mini|St. Mariä Himmelfahrt Ahaus vor dem Abriss im Jahre 1965 mini|St. Mariä Himmelfahrt Ahaus 1962 mini|St. Mariä Himmelfahrt, Ahaus (Luftbild 2014) mini|St. Mariä Himmelfahrt, Ahaus
St. Mariä Himmelfahrt, auch St. Marien genannt, ist ein römisch-katholisches Kirchengebäude in Ahaus.
Geschichte und Architektur Die erste katholische Kirche in Ahaus wurde im 14. Jahrhundert gebaut. Das einschiffige Gebäude wurde im Jahr 1400 bei einem Brand zerstört. Danach wurde ein dreischiffiger Kirchenbau errichtet, vollendet mit dem bis heute erhaltenen 68 m hohen Turm, der in den Jahren 1498 bis 1519 errichtet wurde.
Nachdem das gotische Kirchenschiff bei einem Stadtbrand im Jahre 1863 vernichtet worden war, wurde die Kirche innerhalb der erhaltenen Außenmauern als dreischiffige, vierjochige neugotische Backstein-Hallenkirche mit zweijochigem, gerade geschlossenem ChorAlbert Ludorff: Kreis Ahaus (in der Reihe Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen), Grundriss auf S. 10. wiederaufgebaut und am 20. November 1865 eingeweiht. Die Kosten beliefen sich auf 35.000 Taler. 11.000 Taler zahlte die Feuerversicherung, so dass noch ein Eigenanteil von 24.000 Talern zu Buche schlug. Der Ahauser Bürger und Landrat Maximilian von Kerckerinck zur Borg organisierte eine Hauskollekte, die sich über das gesamte Bistum erstreckte.Bernhard Segbers in Ahaus - Kirche und Stadt im Wandel der Zeiten, Gebrüder Lensing Verlagsanstalt KG Ahaus 1971, S. 119 f Der gotische Turm aus Sandstein wurde nach Plänen von Hilger Hertel um ein Geschoss (in konsequenter Weise ebenfalls aus Sandstein) erhöht, und den verbrannten Barockhelm ersetzte.Informationen zur auf der Website der Gemeinde eine (neu)gotische Spitze. 1896 erweiterte man diesen Bau um ein drittes Seitenschiff.
Angesichts baulicher Mängel war die Standfestigkeit des Langhauses zu Beginn der 1960er Jahre nicht mehr gegeben. Am 5. Juni 1963 wurde nach einem Ortstermin mit dem Generalvikar Laurenz Böggering daher der Abriss und Neubau beschlossen. Die Kosten wurden auf 600.000 DM veranschlagt, wovon die Stadt Ahaus 100.000 DM und das Generalvikariat Münster den Rest zu tragen hatte. Daneben leisteten die Gemeindemitglieder mit ihren zahlreichen Spenden einen erheblichen Beitrag. Am 28. Februar 1965 wurde hier die letzte Heilige Messe gefeiert und danach das Langhaus abgebrochen und am 19. September 1965 der Grundstein für das neue Gebäude gelegt, das nach Plänen des Architekten Erwin Schiffer aus Köln erbaut und am 7. August 1966 durch Bischof Joseph Höffner geweiht wurde.Bernhard Segbers in Ahaus - Kirche und Stadt im Wandel der Zeiten, Gebrüder Lensing Verlagsanstalt KG Ahaus 1971, S. 129 f f Die Fenster wurden von Georg Meistermann gestaltet.Informationen zur auf der Website der Gemeinde (PDF)
Der helle, rechteckige Betonbau ist durch allseitige Lamellenfassaden mit Buntverglasung charakterisiert.
Ausstattung Die liturgische Ausstattung ist überwiegend aus der Zeit des Neubaues von 1965. Ältere Ausstattungsgegenstände: 300 Jahre altes Sandsteinkreuz, ursprünglich an der Südseite der damaligen Kirche, später als Friedhofskreuz genutzt, jetzt im Inneren an der Nordwand eine Darstellung der Anna Selbdritt, um 1700; bis 1969 für den „Annenaltar“ bei der Fronleichnamsprozession genutzt zwei Reliefs der neugotischen Seitenaltäre Taufstein aus der alten Kirche in der Eingangshalle des alten Turmes befindet sich ein Tympanon mit dem Allianzwappen derer von Horstmar-Ahaus aus dem 14. Jahrhundert ebenfalls dort eine historistische „Immerwährende Hilfe“, ein barockes Kreuz, welches beim Abbruch 1965 wiederentdeckt wurde und vier Halbreliefs der Evangelisten von der barocken Kanzel aus der gotischen Kirche an der Nahtstelle Turm/Neubau sind zwei Steintafeln von 1865 mit der Erinnerung an den Stadtbrand und den anschließenden Wiederaufbau der Kirche angebracht.„Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt Ahaus“ Faltblatt herausgegeben vom katholischen Pfarramt St. Mariä Himmelfahrt Ahaus; Verfasser: keine Angabe; Jahr: keine Angabe Im Turm hängt ein vierstimmiges Bronzegeläut von Petit & Edelbrock, gegossen 1948, Tonfolge b° – c′ – d′ – es′.
Orgel Die Orgel wurde von Orgelbau Fleiter (Münster) errichtet, unter Wiederverwendung von 31 Registern aus dem Vorgängerinstrument. Das Instrument hat 37 Register (zuzüglich vier Transmissionen und einer Extension) auf drei Manualwerken und Pedal.Vgl. zur Orgel und zu deren Disposition, beide auf der Website der Orgelbaufirma Fleiter
I Hauptwerk C–g31. Bordun 16' 2. Prinzipal 8' 3. Rohrflöte 8' 4. Oktave 4' 5. Gedacktflöte 4' 6. Quinte '7. Prinzipal 2' 8. Cornettino 4' 9. Mixtur IV ' Trompete (Ext. Nr. 10) 16'10. Trompete 8' II Schwell-Positiv C–g311. Prinzipal 8' 12. Quintade 8' 13. Oktave 4' 14. Koppelflöte 4' 15. Schwiegel 2' 16. Kleinquinte '17. Sesquialtera '18. Scharff IV 1' 19. Cromorne 8' Tremulant III Schwellwerk C–g320. Gedackt 16' 21. Holzgedackt 8' 22. Spitzgambe 8' 23. Vox coelestis 8' 24. Prinzipal 4' 25. Blockflöte 4' 26. Nasat '27. Waldflöte 2' 28. Terz '29. Mixtur III 2' 30. Fagott 16' 31. Oboe 8' Tremulant Pedalwerk C–f1 Offenbass (aus Nr. 32 + 20) 32' 32. Prinzipal 16' 33. Subbass 16' Zartbass (= Nr. 20) 16' 34. Oktavbass 8' 35. Rohrpommer 8' 36. Choralbass 4' 37. Posaune 16' Trompete (= Nr. 10) 8' Zink (Ext. Nr. 10) 4' Koppeln: II/I, III/I (auch als Sub- und Superoktavkoppeln), III/II, I/P, II/P, III/P Spielhilfen und Sonstiges: Registerfessel, Setzer mit 4096 Kombinationen
Trivia Die neue Kirche wird wegen ihrer empfundenen Ähnlichkeit mit Kaufhausarchitektur auch ironischerweise als „St. Horten“ bezeichnet. Dazu verfasste Robert Gernhardt ein architekturkritisches Gedicht St. Horten in Ahaus.Robert Gernhardt: Theorie und Lyrik. Erfolgreiche komische Literatur in ihrem gesellschaftlichen und medialen Kontext Waxmann Verlag, 2011, von Tobias Eilers, auf Google eBook
Unter dieser Bezeichnung wurde die Kirche 2020 für einen englischsprachigen Wettbewerb auf Twitter (heute „X“) nominiert, in dem eine Online-Abstimmung zu besonders schlechtgebauten Kirchen stattfand.Bastian Becker:
Eine weitere Bezeichnung dieser Kirche, die weniger bekannt ist, ist „Gotteskäfig“.
Weblinks
Website der Pfarrgemeinde Bild von 1898 auf www.baukunst-nrw.de Mehr Bilder auf www.baukunst-nrw.de Gesammelte Gedichte: 1954 - 2006 (Fischer Klassik PLUS) Gedicht "St. Horten in Ahaus" von Robert Gernhardt auf Google eBook
Einzelnachweise
Ahaus, Maria Himmelfahrt Kategorie:Kirchengebäude in Ahaus Mariahimmelfahrt Kategorie:Mariä-Himmelfahrt-Kirche Kategorie:Erbaut in den 1960er Jahren Kategorie:Kirchengebäude der Moderne Kategorie:Bauwerk der Moderne in Nordrhein-Westfalen Ahaus Ahaus