Die deutschen Verbraucherzentralen sind auf Landesebene organisierte Vereine, die sich aufgrund eines staatlichen Auftrags dem Verbraucherschutz widmen und Beratungsleistungen erbringen. Sie sind als gemeinnützig anerkannt und in der politischen Dachorganisation Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. (vzbv) zusammengeschlossen.

Ziele Ihr Ziel ist es, die Verbraucher in Fragen des privaten Konsums zu informieren, zu beraten, zu unterstützen und rechtlichen Beistand zu leisten. Beraten wird beispielsweise zu Themen wie Kaufrecht, Werkvertragsrecht (Handwerkerleistungen), Dienstvertragsrecht, Kreditrecht, Schuldnerberatung und privatem Insolvenzverfahren sowie deren Prävention, Banken und Geldanlage, Grauem Kapitalmarkt, Versicherungen, Patientenrecht, Pflegeberatung, Wohnberatung, Gesundheitsdienstleistungen, Reiserecht, Privater Altersvorsorge, Baufinanzierung, Energie, Stromanbieterwechsel, Umwelt, Ernährung, Haushalt, Freizeit oder Telekommunikation.

Die Verbraucherzentralen helfen gegen Entgelt bei individuellen Rechtsproblemen und vertreten Interessen jedes Verbrauchers im Einzelnen wie auch in Verbandsklagen. Insbesondere ist es satzungsgemäße Aufgabe der Verbraucherzentralen, außergerichtlich wie auch gerichtlich gegen unzulässige Allgemeine Geschäftsbedingungen, verbraucherschutzwidrige Geschäftspraktiken und unlautere Werbemaßnahmen eines Anbieters vorzugehen.

In den letzten Jahren ergab sich bezüglich fragwürdiger Vertragsbedingungen und Geschäftspraktiken sowie Verbraucherbeschwerden ein Arbeitsschwerpunkt der Verbraucherzentralen bei Telekommunikationsdienstleistungsverträgen – siehe Telekommunikationsunternehmen in der Kritik.

Die Verbraucherzentralen versuchen auch, Einfluss auf die Politik zu nehmen. Beispielsweise ist die Verbraucherzentrale Hamburg neben 23 anderen Organisationen (unter anderem der BUND Hamburg, Kirchen sowie Verbände aus dem Bereich erneuerbare Energien) Mitinitiatorin einer Volksinitiative, die das Ziel einer Rekommunalisierung der Energienetze und der Etablierung „echter“ Stadtwerke (Stadtwerke mit Energienetzen) in Hamburg hat.Unser Hamburg – Unser Netz. 21. November 2010.

Rechte Die Verbraucherzentralen erhalten durch das Gesetz gegenüber anderen Vereinen besondere Privilegien. So haben sie in Deutschland gemäß Abs. 1 Nr. 4 Rechtsdienstleistungsgesetz (seit 1. Juli 2008, davor § 3 Nr. 8 Rechtsberatungsgesetz) das Recht zur außergerichtlichen Rechtsbesorgung und können so im Rahmen ihres Aufgabenkreises neben Rechtsanwälten Verbraucher außergerichtlich beraten und vertreten. Eine Mitgliedschaft ist nicht erforderlich.

Seit dem 1. Januar 2002 können sich Verbraucherzentralen individuelle Ansprüche von Verbrauchern abtreten lassen, um diese vom Anbieter einzufordern und gegebenenfalls auch einzuklagen. Damit können Verbraucherzentralen Ansprüche einzelner Verbraucher bündeln und im Interesse des Verbraucherschutzes bis hin zum Bundesgerichtshof geltend machen.

Die Verbraucherzentralen gehören außerdem zu den in die Liste nach des Unterlassungsklagengesetzes (UKlaG) eingetragenen qualifizierten Verbraucherverbänden.

Organisation Zuständig für Informationen und Beratung sind die in Deutschland auf Landesebene organisierten Verbraucherzentralen der einzelnen Bundesländer. Die Verbraucherzentrale Berlin wurde 1953 gegründet, gefolgt von den Verbraucherzentralen Hamburg und Niedersachsen 1957, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen 1958, Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein 1959, Rheinland-Pfalz 1960 sowie Bremen 1961. Die Verbraucherzentralen Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wurden 1990 gegründet.

Politische Dachorganisation dieser Landes-Verbraucherzentralen ist der Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. (abgekürzt vzbv) mit Sitz im GSW-Hochhaus in Berlin-Kreuzberg. Er vertritt die Verbraucherinteressen gegenüber Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auf Bundesebene. Der vzbv bietet jedoch keine direkte Verbraucherberatung an. Dies übernehmen die einzelnen Verbraucherzentralen in den Ländern.Übersichtsseite der Verbraucherzentralen und des vzbv.

Er ist federführend für die Klimaschutzkampagne für mich. für dich. fürs klima. mit dem Ziel der Verbraucherberatung bei Mobilität, Ernährung und Finanzprodukten, finanziert von der Bundesregierung. Die Klimakampagne des vzbv endete mit dem Jahr 2010. Insgesamt wurden circa 1900 Aktionen und 1500 Bildungsaktionen durchgeführt.

mini|Logo der vzbv-Energieberatung

Seit 1978 koordiniert der vzbv die Energieberatung der Verbraucherzentrale, das größte interessenneutrale Beratungsangebot zum Thema Energie in Deutschland. In acht Beratungsangeboten (Telefonberatung, Onlineberatung,Energieberatung online. Stand: April 2018. Stationäre Beratung, Basis-Check, Gebäude-Check, Heiz-Check, Solarwärme-Check und Detail-Check) beraten über 550 Energieberater jährlich rund 120.000 Verbraucher zur Energieeinsparung und zum Einsatz erneuerbarer Energien in privaten Wohngebäuden.. Stand: April 2018.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband wurde am 1. November 2000 als Nachfolgeorganisation der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände, des Verbraucherschutzvereins und des Verbraucherinstituts gegründet. Sein erster Vorstand war Edda Müller. Vom August 2007 bis Mitte Dezember 2013 war Gerd Billen Vorstand.Gerd Billen wird Staatssekretär im Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, zuletzt abgerufen am 13. Januar 2014. Am 1. Mai 2014 trat Klaus Müller, bisheriger Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, sein Amt als neuer Vorstand des vzbv an. Er wurde am 1. März 2022 durch die Juristin Jutta Gurkmann abgelöst.Jutta Gurkmann ist neue Vorständin des vzbv. vzbv, Pressemitteilung vom 28. Februar 2022, abgerufen am 23. Mai 2022. Zum 1. Juli 2022 wurde Ramona Pop zur Vorständin berufen.Pop wird Vorständin des VZBV. In: politik-kommunikation.de, 23. Mai 2022, abgerufen am 4. Juli 2022.

mini|NRW-Vorstand Schuldzinski und Dorothea Khairat, Leiterin der Beratungsstelle in Neuss (2017)

Größte Einzelorganisation ist die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen mit Sitz in Düsseldorf. Sie berät landesweit in 63 Beratungsstellen, per Internet und über eine kostenpflichtige Rechtsberatungshotline. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ist Gründungsmitglied des Vereins EnergieVision e. V., der das ok-power Label für Ökostrom-Angebote vergibt. Insgesamt gibt es 16 Landesverbraucherzentralen, die in den Bundesländern als selbstständige Organisationen auftreten und als solche arbeiten. Zwischen den einzelnen Verbraucherzentralen gibt es jedoch einen regen Austausch, so dass es einheitliche Beratungsstandpunkte gibt.

International ist der Verbraucherzentrale Bundesverband Mitglied beim Europäischen Verbraucherverband (BEUC) und bei Consumers International.

Aktivitäten Lebensmittelklarheit.de

Am 20. Juli 2011 ging in Zusammenarbeit mit dem Landesverband Hessen die Website Lebensmittelklarheit.de im Rahmen der Initiative Klarheit und Wahrheit (bei der Aufmachung und Kennzeichnung von Lebensmitteln) online. Dieses neue Portal löste am selben Tag ein sehr großes Medienecho aus, so dass die Website nach der Freischaltung temporär aufgrund von Überlastung nicht zu erreichen war. Negative Kritik wurde von Seiten der Lebensmittelindustrie und dem Deutschen Konsumentenbund geäußert., besucht am 30. Juli 2011.

Studie zur bedarfsgerechten Beratung Eine Studie des vzbv sollte 2013 anhand einer Stichprobe zeigen, ob die Beratung von Banken und Versicherern bedarfsgerecht ist. Knapp 300 Fälle wurden dazu untersucht. Die Kritik des Bundesverbands: Oftmals passen die angebotenen Produkte oder abgeschlossenen Verträge nicht zu den Bedürfnissen der Kunden.Anlageprodukte gehen am Verbraucherbedarf vorbei, zuletzt abgerufen am 13. Januar 2014. Im Dezember 2013 kritisierte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die Untersuchung als „irreführend“. Zudem sei die Studie aufgrund der geringen untersuchten Fälle nicht repräsentativ.Kritik an Verbraucherschützer-Studie, zuletzt abgerufen am 13. Januar 2014.

Weltverbrauchertag Zum Weltverbrauchertag am 15. März informieren die Verbraucherzentralen jedes Jahr zu einem Schwerpunktthema und führen bundesweit Aktionen durch.

Deutscher Verbrauchertag Um seine politischen Forderungen zu formulieren, richtet der Verbraucherzentrale Bundesverband seit dem Jahr 2007 alle zwei Jahre den Deutschen Verbrauchertag als politische Tagung aus.

Musterfeststellungsklage gegen VW

Aufgrund des Abgasskandals startete der vzbv 2018 vor dem Oberlandesgericht Braunschweig in Kooperation mit dem ADAC eine Musterfeststellungsklage gegen den Autokonzern Volkswagen AG. Diese Klage endete Anfang 2020 mit einem Vergleich. Daraufhin erhielten etwa 240.000 Verbraucher eine Einmalzahlung zwischen 1.350 Euro und 6.257 Euro. Insgesamt musste Volkswagen aufgrund des Vergleichs eine Entschädigungssumme von etwa 750 Millionen Euro zahlen.

Fernwärmeklage Im November 2023 verklagten die Verbraucherschützer Eon und Hansewerk wegen vermeintlich illegaler Preiserhöhungen bei Fernwärme. Eingereicht wurden die Klagen bei den Oberlandesgerichten in Schleswig und Hamm. Die Unternehmen wiesen die Vorwürfe zurück. Die Preiserhöhungen der Fernwärmeversorger war zuvor auch dem Bundeskartellamt aufgefallen. Es hat wegen des Verdachts zu starker Erhöhungen ein Missbrauchsverfahren eröffnet.Verbraucherzentrale verklagt Eon wegen Heizkosten.; abgerufen am 14. Dezember 2024. Das Klageregister wurde im Februar 2024 eröffnet. Da aus Sicht des Verbraucherzentrale Bundesverbands die Preiserhöhungen nicht gerechtfertigt sind, soll erreicht werden, dass Abrechnungen rückwirkend anpasst werden und sich daraus ergebene Guthaben erstattet werden.Sammelklage gegen E.ON.; abgerufen am 14. Dezember 2024.

faktencheck-gesundheitswerbung.de Im Dezember 2020 ging in Zusammenarbeit der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz die Website faktencheck-gesundheitswerbung.de online. Das Portal soll über irreführende oder unzulässige Gesundheitsinformationen, Produktinformationen oder Werbung zu Gesundheitsfragen im Internet aufklären. Außerdem können Verbraucher schlechte oder gefährliche Gesundheitsinformationen über das Portal melden. Partner des Projektes sind unter anderem Gute Pillen-Schlechte Pillen, IGeL-Monitor, Informationsnetzwerk Homöopathie, Medizin transparent. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) fördert das Portal im Rahmen der Initiative Verbraucherschutz im Markt der digitalen Gesundheitsinformationen und Individuellen Gesundheitsleistungen.

Finanzierung Die Finanzierung der Verbraucherzentralen beruht überwiegend auf Fördermitteln. In Nordrhein-Westfalen setzt sich der Etat beispielsweise aus institutioneller Förderung durch das Land Nordrhein-Westfalen, Mitteln der Städte und Kreise, Projektmitteln, Spenden sowie aus eigenen Einnahmen zusammen.Finanzierung der Verbraucherzentrale NRW – Einnahmestruktur 2017. Stand 25. April 2018, abgerufen am 29. April 2018. Am 23. Juli 2018 wurde bekannt, dass die Stadt Mönchengladbach den Vertrag mit der Verbraucherzentrale NRW bis 2022 mit einem Finanzierungsanteil von rund 127.000 Euro pro Jahr erneuert hat.Auf drei weitere Jahre! Stadt Mönchengladbach erneuert Vertrag mit Verbraucherzentrale bis 2022. moenchengladbach.de, abgerufen am 24. Juli 2018.Auf drei weitere Jahre! Stadt Mönchengladbach erneuert Vertrag mit Verbraucherzentrale bis 2022. Focus.de, abgerufen am 24. Juli 2018.

Diese eigenen Einnahmen stammen zum Teil aus der Verbraucherberatung. Insbesondere die individuelle Rechtsberatung wird von Verbraucherzentralen in vielen Bundesländern nur gegen Entgelt angeboten. Die Preise der Verbraucherzentrale variieren oft zwischen telefonischer und persönlicher Beratung und sind abhängig vom Beratungsgegenstand.Kostenseite der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. verbraucherzentrale-rlp.de, abgerufen am 27. April 2018.