Prunus ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). In der Systematik stellt sie die einzige Gattung in der Tribus Amygdaleae (Steinobstgewächse) dar. Die Gattung Prunus umfasst mehr als 200 Arten. Ein Teil der Arten der Gattung wird in einer großen Vielfalt von Kultursorten kultiviert und sind von großer wirtschaftlicher Bedeutung, etwa Aprikosen, Pflaumen, Kirschen oder Mandeln.

Beschreibung und Ökologie mini|links|Illustration der Mandel (Prunus amygdalus)

Vegetative Merkmale Die Prunus-Arten sind laubabwerfende, selten immergrüne (Sektion Laurocerasus) Bäume und Sträucher und erreichen je nach Art Wuchshöhen von 0,3 bis 25 Metern. Der Stammdurchmesser kann mehrere Meter erreichen. Ein Teil der Arten trägt Dornen. Einige Arten bilden Wurzelsprosse.

Die wechselständig und schraubig, manchmal in Büscheln zusammenstehend, meist an den Zweigen verteilt angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die einfachen, flachen Blattspreiten sind je nach Art sehr unterschiedlich geformt, fieder- und netznervig und sind meist krautartig, seltener ledrig. Der Blattrand ist meistens gesägt, seltener glatt oder gelappt. Bei manchen Arten duften die Laubblätter aromatisch, beispielsweise nach Bittermandeln. Die Blattflächen sind meist nicht behaart. An Blattstiel und Spreite befinden sich oft sitzende oder gestielte extraflorale Nektarien.Hildemar Scholz, Ilse Scholz: Prunus. In: Hildemar Scholz (Hrsg.): Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Begründet von Gustav Hegi. 2., völlig neubearbeitete und erweiterte Auflage. Band IV Teil 2B: Spermatophyta: Angiospermae: Dicotyledones 2 (3) (Rosaceae, 2. Teil), Blackwell, Berlin/Wien u. a. 1995, ISBN 3-8263-2533-8, S. 447. Am Blattstielende können sie als auffällige Drüsenhöcker in Erscheinung treten. Die zwei Nebenblätter sind bleibend oder hinfällig, nicht untereinander und nicht mit dem Blattstiel verwachsen.

Generative Merkmale Die Blüten stehen einzeln, oder meist zu wenigen bis vielen in end- oder seitenständigen, einfachen, traubigen, schirmtraubigen oder doldigen Blütenständen zusammen. Meist stehen sie an seitlichen Kurztrieben und erscheinen vor oder gleichzeitig mit den Blättern. Es sind keine Deckblätter vorhanden. Blütenstiele sind lang bis sehr kurz oder fehlen. mini|links|Fünfzählige Blüte von Prunus tomentosa. Gut zu erkennen sind die fünf genagelten Kronblätter.

Die meist zwittrigen, meist kurz gestielten Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle (Perianth). Sie erscheinen oft vor den Blättern. Der mehr oder weniger behaarte Blütenbecher (Hypanthium) ist unterschiedlich geformt. Die fünf ausgebreiteten, grünen oder braunen bis roten, mehr oder weniger behaarten Kelchblätter bilden nach innen und unten meist Nektar und fallen nach der Anthese meist ab. Die fünf weißen bis rosafarbenen, freien, meist kahlen Kronblätter sind elliptisch bis kreisförmig, kurz genagelt und sie fallen vor dem Welken ab. Sie sind weiß bis rötlich oder gelblich. Es ist ein Diskus vorhanden, der öfters den Blütenbecher innen auskleidet. Die 10 bis 100 fertilen Staubblätter sind deutlich verschieden, untereinander frei und nicht mit den Kronblättern verwachsen. Das einzelne Fruchtblatt steht frei im Hypanthium, einer schützenden, becherartigen Röhrenstruktur, an deren äußerem Rand dann die Kelch- und Kronblätter ansitzen. Jedes mittelständige Fruchtblatt beherbergt ein oder zwei hängende, anatrope Samenanlagen. Bei gefüllten Blüten können auch zwei oder drei Fruchtblätter vorkommen. Der lange Griffel ist gerade bis konisch und endet in einer kopfigen oder schildförmigen Narbe. Die Bestäubung erfolgt durch Hymenoptera (Entomophilie).

Bei Prunus ist das Fruchtblatt an der Fruchtbildung beteiligt. Als Perikarp differenziert die Wand des Fruchtknotens in drei verschiedene Gewebezonen aus: Das Endokarp verholzt und bildet den meist einsamigen Stein, in dem dann der eigentliche Samen liegt. Das Mesokarp bildet das eigentliche Fruchtfleisch und das Exokarp erzeugt die abschließende Epidermis-Haut der Frucht. Dieser Aufbau ist typisch für die Steinfrüchte. Häufig wird das essbare Fruchtfleisch agrarwirtschaftlich genutzt – wie beispielsweise beim Pfirsich, teils auch der Samen – wie beim Mandelbaum. Die Früchte sind bei Reife gelb bis orange, rot bis purpurfarben oder fast schwarz. Die Früchte können behaart sein. Die Samen besitzen eine harte Samenschale (Testa) und können bei einigen Arten Amygdalin enthalten. Die Verbreitungseinheit (Diaspore) ist die Frucht, die noch vor der nächsten Vegetationsperiode vom Baum fällt und von vielen Tierarten (Zoochorie), besonders Vögeln verbreitet wird.

Inhaltsstoffe und Chromosomenzahl Die Samen sind häufig durch cyanogene Glykoside (hier meistens Amygdalin) giftig. In Spross und Wurzeln kommt meist Prunasin vor, häufig auch in den Samen. Sorbitol wird in größeren Mengen gebildet.

Die Chromosomen­grundzahl ist n = 8. Es wird von folgenden Ploidiegraden berichtet: 2, 3, 4, 6, oder 7 (di-, tri- bis heptaploid).

Verbreitung Die Prunus-Arten gedeihen vorwiegend in den Wäldern und Wüsten der Nordhalbkugel, eine nicht geringe Anzahl von Arten kommt in den Tropen vor.Esteban Bortiri, Sang-Hun Oh, Fang-You Gao, Dan Potter: The phylogenetic utility of nucleotide sequences of sorbitol 6-phosphate dehydrogenase in Prunus (Rosaceae). In: American Journal of Botany, Band 89, 2002, S. 1697–1708 doi: 10.3732/ajb.89.10.1697.

Systematik Prunus (lateinisch für „Pflaumenbaum“ und entlehnt von gleichbedeutend griechisch προύμνηAlois Walde: Lateinisches etymologisches Wörterbuch. 3. Auflage, besorgt von Johann Baptist Hofmann, 3 Bände. Heidelberg 1938–1965, Band 2, S. 379.) wurde früher als einzige Gattung der Unterfamilie Steinobstgewächse (Amygdaloideae) angesehen. Aufgrund molekulargenetischer Untersuchungen wird diese Gattung jedoch heute als Tribus Amygdaleae in die Unterfamilie Spiraeoideae gestellt.D. Potter, T. Eriksson, R. C. Evans, S. Oh, J. E. E. Smedmark, D. R. Morgan, M. Kerr, K. R. Robertson, M. Arsenault, T. A. Dickinson, C. S. Campbell: Phylogeny and classification of Rosaceae. In: Plant Systematics and Evolution, Band 266, 2007, S. 5–43. doi:10.1007/s00606-007-0539-9.

Es gibt unterschiedliche Systematiken für diese Gattung. Teilweise wurden die Arten in mehrere Gattungen aufgeteilt, dies wird jedoch durch molekulargenetische Arbeiten nicht gestützt. Die bisherigen Gattungen Padus, Padellus, Cerasus, Amygdalus, Persica, Armeniaca und Laurocerasus sind demnach alle in Prunus integriert und gelten nur mehr als Synonyme. Die klassische Untergliederung in fünf Untergattungen wird durch molekulargenetische Untersuchungen nur teilweise gestützt, es fehlte jedoch eine Klassifikation, die nur monophyletische Taxa listet.Sangtae Lee, Jun Wen: A phylogenetic analysis of Prunus and the Amygdaloideae (Rosaceae) using ITS sequences of nuclear ribosomal DNA. In: American Journal of Botany, Band 88, Nr. 1, 2001, S. 150–160, (, PDF; 123 kB). Jetzt sind auch die 90 Arten der ehemaligen Gattung Pygeum und die fünf Arten der Gattung Maddenia hier eingegliedert. Eine neuere Klassifikation bietet Wen et al. 2008. Jun Wen, Scott T. Berggren, Chung-Hee Lee, Stefanie Ickert-Bond, Ting-Shuang Yi, Ki-Oug Yoo, Lei Xie, Joey Shaw & Dan Potter: Phylogenetic inferences in Prunus (Rosaceae) using chloroplast ndhF and nuclear ribosomal ITS sequences. In: Journal of Systematics and Evolution, Band 46, Nr. 3, 2008, S. 322–332: Die Gattung enthält damit etwa 250 Arten.

Nur noch Synonyme für Prunus sind: Amygdalopersica , Amygdalophora , Amygdalopsis , Amygdalus , Armeniaca , Cerapadus , Ceraseidos , Cerasus , Emplectocladus , Lauro-cerasus , Laurocerasus , Maddenia , Padellus , Padus , Persica , Pygeum Sie besitzen heute teilweise den Rang von Sektionen.

mini|Sektion Armeniaca: Ume (Prunus mume) mini|Sektion Microcerasus: Niederliegende Kirsche (Prunus prostrata) mini|Sektion Penarmeniaca: Sand-Kirsche (Prunus pumila) mini|Sektion Prunus: Zwetschge (Prunus domestica) mini|Sektion Prunus: Schlehdorn (Prunus spinosa) mini|Sektion Prunocerasus: Amerikanische Wildpflaume (Prunus americana) mini|Sektion Cerasus: Vogelkirsche (Prunus avium) mini|Sektion Cerasus: Sauerkirsche (Prunus cerasus) mini|Sektion Cerasus: Steinweichsel (Prunus mahaleb) mini|Sektion Laurocerasus: Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus) mini|Sektion Laurocerasus: Portugiesische Lorbeerkirsche (Prunus lusitanica) mini|Sektion Laurocerasus: Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus) mini|Sektion Laurocerasus: Späte Traubenkirsche (Prunus serotina) mini|Untergattung Amygdalus: Mandel (Prunus amygdalus) mini|Untergattung Amygdalus: Pfirsich (Prunus persica) mini|Untergattung Amygdalus: Zwerg-Mandel (Prunus tenella) mini|Untergattung Emplectocladus: Prunus fasciculata

Die Untergattungen und Sektionen mit ausgewählten Arten: Untergattung Prunus: Sektion Armeniaca : Prunus ansu : Sie kommt in China vor. Aprikose, Marille (Prunus armeniaca ) Prunus brigantina : Sie kommt nur in Frankreich vor. Prunus ×dasycarpa : Sie ist nur aus Kultur bekannt. Mandschurische Aprikose (Prunus mandshurica ): Sie kommt in China, Korea und in Russlands Fernem Osten vor. Ume (Prunus mume , Syn.: Armeniaca mume ): Sie kommt in vier Varietäten nur in den chinesischen Provinzen westliches Sichuan sowie westliches Yunnan vor. Sie wird in einigen Gebieten Asiens angepflanzt. Sibirische Aprikose (Prunus sibirica ) Sektion Microcerasus: Prunus besseyi : Sie kommt in Kanada und in den Vereinigten Staaten vor. Prunus bifrons : Sie kommt in Afghanistan, Pakistan, Indien, Kirgisistan und Tadschikistan vor. Prunus glandulosa : Sie kommt in China vor. Prunus humilis : Sie kommt in China vor. Prunus jacquemontii : Sie kommt in Afghanistan, Pakistan, Indien und in Tadschikistan vor. Prunus japonica : Sie kommt in China und in Korea vor. Prunus microcarpa : Sie kommt im Kaukasusraum und in Westasien vor. Niederliegende Kirsche (Prunus prostrata ) Prunus tomentosa : Sie kommt in Indien, China, Korea und in der Mongolei vor. Sektion Penarmeniaca: Prunus andersonii : Sie kommt in Kalifornien und in Nevada vor. Prunus fremontii : Sie kommt in Kalifornien und im mexikanischen Baja California vor. Sand-Kirsche (Prunus pumila ): Sie ist in Nordamerika beheimatet. Sektion Prunus: Prunus bokhariensis : Sie kommt in Indien und in Pakistan vor. Kirschpflaume (Prunus cerasifera Prunus cocomilia : Sie kommt in Südosteuropa und in Westasien vor. Prunus consociiflora : Sie kommt nur in der chinesischen Provinz Hubei vor. Pflaume (Prunus domestica ) Chinesische Pflaume (Prunus salicina ) Schlehdorn (Prunus spinosa ) Prunus ursina : Sie kommt in der Türkei, in Syrien, im Libanon und in Israel vor. Alutscha (Prunus vachuschtii ): Sie kommt in Transkaukasien und Kleinasien vor.Prunus vachuschtii Bregadze. In: Trudy Instituta Botaniki, Akademija Nauk Gruzinskoj SSR: Serija Flora i Sistematika. Band 28, 1976, S. 77–82. Sektion Prunocerasus: Joey Shaw, Randall L. Small: Chloroplast DNA phylogeny and phylogeography of the North American plums (Prunus subgenus Prunus section Prunocerasus, Rosaceae). In: American Journal of Botany, Band 92, 2005, S. 2011–2030, doi: 10.3732/ajb.92.12.2011. Mit etwa 18 Arten in Nordamerika: Amerikanische Wildpflaume (Prunus americana ) Prunus angustifolia : Sie kommt in den Vereinigten Staaten vor. Prunus geniculata : Dieser Endemit kommt nur in Florida vor. Prunus gracilis : Sie kommt in den Vereinigten Staaten vor. Prunus hortulana : Sie kommt in den nördlichen, zentralen und östlichen Vereinigten Staaten vor. Prunus maritima : Sie kommt im östlichen Kanada und in den östlichen Vereinigten Staaten vor. Prunus mexicana : Sie kommt in den Vereinigten Staaten und in den mexikanischen Bundesstaaten Coahuila und Nuevo León vor. Prunus murrayana : Sie kommt in Texas vor. Prunus nigra : Sie kommt in den nördlichen Vereinigten Staaten und in Kanada vor.