mini|Die Aithiopika in einer Handschrift aus dem Besitz von Kardinal Bessarion, die zu den ältesten Textzeugen zählt. Venedig, Biblioteca Nazionale Marciana, Gr. 410, fol. 94v (12./13. Jahrhundert) Aithiopika (, deutsch Äthiopische Geschichten) oder Die Abenteuer der schönen CharikleaSo die Übersetzung von Rudolf Reymer. ist der Titel eines antiken griechischen Romans, der von Heliodoros aus Emesa verfasst wurde. Erzählt werden die Abenteuer des Liebespaares Charikleia und Theagenes und ihre gefahrvolle Reise nach Äthiopien.

Autor Heliodors Biografie liegt fast gänzlich im Dunkeln, abgesehen von einer knappen Angabe im Schlusssatz, wo er sich selbst als Phönizier aus Emesa bezeichnet. Wahrscheinlich lebte er im 3. oder 4. Jahrhundert n. Chr.

Inhalt Buch I mini|Daniël Thivart, Theagenes and Chariclea, um 1625–1640, Rijksmuseum Amsterdam Im ägyptischen Nildelta entdecken Räuber auf einem Beutezug ein voll beladenes Handelsschiff, dessen Besatzung augenscheinlich bei einem Überraschungsangriff getötet wurde. Die einzigen Überlebenden sind eine junge Frau und ein verwundeter junger Mann, die sich später als die Protagonisten Charikleia und Theagenes erweisen. Noch während das Schiff geplündert wird, erscheint eine weitere Bande und schlägt die Räuber in die Flucht. Charikleia und Theagenes werden als Gefangene in ein verborgenes Lager im Hinterland verschleppt.

Dort treffen sie auf einen jungen Griechen namens Knemon, der ihnen von seiner Vorgeschichte und den Ereignissen berichtet, die ihn nach Ägypten geführt haben. In seiner Heimatstadt Athen war er im Haus seines Vaters den unsittlichen Nachstellungen seiner Stiefmutter Demänete ausgesetzt, weigerte sich aber, ihre Liebe zu erwidern. Aus Zorn schmiedete diese mit ihrer Dienerin Thisbe eine Intrige, woraufhin Knemon schuldlos von seinem Vater angeklagt und aus Athen verbannt wurde. Als später die wahren Umstände ans Licht kamen, nahm sich Demänete das Leben, während Thisbe mit einem reichen Kaufmann nach Ägypten entfliehen konnte. Um seinen Ruf wiederherzustellen, begab sich Knemon auf die Suche nach ihr, fiel dabei aber den Räubern in die Hände.

Indessen hat sich deren Anführer Thyamis in Charikleia verliebt und teilt ihr seinen Entschluss mit, sie zu heiraten. Wenig später aber wird das Lager angegriffen und Knemon bringt Charikleia in einem unterirdischen Versteck in Sicherheit. Angesichts der drohenden Niederlage entscheidet Thyamis, dass sie eher sterben soll, als den Feinden in die Hände zu fallen. In der unterirdischen Höhle tötet er daraufhin eine Frau, die er in der Dunkelheit irrtümlich für Charikleia hält. Er selbst wird schließlich von den Feinden überwältigt, während Knemon und Theagenes fliehen können.

Buch II

Knemon und Theagenes kehren bei Anbruch der Nacht in das Lager zurück und untersuchen das Versteck. Sie erkennen, dass es sich bei der ermordeten Frau um Thisbe handelt, die zuvor ebenfalls von den Räubern gefangen genommen und von Thermutis, dem Schildträger von Thyamis, dort in Sicherheit gebracht worden war. Theagenes und Charikleia sind wieder vereint. Thermutis, der sich in Thisbe verliebt hatte, kehrt seinerseits zum Versteck zurück. Trotz ihrer Beteuerung, nicht für ihren Tod verantwortlich zu sein, beschließt er insgeheim, alle drei bei einer günstigen Gelegenheit zu ermorden. Knemon und Thermutis machen sich zunächst auf die Suche nach Thyamis, während Charikleia und Theagenes nach Chemmis aufbrechen, einem nahegelegenen Dorf, wo sich die Gruppe später wieder treffen will. Knemon ahnt die Absichten seines Begleiters und kann in der Nacht unbemerkt entkommen. Thermutis wird im Schlaf von einer Giftschlange gebissen und stirbt.mini|Abraham Bloemart, Theagenes and Chariclea, 1626, Den Haag, Königliche Gemäldegalerie Mauritshuis In Chemmis angekommen, begegnet Knemon am Flussufer einem alten Mann namens Kalasiris. Es stellt sich heraus, dass dieser ebenfalls auf der Suche nach Charikleia und Theagenes ist und Unterkunft im Haus des Kaufmannes Nausikles gefunden hat. Dort berichtet er Knemon ausführlich, welche abenteuerliche Vorgeschichte ihn mit dem jungen Paar verbindet und wie sie gemeinsam nach Ägypten gelangt sind. Einst lebte Kalasiris als Prophet und Priester der Isis in Memphis, wo er sich in eine schöne Thrakerin namens Rhodopis verliebte. Aus Angst, seine priesterlichen Gelübde zu verletzen, und weil er einen tödlichen Zweikampf seiner beiden Söhne in einer göttlichen Eingebung vorausgesehen hatte, begab er sich ratsuchend zum Heiligtum des Apollon in Delphi. Dort freundete er sich mit dem angesehenen Priester Charikles an. Dieser ging vor vielen Jahren nach dem tragischen Tod seiner Frau und Tochter auf eine ausgedehnte Reise, die ihn auch nach Ägypten führte. Von einem geheimnisvollen Fremden angesprochen, übernahm er unerwartet die Fürsorge für ein kleines Mädchen, dem er den Namen Charikleia gab. Mit ihr kehrte er nach Delphi zurück, um sie zu einer Priesterin der Artemis zu erziehen. Jahre danach verliebten sich die mittlerweile erwachsene Charikleia und Theagenes, der als Anführer einer Gesandtschaft aus Thessalien zu den Pythischen Spielen angereist war, bei ihrer ersten Begegnung.

Buch III

Überwältigt von ihren Gefühlen, fiel Charikleia in einen fieberähnlichen Zustand, der sich noch verschlimmerte, als Charikles seinen Neffen Alkamenes zu ihrem zukünftigen Bräutigam bestimmte. Kalasiris, der um den wahren Grund der vermeintlichen Krankheit wusste, versprach sowohl Theagenes, sich für ihn einzusetzen, als auch Charikles, eine Heilung für das Leiden seiner Tochter zu finden.

Buch IV

In den folgenden Tagen untersuchte Kalasiris eine Kopfbinde, die Charikleia als kleines Kind in Ägypten neben anderen Gegenständen bei sich hatte. Darin eingestickte Schriftzeichen enthüllten, dass sie in Wahrheit die Tochter der äthiopischen Königin Persinna ist. Da Charikleia jedoch mit heller Hautfarbe geboren wurde, fürchtete Persinna, von ihrem Mann Hydaspes fälschlich des Ehebruchs bezichtigt zu werden und ließ das Kind aussetzen. Nachdem Kalasiris Charikleia über ihre wahre Abstammung aufgeklärt hatte, willigte sie ein, gemeinsam mit Theagenes nach Äthiopien zu fliehen. Theagenes täuschte ihre Entführung aus dem väterlichen Haus vor. Tatsächlich planten die drei jedoch, unbemerkt auf einem phönizischen Handelsschiff nach Ägypten zu segeln.

Buch V

Kalasiris beendet seinen Bericht, als spät am Abend Nausikles eintrifft. Nun wird die Geschichte von Charikleia und Theagenes wieder aufgenommen. Beide wurden im Räuberlager von Soldaten des Kommandanten Mitranes ergriffen, der auf Befehl des persischen Statthalters Oroondates mit der Suche nach Thisbe beauftragt worden war. Während Charikleia mit Nausikles nach Chemmis zurückkehren durfte, wurde Theagenes als Gefangener zu Oroondates geschickt.

Auf einem von Nausikles ausgerichteten Festmahl berichtet Kalasiris nun weiter von der Flucht aus Delphi. Zunächst erreichten die drei die Insel Zakynthos, wo sie bei einem alten Fischer die Wintermonate verbringen wollten. Als Kalasiris jedoch erfuhr, dass sich eine Gruppe von Seeräubern in einer abgelegenen Bucht versteckt hielt, drängte er den Kapitän des Handelsschiffes zum sofortigen Aufbruch. Dennoch wurde das Schiff wenig später auf offener See von den Piraten eingeholt und aufgebracht. Kalasiris, Charikleia und Theagenes erreichten als Gefangene schließlich Ägypten. Als der Anführer Trachinos verkündete, Charikleia zur Frau zu nehmen, kam es am Strand zu einer Meuterei, bei der sich die Seeräuber am Ende gegenseitig getötet haben.

Buch VI mini|Tod der alten Dorfbewohnerin von Bessa. Im Hintergrund Kalasiris und Charikleia. Nachdem Kalasiris die gesamte Vorgeschichte enthüllt hat, begibt er sich gemeinsam mit Nausikles und Knemon auf den Weg zu Mitranes, um die Freilassung von Theagenes zu erwirken. Unterwegs erfahren sie jedoch, dass dieser erneut von den Räubern unter dem Befehl von Thyamis gefangen genommen wurde, und kehren unverrichteter Dinge nach Chemmis zurück. Dort willigt Knemon in das Angebot von Nausikles ein, eine seiner Töchter zu heiraten. Spontan wird eine Hochzeit ausgerichtet und Knemon beschließt, mit seiner Braut nach Griechenland zurückzukehren. Anschließend begeben sich Kalasiris und Charikleia als Bettler verkleidet auf die Suche nach Thyamis. In dem kleinen Ort Bessa erzählt ihnen eine alte Dorfbewohnerin, dass Mitranes und seine Soldaten in einen Hinterhalt geraten sind und getötet wurden. Thyamis ist mit seinen Männern inzwischen nach Memphis, dem Sitz des Satrapen Oroondates, weitergezogen, um die Stadt zu belagern.

Buch VII

Während Oroondates gerade einen Feldzug gegen die Äthiopier vorbereitet und nicht in Memphis zugegen ist, verhandelt seine Frau Arsake mit Thyamis. Dieser war einst Priester der Isis, wurde aber auf Betreiben seines eifersüchtigen Bruders Petosiris aus der Stadt vertrieben. Arsake schlägt einen Zweikampf zwischen beiden vor, um die Belagerung zu beenden und ein unnötiges Blutvergießen unter der Bevölkerung zu verhindern. Während des Kampfes trifft im letzten Moment Kalasiris ein, der der Vater der beiden ist, und gebietet ihnen Einhalt. Thyamis erhält sein Priesteramt zurück. Noch in derselben Nacht verstirbt Kalasiris im Schlaf. Indessen ist Arsake in heftige Liebe zu Theagenes verfallen. Zusammen mit Charikleia wird er im Palast untergebracht, wo er von Kybele, der Kammerfrau von Arsake, erfolglos bedrängt wird, die Zuneigung ihrer Herrin zu erwidern. Kybeles Sohn Achämenes, der im Gefolge von Mitranes den Hinterhalt in Bessa überlebt hat, erkennt Theagenes wieder, behält sein Wissen aber zunächst für sich. Als er jedoch seine privilegierte Stellung am Hof bedroht sieht, begibt er sich zu Oroondates nach Theben, um Arsakes Untreue aufzudecken.

Buch VIII

Achämenes erstattet Oroondates Bericht über die Vorgänge in Memphis. Dieser befiehlt, Theagenes und Charikleia unverzüglich zu ihm zu bringen. In der Zwischenzeit hat Thyamis vergeblich bei Arsake darum ersucht, die beiden in seine Obhut zu übergeben. Theagenes wird aufgrund seiner Unbeugsamkeit inhaftiert und gefoltert, während Kybele plant, Charikleia zu vergiften. Bei einem gemeinsamen Mahl wird der Giftbecher jedoch absichtlich von einer Dienerin vertauscht und Kybele gereicht, die auf der Stelle stirbt. Charikleia wird daraufhin des Mordes bezichtigt und zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt, überlebt aber in den Flammen durch die Kraft eines wundertätigen Ringes, der ihr einst von ihrer Mutter mitgegeben worden war. Wenig später befreit Bagoas, ein Bote des Oroondates, beide aus dem Kerker. Auf die Nachricht vom Verschwinden der Gefangenen begeht Arsake Selbstmord. Als sich Bagoas wie befohlen mit Theagenes und Charikleia auf dem Rückweg zu Oroondates befindet, werden sie von einem Spähtrupp der Äthiopier aufgegriffen und gefangen genommen.

Buch IX

Charikleia, Theagenes und Bagoas werden zur Armee von König Hydaspes gebracht, der mit seinem Heer die Stadt Syene belagert. Dort hat sich Oroondates verschanzt, erhält allerdings die Zusage, mit seinen Truppen abziehen zu dürfen, nachdem Hydaspes´ Soldaten eine Bresche in die Stadtmauern schlagen konnten. Oroondates sammelt sein Heer entgegen der Vereinbarung neu und greift Hydaspes an, woraufhin die Perser in einer Feldschlacht vernichtend besiegt werden. Als Achämenes versucht, Oroondates auf der Flucht zu ermorden, wird er seinerseits von einem äthiopischen Bogenschützen getötet.

Buch X mini|Hydaspes und Persinna erkennen Charikleia wieder.