehemaligen Empfangsgebäudes

Breitengüßbach erhielt erstmals durch die Ludwig-Süd-Nord-Bahn Anschluss an das Eisenbahnnetz. Der Ort liegt an der Bahnstrecke Bamberg–Hof. Hier zweigt die Bahnstrecke Breitengüßbach–Maroldsweisach ab. Die Bahnstrecke Breitengüßbach–Dietersdorf ist seit 1981 stillgelegt.

Straßen Die Bundesstraße 4 führt über eine Anschlussstelle der Bundesautobahn 73 nach Rattelsdorf (5 km nördlich) bzw. ebenfalls über eine Anschlussstelle der A 73 und dann als Staatsstraße 2244 fortgeführt nach Hallstadt (5 km südlich). Die Staatsstraße 2197 führt nach Zapfendorf (6 km nördlich). Die Kreisstraße BA 16 führt nach Zückshut (2,8 km östlich) bzw. zu einer Anschlussstelle der A 73 und darüber hinaus als Bundesstraße 279 fortgeführt nach Baunach (3 km nordwestlich).

Söhne und Töchter Breitengüßbachs Maximilian Knorr (1895–1985), Bakteriologe und Hygieniker

Literatur

Weblinks

Gemeinde Breitengüßbach

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Bamberg Kategorie:Ersterwähnung im 9. Jahrhundert Kategorie:Gemeindegründung 1818

Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Bamberg