Das Nettoeinkommen () eines Privathaushalts ist dasjenige Einkommen, das nach Abzug bestimmter Ausgaben vom Bruttoeinkommen übrig bleibt. Die bestimmten Ausgaben sind Abgaben, Steuern und Beiträge für Pflichtversicherungen und werden vom Bruttoeinkommen abgezogen. Das Nettoeinkommen ist deshalb stets niedriger oder gleich dem Bruttoeinkommen.

Der Begriff des Nettoeinkommens ist einer der vielen Ausprägungen des Oberbegriffs Einkommen. Dies ist in den Wirtschaftswissenschaften ein häufig verwendetes Aggregat, das in der Volkswirtschaftslehre als Nationaleinkommen (ebenfalls unterteilt in Brutto- und Nettonationaleinkommen), Volkseinkommen und Faktoreinkommen der Produktionsfaktoren vorkommt. Letzteres ist das Faktoreinkommen des Faktors Arbeit (Arbeitseinkommen), Boden (Bodenertrag) und Kapital (Zinsertrag).

Einkunftsarten Steuerrechtlich wird Einkommen aus den sieben Einkunftsarten erzieltDietmar Wellisch/Jörg Kroschel, Besteuerung von Erträgen, 2012, S. 33, was auch für das Nettoeinkommen maßgeblich ist:

Einkunftsart Kurzbezeichnung Rechtsgrundlage Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit Arbeitseinkommen EStG Einkünfte aus Kapitalvermögen Kapitalertrag EStG Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung Immobiliarmiete EStG Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft Bodenertrag , , , EStG Einkünfte aus Gewerbebetrieb Gewinn , , EStG Einkünfte aus selbständiger Arbeit Unternehmerlohn EStG Sonstige Einkünfte Altersrente, Veräußerungsgewinn , EStG

Aus diesen Einkunftsarten fließen zunächst Bruttoeinkommen zu, von denen artspezifische Abzüge vorgenommen werden müssen, um zum Nettoeinkommen zu gelangen.

Nettoeinkommen der Arbeitnehmer Das Nettoeinkommen der Arbeitnehmer errechnet sich wie folgt:Springer Fachmedien Wiesbaden (Hrsg.), Kompakt-Lexikon Wirtschaftspolitik, 2013, S. 286

Bruttoeinkommen - direkte Steuern (Einkommensteuer, Kirchensteuer) - Sozialversicherungsbeitrag: Arbeitslosenversicherung, gesetzliche Krankenversicherung, gesetzliche Pflegeversicherung, gesetzliche Rentenversicherung + Transfereinkommen - Transferzahlungen = Nettoeinkommen Zum Nettoeinkommen gehören auch die Transfereinkommen (netto) vom Staat (etwa Arbeitslosengeld, Kindergeld), während die freiwilligen Transferzahlungen des Privathaushalts (Geschenke, Spenden) abgezogen werden.

Die zum Nettoeinkommen führenden Ausgaben müssen im Rahmen der Finanzanalyse dahingehend untersucht werden, ob sie zwangsweise durch Gesetze erforderlich sind (fixe Ausgaben wie Steuern oder Zwangsbeiträge für Sozialversicherungen) oder ob sie freiwillig erfolgen (wie Versicherungsprämien für die Lebensversicherung). Nur auf letztere kann ein Privathaushalt verzichten und dadurch sein Nettoeinkommen steigern.

Nettoeinkommen der Selbständigen Das Nettoeinkommen der Selbständigen ist der Betrag, der nach Abzug der Betriebskosten, Abgaben und Steuern verbleibt.OLG Dresden, Urteil vom 27. November 2013, Az.:7 U 26/13 =

Nettoeinkommen der Unternehmen Bei Unternehmen heißt das Bruttoeinkommen Gewinn vor Steuern und das Nettoeinkommen Jahresüberschuss (oder Gewinn nach Steuern).

Verwendung des Nettoeinkommens Das Nettoeinkommen ist die Ausgangsgröße für Konsum und Sparen : . Das nicht für den Konsum verbrauchte Nettoeinkommen (Konsumverweigerung, Konsumverzicht) wird gespart, so dass Sparen häufig eine Residualgröße darstellt.Harold F. Lydall, British Incomes and Savings, 1955, S. 128

Als Bestandteil einer volkswirtschaftlichen oder betriebswirtschaftlichen Kennzahl dient das Nettoeinkommen etwa beim Gini-Koeffizienten bzw. der Einzelhandelszentralität, Mietbelastungsquote oder dem Schuldendienstdeckungsgrad. Das Pro-Kopf-Einkommen beruht dagegen auf dem Bruttoeinkommen.

In der Kreditwürdigkeitsprüfung und beim Kreditscoring spielt das Nettoeinkommen eine wichtige Rolle, weil es die Grundlage für den Schuldendienst darstellt. Der aus Kredittilgungen und Kreditzinsen bestehende Schuldendienst verringert das Nettoeinkommen, das in Höhe des Schuldendienstes nicht für andere Ausgabenzwecke zur Verfügung steht.

Bruttoeinkommen Das Bruttoeinkommen ist das nach dem Arbeitsvertrag und Tarifvertrag dem Arbeitnehmer zustehende Arbeitseinkommen, bei dem die Abzüge unberücksichtigt bleiben.

Das jährliche Bruttoeinkommen stellt sich für einzelne Branchen wie folgt dar:Wirtschaftswoche vom 30. November 2023, So hoch ist das Durchschnittseinkommen aktuell

Wirtschaftszweig Bruttoeinkommen in Euro 2022 Bauwirtschaft 46.410 Bergbau 56.019 Energieversorgung 71.683 Erziehung und Unterricht 58.597 Finanzwesen (Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen) 81.929 freiberufliche wissenschaftliche und technische Dienstleistungen 68.820 Gastgewerbe 26.820 Gesundheits- und Sozialwesen 53.084 Handel 50.182 Immobilienwirtschaft 59.907 Information und Kommunikation 81.929 Kunst, Unterhaltung und Erholung 54.835 öffentliche Verwaltung, Landesverteidigung, Sozialversicherung 51.857 sonstige Dienstleistungen 51.140 verarbeitendes Gewerbe 57.253 Verkehr und Lagerhaltung 41.730 Wasserversorgung 47.603 sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen 35.690

Am meisten wird im Finanzsektor verdient, gefolgt von Information und Kommunikation. Die geringsten Einkommen gibt es im Gastgewerbe.

Das Bruttoeinkommen ist bei Vergleichen eine dem Nettoeinkommen vorzuziehende Größe, weil es die in der Person des Einkommensbeziehers liegenden individuellen Eigenheiten unberücksichtigt lässt. Werden dagegen Nettoeinkommen miteinander verglichen, führt dies zu Fehlinterpretationen. Beispielsweise verdient eine ledige Verkäuferin – bei gleichem Bruttoeinkommen – ein geringeres Nettoeinkommen als eine verheiratete Verkäuferin, wobei dieser Unterschied lediglich durch den Familienstand bedingt ist und keine besondere Aussagekraft entfaltet. Deshalb wird das Bruttoeinkommen beispielsweise der Berechnung des Durchschnittseinkommens oder der Abgabenquote zugrunde gelegt.

Statistiken Das jährliche Nettoeinkommen entwickelte sich in Deutschland wie folgt:Statista, Höhe des durchschnittlichen Nettolohns/Nettogehalts im Jahr je Arbeitnehmer in Deutschland von 1991 bis 2022, September 2023

Jahr Nettoeinkommen in Euro 1992 15.330 1995 15.966 2000 16.887 2002 17.717 2005 18.283 2010 19.659 2012 20.730 2015 22.347 2018 24.100 2020 25.049 2022 26.928 2023 29.110

Jährliche Nettoeinkommen 2018 weltweit pro Person in US-Dollar:Statista, Wo am meisten Netto vom Brutto bleibt, August 2018

Land Nettoeinkommen in US-Dollar 2018 Abgabenquote in % 58.864 28,0 46.593 38,6 45.390 34,9 44.892 31,9 43.835 39,7 41.655 27,5 41.608 33,5 41.139 33,2 40.834 42,2 39.211 26,6 38.703 42,0 38.100 39,5

In der Schweiz wird innerhalb der OECD mit Abstand am meisten netto verdient. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass das dortige Preisniveau sehr hoch ist. Belgien und Deutschland sind Schlusslichter, weil die Abzüge im Vergleich zu anderen Staaten sehr hoch sind.

Wirtschaftliche Aspekte Werden die Abzüge (direkte Steuern und Beiträge) verändert, so wirkt sich dies sofort auf die Nettoeinkommen aus. Entsprechend wirkt eine Steuererhöhung kontraktiv, eine Steuersenkung expansiv auf die Nettoeinkommen und damit auf Konsum und Sparen. Soll Inflation/Deflation berücksichtigt werden, muss das Aggregat des Realeinkommens (Reallohn/Nominallohn) verwendet werden.

Vom statistischen Bundesamt wird auch der Begriff „Verfügbares Einkommen“ verwendet, bei dem anderweitige Einnahmen/Ausgaben berücksichtigt werden, die bei den unterschiedlichen Einkommensgruppen auftreten können.

Mit dem Nettoeinkommen als Größe sind betriebswirtschaftliche Kennzahlen wie MietbelastungsquoteStatistisches Bundesamt (Hrsg.), Einkommen, Konsum und Lebensbedingungen: Mietbelastungsquote, Mai 2020, abgerufen am 17. Juni 2022 und Schuldendienstquote verbunden.

Siehe auch Netto Brutto Einkommensverteilung

Einzelnachweise

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