Der Bahnhof Shinjuku (jap. , Shinjuku-eki) ist ein Bahnhof in der japanischen Hauptstadt Tokio. Er liegt an der Grenze zwischen den Bezirken Shinjuku im Norden und Shibuya im Süden. Shinjuku dient als Hauptknotenpunkt für den Bahnverkehr zwischen den Bezirken Tokios und den dicht besiedelten Vorstädten im westlich davon gelegenen Tama-Gebiet der Präfektur Tokio. Dominierend ist eindeutig der Stadt- und Vorortverkehr, während der Fernverkehr im Vergleich zu anderen Tokioter Bahnhöfen minimal ist und sich im Wesentlichen auf die Chūō-Hauptlinie beschränkt.
Die Hauptanlage von JR East und die direkt angrenzenden Privatbahnen verfügen über insgesamt 35 Bahnsteige. Hinzu kommen ein unterirdisches Einkaufszentrum, eine oberirdische Arkade und zahlreiche Verbindungsgänge. Weitere 17 Bahnsteige (insgesamt 52) in fünf verbundenen Bahnhöfen und U-Bahn-Stationen können erreicht werden, ohne den Komplex verlassen zu müssen. Die gesamte Anlage besitzt weit über 200 Ausgänge. Die durchschnittliche Zahl der Fahrgäste pro Tag beträgt etwa 3,59 Millionen (2018), was Shinjuku zum verkehrsreichsten Bahnhof der Welt macht.
Umgebung mini|links|Gleisanlagen und Umgebung Der Bahnhof liegt am Schnittpunkt mehrerer Stadtteile, die sich über zwei Bezirke erstrecken. Der Stadtteil Shinjuku an der Ostseite umfasst überwiegend Geschäfte, Bürogebäude und öffentliche Einrichtungen. Hier befinden sich mehrere große Kaufhäuser (Depāto), darunter Shinjuku Alta, Isetan, Shinjuku Takano, Books Kinokuniya, Nakamuraya, BICQLO, Marui und Yodobashi Kamera, sowie die unterirdische Ladenpassage Shinjuku Subnade. Nordöstlich des Bahnhofs, jenseits der Hauptstraße Yasukuni-dōri, liegt der Stadtteil Kabukichō. Dieser ist vor allem als Vergnügungs- und Rotlichtviertel bekannt, ist aber auch Standort des Hanazono-Schreins und der Bezirksverwaltung von Shibuya.
Auf der Westseite des Bahnhofs liegt der Stadtteil Nishi-Shinjuku, der von mehreren Wolkenkratzern geprägt wird. Dazu gehören das Tokyo Metropolitan Government Building (Sitz der Präfekturverwaltung), der Mode Gakuen Cocoon Tower, das Shinjuku Center Building, der Shinjuku Park Tower und das Shinjuku Mitsui Building. Der Stadtteil Sendagaya im Südosten ist vor allem für den Park Shinjuku Gyoen bekannt und ist auch Standort des Wolkenkratzers JR Shinjuku Miraina Tower, Yoyogi im Südwesten ist von Büro- und Einkaufsvierteln geprägt. Kabukichō, Nishi-Shinjuku und Shinjuku gehören zum Bezirk Shinjuku, Sendagaya und Yoyogi zum Bezirk Shibuya.
Anlage Shinjuku ist ein weitläufiger Komplex, der neben umfangreichen Verkehrsanlagen auch eine Reihe von Kaufhäusern, Einkaufszentren und unterirdischen Gängen umfasst. Den Mittelpunkt bildet der von Norden nach Süden ausgerichtete Bahnhof von JR East. Er entstand in einer natürlichen Geländesenke als Knotenpunkt der ringförmigen Yamanote-Linie mit der westwärts führenden Chūō-Hauptlinie. Parallel zur Yamanote-Linie verlaufen in diesem Bereich die Saikyō-Linie und die Shōnan-Shinjuku-Linie, parallel zur Chūō-Hauptlinie die Chūō-Sōbu-Linie und die Chūō-Schnellbahnlinie. Vier Verbindungsgänge stellen die Verbindung zwischen den Bahnsteigen sowie zu den Haupteingängen im Osten und Westen her: Die Nordpassage und die Zentralpassage (beide unterirdisch), die ebenerdige Halle am Südausgang sowie südlich der Hauptstraße Kōshū Kaidō eine weitere Halle, die den JR Shinjuku Miraina Tower erschließt. Ganz im Norden verbindet die Metro Promenade unter der Hauptstraße Shinjuku-dōri die östlichen und westlichen Teile der unterirdischen Passagen miteinander, jedoch nicht mit den JR-East-Bahnsteigen.
mini|links|Südlicher Hauptausgang mit den Kaufhäusern Lumine 1 (rechts) und Lumine 2 (links) Der Bahnhofteil von JR East ist von mehreren Kaufhäusern umgeben. Lumine EST Shinjuku befindet sich in einem zehngeschossigen Gebäude unmittelbar an der Ostseite des Bahnhofs (mit zwei Untergeschossen). Es zählt mehr als 300 Läden, mit einem Schwerpunkt auf Damenmode, Accessoires, Schuhe und gastronomische Angebote. An der Südwestecke beherbergt ein elfstöckiges Gebäude (mit zwei Untergeschossen und einer Dachterrasse) das Lumine 1, das ebenfalls auf Mode spezialisiert ist. Im siebengeschossigen Lumine 2 an der Südostecke sind vor allem Haushaltswaren erhältlich. Das NEWoMan in den unteren Stockwerken des JR Shinjuku Miraina Tower bietet eine breite Auswahl an Modeboutiquen, Lebensmittelgeschäften, Cafés, Bäckereien und Restaurants. Zahlreiche weitere Läden in den Verbindungsgängen sind vor allem auf die Bedürfnisse der Reisenden ausgerichtet.
Unmittelbar westlich des JR-East-Bahnhofteils steht jener von Odakyū Dentetsu. Über den unterirdischen Gleisen erhebt sich das Kaufhaus Odakyu Department Store mit 16 Stockwerken und zwei Untergeschossen. Die dort befindlichen Läden decken ein breites Waren- und Lebensmittelangebot ab. Eine Fußgängerbrücke und Durchgänge verbinden das Gebäude mit dem Odakyu Halc, einem Annexbau für Sportartikel und Elektronik auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Am südwestlichen Hauptausgang steht das Mylord, das auf Mode für junge Leute spezialisiert ist und ebenfalls zur Odakyu-Gruppe gehört. Das in die Jahre gekommene Odakyu Department Store soll im September 2022 geschlossen werden. Geplant ist der Bau eines Bürogebäudes mit 48 Stockwerken, das 2029 eröffnet werden soll. Es ist vorgesehen, in der Zwischenzeit soll ein Teil der Verkaufsfläche in den Halc verlegt werden. Ganz im Westen steht über den Gleisanlagen von Keiō Dentetsu das Kaufhaus Keiō Department Store. Es besitzt neun Stockwerke und zwei Untergeschosse, wobei die dort befindlichen Läden eine eher preisbewusste Klientel ansprechen.
Verbindungen
Schienenverkehr mini|Azusa auf der Chūō-Hauptlinie Shinjuku ist der bedeutendste Eisenbahnknoten der Hauptstadt Tokio. Hier treffen neun Bahnstrecken dreier verschiedener Bahngesellschaften aufeinander. Als einzige für den Fernverkehr von Bedeutung ist die Chūō-Hauptlinie, die von Osten nach Westen führt, im Bereich des Bahnhofs Shinjuku jedoch von Süden nach Norden verläuft. Der Schnellzug Azusa mit täglich 18 Zugpaaren ermöglicht einen Stundentakt über Kōfu und Okaya nach Shiojiri sowie weiter auf der Shinonoi-Linie nach Matsumoto. Je ein Zugpaar täglich verbindet Tokio mit Matsumoto, Shinjuku mit Minami-Otari (an der Ōito-Linie) und Chiba mit Matsumoto.JR時刻表 2018年3月号 (JR-Fahrplan März 2019). Kōtsū shinbunsha, Tokio 2019. Zwölfmal täglich verkehrt der Eilzug Kaiji zwischen Shinjuku und Kōfu, hinzu kommen täglich zwei Eilzugpaare Fuji Kaiyū () von Shinjuku nach Kawaguchiko an der Fujikyūkō-Linie. Alle 30 bis 60 Minuten verbindet der Narita Express den Flughafen Tokio-Narita mit Shinjuku und Ikebukuro, wobei einzelne Züge ab dort weiter nach Ōmiya oder Takao verkehren.
Auf der Chūō-Hauptlinie verkehren zahlreiche beschleunigte Vorortzüge der Chūō-Schnellbahnlinie vom Tokio nach Takao oder Ome. Zwischen Mitaka und Ochanomizu sorgt die parallel verlaufende Chūō-Sōbu-Linie für einen dichten Takt von Nahverkehrszügen. Die Chūō-Linien kreuzen sich in Shinjuku mit der Yamanote-Linie, die ringförmig rund um die gesamte Innenstadt verläuft und zu den am intensivsten genutzten Bahnstrecken der Welt gehört. Auf den Gleisen der früheren Yamanote-Güterlinie fahren die Züge der Saikyō-Linie und der Shōnan-Shinjuku-Linie, die das Angebot auf dem westlichen Teil der Yamanote-Linie ergänzen. JR East und Tōbu Tetsudō betreiben gemeinsam die Schnellzüge Spacia Nikkō und Spacia Kinugawa, die von Shinjuku aus viermal täglich zu den Touristenorten Nikkō und Kinugawa Onsen in der nördlich gelegenen Präfektur Tochigi fahren.
Die Odakyū Odawara-Linie der Bahngesellschaft Odakyū Dentetsu führt von Shinjuku aus in südwestlicher Richtung in die Regionen Shōnan und Hakone in der Präfektur Kanagawa. Neben einem intensiven Vorortverkehr werden auch die in ganz Japan bekannten Romancecar-Schnellzüge nach Hakone-Yumoto angeboten.
In den westlichen Teil der Präfektur Tokio führt die Keiō-Linie der Bahngesellschaft Keiō Dentetsu; diese wird durch die teilweise parallel verlaufende unterirdische Neue Keiō-Linie ergänzt.
Rund 450 Meter nördlich des Bahnhofs Shinjuku steht der Kopfbahnhof Seibu-Shinjuku. Er ist über die Ladenpassagen Metro Promenade und Subnade erreichbar und ist die Endstation der Seibu Shinjuku-Linie, die von der Bahngesellschaft Seibu Tetsudō betrieben wird. Zu den übrigen Strecken besteht keine Gleisverbindung, weshalb dieser Bahnhof als eigenständiges Bauwerk gilt.
U-Bahn und Bus mini|Westlicher Vorplatz mit Busbahnhof Drei U-Bahn-Linien erschließen den Bahnhof Shinjuku. Die Marunouchi-Linie der Gesellschaft Tōkyō Metro verläuft westwärts nach Ogikubo und Hōnanchō sowie ostwärts in Richtung Ginza und U-förmig wieder nordwestwärts nach Ikebukuro. Die Shinjuku-Linie der Toei-U-Bahn kommt von Osten her aus Richtung Moto-Yawata und wird in Shinjuku zur Neuen Keiō-Linie durchgebunden. Die Toei Ōedo-Linie beginnt im Nordwesten in Hikarigaoka, umfährt das gesamte Stadtzentrum an seiner Süd-, Ost- und Nordseite und endet unweit von Shinjuku in Tochōmae. Über das weit verzweigte Netz von unterirdischen Passagen sind weitere U-Bahnhöfe erreichbar. Es sind dies Shinjuku-Nishiguchi und Tochōmae an der Ōedo-Linie, Nishi-Shinjuku an der Marunouchi-Linie sowie Shinjuku-sanchōme am Kreuzungspunkt von Marunouchi-Linie, Fukutoshin-Linie und Shinjuku-Linie.
Die meisten Bushaltestellen im Bahnhofsbereich sind auf dem westlichen Vorplatz konzentriert, um ein reibungsloses Umsteigen zu ermöglichen. Dort befinden sich 36 Haltestellen für den Nah- und Schnellbusverkehr, die von mehreren Dutzend Linien der Gesellschaften Toei Bus, Kantō Bus Keiō Dentetsu Bus, Odakyū Bus, Seibu Bus und Airport Transport Service bedient werden. Neben dem JR Shinjuku Miraina Tower, gegenüber dem südlichen Hauptausgang des Bahnhofs steht der Shinjuku Expressway Bus Terminal (auch Busta Shinjuku genannt). Er ist Japans größter Busbahnhof und dient hauptsächlich dem Fernbusverkehr, ebenso ist er der wichtigste Taxistand rund um den Bahnhof. Das viergeschossige Gebäude ist die Endstation für Fernbuslinien von über hundert verschiedenen Unternehmen. Bis zur Eröffnung im April 2016 waren die Haltestellen Fernbusse auf 19 verschiedene Standorte rund um den Bahnhof verteilt.
Gleise
JR East Die Einrichtungen für die Strecken von JR East umfassen acht ebenerdige Mittelbahnsteige mit 16 Gleisen auf einer Nord-Süd-Achse, die durch zwei oberirdische und zwei unterirdische Hallen verbunden sind. Im Vergleich zu den fünf westlichen Bahnsteigen liegen die drei östlichen etwas nach Süden versetzt. Die meisten JR-East-Linien sind Stadt- und Vorortlinien, hinzu kommen auch Schnellzüge nach Kōfu und Matsumoto auf der Chūō-Hauptlinie, der Narita Express sowie gemeinsam mit der Tōbu Tetsudō betriebene Schnellzüge nach Nikkō und Kinugawa Onsen. Allein im JR-East-Teil des Bahnhofs werden durchschnittlich 1,5 Millionen Fahrgäste pro Tag abgefertigt.
mini|hochkant=1.75|Gleisplan JR-East-Bahnhofteil (gelb: Chūō-Hauptlinie; grün: Yamanote-Linie; orange: Chūō-Schnellbahnlinie; blau: Yamanote-Güterlinie, Saikyō-Linie, Shōnan-Shinjuku-Linie) (Durchgangsbahnhof)
Odakyū Dentetsu Die Endstation der von der Odakyū Dentetsu betriebenen Odakyū Odawara-Linie liegt parallel zu den JR-East-Bahnsteigen auf der Westseite und bewältigt täglich durchschnittlich eine halbe Million Fahrgäste. Es handelt sich um eine wichtige Pendlerstrecke, die sich in südwestlicher Richtung durch die Vororte und in Richtung der Küstenstadt Odawara und der Berge von Hakone erstreckt. Die zehn Bahnsteige befinden sich auf zwei Ebenen unter dem Kaufhaus Odakyū: drei Schnellzuggleise an sechs Bahnsteigen im Erdgeschoss und zwei Gleise an vier Bahnsteigen für den Lokalverkehr auf der darunter liegenden Ebene. Jedes Gleis besitzt beidseitig Bahnsteige, um die ein- und aussteigenden Fahrgäste vollständig voneinander zu trennen.
mini|Gleisplan Odakyū-Bahnhofteil (oberer Kopfbahnhof)
(unterer Kopfbahnhof)