mini|Antonia Laucher vor 1808
Antonia Juliana Laucher (auch Antonie Laucher oder Laucher die ältere; * 20. Juni 1786 in Dillingen an der Donau; † 22. August 1871 in PenzingWilhelm Kisch: Antonie Laucher (Ein Nekrolog). In: Wiener Kunst-Halle. Wochenschrift für Kunst und Industrie. Nr. 1, 1. Jahrgang, Wien, 1. Oktober 1871, S. 7 f.) war eine deutsche Sopranistin. Die Tochter eines Kirchenmusikers in Dillingen war zunächst in München und danach in Wien als Hofopernsängerin engagiert.
Leben Ausbildung und Karriere als Opernsängerin und kurzzeitig als Schauspielerin Antonia Laucher war das erste von sechs Kindern des Chorregenten, Komponisten und Musikpädagogen Joseph Anton Laucher und seiner zweiten Ehefrau Maria Kunigunda Laucher, geb. Metzger.Hans-Bruno Ernst: „…ja meine Nachkommen selbst werden Euer Gnaden als den größten Wohlthäter einstens jenseits des Grabes selig preisen.“ Neue Forschungsergebnisse zum Leben, zum Werk und zur Familie des Dillinger Chorregenten Joseph Anton Laucher. In: Jahrbuch des Historischen Vereins Dillingen an der Donau. 101. Jahrgang 2000. Dillingen: Verlag des Vereins, 2000, Stammbaum nach S. 198. Den ersten Gesangsunterricht erhielt sie von ihrem Vater in Dillingen,Hans-Bruno Ernst: Laucher, Josephus Antonius. In: MGG. Zweite, neubearbeitete Ausgabe, Personenteil 10, Kassel u. a.: Bärenreiter, 2003, Spalte 1325 f. ihre weitere musikalische Ausbildung bei Johann Baptist Lasser (1751–1805) in München.Hans-Bruno Ernst: „…ja meine Nachkommen selbst werden Euer Gnaden als den größten Wohlthäter einstens jenseits des Grabes selig preisen.“ Neue Forschungsergebnisse zum Leben, zum Werk und zur Familie des Dillinger Chorregenten Joseph Anton Laucher. In: Jahrbuch des Historischen Vereins Dillingen an der Donau. 101. Jahrgang 2000. Dillingen: Verlag des Vereins, 2000, S. 194 f. Dessen Vollständige Anleitung zur Singkunst, sowohl für den Sopran, als auch für den Alt dokumentiert, dass diese Ausbildung außer dem eigentlichen Gesangsunterricht auch praktische und musiktheoretische Unterweisungen umfasste.Digitalisat. Abgerufen am 7. Oktober 2017.
Am 6. August 1802 machte sie in der Münchner Hofoper in Franz Xaver Süssmayrs Oper Der Spiegel von Arkadien „[…] mit der Rolle der Philania ihre ersten theatralischen Versuche und mit vielem Glücke.“Joseph Zängl (Hrsg.): Münchner Tagblatt. München 1802, S. 366. Am 4. April 1803 wurde sie mit Dekret des bayerischen Kurfürsten Maximilian Joseph zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Cäcilia Laucher ins Ensemble der Münchner Hofoper aufgenommen.Adolf Layer: Joseph Anton Laucher (1737–1813). In: Götz Freiherr von Pöllnitz (Hrsg.): Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben. Bd. 8, München: Max Hueber 1961, S. 317 f. Eine Notiz auf den Theaterzetteln der Wiener Hoftheater vom 20. und 21. Dezember 1803 besagt, dass Antonia Laucher von München nach Wien wechselte: „Mlle. Laucher, vom Churfürstlichen Hoftheater in München, ein neu engagiertes Mitglied, wird […] zum erstenmal aufzutreten die Ehre haben.“Michael Jahn: Die Wiener Hofoper von 1794 bis 1810 […]. Verlag Der Apfel, Wien 2011, S. 227. Cäcilia Laucher, die mit ihrer älteren Schwester den Lebens- und Berufsweg weitgehend teilte, wurde am 7. Januar 1804 in der Wiener Hofoper angestellt.Carol Padgham Albrecht: Music in public life: Viennese reports from the Allgemeine musikalische Zeitung. Kent, 2008, S. 201, Fußnote 56. Fortan bevorzugten die Schwestern die Namensformen „Antonie“ und „Cäcilie“ und wurden in der Presse und auf Theaterzetteln häufig „Laucher die ältere“ und „Laucher die jüngere“ genannt.Adolf Layer: Joseph Anton Laucher (1737–1813). In: Götz Freiherr von Pöllnitz (Hrsg.): Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben. Bd. 8, München: Max Hueber 1961, S. 317.
In seinen Erinnerungen berichtete Johann Gänsbacher über ein Wohltätigkeitskonzert am 15. November 1804Joseph Richter: 2. Die Eipeldauer Briefe. 1799 - 1813. München 1918 (= Denkwürdigkeiten aus Alt-Österreich. Band 18). S. 438. im Wiener Redoutensaal, bei dem Antonia Laucher mitwirkte, und nahm für sich in Anspruch, Antonia Laucher zwei Jahre lang im Gesang unterrichtet zu haben.August Schmidt: Denksteine. Wien: Mechitharisten-Congregation, !848, S. 121. Online. Abgerufen am 17. Oktober 2017.
Antonia Lauchers Karriere als Hofopernsängerin und Hofschauspielerin kann anhand von veröffentlichten Theaterzetteln der Wiener HoftheaterOpernzettel der Hoftheater online bei der Österreichischen Nationalbibliothek. Abgerufen am 13. Oktober 2017. und Zeitungsberichten, vor allem in der Wiener Theater-Zeitung (Bäuerles Theaterzeitung),Zeitungsberichte über Antonia Laucher bzw. Laucher die ältere online bei der Österreichischen Nationalbibliothek. Abgerufen am 13. Oktober 2017. zwischen 1805 und 1822 verfolgt werden,Die Zeit vor 1805 wird zudem erfasst in Michael Jahn: Die Wiener Hofoper von 1794 bis 1810 […]. Wien: Verlag Der Apfel, 2011. wobei die Theaterzettel die jeweils vorgesehene Aufführung und Besetzung anführen,Michael Jahn: Die Wiener Hofoper von 1794 bis 1810 […]. Wien: Verlag Der Apfel, 2011, S. 19. die Zeitungen dagegen über tatsächlich stattgefundene Aufführungen berichten.
Joseph Carl Rosenbaum (1770–1829) – Ehemann der Hofopernsängerin Therese Rosenbaum, geborene Gaßmann – verkehrte in der Theaterwelt Wiens und hatte regen Umgang mit den Laucherschwestern. In seinem Tagebuch erwähnte er Antonia Laucher zwischen dem 21. September 1803 und dem 14. November 1822 über 130-mal und hielt dabei etwa zu gleichen Teilen private und dienstliche Belange fest.Peter Prokop: Die Tagebücher des Joseph Carl Rosenbaum (ÖNB SN 194- 204) - eine Arbeitstranskription. Moderner Schreibweise angeglichen und veröffentlicht in der Online-Datenbank der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft "Adler", Wien So notierte er, dass Antonia Laucher am 23. April 1807 „wegen Rheumatismus“ und am 8. Juni 1808 „wegen ihrer Schwangerschaft“ nicht habe spielen können.Peter Prokop: Die Tagebücher des Joseph Carl Rosenbaum (ÖNB SN 194- 204) - eine Arbeitstranskription. Band 06 (VI.), Seite 37r, und Band 06 (VI.), Seite 85v. Moderner Schreibweise angeglichen und veröffentlicht in der Online-Datenbank der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft "Adler", Wien Am 15. Juni sei sie abgereist und nach der Entbindung erstmals wieder am 12. November 1808 aufgetreten.Peter Prokop: Die Tagebücher des Joseph Carl Rosenbaum (ÖNB SN 194- 204) - eine Arbeitstranskription. Band 06 (VI.), Seite 185r. Moderner Schreibweise angeglichen und veröffentlicht in der Online-Datenbank der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft "Adler", Wien Über die Identität von Vater und Kind ist nichts bekannt. Weiter unten angeführte Dokumente von 1825 und 1831 und deren Auswertung in der Nestroy-Literatur legen nahe, dass Antonia Laucher zwischen dieser Geburt und etwa 1816/1817 zwei weitere Kinder zur Welt gebracht hat.Michael Lorenz: "An Unknown Child of Johann Nestroy" (Wien, 2015), abgerufen am 7. Oktober 2017.Johann Nestroy: Sämtliche Werke. Dokumente, München 2009, S. 53 f. In dieser Zeit blieb sie allerdings ledig. Mit einer Heirat hätte sie ihre eigenständige Rechtsstellung verloren und hätte befürchten müssen, nicht mehr auf Theaterbühnen auftreten zu können. Es wären ihr dann nur Konzertauftritte geblieben.Walter, Michael: Oper : Geschichte einer Institution. Stuttgart : J.B. Metzler 2016, S. 275 f.
Auch Antonia Lauchers Schwester Cäcilia bekam ein uneheliches Kind. Antonia Laucher war Patin, als das Mädchen – Johann Nestroys spätere Lebensgefährtin Marie Weiler – am 13. November 1809 in Wien in St. Rochus auf die Namen Maria Antonia Cäcilia getauft wurde.Taufbuch St. Rochus, Signatur 01-05, Bild 02–Taufe_0–160. Abgerufen am 11. Dezember 2017.
Von Anfang Januar 1815 bis zum 28. September 1815 war „Demoiselle Laucher“ nicht engagiert. Während ihr Abgang im Januar in Bäuerles Theaterzeitung nur kommentarlos gemeldet wurde, wurde ihr erneutes Debüt im September als Agnes Sorel eingehend gewürdigt: „Ihre meisterliche Darstellung dieses Charakters ist bekannt. Schon laͤngst hat ihr fein nuͤanciertes Spiel den Preis erhalten. Ihre Stimme scheint […] an Ton und Staͤrke zugenommen zu haben, sie wurde enthusiatisch hervorgerufen.“Bäuerles Theaterzeitung vom 3. Januar und 3. Oktober 1815. Online mini|Antonia Lauchers letzter Auftritt als k. k. Hof-Operistin in Wien
Am 30. November 1821 ging Antonia Lauchers Karriere als Hofopernsängerin zu Ende. Die beim Publikum beliebte Sängerin geriet in die Kündigungs- und Pensionierungswelle, die einige altgediente Mitglieder des bisherigen Ensembles erfasste, als Domenico Barbaja das Theater nächst dem Kärnthnerthore pachtete.Michael Jahn: Die Wiener Hofoper von 1810 bis 1836 […]. Wien: Verlag Der Apfel, 2007, S. 21 u. 63. Zu Antonia Lauchers Pensionierung hatten auch stimmliche Probleme beigetragen. „[D]urch eine nicht beachtete kleine Verkühlung [hatte sie] ihre schöne Stimme (besonders in der Höhe) frühzeitig eingebüßt.“ Dass ihre Stimme gelitten habe, wurde auch in Kritiken aus den Jahren 1809 und 1813 bedauert. In der Allgemeinen musikalischen Zeitung vom 25. Januar 1809 heißt es dazu: „Bey Dem. Laucher d. ält. (Iphigenie) ist zu bedauern, dass sie ihre sonst so angenehme Stimme immer mehr zu verlieren scheint.“Michael Jahn: Die Wiener Hofoper von 1794 bis 1810 […]. Wien: Verlag Der Apfel, 2011, S. 278. In der Wiener Theaterzeitung vom 16. September 1813 steht: „Schade, daß Demoiselle L a u c h e r an ihrer Höhe schon so viel verloren hat, denn fis, g, a klingen in der zweistimmigen 8tave sehr gezwungen. Als Opernsängerinn besitzt sie ein schönes Spiel, was aber zum Schauspiel nicht paßen dürfte.“Wiener Theaterzeitung vom 16. September 1813, S. 432 f. Abgerufen am 19. November 2017.
mini|Antonia Lauchers erster Auftritt als k. k. Hof-Schauspielerin in Wien Am 12. Oktober 1822 debütierte Antonia Laucher als Hofschauspielerin.Theaterzettel vom 12. Oktober 1822 und Bericht in Bäuerles Theaterzeitung vom 3. November 1822. Joseph Carl Rosenbaum vermerkte dazu: „Die Laucher war zu eintönig, sprach zu hoch; wurde zwar vorgerufen, machte aber kein Glück. Sprach von Teilnahme auf ihrer vorigen Bahn, versprach allen Fleiß, etc.“Peter Prokop: Die Tagebücher des Joseph Carl Rosenbaum (ÖNB SN 194- 204) - eine Arbeitstranskription. Band 10 (X.), Seite 62r. Moderner Schreibweise angeglichen und veröffentlicht in der Online-Datenbank der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft "Adler", Wien In dieser Zeit wohnte sie im Eckhaus Neuer Markt/Klostergasse 1055, neben der Kapuzinerkirche.Franz Heinrich Böckh: Wiens lebende Schriftsteller, Künstler, und Dilettanten im Kunstfache / Dann Bücher, Kunst und Naturschätze und andere Sehenswürdigkeiten dieser Haupt und ResidenzStadt. Ein Handbuch für Einheimische und Fremde. Wien 1822, S. 372. Zwar bekam sie ein Dekret als Hofschauspielerin, doch erreichte es der Direktor des Theaters nächst der k. k. Burg, die endgültige Anstellung aus fiskalischen und künstlerischen Gründen zu verhindern. Antonia Laucher wich daher zunächst nach Graz aus, wo sie einige Gastspiele gab.Adolf Layer: Joseph Anton Laucher (1737–1813). In: Götz Freiherr von Pöllnitz (Hrsg.): Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben. Bd. 8, München: Max Hueber 1961, S. 319. Im Mai 1823 erneuerte sie ihr Gesuch um Anstellung als Hofschauspielerin, „[d]a Unterzeichnete mit dem bisher bewilligten Quiescienten-Gehalt unmöglich leben kann“. Für den Fall des Scheiterns bat sie darum, ihre Pension in Bayern ausgezahlt zu bekommen, weil sie der Überzeugung war, dass sie dort noch einige Engagements erhalten könne, „welche ihr als Beyhülfe zur Pension dann gewiß den nothwenidgen Unterhalt verschaffen würden“. Letzteres wurde ihr bewilligt. Sie blieb aber dennoch weiterhin ohne Anstellung in Wien.Adolf Layer: Joseph Anton Laucher (1737–1813). In: Götz Freiherr von Pöllnitz (Hrsg.): Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben. Bd. 8, München: Max Hueber 1961, S. 319 f.
Leben nach der Bühnenkarriere, familiäre Verhältnisse