Blumenthal (niederdeutsch ) ist ein Stadtteil von Bremen innerhalb des Stadtbezirks Nord.

Geographie und Ortsteile mini|Rathaus von 1910 mini|Wasserturm Blumenthal Blumenthal ist Bremens nördlichster Stadtteil im äußersten Nordwesten der Stadt an der Weser. Er grenzt im Südosten an den Stadtteil Vegesack, im Norden an die niedersächsische Gemeinde Schwanewede und im Westen die Gemeinde Berne.

Zum Stadtteil Blumenthal gehören die Ortsteile Blumenthal, Lüssum-Bockhorn, Rönnebeck, Farge und Rekum.

Der Stadtteil ist rund 8,5 km lang und 1,5 bis 4 km breit.

Blumenthal Fläche: 4,05 km², 9600 Einwohner

Geschichte, Sehenswürdigkeiten und öffentliche Einrichtungen

Angaben für den Ortsteil Blumenthal stehen auf dieser Seite bei den Kapiteln Geschichte, Kultur und Sehenswürdigkeiten und Öffentliche Einrichtungen des Stadtteils Blumenthal.

Rekum mini|Rekumer Mühle

Fläche: 5,59 km², 2403 Einwohner

Rekum ist Bremens nördlichster Ortsteil. Hier befindet sich der U-Boot-Bunker Valentin. Rekum ist durch die Rekumer Geest im Osten, die relativ steil zum Marschland an der Weser abfällt, landschaftlich geprägt. Die Straßennamen Reeker Barg und Unterm Berg bezeichnen diese Struktur. Die Besiedlung orientiert sich am Geestrand in Nord-Süd-Richtung. Die Marschflächen südlich vom Bunker Valentin tragen Busch- und Baumbestand. Nördlich davon befindet sich landwirtschaftlich genutztes Grünland. Große Flächen auf der Geest werden für den Ackerbau genutzt. Die sogenannte Ölumschlaganlage Farge liegt an der Weser im Süden Rekums. Sie ist über Pipelines mit dem Tanklager Farge (siehe Abschnitt Wirtschaft) verbunden.

Chronik Rekum wurde schon im 12. Jahrhundert erwähnt. Es war Sitz einer Ministerialenfamilie. Der Erzbischof Gebhard II. ließ hier (bei Rekum / bei Farge) 1220 auf einem Hügel an der Weser die Witteborg errichten, die nur wenige Jahre bestand. Um 1400 gab es eine Mühle am Weserübergang.

Rekum gehörte zum Kirchspiel Neuenkirchen, ab 1604 zum Kirchspiel Blomendal. 1956 wurde die Evangelisch-reformierte Kirche in Rekum errichtet. Bis 1980 gehörte die Rekumer Gemeinde zur gemeinsamen Kirchengemeinde Neuenkirchen-Rekum, seither ist die ev.-ref. Gemeinde in Rekum eine selbständige Kirchengemeinde. Sie gehört nach wie vor zur Evangelisch-reformierten Kirche mit Sitz in Leer und ist damit die einzige evangelische Gemeinde in Bremen, die nicht der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) angehört.

In Rekum waren von 1943 bis 1945 Zwangsarbeiter für den Bau des Bunkers Valentin und des Marine-Tanklagers in der Schwaneweder und Neuenkirchener Heide in einem Arbeitserziehungslager der Gestapo, dem Konzentrationslager Farge und Kriegsgefangenenlagern untergebracht.

Rekum war ursprünglich eine Gemeinde im Landkreis Blumenthal und wurde am 1. August 1923 in die Nachbargemeinde Farge eingemeindet. Rekum und Farge sind seit 1957 getrennte Ortsteile von Blumenthal.

Farge mini|Kraftwerk Farge mini|Kirche Rönnebeck-Farge

Fläche: 5,46 km², 2937 Einwohner

Der Ortsteil ist neben Wohnbebauung durch Infrastrukturanlagen (Tanklager, Kraftwerk Farge, Klärwerk) sowie Industrie und Gewerbe geprägt (siehe Abschnitt Wirtschaft).

Chronik Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist Farge ein bedeutender Industriestandort. 1853 wurde die Steingutfabrik Witteburg gegründet. 1867 entstand deshalb der Farger Consumverein, der bis 1944 bestand. 1877 wurde an der Rekumer Straße eine Schule gebaut, die um 1925 sechs Klassen hatte (heute Grundschule). 1902 entstand die Freiwillige Feuerwehr, die sich seit 1924 zur Freiwilligen Feuerwehr Farge-Rekum zusammenschloss und sich 1929 wieder neu gründete. Farge war von 1911 bis 1931 (Personenverkehr) bzw. 1938 (Güterverkehr) Umsteige- und Umschlagbahnhof zwischen der Bahnstrecke Bremen-Farge–Bremen-Vegesack (Farge-Vegesacker Eisenbahn) und der Niederweserbahn, der Kleinbahnstrecke nach Wulsdorf. Das WiFo-Tanklager wurde 1935 bis 1943 gebaut.

Farge gehörte zum Amt Blumenthal und war dann eine Gemeinde im Landkreis Blumenthal, der 1932 im Landkreis Osterholz aufging. Rekum und Farge wurden 1923 zusammengelegt. Beide Orte sind seit 1957 getrennte Ortsteile von Blumenthal.

Die evangelisch-reformierte Kirche Rönnebeck-Farge wurde 1904/05 nach Plänen der Architekten August Abbehusen und Otto Blendermann gebaut.

Einwohnerentwicklung 1821: 188 Einwohner 1905: 1004 Einwohner 1925: 2788 Einwohner 2014: 2820 Einwohner

Lüssum-Bockhorn

Fläche: 5,08 km², 12.094 Einwohner

Lüssum und Bockhorn waren ursprünglich zwei Gemeinden im Kreis Blumenthal. Die Gemeinde Lüssum wurde 1907 und die Gemeinde Bockhorn wurde 1908 in die Gemeinde Blumenthal eingegliedert.

Lüssum-Bockhorn ist ein Wohngebiet. In Bockhorn befindet sich zudem ein Teil des Golfplatzes „Bremer Schweiz“.

Die Kirchgemeinde der Johann-Heinrich-Wichern-Kirche in Lüssum-Bockhorn entstand 1961 nach Abtrennung von der lutherischen Kirchgemeinde Blumenthal. 1959 wurde die Kirche Am Himmelskamp geweiht. Die Kirchgemeinde Lüssum entstand 1977 als Abspaltung, das Gemeindehaus am Neuenkirchner Weg wurde bereits 1973 eingeweiht.

Die Schule am Pürschweg entstand 1951 mit Erweiterungen von 1957 und 1961. Sie war ursprünglich eine Grund- und Hauptschule und ist heute nur noch eine Grundschule. Mittelstufenzentren sind das SZ Lehmhorster Straße (diese Schule gibt es seit 1963) und das SZ „Sandwehen“. Für die Oberstufe gibt es das SZ an der Eggestedter Straße (1970 als Gymnasium Blumenthal errichtet).

Seit 1904 gibt es den Bürgerverein Lüßum e. V.

Die Lüssumer Heide hat eine Bevölkerung mit einem hohen Anteil Migrationshintergrund und wird deshalb seit den 1990er Jahren als sogenanntes WiN-Gebiet (Wohnen in Nachbarschaft) gefördert. Das Haus der Zukunft e. V. an der Lüssumer Heide 6 ist in einem von den Architekten Helmut Rabien und Ulrich Helpertz geplanten Gebäude untergebracht, das 1998 den BDA-Preis (Bund Deutscher Architekten) erhielt.

Einwohnerentwicklung 1821: 214 Einwohner 1858: 384 Einwohner 1905: 3.721 Einwohner 1995: 14.128 Einwohner

Rönnebeck mini|hochkant|Ehemalige Christ-Koenig-Kirche in Rönnebeck

Fläche: 2,43 km², 4511 Einwohner

Chronik Rönnebeck entstand auf dem Gebiet von Lüssum. Es war lange Zeit ein Teil des Amtes Blomendal bzw. seit 1885 eine Gemeinde des Landkreises Blumenthal. Es gehörte zum Bistum Bremen und dann von 1648 bis 1714 zum schwedisch regierten Herzogtum Bremen, danach bis 1866 zum Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg bzw. zum Königreich Hannover und bis 1939 zur preußischen Provinz Hannover. Zum 1. November 1939 wurde Rönnebeck bremisch und ist seit 1946 ein Ortsteil des Bremer Stadtteils Blumenthal.

Rönnebeck gehörte zum Kirchspiel Lüssum und ab 1905 zur neugebildeten Kirchengemeinde Rönnebeck-Farge.

Einwohnerentwicklung 1813: 480 Einwohner 1885: 694 Einwohner 1905: 1.690 Einwohner 1975: 4.671 Einwohner 1995: 4.705 Einwohner

Geschichte mini|Das Amt Blumenthal im 17. Jahrhundert Namen Blumenthal bedeutet Tal der Blumen in dem Auetal. Es hieß 1305 Blomendal, 1380 Blomendale, 1450 Blomendall und 1638 Blomenthall. Bockhorn hieß 1032 Borchhorn und 1302 Bochorne. Borch kann als Burg gedeutet werden. Horn(e) stammt von dem niederdeutschen Begriff für Spitze oder Sporn. Lüssum hieß 1492 Lusen dann Lüszen und 1542 Lussen. Die Deutung des Namens aus der urkundlichen Bezeichnung villa Liusci ist nicht gewährleistet. Rekum hieß um 1300 Reken(e) und 1405 Reeken.

Lüßum und Haus Blomendal mini|Haus Blomendal Die älteste historische Siedlung im heutigen Stadtteil Blumenthal war das Dorf Lüssum. Unsicher ist die Deutung, dass nach einer angeblich gefälschten Urkunde der villa Liusci 832 Ludwig dem Frommen die Fischereirechte an der Weser bestätigt haben soll. Die erste gesicherte Erwähnung von Lüssen als Lussen erfolgte 1492.

Die ursprüngliche Besiedlung folgte der Weser am hohen Geestrücken. Schiffbauer, Kahnschiffer und Fischer siedelten an der Weser.

Im 13. Jahrhundert bauten die Ritter von Oumünde die erste Burg Blomendal auf dem Burgberg oberhalb des Auetals. 1305 war die erste urkundliche Erwähnung von Blomendal, als auf Grund des Friedensdiktats des Bremer Erzbischofs Giselbert mit den Rittern die Burg wieder abgerissen werden musste. 1354 wurde das zweite Haus Blomendal als Wasserburg von den Rittern von Oumünde und Steding erbaut.

Der zur ersten Burg gehörende Sattelhof wurde als „Vorborch tho Blomendale“ bereits 1304 erwähnt.

Haus Blomendal war von 1866 bis 1932 Sitz des preußischen Landratsamtes. Im Zweiten Weltkrieg diente es als Kriegsgefangenenlager und danach für Flüchtlingswohnungen. Ab 1972 wurde darin der Blumenthaler Heimatverein untergebracht.

1907 erfolgte auf Betreiben der Gemeinde und des Gemeindevorstehers Lüder Bömermann der Anschluss von Lüssum an Blumenthal.

Bremer Landbesitz mini|Blumenthal um 1600 Der Bremer Rat kaufte 1436 für 1400 Rheinische Gulden von den Rittern von Borch die Burg Blomendal mit der Vogtei und dem Gericht Blomendal, die danach zu einem Verwaltungsamt wurde und als Ruhesitz der Bremer Bürgermeister diente. 1469 erwarb Bremen das nördlich angrenzende Gericht Neuenkirchen und schlug es dem Amt Blomendal zu.

Die Reformation der Blumenthaler Kirchengemeinde erfolgte 1522. Von der alten Dorfkirche ist nur der Turm von 1604 erhalten geblieben. Um 1600 wurde Haus Blomendal Sitz von zwei Amtmännern, welche die Verwaltung und die Gerichtsbarkeit ausübten.

Schweden, Dänemark, Frankreich und Preußen Nach dem Ersten Bremisch-Schwedischen Krieg kam Blumenthal 1654 zum neu geschaffenen Herzogtum Bremen unter schwedischer landesrechtlicher Oberhoheit. Einige Gerichts- und Verwaltungsrechte verblieben jedoch bei Bremen.

1712 gelangte Blumenthal kurzzeitig an Dänemark. Es wurde 1715 als Teil des Herzogtums Bremen an das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg verkauft, das später als das Kurfürstentum Hannover bezeichnet wurde. 1741 verlor Bremen die noch vorhandenen Verwaltungsrechte über das Amt Blumenthal.

Von 1806 bis 1813 stand die Region unter französischer Herrschaft. Zur Mairie Blumenthal gehörten noch Lobbendorf, Lüssum, Rönnebeck, Farge, Flethe, Hammersbeck und Rekum. Von 1811 bis 1814 war die Region Teil des Kantons Vegesack im französischen Département des Bouches-du-Weser.

1814 wurde durch den Wiener Kongress aus dem Kurfürstentum das Königreich Hannover. mini|Blumenthal 1818/1819 1821 gehörten zum Amt Blumenthal das Kirchspiel Blumenthal mit den Dörfern Bockhorn, Farge, Fähr, Hammersbeck, Lüssum, Rönnebeck und Schwankenforth und das Kirchspiel Lesum mit den Dörfern Aumund, Beckedorf, Hünertshagen, Lobbendorf und Löhnhorst.

1862 wurde das Dorf Flethe nach Blumenthal eingemeindet.

1866 annektierte Preußen das Königreich Hannover und damit auch Blumenthal, das Sitz eines preußischen Landkreises wurde. Die Mitgliedschaft im Deutschen Zollverein begünstigte die wirtschaftliche Entwicklung Blumenthals. Die Bremer Woll-Kämmerei wurde wegen der günstigen und direkten Anlieferung von Rohwolle 1884 gegründet. Sie hatte 1898 rund 2.300 Beschäftigte.

1878, 1890 und wieder 1975 erfolgte die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr mit den Feuerwehren von Blumenthal, Lüssum, Neurönnebeck und Rönnebeck. Von 1939 bis 1951 gab es eine Berufsfeuerwehr.

1888 wurde der Ort mit der Bahnstrecke Bremen-Farge–Bremen-Vegesack an das Bahnnetz angeschlossen.

Die Werft Bremer Vulkan wurde 1893 an der Grenze des Landkreises Blumenthal zu Vegesack errichtet.Die Werft wurde im heutigen Vegesacker Ortsteil Fähr-Lobbendorf gebaut und erreichte erst durch Erweiterungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Blumenthal.

1900 bis 1945 mini|Polizei- und Gerichtsgefängnis Blumenthal 1904 erfolgte der Bau des Elektrizitätswerks und 1912 der eines Gaswerkes.

Lüssum wurde am 1. Juli 1907, Rönnebeck und Bockhorn am 1. April 1908 und Neurönnebeck am 1. Januar 1923 in die Gemeinde Blumenthal eingemeindet.

1908 fand die Einweihung des Kreiskrankenhauses Blumenthal statt, aus dem das Klinikum Bremen-Nord hervorgegangen ist.