mini|Der südlich gelegene beider Türme mini|Das Zugangstor zum Burghof neben dem Lille Teater, wo vermutlich im Mittelalter die Turmburg im Norderkuhgang stand Der Burghof in Flensburg ist ein von Paul Ziegler gestalteter Innenhofkomplex mit dazugehörigen Wohnhäusern im Stil der HeimatschutzarchitekturAndreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg!. Flensburg 2009, Artikel: Burghof aus den Jahren 1909/1910, welcher einen deutlichen Burgcharakter aufweist und damit eine historisierende Wirkung entfaltet.Flensburger Tageblatt: Backsteinhof mit Burgcharakter, vom: 7. Mai 2015; abgerufen am: 16. Juni 2017

Lage Der Burghof ist durch zwei Tore zugänglich, im Norden von der Toosbüystraße 11, im Süden von der Marienstraße 22 aus. Das Areal liegt zentral in der Flensburger AltstadtBeziehungsweise der Flensburger Innenstadt wenige Gehminuten von der Fußgängerzone Große Straße entfernt. Die nächste Bushaltestelle befindet sich nicht weit entfernt in der Toosbüystraße.Flensburg Mobil, Burghof, abgerufen am 20. März 2014

Turmburg im Norderkuhgang Das Zugangstor in der Toosbüystraße ist von den südlichen Abhängen des MarienbergesDie Straße Am Burgfried, auf dem einst die Duburgursprünglich Marienburg genannt stand, etwas weiter entfernt. Das südliche Zugangstor liegt direkt neben dem Lille Teater (Marienstraße 20), welches erhöht auf einem Erdhügel steht und auf dessen Gelände sich im Mittelalter, wie man annimmt, eine Turmburg befand.Vgl. Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, Seite 22 und 23 Die Straße trug bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts noch den Namen NorderkuhgangFlensburger Straßennamen. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2005, ISBN 3-925856-50-1, Artikel: Marienstraße, weil hier Vieh aus der Stadt über die Gasse, durch ein Stadttor bei der Adresse Nr. 23, auf die Gemeindeweide getrieben wurde. Die besagte Turmburg im Norderkuhgang war so wohl auch ein Bestandteil der Flensburger Stadtbefestigung. Es wird angenommen, dass in der kleinen Burg eine höhere Persönlichkeit, wie beispielsweise der vom König eingesetzte Stadtvogt, seinen Sitz hatte. Die Einsetzung eines Stadtvogtes durch den König oder Herzog bestand wohl schon seit Anfang des 11. Jahrhunderts und wird auch in der Stadtrechtsurkunde Flensburgs aus dem Jahr 1284 erwähnt. Erst im Jahre 1413 erhielt die Stadt das Recht, den Stadtvogt selbst zu wählen. In den Berichten zu den Kampfhandlungen um die Duburg im Jahr 1431 wird der Bau als Wohnsitz eines Ritters wohl ebenfalls erwähnt.Vgl. Jakob Röschmann: Vorgeschichte des Kreises Flensburg. Die vor- und frühgeschichtlichen Denkmäler und Funde in Schleswig-Holstein, Band 6. Neumünster 1963, Seite 97 und 98 Wie oder wann die Burg zerstört wurde oder zerfiel, ist nicht bekannt. Beim Bau des Burghofkomplexes wurden offenbar einige der heute weniger sichtbaren Teile des Burggeländes ebenfalls überbaut.

Benachbarte Gebäude Die benachbarten kleinen alten Wohnhäuser mit den Nummern Marienstraße 1 bis 19, mit Ausnahme der Adressen 2, 4 und 16, wurden als Kulturdenkmale eingetragen.Wobei die Adresse Nummer 2 nicht mehr existiert. Der Neubau in der Marienstraße Nummer 4 trägt des Weiteren ein Abzeichen Schönes Haus 1984 vom Verschönerungsverein Flensburg. Nummer 16 ist ebenfalls ein Neubau. Die benachbarten Gründerzeit- und JugendstilgebäudeJens Christian Krause: Jugendstil karnapper i Flensborg. In: Flensborg Avis, Ende September 2013 in der Toosbüystraße sind zum Teil ebenfalls als Kulturdenkmale eingetragen. Der Burghof selbst, mit seinen Häusern und seiner Ausstattung, gilt zwar als ein bedeutsames Kulturdenkmal, wurde jedoch bisher noch nicht ins Denkmalbuch eingetragen.Vgl. Broder Schwensen und Bernd Köster (Hrsg.): Paul Ziegler – Magistratsbaurat in Flensburg 1905–1939. Flensburg 1998, ISBN 3-925856-31-5. (= Kleine Reihe der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Band 29.), Seite 114 Die Toosbüystraße ist heute eine wichtige Hauptverkehrsstraße, die Marienstraße hingegen eine verkehrsberuhigte Einbahnstraße.

Zugänglichkeit Der Burghof selbst kann zwar von Autos, von der Toosbüystraße aus, befahren werden,Von der Marienstraße aus ist dies nicht möglich, da eine verkehrsbehindernder Stein (ein Steinpoller) in der Toreinfahrt aufgestellt wurde. Und von der Toosbüystraße passen nur PKWs und kleinere LKWs durch die knapp drei Meter breite Toreinfahrt hindurch. aber dient nicht als Parkplatz und Autos sind dort eher eine Seltenheit.

Baugeschichte und Architektur

mini|374px|Grobe Veranschaulichungsskizze vom Burghof

In der unteren Hälfte der ansteigend verlaufenden Toosbüystraße befand sich in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts noch eine BaulückeAuf dem Gelände befand sich zuvor Biehls Holzlager; Vgl. Flensburger Originale, Seite 62, die nur schwierig zu bebauen war.Broder Schwensen und Bernd Köster (Hrsg.): Paul Ziegler – Magistratsbaurat in Flensburg 1905–1939. Flensburg 1998, ISBN 3-925856-31-5. (= Kleine Reihe der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Band 29.), Seite 113 Ein erster Plan zur Bebauung des Areals war von der Baupolizei, die von Paul Ziegler geleitet wurdeJulia Boecker: Der Mann, der AVS und Burghof erfand. In: Flensburger Tageblatt, 7. August 2009; abgerufen am: 18. März 2014, abgelehnt worden. Um eine Bebauung doch noch zu ermöglichen, entwarf der Stadtbauinspektor Paul Ziegler selbst ein Lösungskonzept in Form des Burghofes. Maurermeister August Fürböter, dem das Grundstück gehörte, reichte sodann erneut einen Bauantrag ein, diesmal auf Grundlage des neuen Entwurfes von Paul Ziegler. Der Bauantrag wurde bewilligt und der Burghof wurde in den Jahren 1909 bis 1910 an geplanter Stelle erbaut.

In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts wandten sich einige Architekten dem Baustil der Heimatschutzarchitektur zu, mit dem sie die historisierende Architektur der Gründerzeit weiterentwickeln und überwinden wollten. Auch Paul Ziegler gehörte zu den Architekten des Heimatschutzes. So stellt der Burghof in der Toosbüystraße, welche durchgehend aus Bauten der Gründerzeit und des ihm nachfolgenden Jugendstils besteht, auch einen programmatischen Gegenentwurf dar. Wobei mittels einer in die Mauer eingelassenen Vasenskulptur im Tordurchgang zur Toosbüystraße auch ein leichter Übergang zu den Gründerzeit- und Jugendstilbauten, die zahlreiche solcher Elemente besitzen, geschaffen wurde und damit der Kontrast zur Toosbüystraße offenbar gedämpft wurde. Es ist das einzige Bauelement dieser Art, welches vom Besucher im gesamten Burghof zu entdecken ist. Als Vertreter der Heimatschutzarchitektur war es Ziegler nämlich auch wichtig, an die gegebene örtliche Bautradition anzuknüpfen.

Der Burghof in seiner Grundstruktur besteht aus sieben Mehrfamilienhäusern, mit den Hausnummern Burghof 1 bis 6, der Toosbüystraße 11 sowie der Marienstraße 22, die durchgehend aus roten Mauerziegeln bestehen, die jedoch nicht nur als zweckmäßige Bauelemente zur Errichtung einfacher Mauern verwendet wurden, sondern viel mehr in vielseitiger zierender Art und Weise eingesetzt wurden, so dass der Betrachter die erwähnten typischen Verzierungen der Gründerzeitbauten nicht missen dürfte. Aus der Anordnung der Mehrfamilienhäuser ergibt sich ein großer Innenhof und ein kleiner vorhofähnlicher Innenhof, wie man ihn auch in manchen Burgen entdecken kann. Dieser vordere Teil wurde im Gegensatz zum größeren Hof mit seinen unverdeckten Ziegeln, verputzt und hell angestrichen.Broder Schwensen und Bernd Köster (Hrsg.): Paul Ziegler – Magistratsbaurat in Flensburg 1905–1939. Flensburg 1998, ISBN 3-925856-31-5. (= Kleine Reihe der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Band 29.), Seite 114 und die Bauzeichnung auf Seite 116 Die Putzfassaden mildern auf geschickte Weise den Kontrast zu den Häusern in der Marienstraße. Im kleinen Hof befindet sich die Hausnummer 4 und man kann von dort aus auf das höher gelegene Grundstück blicken, wo sich vermutlich die Turmburg befand.

Durch ein Zwischentor gelangt man zum größeren Innenhof, wo die Hausnummern 1, 2, 3, 5 und 6 sich befinden. Wie im restlichen Burghof ist auch hier alles mit Kopfsteinpflaster gepflastert. Inmitten des großen Innenhofes steht der Burghof-BrunnenBrunnen in Flensburg, abgerufen am 20. März 2014 mit dem Fischer-Jungen. Der Fischer-Junge ist neben der steinernen Vase im Tunnel vom Tor zur Toosbüystraße die einzige Skulptur, die im Burghof zu finden ist. Die Brunnen-Skulptur besteht aus einem Jungen, der einen Fisch hältBrunnen im Burghof, abgerufen am: 20. März 2014, der fast genauso groß ist wie er selbst. Der Fischer-Junge steht auf einem Sockel im Brunnen. Im offenen Maul des hochblickenden Fisches befindet sich eine Düse aus der an schönen Sonnentagen eine Wasserfontäne herausspritzt. Aber der Brunnen wird nicht ständig in Betrieb genommen, so dass dieser Anblick nur eher selten zu erblicken ist. Ein motivähnlicher Brunnen ist beispielsweise in München mit dem Fischerbuberl-Brunnen zu finden. Bei diesem Brunnen, der im Jahr 1910, also im selben Zeitraum in dem wohl auch der Burghof-Brunnen mit dem Fischer-Jungen entstand, aufgestellt wurde, hält ein Fischerbube zwei kleine Fische in den Händen und einen dritten mit den Füßen fest. Es gibt aber neben diesem noch weitere ähnliche Brunnen. Noch bemerkenswert beim Motiv Kind und Brunnen hinsichtlich Flensburg ist, dass in Flensburg wie auch in einigen anderen OrtenVgl. beispielsweise: Warum bringt der Storch die Babys?; abgerufen am 31. März 2014 offenbar abergläubische Sagen verbreitet waren, die behaupteten, dass die Frauen aus den Quellen, Wassern und Brunnen der Gegend ihre sehnlichst gewünschten Kinder auffischen könnten, es heimlich täten, sich dann aber dabei erkälten würden, weshalb sie das BettVgl. Wochenbett hüten müssten. So benötigten die Flensburger Frauen demnach den Klapperstorch nicht.Findet teilweise bei älteren Fassungen der Sage um den Gröne Keel, in etwas verworrener Art und so in dem Zusammenhang auch eher beiläufig Erwähnung. Vgl. Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, Seite 273 und 282 sowie: Johann Georg Theodor Grässe Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2. Band 2, Glogau 1868/71, Seite 1063. Bei Bernhard Kummer Über die Kinderherkunft aus dem Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens (abgerufen am 31. März 2014) wird zudem der Blaue Damm, der Burggraben der Duburg in diesem Zusammenhang erwähnt. Der Fischer-Junge wurde am 21. Februar 2016 vandalisiert und stark zerstört. Im Jahr 2019 stand die renovierte Skulptur über mehrere Monate wieder an ihrem Standort, bis sie von einem unbekannten Vandalen mitsamt dem Sockel zerstört wurde.