Die Liste der Stolpersteine in Flensburg gibt eine Übersicht über die vom Künstler Gunter Demnig initiierten Stolpersteine in der Stadt Flensburg, von denen seit 2004 insgesamt 63 verlegt worden sind (Stand 2025). Die meisten Stolpersteine liegen in der Flensburger Innenstadt, ein weiterer an der Stadtgrenze zu Flensburg in Harrislee. Im Mai 2025 kam erstmals eine Stolperschwelle für elf meuternde Matrosen hinzu, die kurz vor der Kapitulation hingerichtet wurden.
Die 10 cm × 10 cm × 10 cm großen Betonquader mit Messingtafel sind in den Bürgersteig vor jenen Häusern eingelassen, in denen die Opfer einmal zu Hause waren. Die Inschrift der Tafel gibt Auskunft über ihren Namen, ihr Alter und ihr Schicksal. Die Stolpersteine sollen dem Vergessen der Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft entgegenwirken.
Liste der Stolpersteine Adresse Name Inschrift Verlege-datum Bild Anmerkungen Fördestraße, Höhe Marine SportschuleStolperschwelleKriegsdienstverweigerung auf der U 612Nach Teilkapitulation am 5. Mai 1945Junge Matrosen setzen die Offiziere fest und wollen zurückWeiterfahrt durch deutsche Schnellboote verhindertfestgenommen - zum Tode verurteilt - standrechtlich erschossen 5. Mai 1945Leichen im Meer auf der Förde vor Alsen versenktrowspan = "12" zentriert|250x250px|Stolperschwelle Flensburg Marine Eine Stolperschwelle und elf Stolpersteine erinnern an elf Marinesoldaten, die Opfer der Militärjustiz kurz vor der Kapitulation am 5. Mai 1945 wurden. Die jungen Männer weigerten sich, weiteren Durchhalteparolen von Vorgesetzten zu folgen und mit ihrem Minensuchboot „M 612“ zu einer Evakuierungsmission erneut in See zu stechen. Das Minensuchboot steuerte am 3. Mai zunächst Sonderburg (Sønderborg) und am Tag darauf Fredericia an, um Treibstoff für eine Fahrt in Richtung Kurland aufzunehmen. Nachdem am Abend des 4. Mai Nachrichten über eine Teilkapitulation durchgesickert waren, entschieden sich Teile der Mannschaft, sich dem Kurland-Einsatz zu widersetzen. Als die „M 612“-Schiffsführung dennoch am 5. Mai um 8.30 Uhr, eine halbe Stunde nach Inkrafttreten der Teilkapitulation, den Einsatzbefehl gab, brachten Matrosen den Kommandanten und weitere Offiziere in ihre Gewalt, um das Einlaufen nach Flensburg zu erzwingen. Die Revolte war nur von kurzer Dauer. Die meuternden Matrosen wurden festgesetzt. In Eile wurde ein Standgericht zusammengestellt und auf die auf Reede vor Sonderburg liegende „M 612“ entsandt. Innerhalb weniger Stunden wurde das Urteil „im Namen des deutschen Volkes“ gefällt. Elf der aufständischen Matrosen wurden wegen „militärischen Aufruhrs“ zum Tode verurteilt. Am 12. Mai 2025 wurden die Stolperschwelle und die elf Stolpersteine vor der Marine Sportschule in der Fördestraße verlegt.Wilhelm Bretzke Wilhelm BretzkeJg. 1922zentriert|150x150px|Stolperstein Wilhelm Bretzke FlensburgHeinrich Glasmacher Heinrich GlasmacherJg. 1924zentriert|150x150px|Heinrich Glasmacher Stolperstein FlensburgReinhold Kolenda Reinhold KolendaJg. 1924zentriert|150x150px|Reinhold Kolenda Stolperstein FlensburgGustav Kölle Gustav KölleJg. 1923zentriert|150x150px|Gustav Kölle Stolperstein FlensburgHelmut Nuckelt Helmut NuckeltJg. 1921zentriert|150x150px|Helmut Nuckelt Stolperstein FlensburgRolf Peters Rolf PetersJg. 1924zentriert|150x150px|Rolf Peters Stolperstein FlensburgGerhard Prenzler Gerhard PrenzlerJg. 1924zentriert|150x150px|Gerhard Prenzler Stolperstein FlensburgGustav Ritz Gustav RitzJg. 1922zentriert|150x150px|Gustav Ritz Stolperstein FlensburgAnton Roth Anton RothJg. 1924zentriert|150x150px|Anton Roth Stolperstein FlensburgBruno Rust Bruno RustJg. 1923zentriert|150x150px|Bruno Rust Stolperstein FlensburgHeinz Wilkowski Heinz WilkowskiJg. 1923zentriert|150x150px|Heinz Wilkowski StolpersteinApenrader Straße 59aWalter Hohnsbehn Hier wohnteWalter HohnsbehnJg. 1904Deportiert 1944KZ NeuengammeMS Cap ArconaTot 3. Mai 1945zentriert|150x150px|Walter Hohnsbehn Stolperstein FlensburgWalter Hohnsbehn wurde am 25. Juni 1904 in Neumünster als Kind einer Arbeiterfamilie geboren und engagierte sich schon als Jugendlicher in der Arbeiterbewegung. Später während seiner Ausbildung zum Maschinenbauer trat er der SPD bei. Gleich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten geriet Walter Hohnsbehn in Schutzhaft, 1936 noch einmal für mehrere Monate. Nach der Entlassung zog er mit seiner Familie nach Flensburg in die Apenrader Straße 59a, wo schon andere Familienmitglieder wohnten. Er arbeitete in den Wiking Werken Flensburg, wo er es bis zum Betriebsleiter schaffte.
Am 22. August 1944 wurde er im Zuge der „Aktion Gewitter“ nach dem Hitler-Attentat von der Gestapo nach Neuengamme deportiert und als im April/Mai 1945 das Lager aufgelöst wurde, gehörte er vermutlich zu den Insassen, die auf das Schiff „Cap Arcona“ verfrachtet wurden. Die „Cap Arcona“ war eines von drei Schiffen. Am 3. Mai 1945, also nur wenige Tage vor der Kapitulation, griffen die britischen Flieger die drei Schiffe an, zwei gerieten in Brand, die „Thielbek“ versank, die „Cap Arcona“ blieb auf der Seite liegen. Die Briten vermuteten wohl deutsche Truppen auf den Schiffen, tragischerweise waren es 7000, wenn nicht sogar 7500 KZ-Häftlinge.
Bei den Angriffen kamen ca. 6600 dieser Häftlinge in der kalten Ostsee ums Leben. Walter Hohnsbehn war vielleicht einer von ihnen. Ganz gesichert ist sein Sterbeort allerdings nicht. Nach seinem Tod setzte sein Vater Gustav Hohnsbehn alles daran, Spuren dafür zu finden, doch Walter Hohnsbehns Spur verliert sich auf dem Weg von Hamburg zur Lübecker Bucht. Walter Hohnsbehn verstarb im 40. Lebensjahr und hinterließ seine Frau und seinen Sohn.
Im September 2023 wurde auf Veranlassung der Flensburger SPD-Fraktion ein Stolperstein für ihn an seinem letzten bekannten Wohnort verlegt. Ein weiterer Stolperstein liegt an seinem Geburtsort Neumünster, wo auch eine Straße nach ihm benannt wurde.Adelbyer Straße 29/31Wilhelm Ohlfsen Hier wohnteWilhelm OhlfsenJg. 1889Verhaftet 22. Feb. 1938PolizeigefängnisFlensburgTot 24. Feb. 1938150x150pxWilhelm „Willy“ Ohlfsen wurde am 31. Oktober 1889 in Flensburg geboren und starb am 24. Februar 1938 in Flensburg. Er war Kraftfahrer auf der Werft der Flensburger Schiffbau Gesellschaft und Mitglied der SPD. Willy Ohlfsen starb nach Angaben der Gestapo angeblich durch Selbstmord in seiner Zelle. Wahrscheinlich aber wurde ihm Gewalt angetan. Er war am 22. Februar 1938 mit vier weiteren Werftarbeitern verhaftet worden. Sie sollten gezwungen werden, Aussagen gegen einen Mitverhafteten zu machen. Dieser wurde verdächtigt, abfällig u. a. über Hermann Göring und das NS-System geredet zu haben. Die Kollegen sagten nichts aus, zahlten aber einen hohen Preis. Willy Ohlfsen verstarb im Polizeigefängnis, ein weiterer Verhafteter kam ins KZ Sachsenhausen.Harrisleer Straße 35Wilhelm WeinbergerHier wohnteWilhelm WeinbergerJg. 1875Deportiert 1942Theresienstadt1944 AuschwitzErmordet150x150pxIrma Weinberger, geb. Vage, wurde am 25. August 1883 in Debrecen in Ungarn geboren. Ihr Mann Wilhelm Weinberger, geboren am 25. Oktober 1875, stammte aus Rév in ebenfalls Ungarn. Im Ersten Weltkrieg wurde er von Österreich-Ungarn mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Nach dem Krieg arbeitete er als Klempner, dann als Montagemeister. Im Juli 1942 wurde das Ehepaar von Rendsburg aus über Hamburg in das Ghettolager Theresienstadt deportiert. Von dort wurde es im Mai 1944 nach Auschwitz verschleppt. Ihre Todesdaten sind unbekannt. Für die Familie Weinberger sind weitere Stolpersteine vor der Nobiskrüger Allee 18 in Rendsburg verlegt.Irma WeinbergerHier wohnteIrma WeinbergerGeb. VageJg. 1883Deportiert 1942Theresienstadt1944 AuschwitzErmordetStephan WeinbergerHier wohnteStephan WeinbergerJg. 1915Deportiert 1941Riga1944 Stutthof'Todesmarsch' 1945Ermordet 28.2.1945Lager RiebenDer am 13. April 1915 in Flensburg geborene Stephan Weinberger war der jüngere Sohn von Irma und Wilhelm Weinberger. Nach dem Schulbesuch in Rendsburg arbeitete er dort als Klempner. Am 6. Dezember 1941 wurde er von dort nach Riga deportiert und musste dort in mehreren Konzentrationslagern Zwangsarbeit leisten. Bei Auflösung des Lagers Salaspils im September 1944 wurden die Häftlinge in Konzentrationslager Stutthof gebracht. Stephan Weinberger starb am 28. Februar 1945 auf dem Todesmarsch im Durchgangslager Rieben-Althammer. Für die Familie Weinberger sind weitere Stolpersteine vor der Nobiskrüger Allee 18 in Rendsburg verlegt.Gabriel WeinbergerHier wohnteGabriel WeinbergerJg. 1912Deportiert 1943Auschwitz'Todesmarsch' Jan. 1945BuchenwaldBefreitGabriel Weinberger wurde am 11. August 1912 in Kiel geboren. An eine Maurerlehre schloss er 1933 eine Ausbildung als Bauingenieur an der Höheren Tiefbauschule in Rendsburg ab und arbeitete ab 1937 in Magdeburg. Am 26. Februar 1943 wurde er nach Auschwitz deportiert. Im Januar 1945 wurde er ins KZ Buchenwald verlegt. Trotz Tuberkuloseerkrankung überlebte er. Nach seiner Genesung kehrte er 1947 nach Rendsburg zurück und nahm später eine Stelle als Ingenieur bei der Hamburger Baubehörde an. Am 28. Februar 2005 starb er mit 92 Jahren. Für die Familie Weinberger sind weitere Stolpersteine vor der Nobiskrüger Allee 18 in Rendsburg verlegt.Alter Kupfermühlenweg 109Lorenz KnutzenHier wohnteLorenz KnutzenJg. 1903Im Widerstand/KPDVerhaftet 1934'Vorbereitung Hochverrat'Gefängnis Flensburg1939 Bau-Bataillon 228Schicksal unbekannt23. Feb. 2022150x150pxDer Arbeiter Lorenz Knutzen, der 1903 in Flensburg geboren wurde, hatte sich dem kommunistischen Widerstand angeschlossen und war ins Visier der Polizei geraten. Er wurde wegen „hochverräterischem Unternehmen“ 1934 verhaftet und zu einer Gefängnisstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt. Nach seiner Entlassung wurde er Mitglied des Bau-Bataillons 228 und an die Ostfront geschickt. Knutzens Spur verliert sich in den Wirren des Zweiten Weltkrieges, aus dem er nicht zurückkehrte. Angelburger Str. 9 Gertrud Unikower Hier wohnte Gertrud UnikowerGeb. Spiller Jg. 1899 Ermordet in Riga 150x150pxGertrud Unikower, geb. Spiller, war die Tochter des Kaufmannes Armin Spiller. Dieser errichtete mit Heinrich Eckhardt ein Textilgeschäft unter dem Namen „Spiller & Eckhardt“, das seine Filiale im Jahre 1880 in der Angelburger Straße 9 in Flensburg hatte. 1884 heiratete Armin Spiller in Berlin Jenny Fabian. Diese brachte in Flensburg drei Kinder zur Welt, eines davon war Gertrud. Armin Spiller starb am 4. Januar 1890, woraufhin die Jenny Fabian mit ihren Kindern Flensburg verließ und einen Neustart in Berlin versuchte. Gertrud heiratet Viktor Unikower, der allerdings am 3. April 1918 in einem Lazarett starb. Als Hitler an die Macht kam, gelang Gertrud Unikower nicht die Flucht ins rettende Ausland und sie wurde am 19. Januar 1942 nach Riga deportiert.Angelburger Str. 16 Paula IsraelHier wohnte Paula IsraelJg. 1892Theresienstadt 1942 Treblinkaermordet150x150pxPaula Israel geboren 19. August 1892 in Flensburg war Jüdin. 1942 wurde sie in das KZ Theresienstadt deportiert. Am 26.09.1942 wurde sie im Vernichtungslager Treblinka ermordet.Angelburger Str. 78 Caroline HorwitzHier wohnteCaroline HorwitzGeb. LevinJg. 1857Deportiert 1942TheresienstadtErmordet 15.4.1944152x152pxDie Jüdin Caroline Horwitz (geborene Levin), genannt Klärchen, wurde am 8. Juni 1857 in Flensburg geboren. Ihre Eltern waren Sally Isaak Levin (ein aus Rendsburg stammender Kaufmann und Zigarettenfabrikant) und dessen Ehefrau Hannchen. Carolines Großvater hatte die Funktion eines Kantors und Schächters der jüdischen Gemeinde in Flensburg. Sie arbeitete als Textilarbeiterin. Sie gründete mit Moses Horwitz eine Familie und bekam sechs Kinder. Bereits 1924 verstarb ihr Mann. Caroline wurde von der Gestapo gezwungen ins „Judenhaus“ in der Sonninstraße in Altona zu ziehen. Daraufhin folgte die Deportation nach Theresienstadt am 19. Juli 1942. Ihr Todestag soll der 15. April 1944 sein.