Die Reichsbahndirektion Hamburg (RBD Hmb Vgl.: Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (Hg.): Amtsblatt der Reichsbahndirektion Mainz vom 8. Mai 1937, Nr. 25. Bekanntmachung Nr. 286, S. 147. ) war ein Verwaltungsbezirk der Deutschen Reichsbahn.
Geschichte Die Reichsbahndirektion (RBD) hatte ihren Ursprung in der 1879 gegründetenWolfgang Klee: Preußische Eisenbahngeschichte. Kohlhammer, Stuttgart 1982. ISBN 3-17-007466-0, S. 179. Königlich Preußischen Eisenbahndirektion Altona mit Sitz in der damals selbständigen Stadt Altona an der Elbe. Nachdem am 1. April 1920 der Staatsvertrag zur Gründung der Deutschen Reichseisenbahnen (RGBl. S. 773) in Kraft gesetzt und damit die vormaligen Länderbahnen der Hoheit des Deutschen Reiches unterstellt wurden, änderte sich der Name 1922 in Reichsbahndirektion Altona. Mit dem Erlass des Groß-Hamburg-Gesetzes am 1. April 1937Gesetz über Groß-Hamburg und andere Gebietsbereinigungen vom 26. Januar 1937. Im Reichsgesetzblatt, Teil I Nr. 11 vom 27. Januar 1937, S. 91 ff., Digitalisat (ALEX). wurde die Stadt Altona zu einem Teil des Landes Hamburg und der Name änderte sich in Reichsbahndirektion Hamburg. Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (Hg.): Amtsblatt der Reichsbahndirektion Mainz vom 20. März 1937, Nr. 16. Bekanntmachung Nr. 165, S. 94.
Bis nach dem Kriegsende am 8. Mai 1945 erstreckte sich der Bereich der RBD Hamburg über das Gebiet der preußischen Provinz Schleswig-Holstein mit Ausnahme von Lübeck, das Elbe-Weser-Dreieck ohne Bremen und Wesermünde (seit 1947 Bremerhaven) bis zur Strecke Bremen – Uelzen – Salzwedel, und ragte östlich in der Provinz Brandenburg bis in die Nähe Berlins hinein.
Die in der Sowjetischen Besatzungszone befindlichen Strecken der RBD Hamburg wurden kurze Zeit der am 1. September 1945 speziell dafür gegründeten RBD Wittenberge zugeordnet und mit deren Auflösung am 1. Oktober 1945 auf die RBD Schwerin sowie die wiedergegründete RBD Magdeburg aufgeteilt.
Die RBD Hamburg wurde 1949 in Eisenbahndirektion Hamburg und 1953 zur Bundesbahndirektion Hamburg (BD) umbenannt.
Im Zuge der Bahnreform erfolgte die Auflösung der BD Hamburg zum 1. Januar 1994 und der Bezirk wurde an die neu geschaffenen Regionalbereiche der Deutschen Bahn AG aufgeteilt.
Direktionsgebäude mini|Direktionsgebäude Front an der Museumstraße mini|Direktionsgebäude Architektur-Details Nordost-Ecke Das am 16. Oktober 1895 fertiggestellte und in der Grundsubstanz erhaltene Backsteingebäude der vormals Königlich Preußischen Eisenbahndirektion Altona mit der Hauptfront an der heutigen Museumstraße – dem damaligen Kaiserplatz und gegenüber dem damaligen Hotel Kaiserhof – ist ein mehrflügeliges, repräsentatives Bauwerk; es befindet sich gänzlich im Stadtteil Hamburg-Ottensen an der Grenze zum Stadtteil Altona-Altstadt und der damaligen Bismarckstraße – heute der Paul-Nevermann-Platz – nimmt eine Grundfläche von 60 m × 125 m ein. Die nördliche Seitenfront liegt parallel und 55 Meter entfernt gegenüber der Südfront des Bahnhofs Altona; parallel zur Museumstraße liegen vier hintereinander angeordnete Flügel, die mit langen Seitenflügeln verbunden sind und dabei drei 550 bis 950 Quadratmeter große Innenhöfe umschließen. Der mittlere Innenhof ist im heutigen Zustand mit einem Glasdach versehen, die beiden anderen Höfe sind nach oben offen, der westliche Hof hat einen öffentlichen Durchgang, der die Straßen Am Felde/Erzbergerstraße mit dem Altonaer Bahnhof und dem dazwischen liegenden Busbahnhof verbindet.
Zu dem Ensemble gehört auch ein später (1934 bis 1936) an der Straße Am Felde angesetzter Querflügel mit einer Grundfläche von 15 m × 75 m. Dieser steht mit der Adressangabe „Am Felde südlich von Nr. 132, Museumstraße 39“ unter Denkmalschutz.Denkmalliste der Kulturbehörde Hamburg An dessen freier Ecke befindet sich auf Höhe des 1. Stockwerks eine Skulptur; auf dieser hält eine mit einem Kittel bekleidete Person ein Dampflok-Modell auf dem Arm, eine andere Person daneben hält eine Beidarm-Zange, mit der Schienen auf bzw. von den Schwellen gehoben werden können.
Die Hauptgebäude haben ein Souterrain und drei darüberliegende, unterschiedlich hohe Stockwerke, im Ursprungszustand hatten sie rundum Walmdächer mit Dachausbau und Spitzgiebelfronten. Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten die Fronten teilweise neu aufgebaut werden, wobei die ursprünglich bogigen Fenster durch einfache viereckige Durchbrüche ersetzt wurden. Vom nördlichen Seitenflügel und dem östlichen und mittleren Querflügel wurde das ursprüngliche Walmdach durch ein niedriges Dachgeschoss mit Flachdach ersetzt.
Im gegenwärtigen Zustand (2015) sind über den Zugängen der Außenfronten und den innenliegenden Hof-Fassaden die Bezeichnung bahn_hoefe mit erhabenen Buchstaben angebracht. Die Räumlichkeiten werden neben der DB Fernverkehr von verschiedenen kommerziellen Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen genutzt.
Bedeutende Strecken Bedeutende Strecken innerhalb der Direktion sind oder waren: die Strecke (Bremen) – Hamburg (Nordteil der ehemaligen Paris-Hamburger Bahn), heute Hamburg–Bremen–Münster–Wanne-Eickel die Berlin-Hamburger Bahn: Hamburg – Büchen – Hagenow Land – Wittenberge – (Nauen) (von Büchen / Schwanheide bis Nauen nur bis 1. September 1945) die Strecke Uelzen – Hamburg die Strecke Lüneburg – Wittenberge die Strecke Hamburg-Harburg – Cuxhaven die Strecke Hamburg-Altona – Elmshorn – Itzehoe – (Dänemark) bzw. Westerland die Strecke Hamburg-Altona – Kiel die Strecke Neumünster – Flensburg – (Dänemark)
Privat- und Kleinbahnen Folgende Privat- und Kleinbahnen lagen im Bezirk der RBD Hamburg (bzw. Altona) Lübeck-Büchener Eisenbahn (LBE) Eisenbahngesellschaft Altona – Kaltenkirchen – Neumünster (AKN) Eutin-Lübecker Eisenbahn-Gesellschaft (ELE) Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn (BGE) Kreis Oldenburger Eisenbahn AG (KOE) Kleinbahn-AG Kiel-Schöneberg Boizenburger Stadt- und Hafenbahn Rendsburger Kreisbahn (bis 1960) Südstormarnsche Kreisbahn (VKSt) Buxtehude-Harsefelder-Eisenbahn GmbH (BHE) Osthannoversche Eisenbahnen (OHE) Kreisbahn Eckernförde-Kappeln Prignitzer Eisenbahn AG Ruppiner Eisenbahn AG Wittenberge-Perleberger Eisenbahn Elmshorn-Barmstedt-Oldesloer Eisenbahn AG Flensburger Kreisbahn Schleswiger Kreisbahn Kreisbahn Eckernförde-Owschlag Kleinbahn Kiel–Segeberg Kleinbahn Suchsdorf-Kiel/Wik Kleinbahn AG Kirchbarkau-Preetz-Lütjenburg Lübeck-Segeberger Eisenbahn AG Ratzeburger Kleinbahn mit abzweigender Strecke Dermin-Schaalseekanal Sylter Inselbahn AG Kleinbahn Niebüll-Dagebüll AG Amrumer Inselbahn Kreisbahn des Kreises Norderdithmarschen Westholsteinische Eisenbahn-Gesellschaft Uetersener Eisenbahn AG Kleinbahn Neuhaus-Brahlstorf GmbH Kleinbahn Wilstedt-Zeven-Tostedt GmbH Kehdinger Kreisbahn Kleinbahnen der Kreise West- und Ostprignitz Kleinbahn Goldbeck-Werben-Elbe Altonaer Hafenbahn Hamburger Hafenbahn Wesselburener Spurbahnen AG Alsener Kreisbahn Apenrader Kreisbahn Haderslebener Kreisbahn Nordseebad Lakolk AG Bleckeder Kreisbahn Altrahlstedt Gbf–Volksdorf Lüchow-Schmarsauer Eisenbahn Wandsbeker Industriebahn Bahnstrecke Gettorf–Stohl
Bahnbetriebswerke Folgende Bahnbetriebswerke befanden sich im Gebiet der RBD Hamburg (bzw. Altona) Bw Buchholz (Kreis Harburg); ab 1931 von RBD Münster Bw Cuxhaven Bw Eckernförde, bis mindestens 1926 Bw Flensburg Bw Hagenow Land; vom 1. September bis 1. Oktober 1945 zur RBD Wittenberge danach nach zur RBD Schwerin Bw Hamburg-Altona Bw Hamburg Berliner Bahnhof Bw Hamburg-Eidelstedt Bw Hamburg-Harburg Bw Hamburg-Ohlsdorf Bw Hamburg-Rothenburgsort Bw Hamburg-Wilhelmsburg Bw Heide Bw Heiligenhafen; ab 1941 von Kreis Oldenburger Eisenbahn Gesellschaft an RBD Schwerin und ab 1945 zur RBD Hamburg Bw Husum Bw Itzehoe Bw Kiel Bw Lübeck; ab 1938 von Lübeck-Büchener Eisenbahn an RBD Schwerin und ab 1945 zur RBD Hamburg Bw Lüneburg; ab 1931 von RBD Hannover Bw Neumünster Bw Puttgarden Bw Rendsburg Bw Wittenberge; ab 1920 zur RBD Altona gehörig, vom 1. September bis 1. Oktober 1945 zur RBD Wittenberge danach zur RBD Schwerin
Ausbesserungswerke
Im Bereich der Rbd Altona lagen 1939 fünf Ausbesserungswerke:
RAW Glückstadt RAW Neumünster RAW Lübeck (ab 1938 nach Verstaatlichung der Lübeck-Büchener Eisenbahn) RAW Harburg RAW Wittenberge
Darüber hinaus war Altona als geschäftsführende Direktion für das Werkstättenwesen auch für die Ausbesserungswerke der Reichsbahndirektionen Oldenburg (bis zur Auflösung der Direktion 1935), Schwerin, Hannover und Münster zuständig.
Präsidenten Die Präsidenten der preußischen Eisenbahndirektion Altona waren 1884–1894 Karl Krahn 1894–1907 Friedrich Jungnickel 1907–1909 Alfred Goepel, vorher Präsident der Eisenbahndirektion Königsberg 1909–1913 Gustav Franke 1913–1918 Joseph Pape 1918–1922 Ernst Schneider
Die Präsidenten der Reichsbahndirektion Altona (später Hamburg) waren 1922–1932 Ernst Schneider 1932–1935 David Lochte (zuvor: Präsident der Reichsbahndirektion Mainz) 1935–1945 Erich Goudefroy (zuvor: Präsident der Reichsbahndirektion Mainz) 1945–1945 Friedrich Stratthaus (geschäftsführend)
Die Präsidenten der Eisenbahndirektion Hamburg (1945–1953) waren 1945–1949 Kurt Nitschmann 1950–1952 Fritz Schelp
Die Präsidenten der Bundesbahndirektion Hamburg waren 1952–1964 Walther Helberg 1964–1972 Artur Petzoldt 1972–1976 Kuno Mohr 1976–1993 Herbert Heise
Literatur
Deutsche Reichsbahn. Eisenbahn Übersichtskarte 1938. Reprint im Format A1. GVE-Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-89218-938-1. Pressedienst der Bundesbahndirektion Hamburg (Hrsg.): 100 Jahre Eisenbahndirektion Hamburg 1884–1984. Hamburg 1984. Amtlicher Taschenfahrplan Reichsbahndirektion Hamburg. Jahresfahrplan 1943/1944. Gültig vom 1. November 1943. Deutsche Reichsbahn, Reprint, 1. Auflage, Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2006, ISBN 978-3-938997-14-7. Udo Kandler, Joachim Bügel: Walter Hollnagel, Eisenbahnraritäten, Band 1: Von den zwanziger Jahren bis 1945. EK-Verlag, Freiburg 2008, ISBN 978-3-88255-306-2. Udo Kandler, Joachim Bügel: Walter Hollnagel, Eisenbahnraritäten. Von der Stunde Null zum Wirtschaftswunder (Band 2). EK-Verlag, Freiburg 2009, ISBN 978-3-88255-307-9.
Weblinks
Königlich Preußische Eisenbahndirection zu Altona Deutsche Nationalbibliothek: Übersichtskarte des Reichsbahndirektionsbezirks Altona, Restaurierter Nachdruck der Ausgabe 1931
Reichsbahndirektion Altona (Hrsg.): 50 Jahre Eisenbahndirektion Altona 1884–1934, Scan vom Original
Einzelnachweise
Hamburg Kategorie:Schienenverkehr (Hamburg) Kategorie:Hamburger Geschichte (20. Jahrhundert)