Ruppertshofen ist eine Gemeinde in Baden-Württemberg und gehört zum Ostalbkreis.

Geographie Geographische Lage Ruppertshofen liegt auf der Frickenhofer Höhe rund 15 km nördlich von Schwäbisch Gmünd. Die Markungsfläche selbst weist beachtliche Höhenunterschiede aus. Während der Hauptort liegt, liegen die Ortsteile Hönig mit und Birkenlohe mit im Tal der „Gschwender“ Rot deutlich niedriger.Daniela Berroth: Altersbedingter Mundartgebrauch, Wandel und Kontinuität in einem mittelschwäbischen Dialekt, Franz Steiner Verlag, Stuttgart, 2001.

Nachbargemeinden Die Gemeinde grenzt im Norden an Gschwend, im Osten an Eschach, im Süden an Täferrot, im Südwesten an Durlangen und im Westen an Spraitbach.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Ruppertshofen zählenWohnplatzverzeichnis Ostalbkreis, Landratsamt Ostalbkreis, Aalen, 2002.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 757–759. neben dem Hauptort Ruppertshofen die Ortsteile Birkenlohe, Hönig, Steinenbach und Tonolzbronn sowie die Gehöfte/Wohnplätze Bittelhof, Boschenhof, Fohlenhof, Fuchsreute, Haldenhaus, Hofstatt, Höllhof, Jakobsberg, Krebenhaus, Lindenhof, Lettenhäusle, Ölmühle, Striethof und Ulrichsmühle sowie die abgegangenen Ortschaften Hegnesbach (bis 1977),Nennung als Wüstung bei Hinterlintal mit Erwähnungsdatum auf leo-bw.de. Hilgartshofen, Götzenlehen,1446 erwähnt: https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/nitsch1966bd1/0226. Lutz Reichardt: Ortsnamenbuch des Ostalbkreises. Teil I: A-L. Stuttgart 1999, ISBN 3-17-015351-X, S. 222 hat keinen direkten Quellenbeleg, obwohl er die Urkunde von 1446 und sogar einen Beleg "Getzenlehen" 1464 im Artikel Hönig S. 307 nachweist. Reichenbacher Sägmühle (bis 1977)https://archivalia.hypotheses.org/101082. und Wolfertshofen. Lutz Reichardt: Ortsnamenbuch des Ostalbkreises. Teil II: M–Z. Stuttgart 1999, ISBN 3-17-015352-8, S. 305 ohne den Beleg "Wolperßoffen" im Augustinerkopialbuch um 1488 Wikimedia Commons.

Flächenaufteilung Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Ruppertshofen.

Geschichte Bis zum Ende des Heiligen Römischen Reichs Funde belegen, dass bereits in vorgeschichtlicher Zeit Menschen auf der Frickenhofer Höhe unterwegs waren und dort wahrscheinlich gelebt haben. Die Funde reichen zurück bis in die Zeit um 15.000 v. Chr. Freie Bauern schlossen sich zu einer Waibelhube zusammen, die ihren Sitz in Ruppertshofen hatte. In Schriftstücken des 14. Jahrhunderts heißt dieser Verband „die Waibelhube ob Gemünde“ oder „die Waibelhube die uf dem Walde ob Lorch gelegen ist“.

Dass Ruppertshofen in einer Verkaufsurkunde aus dem Jahr 1344 erstmals erwähnt wird, konnte 2019 von Klaus Graf als Irrtum erwiesen werden.https://archivalia.hypotheses.org/97501. Ein Lehenbucheintrag über die Waibelhube 1344 nennt den Ortsnamen noch nicht, erst ein weiterer Lehenbucheintrag um 1369. Beide sind heute nicht mehr im Original vorhanden, da das württembergische Lehenbuch A im Zweiten Weltkrieg vernichtet wurde. Die älteste erhaltene Originalurkunde stammt aus dem Jahr 1380.Digitalisat: https://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=2-2553394-1.

Ein besonderer Schicksalsschlag traf Ruppertshofen im Frühjahr 1609, als durch Unachtsamkeit 30 Häuser einem Feuer zum Opfer fielen. Auch die dem Heiligen Nikolaus geweihte Kapelle brannte nieder. Bereits 1610 war diese aber wieder aufgebaut. An der Pest starben 1635 im Ort 212 Menschen. Eine Volkszählung brachte 1785 folgendes Ergebnis: Ruppertshofen hat 68 limpurgische und 60 württembergische Einwohner, der heutige Ortsteil Tonolzbronn hat 43 limpurgische, 23 württembergische und 1 lorchischen Einwohner, und der heutige Ortsteil Hönig hat 36 limpurgische Einwohner.Aloys Schymura: Ruppertshofen im Wandel der Zeit. Gemeinde Ruppertshofen, 1995.

Anlässlich des Jubiläums 675 Jahre Ruppertshofen (18. bis 20. Oktober 2019) hielt Klaus Graf am 18. Oktober 2019 einen Vortrag über die Geschichte von Ruppertshofen, in dem er besonders auf die Zeit vor dem 18. Jahrhundert einging.Vortrag Klaus Graf „Ruppertshofen und die Waibelhube in der Geschichte“, abgerufen am 24. November 2019

19. und 20. Jahrhundert Die Geschichte Ruppertshofen ist geprägt von häufigen Besitzwechseln zwischen Klöstern, den Schenken von Limpurg und dem Adelsgeschlecht der Württemberger. Auch die Reichskreiszugehörigkeit war unterschiedlich: Limpurg gehörte zum Fränkischen Reichskreis, während Württemberg zum Schwäbischen Reichskreis zählte. Im Jahre 1806 kam der limpurgische Teil von Ruppertshofen endgültig an das Königreich Württemberg und gehörte als Schultheißerei zum Oberamt Gmünd. Seit 1809 war Ruppertshofen dem Oberamt Gaildorf zugeordnet. Bei der Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg erfolgte 1938 die Eingliederung in den Landkreis Gmünd. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag der Ort in der Amerikanischen Besatzungszone und somit im neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging. Seit der Kreisreform von 1973 ist Ruppertshofen Teil des Ostalbkreises.

Einwohnerentwicklung Jahr 1790 1839 1852 1871 1900 1925 1950 1975 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020 2021 2022 Einwohner 700 1117 1173 1121 1143 1045 1351 1290 1412 1689 1871 1871 1833 1823 1876 1868 1907

Abtretungen Am 1. Januar 1977 wurden im Zuge einer freiwilligen Gebietsänderung die Gemeindeteile Hinterlintal, Hegenreute und Eigenhof nach Spraitbach und Hafental nach Alfdorf umgemeindet.Statistisches Landesamt Baden-Württemberg.

Religionen Ungewöhnlich und kompliziert waren lange Zeit die kirchlichen Verhältnisse in Ruppertshofen. Zuerst war Ruppertshofen Täferrot zugeordnet. Um 1579 wurde der Ort der Pfarrei Frickenhofen zugewiesen. Als im Dreißigjährigen Krieg die Kirche in Frickenhofen abbrannte, wurde wieder die Pfarrei Täferrot (1634–1650) zuständig. In den folgenden Jahren waren beide für Ruppertshofen zuständig. 1835 wurde Ruppertshofen von Täferrot ausgepfarrt und gänzlich mit Frickenhofen verbunden. Erst 1892 genehmigte das Konsistorium die Umwandlung in eine ständige Pfarrei. Nur wenige Katholiken wohnten damals in Ruppertshofen. Selten steht von ihnen etwas in den Kirchenbüchern. Im Buch von Hermann Kissling ist darüber zu lesen: „1909 schreibt Pfarrverweser Friedrich Löwe in einem Bericht: ‚Unser Verhältnis zur katholischen Kirche, die in den benachbarten Orten Spraitbach und Zimmerbach Pfarrsitze hat, ist gut, das heißt wir ignorieren sie und sie ignorieren uns.‘“

Neben der evangelischen gibt es heute eine neuapostolische Kirchengemeinde im Ort.

Politik Gemeinderat Dem Gemeinderat von Ruppertshofen gehören zwölf gewählte Bürger der Gemeinde und der getrennt gewählte Bürgermeister als Vorsitzender an. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 64,0 % zu folgendem Ergebnis (mit Vergleichszahlen der Wahl 2019): +Partei/Liste20242019 Stimmenanteil Sitze Stimmenanteil Sitze Bürgernahe Liste50,7 %651,7 %6 Neue Liste49,3 %648,3 %6Wahlbeteiligung64,0 %61,2 %

Bürgermeister Bis 1919 hießen die Ortsvorsteher Schultheißen, dann Bürgermeister. Schultheißen 1788–1814: Johann Georg Schmid 1814–1871: Jakob Fritz 1872–1888: Jakob Müller 1889–1908: Karl Noller 1909–1914: Andreas Beck 1914–1919: Konrad HahnBürgermeister 1919–1945: Hermann Maurer 1945–1948: Albert Kunz, Tonolzbronn, Kommissarischer Bürgermeister 1948–1983: Hermann Metz 1983–2007: Thomas Dörr Seit 2007: Peter Kühnl Der amtierende Bürgermeister Peter Kühnl (parteilos) wurde am 17. September 2023 mit 86,25 Prozent der gültigen Stimmen für eine dritte Amtszeit von acht Jahren erneut gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 34,62 Prozent.Staatsanzeiger für Baden-Württemberg

Verwaltungszugehörigkeit Von 1806 bis 1809 gehörte Ruppertshofen als Schultheißerei zum Oberamt Gmünd. Im Zuge einer Verwaltungsreform wurde Ruppertshofen 1809 dem Oberamt Gaildorf zugeordnet. 1938 wurde das Oberamt Gaildorf aufgelöst und Ruppertshofen kam zum Landkreis Schwäbisch Gmünd. Durch die Kreisreform 1973 ging der Landkreis im Ostalbkreis auf.

Verwaltungsverband Die Gemeinde ist seit 1971 Mitglied des Gemeindeverwaltungsverbands Schwäbischer Wald mit Sitz in Mutlangen.

Wappen links|80px|Wappen der Gemeinde Ruppertshofen Blasonierung: In Blau ein achtspeichiges silbernes Pflugrad, darüber ein linkshin liegendes silbernes Sensenblatt.

Pflugrad und Sensenblatt beziehen sich auf die Landwirtschaft sowie auf die ehemals freien Bauern von Ruppertshofen sowie auf die Beteiligung der dortigen Bevölkerung am Bauernkrieg 1525. Blau und Silber sind die Wappenfarben der mit der Ortsgeschichte verbundenen Schenken von Limpurg.

Die Gemeindeflagge ist Weiß-Blau.

1930 zeigte ein unheraldisches Stempelbild des Schultheißenamtssiegel die Initiale „R“ und zwei kleine Häuschen, die offenbar auf den Namensbestandteil „-hofen“ hinweisen sollten. Spätere Amtssiegel zeigten die Häuschen auch in einer schildförmigen Umrandung, zu einem amtlich gültigen Wappen wurde dieses Bildmotiv allerdings nicht weiterentwickelt.

Am 28. März 1958 wurden der Gemeinde vom Innenministerium Baden-Württemberg das heute gültige Wappen und die Flagge verliehen.Heinz Bardua: Die kommunalen Wappen des Ostalbkreises. Ostalb-Einhorn 10 (1983), Seiten 75–88.Heinz Bardua: Kreis- und Gemeindewappen in Baden-Württemberg. Band 1: Die Kreis- und Gemeindewappen im Regierungsbezirk Stuttgart. Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (Hrsg.), Konrad Theiss Verlag Stuttgart, 1987, 158 Seiten, ISBN 3-8062-0801-8.

Partnerschaften Seit 1992 besteht eine Gemeindepartnerschaft mit der damaligen Gemeinde Gehringswalde in Sachsen, seit 1. Januar 1999 Ortsteil der Stadt Wolkenstein (Erzgebirge), die diese Partnerschaft fortsetzt.

Sehenswürdigkeiten

Nikolaus-Kapelle (Käppele) Die dem heiligen Nikolaus gewidmete Nikolaus-Kapelle liegt in der Ortsmitte von Ruppertshofen. Ihre Hanglage wird durch niedrige, wuchtige Stützpfeiler gesichert. Aus dieser Lage dürfte sich der im Volksmund gebräuchliche Name „Käppele“ ableiten lassen. Erste Erwähnungen der Kapelle gibt es 1480 und 1507. Dies lässt eine Datierung des Baus der Kapelle auf das späte Mittelalter (vor 1500) zu.Hermann Kissling: Die Kirche in Tonolzbronn und die Kapelle in Ruppertshofen/Ostalbkreis, Evangelische Kirche Ruppertshofen, 1988 (online UB Heidelberg).

Stephanus-Kirche Der älteste Teil ist der Turm und wurde vermutlich Mitte des 14. Jahrhunderts errichtet. Daran gliederte sich ein Holzbau als Langhaus an. Seine heutige Form erhält die Kirche um 1500. Die ursprünglich im romanischen Stil errichtete Kirche wurde auf spätgotischen Stil umgebaut. Zwischen 1997 und 2003 wurde die Kirche aufwändig renoviert.

Naturdenkmäler mini|Götzenloch, auch Hohler Stein genannt bei Ruppertshofen