Waldfriedhof Herne 300x280px|zentriert|Trauerhalle Trauerhalle Land: Deutschland Bundesland: Nordrhein-Westfalen Ort: Herten Eröffnung: Juli 1916 Älteste bekannte Belegung: 9. Juli 1916

Der Waldfriedhof Herne entstand in den Jahren 1914 bis 1924 als Kommunalfriedhof des damaligen Amtes Wanne und wurde in der Folge bis zur Zusammenlegung der Städte Wanne-Eickel und Herne zur neuen Stadt Herne als Waldfriedhof Wanne-Eickel geführt (). Der an der Ewaldstraße 476 liegende Friedhof schließt derzeit ein Areal von rund 24 Hektar ein, wobei der rund acht Hektar umfassende Nordteil bislang nicht für Bestattungen genutzt wurde und mit Laubbäumen dicht bestanden ist.Fläche nach TIM-online NRW Eine Besonderheit des Friedhofes ist der Umstand, dass er seit seiner Anlage auf dem Gebiet der Stadt Herten liegt. Auf den Kriegsgräberstätten zu Ehren der Toten des Ersten und Zweiten Weltkriegs fanden mehr als 1600 Opfer ihre letzte Ruhestätte. Der jüdische Teil ist ein unter Denkmalschutz stehendes Baudenkmal, eingetragen in der Liste der Baudenkmäler der Stadt Herten seit dem 2. Juni 2008 (Denkmalnummer 89).

Geschichte Der Waldfriedhof entstand, da sich innerhalb der Gemeinde Wanne keine Möglichkeit auftat, ein größenmäßig ausreichendes Grundstück zu finden, das sowohl nach gesundheitlichen Erwägungen als auch nach künstlerischen Aspekten den Anforderungen genügte. Daher wurde zunächst in Eickel der Stallbergsche Hof erworben, er erwies sich letztlich aber als für den angedachten Zweck ungeeignet. Schließlich konnte nach langwierigen Verhandlungen aus dem Besitz der Grafen von Nesselrode-Reichenstein auf Schloss Herten ein Rund 15 Hektar großes Areal im Hertener Wald an der Ewaldstraße auf dem Gebiet der Stadt Herten angekauft werden. Um ein bestmögliches Ergebnis zur Klärung der ungünstigen Grundwasserverhältnisse herbeizuführen und den vorgefundenen Baumbestand in den anzulegenden Friedhof optimal zu integrieren, wurde dann im Herbst 1914 ein Wettbewerb ausgelobt. Aus den 57 vorgelegten Entwürfen wurde der Träger des Zweiten Preises mit der Ausführung der Anlage betraut, der in der Folge auch zum Leiter der Garten- und Forstverwaltung avancierte. In der Mitte des Jahres 1915 begannen die Arbeiten zum Ausbau des Friedhofs. Wegen der angesprochenen Grundwasserproblematik war die Anlage von zehn bis zwölf Meter breiten und drei bis vier Meter tiefen Entwässerungsgräben nötig. Mit ihnen konnte eine ausreichende Absenkung des Grundwasserspiegels erzielt und somit die erforderliche Trockenheit und hygienische Unbedenklichkeit von Bestattungen hergestellt werden. Seit deren Abschluss wirkt der sandige Untergrund wie ein Filter.

Nach dem Ersten Weltkrieg fanden in den Jahren 1923 und 1924 in größerem Umfang Notstandsarbeiter Einsatz auf dem Waldfriedhof und stellten unter Bewegung großer Erdmassen die Entwässerungsanlage fertig. Im Zuge der Gesamtarbeiten musste der Bestand an Kiefern des ursprünglichen Waldes gerodet werden und auch die Eichen überstanden die Veränderungen nicht, doch ersetzten die Neupflanzungen diesen Verlust bereits nach wenigen Jahren. Der Boden begünstigte besondere Pflanzenarten. Dies sind im Besonderen unter den Bäumen die amerikanische Eiche und bei Sträuchern die Alpenrose. Die Entwässerungsgräben wurden durch besondere Anpflanzungen der Betrachtung der Besucher weitgehend entzogen.

Die erste Beisetzung auf dem damaligen Waldfriedhof Wanne fand am 9. Juli 1916 statt. Bis Mitte Juni 1925 folgten rund 2300 weitere. Entlang der Hauptwege und auf zusammenhängenden besonderen Abteilungen bestand die Möglichkeit eines Wahlgrabes. Die Reihengräberfelder wurden in größeren Abteilungen nach Konfessionen getrennt angelegt. Nördlich der Trauerhalle öffnet sich der an den Torhäusern beginnende Hauptweg zu einer Freifläche, in deren Mitte ein Findling zur Akzentuierung platziert wurde ().

Entsprechend dem Übersichtsplan der Stadt Herne, Fachbereich Stadtgrün (Stand 2009) umfasst der Waldfriedhof 29 Grabstellen für jüdische Bürger, 191 Kindergrabflächen, 1060 Kriegsgrabflächen, 2377 Reihengrabflächen, 25 Sondergrabflächen, 198 Urnenreihengrabflächen, 111 Urnenwahlgrabflächen, 3803 Wahlgrabflächen am Weg und 209 Wahlgrabflächen im Feld.Stadt Herne. Waldfriedhof. Schauplan. Stand Juli 2009. Abgerufen am 11. April 2014.

Im Jahr 2011 kamen auf Grund der auf niedrigem Stand sich bewegenden Bestattungen, 40 im Jahr 2009, 35 in 2010, während der Friedhof auf bis zu 1000 Beerdigungen pro Jahr dimensioniert ist und hoher Infrastrukturkosten der großen Anlage Überlegungen auf, den Friedhof aufzugeben. Hierzu war eine Stadtratsvorlage erarbeitet worden, die in der Sitzung vom 13. November 2011 zur Beratung vorgelegt werden sollte. Die Planung sah eine Anpassung der für Bestattungen vorzuhaltenden Flächen der Stadt an den tatsächlichen Bedarf vor, die aber erst ab dem Jahr 2063 wegen der Nutzungsrechte für Wahlgrabstätten zum Tragen kommen könnte. Aus ähnlichen Erwägungen erfolgte bereits im Jahr 2006 die Auflassung der Friedhöfe Röhlinghausen und Horsthausen. Laut einem Zeitungsartikel in der WAZ vom 13. November 2011 besteht zwischen der Stadt Herne und der Gräflich Nesselrodeschen Verwaltung ein Erbbaurechtsvertrag. Über eine Neunutzung des gesamten Waldfriedhofs kann erst nach 2063 verhandelt werden. Eine vorherige Umwidmung ungenutzter Teile lehnte der Pachtgeber ab, außer die Stadt sei zu einem Ankauf der Flächen bereit. Dieser scheiterte jedoch bereits im Vorfeld an einer zu hohen Forderung.

Nachdem zuvor seit Jahren keine Bestattungen mehr vorgenommen worden waren, wurde am 16. März 2017, mit einer städtischen Sondergenehmigung, ein Opfer des Doppelmordes in Herne beigesetzt.

Bauten mini|Rechtes Torhaus (2014)

Teil der ursprünglichen Planung des Jahres 1914 war die Errichtung von verschiedenen Gebäuden zur Unterhaltung der Anlage und Friedhofszwecken: Trauerhalle, Leichenaufbewahrungs- und Nebenräume, sowie ein Wohnhaus für die Friedhofsaufsicht nebst Büro. Als Folge des während des Ersten Weltkriegs verhängten Bauverbots konnte erst 1919/20 mit dem Bau einer zunächst provisorischen Leichenhalle und eines Büros im Eingangsbereich begonnen werden. Zugleich folgte in der Gärtnerei die Errichtung einer Werkstatt incl. Lager. Mit dem steten Ausbau der Anlage konnten schließlich im Jahr 1924 auch die benötigten Wohnhäuser erstellt werden. Die beiden eingeschossigen, von einem Walmdach nach oben abgeschlossenen Bauten fassen zugleich als Torhäuser zur linken () und rechten () den ursprünglichen Eingang des Waldfriedhofes an der Ewaldstraße. Im Eingangsbereich erfahren sie durch einen jeweils fünfbogigen Laubengang eine besondere Akzentuierung. Über den drei Laubenbögen an den Stirnseiten und den jeweils anschließenden an den Längsseiten zu Straße und Friedhof befanden sich ursprünglich zehn Plaketten. Die durch den Bildhauer Wilhelm Braun geschaffenen Plaketten stellten unter anderem die Wappen der Gemeinden Bickern und Crange dar. Ferner symbolisierten sie Bergbau, Industrie, Landwirtschaft, Schifffahrt und Eisenbahn. Die mittlere am rechten Torhaus zierte das Relief des Amtmannes Friedrich Weiberg, dem „Schöpfer“ des Waldfriedhofs. Von den zehn Plaketten sind lediglich vier an den Gebäuden sichtbar erhalten (Schifffahrt, Bergbau, Eisenbahn und das Wappen von Bickern). Zur Rechten des alten Eingangs entstand die Gärtnerei, welcher auch von Beginn an die für die Park- und weiteren Friedhofsanlagen der Gemeinde benötigten Pflanzen entnommen wurden.Friedrich Weiberg (Hrsg.): 50 Jahre Amt Wanne. Selbstverlag, Wanne 1925. Die heutige, in den 1950er Jahren im Ersatz der älteren Kapelle erbaute TrauerhalleGesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e. V.: Sakralgebäude und religiöse Kunst in Wanne-Eickel und Herne. (=Der Emscherbrücher 2000), Herne 1999, S. 78. (), bildet mit ihren Nebengebäuden den Neuen Eingang des Waldfriedhofes.

Jüdischer Teil

Im Jahr 1925 bat die Synagogengemeinde Wanne-Eickel die Zivilgemeinde Wanne um Zuweisung einer Fläche auf dem neu angelegten Waldfriedhof. Auf dem Areal in Abteilung VI wurden bis 1935 17 Gemeindemitglieder bestattet. Ab 1942 kam es jedoch zur Beisetzung von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern an gleicher Stelle. Unter Räumung der jüdischen Grablegen kam es zum Missbrauch der Grabsteine als Wegebefestigung. 1947 erfolgte eine Umbettung in Abteilung XVI (). Die dort aufgestellten Grabsteine sind Nachbildungen aus den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg.Elfi Pracht-Jörns: Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen. Teil V: Regierungsbezirk Arnsberg. (=Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern von Westfalen, Band 1.3) J.P. Bachem Verlag, Köln 2005, ISBN 3-7616-1449-7, S. 192.Wanne-Eickel (Waldfriedhof). auf Uni Heidelberg.de, abgerufen am 7. Juni 2014.

Im Jahr 1971 richtete der ehemalige Vorsitzende der Synagogengemeinde Wanne-Eickel, Dr. Julius Leeser, ein Schreiben an Heinrich Weidmann, den Oberbürgermeister seiner Heimatstadt, mit dem Vorschlag der Anbringung einer Gedenktafel für die während des Holocaust ermordeten Juden der Stadt. Als einer der möglichen Aufstellorte war auch der Waldfriedhof im Gespräch. Bei einer Besichtigung musste jedoch festgestellt werden, dass Abteilung XVI, auf der sich die jüdischen Gräber vorfanden, nicht deren ursprünglichem Bestattungsort entsprach, sondern im Jahr 1947 durch das Friedhofsamt und unter Mitwirkung der jüd. Kultusgemeinde die Toten exhumiert worden waren. Ab 1942 waren zunächst russische Kriegsgefangene sarglos in freien Stellen der Abteilung VI beigesetzt worden. Als deren 1944 keine mehr vorhanden waren, legte man die verstorbenen Gefangenen in die Altgrabstätten der früher beigesetzten Juden. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Gemeinden auf Anordnung der alliierten Besatzungsbehörde aufgefordert, die jüdischen Friedhöfe würdig herzustellen. Seitens der Stadt Wanne-Eickel wurde in diesem Zusammenhang kein Kontakt zu der nahegelegenen jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen oder dem jüdischen Landesverband in Dortmund hergestellt, sondern zu Dr. Walter Kronheim, dem ehemaligen Repräsentanten der Synagogengemeinde Wanne-Eickel und nunmehrigen Stadtdirektor von Bad Oeynhausen. Kronheim willigte als einziger noch in Deutschland lebender Repräsentant der de facto nicht mehr bestehenden Synagogengemeinde Wanne-Eickel in die Umbettung der 18 verifizierbaren Toten von Abteilung VI nach Abteilung XVI ein, wo für sie neue Grabsteine mit den alten Inschriften aufgestellt wurden. Als Ort für die Aufstellung eines Mahnmals kam diese Grablege infolge der fragwürdig zustande gekommenen Umbettung 25 Jahre danach nicht mehr in Frage. Jüdische Friedhöfe respektive Gräber werden nach religiösem Verständnis nicht aufgelöst oder wiederbelegt. Die auf wenige Ausnahmen beschränkte Möglichkeit zur Umbettung hätte zudem der Aufsicht eines Rabbiners bedurft.Ralf Piorr: „Leider sehe ich mich gezwungen, mich jeder Rückäußerung zu enthalten.“ - Der Gedenkstein für die jüdische Gemeinde in Wanne-Eickel. In: Ralf Piorr (Hrsg.): „Nahtstellen fühlbar, hier.... Zur Geschichte der Juden in Herne und Wanne-Eickel.“ Klartext Verlag, Essen 2002, ISBN 3-89861-101-9, S. 238 f. Der jüdische Friedhofsteil fand als Baudenkmal Aufnahme in die Liste der Baudenkmäler in Herten.

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