Der Prawyj Sektor (, deutsche Übersetzung: Rechter Sektor) ist eine rechtsextreme ukrainische politische Organisation, die sich im März 2014 zu einer politischen Partei (Prawyj Sektor) formierte. Ursprünglich entstand sie im November 2013 als rechtsgerichteter, paramilitärischer Zusammenschluss mehrerer radikaler nationalistischer Organisationen während der Euromaidan-Proteste in Kiew, wo Mitglieder an Zusammenstößen mit der Bereitschaftspolizei teilnahmen.
Entstehung Die Gruppe entstand im November 2013 während des Euromaidan als Zusammenschluss von mehreren ultranationalistischen und rechtsextremen Gruppen. Gründungsorganisationen waren unter anderem die Organisation Trysub, die Sozial-Nationale Versammlung, deren paramilitärischer Arm Patriot der Ukraine sowie die Partei UNA-UNSO. Dabei wird ihr für die Eskalation der Gewalt eine Mitverantwortung zugeschrieben.Groups at the sharp end of Ukraine unrest. In: BBC. 1. Februar 2014.Militante Maidan-Rechtsextremisten gründen Partei. In: Der Standard. 22. März 2014. Die Koalition der verschiedenen Kräfte formierte sich am 22. März 2014 als eine politische Partei (Prawyj Sektor).. In: Zentrale Wahlkommission. 13. Juni 2014, abgerufen am 14. Mai 2022.
Rolle Prawyj Sektor bezeichnete sich selbst gegenüber den Medien und der Öffentlichkeit verantwortlich für Erfolge rund um den Euromaidan 2013 und 2014 und als „Teil des Selbstverteidungssystems des Maidan“.Luzia Tschirky: Ukrainische Protestbewegung von rechts unterwandert. In: SRF. 5. Februar 2014.. In: N24. 24. Januar 2014.Die radikale ukrainische Gruppe Rechter Sektor. In: Die Welt. 22. Februar 2014. Dmytro Jarosch, ein Sprecher und späterer Parteichef, gab Anfang Februar 2014 in einem Interview an, er und seine Kräfte seien bereit zum „bewaffneten Kampf“, seine Organisation verfüge auch über Schusswaffen.Simon Shuster: Exclusive: Leader of Far-Right Ukrainian Militant Group Talks Revolution With Time. In: Time. 4. Februar 2014 (englisch).
Tätigkeiten als paramilitärische Gruppe Euromaidan
mini|Mitglied des Rechten Sektors während des Euromaidan Der Rechte Sektor gründete sich im Zuge der Proteste gegen die ukrainische Regierung im November 2013 auf dem Kiewer Maidan. Er bildete eine von zahlreichen Gruppen, die gegen die Politik von Wiktor Janukowytsch protestierten. Hierbei tat der Rechte Sektor sich durch paramilitärisches Auftreten und eine, im Vergleich zu den anderen Demonstranten, gute Organisation hervor. Straßenkämpfer nahmen an Zusammenstößen mit der Bereitschaftspolizei teil. Im Gegensatz zu anderen, proeuropäischen Gruppen, richtete sich der Protest des Rechten Sektors primär gegen den Versuch von Janukowitsch, den OUN-Nationalismus zurückzudrängen und zielte auf die Errichtung eines nationalistischen Regimes ab.Benjamin Bidder: Nationalistenführer Jarosch: Jeder Ukrainer soll eine Schusswaffe tragen dürfen . In: Der Spiegel, 23. April 2014, abgerufen am 21. Januar 2024.Mareike Aden: Patrioten, Krieger, Rechtsradikale Das Selbstbild des „Rechten Sektors“ in der Ukraine. In: Deutschlandfunk, 27. Juli 2015, abgerufen am 21. Januar 2024
Am 21. Februar 2014 erklärte Jarosch, die nationale Revolution in der Ukraine gehe weiter, sie werde mit der „vollständigen Beseitigung des internen Okkupationsregimes enden“.Julia Smirnova: Die Menschen auf dem Maidan wollen mehr. In: Die Welt. 21. Februar 2014. In den darauffolgenden Tagen kam es zu gewaltsamen Übergriffen und Einschüchterungen unter Beteiligung führender Mitglieder des Rechten Sektors. So erschien Oleksandr Musytschko am 24. Februar mit einem Sturmgewehr im Regionalparlament der Oblast Riwne und forderte, Familien von Demonstranten bevorzugt Wohnungen zuzuweisen.Про що заявив „Сашко Білий“ на Президії Рівненської облради зі зброєю в руках?, Youtube am 24. Februar 2014.Bruce Livesey: Blind eye turned to influence of far-right in Ukrainian crisis: critics. In: Global News Canada. 7. März 2014. Am 27. Februar bedrängte und schlug er im Beisein von Medienvertretern einen Staatsanwalt der Riwner Oblast.Waleria Chepurko: В Ровно „Сашко Білий“ избил прокурора. In: Komsomolskaja Prawda (ukrainische Ausgabe). 28. Februar 2014.Музичко онже Сашко Белый розмовляє з прокурором, та пиздить, Youtube am 27. Februar 2014. Musytschko wurde in der Nacht vom 24. auf den 25. März 2014 in Riwne von der ukrainischen Polizei erschossen.Benjamin Bidder: Getöteter Nationalistenführer: Zwei Kugeln ins Herz des „Weißen Sascha“. In: Spiegel online. 25. März 2014.
In einem Interview mit der Moskauer Internet-Zeitung Lenta.ru erklärte Dmytro Jarosch, die Hälfte der Mitglieder des Rechten Sektors spreche Russisch und stamme aus dem Osten der Ukraine, auch russische Staatsbürger hätten „zusammen mit uns auf den Barrikaden gekämpft“.Friedrich Schmidt: Medien unter Propagandadruck. Russische Truppen. In: FAZ. 13. März 2014. In diesem Zusammenhang wurde bekannt, dass die Verbreitung dieser Aussage in Russland der Chefredakteurin und 39 weiteren Journalisten und Bildredakteuren von Lenta.ru den Job kostete (siehe: . In: Lenta.ru. 13. März 2014.)
Nach dem Maidan Forderung nach Entwaffnung Die von den Außenministern Deutschlands, Polens und Frankreichs am 21. Februar 2014 vermittelte und unterzeichnete Vereinbarung mit Wiktor Janukowytsch sah die Entwaffnung aller Milizen vor. Am 20. März forderte die Übergangsregierung unter Arsenij Jazenjuk die Mitglieder der sog. „Selbstverteidigungskräfte“ des Kiewer Unabhängigkeitsplatzes zur Abgabe aller illegalen Waffen bis zum Folgetag auf.Andrew E. Kramer: Ukraine Sets Deadline for Militias to Surrender Illegal Guns. In: New York Times. 20. März 2014. Am 22. März 2014 forderte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier von der Übergangsregierung abermals die Entwaffnung der Milizen.Majid Sattar: Steinmeier in Kiew und Donezk. Ein Hoffnungsschimmer und viele Sorgen. In: FAZ. 22. März 2014. Bei einem Treffen der drei Außenminister am 31. März 2014 in Weimar wurde die Forderung nach Entwaffnung und die Wiederherstellung des staatlichen Gewaltmonopols bekräftigt.Gemeinsame Erklärung zur Ukraine der drei Außenminister des Weimarer Dreiecks Frank-Walter Steinmeier (Deutschland), Laurent Fabius (Frankreich), und Radosław Sikorski (Polen) in Weimar. Auswärtiges Amt, 31. März 2014. Am selben Tag erklärte das ukrainische Innenministerium, dass die Frist, bis zu der illegale Waffen straflos abgegeben werden können, bis zum 30. April verlängert wird.МВД снова призывает украинцев сдать оружие. In: Sewodnja. 31. März 2014.
Aktionen nach dem Maidan mini|Der Gedenkmarsch am 1. Januar 2015 für Stepan Bandera wurde unter anderem auch durch Mitglieder des Prawyj Sektor veranstaltet Obwohl Jarosch bei der Regierungsbildung zwecks Einbindung zwei Posten angeboten wurden, beteiligte sich der Rechte Sektor nicht an der am 27. Februar gebildeten ukrainischen Übergangsregierung.Simon Shuster: Many Ukrainians Want Russia To Invade. In: Time. 1. März 2014. Allerdings stellte die Swoboda-Partei im Kiewer Kabinett mehrere Minister, wobei der neue Sekretär des Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine, Andrij Parubij, als „Kommandant“ des Maidan eng mit dem Führer des Rechten Sektors, Dmytro Jarosch, kooperierte.
Am Abend des 14. März 2014 beschossen Mitglieder des Prawyj Sektor in Charkiw Jugendliche, die das Lenin-Denkmal am Freiheitsplatz bewachten, aus einem Kleinbus heraus mit Tränengasgranaten. Beim späteren Versuch, deren Büro zu stürmen, wurden Artjom Schudow und Aleksej Scharow von Mitgliedern des Prawyj Sektor erschossen. Fünf weitere Menschen – darunter ein Polizist – wurden von Kugeln schwer verletzt. Nach Verhandlungen wurden die Waffen im Büro des Prawyj Sektor niedergelegt, und 29 Mitglieder wurden von der Polizei abgeführt.Ulrich Heyden: Im Osten der Ukraine wächst die Angst. In: Mittelbayerische Zeitung. 16. März 2014.
Das russische Außenministerium erklärte am 15. März 2014, „eine Autokolonne mit bewaffneten Söldnern des Rechten Sektors“ sei „von Charkiw nach Donezk und Luhansk gefahren“.. In: RIA Novosti. 15. März 2014. Das Außenministerium erklärte auch, Russland prüfe „zahlreiche Bitten von ukrainischen Zivilbürgern, sie vor Handlungen der Extremisten, darunter der Mitglieder des Rechten Sektors, zu schützen“.Russlands Außenamt prüft Bitten ukrainischer Zivilbürger um Schutz vor Extremisten. In: RIA Novosti. 15. März 2014. Dass der Rechte Sektor nicht entwaffnet wurde, bezeichnete der russische UNO-Botschafter Witali Tschurkin in seiner Begründung des russischen Vetos gegen eine Resolution des UN-Sicherheitsrates zur Verurteilung des Krim-Referendums als einen Verstoß gegen das Abkommen vom 21. Februar 2014.. In: Xinhua. 16. März 2014.
Am 18. März 2014 erklärte Jarosch, die Mitglieder des Prawyj Sektor würden ihre erbeuteten Waffen nicht abgeben. Kein einziger seiner „Kämpfer“ werde in die neu geschaffene ukrainische Nationalgarde eintreten. Die Lehrinhalte dort ähnelten eher einer Besichtigungstour, als dass sie eine Kampfausbildung darstellten. Seinen Worten nach rechneten sich derzeit etwa 10.000 Menschen in der gesamten Ukraine dem Prawyj Sektor zu, die genaue Anzahl der in ihren Händen befindlichen Waffen kenne niemand.Ярош раскритиковал Нацгвардию и отказался разоружать „Правый сектор“. In: TSN Ukraine. 18. März 2014.
In Zusammenhang mit dem Tod von Olexandr Musytschko warf Jarosch dem amtierenden ukrainischen Innenminister Arsen Awakow am 25. März 2014 „aktive konterrevolutionäre Tätigkeit“ vor und forderte dessen Rücktritt. Awakow und der ehemalige Verteidigungsminister Ihor Tenjuch müssten vor Gericht gestellt werden.Ann-Dorit Boy: Krise in der Ukraine. Unruhe im rechten Sektor. In: FAZ. 26. März 2014. Am 27. März umstellten rund 1.000 rechtsextreme Demonstranten das Parlamentsgebäude in Kiew und forderten Awakows Entlassung. Sie warfen Scheiben ein und drohten das Gebäude zu stürmen.Rechtsextreme umstellen Parlament in Kiew. In: Basler Zeitung. 27. März 2014. Anderen Angaben zufolge waren es 2.000 Radikale.. In: t-online. 27. März 2014. Am 27. März stimmte das Parlament einer Untersuchungskommission über den Tod Musytschkos zu.Right Sector rally outside parliament building over, interim commission to be set up to probe into activist Sashko Bily death. In: Interfax-Ukraine. 27. März 2014. Bei einer Parlamentssitzung am 28. März bezeichnete Interimspräsident Oleksandr Turtschynow diese Belagerung als einen Versuch zur Destabilisierung der Situation in der Ukraine. Dies sei genau die Aufgabe, die die politische Führung Russlands ihren Spezialdiensten gegeben habe.Ukraine leader Turchynov warns of far-right threat. In: BBC. 28. März 2014. Catherine Ashton verurteilte am 29. März die Aktion des Prawyj Sektor vor dem Parlament scharf.Ashton condemns actions of Right Sector in relation to Ukrainian parliament. In: Kyiv Post. 29. März 2014.. In: ITAR-TASS. 29. März 2014.
Nach einer Schießerei am 31. März 2014 in Kiew, an der ein Mitglied des Rechten Sektors beteiligt war und die drei Verletzte forderte, umstellten in der Nacht zum 1. April schwer bewaffnete Angehörige der Spezialeinheit Alfa des SBU das Hotel Dnipro im Zentrum von Kiew. Das Hotel war seit dem Sturz der Regierung Janukowytsch vom Prawyj Sektor besetzt und diente der Gruppe als „Hauptquartier“.Под отель „Днепр“ приехал командир Асавелюк, который руководил снайперами на Институтской (ОБНОВЛЕНО). In: LB.ua. 1. April 2014. Am Morgen darauf teilte Awakow mit, der Prawyj Sektor habe das Hotel verlassen. Die Gruppe habe ihre Waffen an die Polizei übergeben.„Правый сектор“ покинул отель „Днепр“ без оружия – Аваков. In: Sewodnja. 1. April 2014.Rechter Sektor verlässt Hauptquartier in Kiew. In: Die Zeit. 1. April 2014. Am 1. April beschloss die Werchowna Rada in einer Resolution die Entwaffnung aller paramilitärischen Gruppen, die sich im Zuge der Proteste im Land gebildet hatten.Parlament für Entwaffnung paramilitärischer Gruppen. In: Frankfurter Rundschau. 1. April 2014/15. Januar 2019.
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