Georg Joachim Wilhelm Neumann, seit 1878 durch Adoption Wilhelm von MörnerA. Freiherr von Houwald: Brandenburg-Preußische Standeserhebungen und Gnadenakte für die Zeit 1873–1918. C. A. Starke, Görlitz 1939, S. 15. (* 14. Juni 1826 in Guhrau bei Breslau; † 16. März 1907 in Berlin) war ein deutscher Architekt und Baubeamter.
Leben Seine bürgerlichen Vorfahren waren in drei Generationen Bürgermeister in Neuwedell, der Großvater preußischer Regierungsrat in Schweidnitz, der 1845 verstorbene Vater preußischer Justizrat in Grüneberg, seine Mutter eine geborene Schleider.
Wilhelm Neumann war ursprünglich Offizier. Nachdem er seinen Abschied als Oberleutnant genommen hatte, wurde er Architekt. 1863 wurde er Mitglied des Architekten-Vereins zu Berlin. Ab 1870 war er als Bauinspektor in der Bauabteilung des preußischen Ministeriums der öffentlichen Arbeiten tätig, spätestens ab 1874 als Regierungsrat. Im Mai 1877 wurde er Geheimer Regierungsrat und Vortragender Rat im Reichskanzleramt und war als Leiter der Reichsbauabteilung beim Reichsinnenministerium für zahlreiche Neubauten in der Reichshauptstadt Berlin verantwortlich.
mini|hochkant=0.6|Gut Ralow-Rügen (Südostansicht) (2017). Adoptiert wurde Neumann von Leopoldine Wilhelmine Ottilie von Mörner (* 1811; † 1883), damaliger Wohnsitz in Striegau. Sie war wohl die letzte lebende Nachfahrin (Enkelin) eines uradeligen Offiziers namens Erdmann von Mörner († 1787), dessen Vorfahren zum Uradel der Neumark gehörten. Urahn war Ende des 17. Jh. der altmärkische Gutsherr und kurbrandenburgischer Obrister zu Roß Wilhelm von Mörner. Erdmann von Mörner hatte bürgerlich geheiratet und alle Nachfahren wurden via preußischer Adelslegitimation so dem Briefadel zugerechnet.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Uradeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel. 1918. Jahrgang 19, Justus Perthes, Gotha 1917, S. 580–581.
Neumann-von Mörner erhielt auch ein eigenes Wappen. Er war spätestens seit 1882 GutsbesitzerVgl. Pommersches Güter-Adressbuch. Verzeichniss sämmtlicher Güter mit Angabe der Guts-Eigenschaft, der Gesammtfläche und des Flächeninhalts. 1892. Verlag von Friedrich Nagel (Paul Niekammer), Stettin, S. 205, 211, S. 244. auf dem Gut Ralow (Dreschvitz auf Rügen).
Neumann-Mörner war mit Hedwig Schröder (* 1845; † 1904) verheiratetSiehe: Artikel Busse/von Busse/X a. Landschaftsrat/Fideikommissherr zu Latkowo Ernst Hugo von Busse (* 1854; † 1915), In: Bernhard Koerner (Hrsg.): Deutsches Geschlechterbuch. Genealogisches Handbuch Bürgerlicher Familien. PDF-Band 28-1914., Zeichnungen: Ad. M. Hildebrandt, C. A. Starke, Görlitz 1914, S. 83–85.Vgl.: Artikel Busse/von Busse/XI. Landschaftsrat/Fideikommissherr zu Latkowo Ernst Hugo von Busse (* 1854; † 1915), In: Bernhard Koerner (Hrsg.): Deutsches Geschlechterbuch. Genealogisches Handbuch Bürgerlicher Familien. PDF-Band 62.-Posensches Geschlechterbuch. Band 1, Geleit: Ernst von Busse-Mutschdorf, C. A. Starke, Görlitz (Weihnachten 1928) 1929, S. 85–88. und hatte vier Kinder: Cosima Cäciele Hedwig (* 1865), seit 1892 geschieden von ihrem ersten Ehemann Major Karl Graf von Reina,Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Graflichen Häuser. 1896. Jahrgang 69, Justus Perthes, Gotha 1895, S. 901. zweiter Ehemann Bolko Graf von Haslingen genannt von Schickfuß (Gutsbesitzer in Sakrau) Luise Marie Margarete (* 1867; † 1879) Georg Joachim Wilhelm (* 1869; † 1939), Offizier,Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. Teil B (Briefadel). 1942. Jahrgang 34, Justus Perthes Gotha 1941-11, S. 82–83.Walter von Hueck, Erik Amburger, Friedrich Wilhelm Euler, u. a.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel). 1985. Band XVI, Band 86 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv e. V. C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1985, S. 125–126. Gutsbesitzer in Peltschütz b. Breslau, dann Gut Kleisthöhe u. Silberberg b. Fürstenwalde/Spree-Wohnsitz Wendisch Rietz,Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. . Verzeichnis. Handbuch der Königlichen Behörden. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher, Band VII, 2. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 20 f. verheiratet m. Margarethe von Busse (* 1886), Kinder Hans Christoph Ludwig Karl (* 1875), Portraitmaler, kgl. preuß. Oberleutnant d. Landwehr, verheiratet m. Margarete von Byern, Kinder; geschieden 1909; II. Ehe 1912 m. Emma verw. Freifrau von Hoiningen genannt Huene, geb. Lessing, Kinder
Gelegentlich wird er mit dem jüngeren Wilhelm Neumann verwechselt, der als Architekt vor allem in Riga tätig war. In Berlin wurde er MitgliedVerzeichniß des Vereins Herold in Berlin. 1895. II. Ordentliche Mitglieder. Julius Sittenfeld, Berlin April 1895, S. 31. des genealogischen Vereins Herold.
Wilhelm Neumann-von Mörner starb 1907 im Alter von 80 Jahren in Berlin. Er wurde auf dem Alten Zwölf-Apostel-Kirchhof in Schöneberg beigesetzt. Das Grab ist nicht erhalten.Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1, S. 755.
Bauten 1868–1871 Münze, Unterwasserstraße 2–4 (Vorentwurf von A. Stüler) 1869/70 Nebengebäude des Preußischen Finanzministeriums, Dorotheenstraße 84 1869/70 Erweiterungsbau am Handelsministerium für die Eisenbahnverwaltung, Wilhelmstraße 79/80 1871/72 Preußische Central-Bodenkreditbank, Unter den Linden 34 (heute Unter den Linden 15) 1872–1874 Umbau des Reichsamtes des Innern, Wilhelmstraße 74 1873/74 Wohnhaus Zimmermann, Lützowplatz 5 und eigenes Wohnhaus, Lützowplatz 7 1873–1875 Gesandtschaft Württembergs, Voßstraße 10 und Palais des Herzogs von Ratibor, Moltkestraße 19 1873–1877 Auswärtiges Amt in der Wilhelmstraße 1874 Erweiterung des Provisorischen Reichstags, Leipziger Straße 4 1874–1876 Statistisches Reichsamt, Lützowufer 6–8 1874–1877 Reichsschatzamt, Wilhelmstraße 1 (Bauleitung R. Wolffenstein) 1876–1884 Wilhelmstift, Spandauer Damm 62 (Baudenkmal)Stadtentwicklung.Berlin.de/Denkmalliste | Karte-Datenbank/Denkmaldatenbank: Wilhelmstift in der Landesdenkmalliste. Stand 10. Juni 2024. 1878–1880 Reichsjustizamt, Voßstraße 4–5 Mit Ausnahme der denkmalgeschützten Gebäude des Wilhelmstiftes existiert heute keines der Bauwerke mehr.Vgl. Laurenz Demps: Berlin - Wilhelmstrasse. Eine Topographie preussisch-deutscher Macht. Ch. Links, Berlin 1994, ISBN 3-86153-080-5, S. 138.Hans Wilderotter: Alltag der Macht. Berlin Wilhelmstraße. Eine Publikation der Historischen Kommission zu Berlin. Verlag Jovis, Berlin 1998, ISBN 3-931321-14-2, S. 21.
Literatur (Auswahl) Jakob Hort: Architektur der Diplomatie. Repräsentation in europäischen Botschaftsbauten, 1800–1920. Konstantinopel - Rom - Wien - St. Petersburg. Zugleich Diss. Univ. 2011; In: Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz. Band 234; Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen/Bristol, Conn. 2014, ISBN 978-3-525-10133-9, S. 392. Christian Welzbacher: Die Staatsarchitektur der Weimarer Republik. Hochschulschrift, Lukas-Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-936872-62-7, S. 18. Carola Ode: Neue berlinische Architektur. Eine Debatte. Hrsg. Annegret Burg-Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen Berlin, Verlag Birkhäuser, Berlin/Basel/Boston 1994, ISBN 3-7643-2998-X, S. 97. Uwe Kieling: Berliner Baubeamte und Staatsarchitekten im 19. Jh. Biographisches Lexikon. In: Miniaturen zur Geschichte, Kultur und Denkmalpflege Berlins. 17; Verlag der Berliner Bezirksvorstände der Gesellschaft für Heimatgeschichte und für Denkmalpflege im Kulturbund der DDR, Berlin 1986, S. 68.Michael S. Cullen, Uwe Kieling: Der Deutsche Reichstag. Geschichte eines Parlaments. Verlag Argon, Berlin 1992, ISBN 3-87024-178-0, S. 117. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel (DAG). Teil B (Briefadel). 1933. Jahrgang 25, Justus Perthes, Gotha 1932, S. 363. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1919. Jahrgang 13, Justus Perthes, Gotha 1918, S. 559–560. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1918. Jahrgang 12, Justus Perthes, Gotha 1917, S. 595–596. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1913. Jahrgang 7, Justus Perthes, Gotha 1912, S. 562–563. Josef Durm, Hermann Ende: Handbuch der Architektur. Vierter Teil: Entwerfen, Anlage und Einrichtung der Gebäude. 7. Halb-Band: Gebäude für Verwaltung, Rechtspflege und Gesetzgebung; Militärbauten. Heft 1, 2. Auflage, Hrsg. Eduard Schmitt, Arnold Bergsträsser (A. Kröner), Stuttgart 1900, u. a. S. 156, S. 157. Architekten-Verein zu Berlin/Vereinigung Berliner Architekten (Hrsg.): Berlin und seine Bauten. II./III: Der Hochbau. Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin 1896, u. a. S. 76, S. 79, S. 101., S. 116–117.
Quellen (Auszug) BBSR.Bund: Staatsaffäre Architektur-Bauverwaltung in Preußem und Deutschland 1770 bis 1933-PDF: Erster Leiter der Reichsbauverwaltung war seit 1877 der Architekt Wilhelm Neumann, gen. von Mörner StadtBild Deutschland e.V.: Berlin in alten Fotografien: Lützowplatz 5, um 1901: Lützowplatz 7 (13) von Wilhelm Neumann (später von Mörner)
Weblinks
Neue Reichskanzlei.de.: Kurzbiografie, Stand 27. Februar 2014 TU Berlin: Georg Joachim Wilhelm Neumann, Stand 17. Juli 2026
Einzelnachweise
Kategorie:Architekt (Berlin) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1826 Kategorie:Gestorben 1907 Kategorie:Mann