Heinrich Lottig (* 20. Januar 1900 in Hamburg; † 21. Mai 1941 in Kreta) war ein deutscher Neurologe, Luftfahrtmediziner und Professor.
Leben Als Sohn des sozialdemokratischen Reformpädagogen William Lottig geboren, wollte er zunächst selbst auch Lehrer werden, studierte dann aber von 1920 bis zum Staatsexamen 1925 in Hamburg Medizin. Am Anatomischen Institut war er Assistent bis 1926 und begann mit Zwillingsforschung. Nach einer Zwischenstation in Heidelberg war er seit 1928 Assistent bei Max Nonne in Hamburg-Eppendorf. Im Dezember 1930 habilitierte er sich in Hamburg mit einer Zwillingsstudie. 1933 unterzeichnete er das Bekenntnis der deutschen Professoren zu Adolf Hitler. Er war Privatdozent für Neurologe und leitete von Anfang Dezember 1934 bis Ende Juli 1938 das Hamburger Institut für Luftfahrtmedizin, wo er Untersuchungen zur militärischen Flugtauglichkeit durchführte.Bundesarchiv Berlin, R 4901/13270. Aufgrund seines Kontaktes mit Ludwig Klages befasste er sich auch mit Tiefenpsychologie und Graphologie.
Von 1934 bis 1937 war Lottig auch Leitender Oberarzt der Psychiatrisch-Neurologischen Abteilung des Hamburger Jugendamtes. In dieser Funktion war er als Gutachter und Sachverständiger vor dem Hamburger Jugendgericht tätig. So begutachtete Lottig u. a. 366 Waisenkinder in der ehemaligen Staatskrankenanstalt Friedrichsberg in erbbiologischer Hinsicht, wobei er über die Hälfte als „Unterwertige“ diagnostizierte, „die eine Gefahr für die Volksgemeinschaft darstellten“. Zum 1. Mai 1937 schloss Lottig sich der NSDAP an (Mitgliedsnummer 4.486.696).Bundesarchiv R 9361-VIII KARTEI/14970721 Im gleichen Jahr lehnte die Medizinische Fakultät in Hamburg die Verleihung des Professorentitels an Lottig ab, weil seine wissenschaftlichen Leistungen nicht ausreichend erschienen.Hendrik van den Bussche (Hrsg.): Medizinische Wissenschaft im „Dritten Reich“. Kontinuität, Anpassung und Opposition an der Hamburgischen Medizinischen Fakultät. Dietrich Reimer, Berlin 1989, S. 111 ff. Lottig ging daraufhin nach Berlin, wo er am 1. August 1938 als Gruppenführer zum Leiter des Sanitätsamtes im NS-Fliegerkorps ernannt wurde. Nachdem das Reichserziehungsministerium am 10. Oktober 1938 seinen Übertritt in die Medizinische Fakultät der Universität Berlin angeordnet hatte, wurde er am 30. Januar 1939 zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor ernannt. 1940 meldete Lottig sich freiwillig bei einem Fallschirmjägerregiment. Er fiel beim Fallschirmspringereinsatz 1941 über Kreta.
Schriften Hamburger Zwillingstudien: anthropologische und charakterologische Untersuchungen an ein- und zweieiigen Zwillingen, 1931
Literatur Hendrik van den Bussche (Hrsg.): Medizinische Wissenschaft im „Dritten Reich“. Kontinuität, Anpassung und Opposition an der Hamburgischen Medizinischen Fakultät. Dietrich Reimer, Berlin 1989. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am M. 2003, S. 381. Viktor Harsch: Das Institut für Luftfahrtmedizin in Hamburg-Eppendorf (1927-1945), 2003.
Weblinks Dem Chef des Sanitätsamtes des NS-Fliegerkorps Prof. Dr. Heinrich Lottig zum Gedächtnis, Springer 1941 Biografien-Datenbank: NS‑Dabeigewesene
Einzelnachweise
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