Telegram ist ein kostenloser Instant-Messaging-Dienst zur Nutzung auf Smartphones, Tablets, Smartwatches und PCs, der in Russland entwickelt wurde. Chats sind standardmäßig nur zwischen Client und Server verschlüsselt; Chats zwischen zwei Personen können optional Ende-zu-Ende-verschlüsselt als „geheime Chats“ geführt werden. Telegram gehört weltweit zu den beliebtesten Messengern. Im Juni 2022 gab es weltweit mehr als 700 Millionen monatlich aktive Telegram-Nutzer.
Geschichte und Hintergründe Telegram wurde 2013 von den Brüdern Nikolai und Pawel Durow in Russland entwickelt, die bereits das meistgenutzte russische soziale Netzwerk Vk.com gegründet hatten. Benutzer von Telegram können Textnachrichten, Sprachnachrichten, Fotos, Videos, Audios und Dokumente austauschen sowie Sprach- und Videotelefonie zu anderen Telegram-Nutzern verwenden. Telegram wird auch als soziales Netzwerk angesehen.Götz Hamann, Ann-Kathrin Nezik: Wie sagt der Staat Stopp? In: Die Zeit, 22. Dezember 2021, S. 26. Telegram Messenger LLP (Personengesellschaft nach britischem/US-amerikanischem Recht) war nach eigenen Angaben ein unabhängiges Non-Profit-Unternehmen. Nikolai Durow schrieb das Protokoll MTProto, auf dem Telegram basiert. Sein Bruder Pawel bietet die finanzielle Basis; er soll in Berlin gelebt haben, als er 2013 Telegram gründete und die App veröffentlichte. Durow und seine Mitarbeiter sehen sich als digitale Nomaden. Das Entwicklerteam befindet sich laut Telegram-Website in Dubai, nachdem es Standorte wie Russland, Berlin, London und Singapur ausprobiert hatte. Laut eigenen Angaben steht es nicht im Zusammenhang mit Vk.com oder Russland. Die Süddeutsche Zeitung nennt als Adresse die Büros 2301 und 2303 in den Al Kazim Towers in Dubai.Georg Mascolo, Ronen Steinke: Rechtsfreier Raum. In: Süddeutsche Zeitung, 10. Dezember 2021, S. 2. Die Telegram Messenger LLP war unter der Londoner Adresse eines Unternehmens registriert, das seinen Hauptsitz auf den Seychellen hat. Gesellschafter dieses Unternehmens sind zwei Firmen mit Sitz auf den Jungferninseln und in Belize. Laut einem Pressebericht von 2017 hat Telegram Angestellte im russischen St. Petersburg. Die Telegram Messenger LLP wurde jedoch im Januar 2019 von Pawel Durow aufgelöst.
Pawel Durow wurde am Abend des 24. August 2024 bei der Einreise aus Aserbaidschan am Flughafen Le Bourget bei Paris für einige Tage in Haft genommen. Gegen ihn laufen in Frankreich Vorermittlungen wegen mangelnder Moderation von Telegram-Inhalten. Kriminelle Aktivitäten könnten auf der Plattform ungehindert aufgenommen und fortgesetzt werden. Untersucht wird Medienberichten zufolge zudem, ob er sich durch unzureichende Kooperation mit den Ordnungskräften des Drogenhandels, Betrugs und Vergehen im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch mitschuldig gemacht hat.
Nutzerzahlen Telegram meldete im Februar 2014, dass sich über fünf Millionen neue Nutzer registriert haben. Dies soll im direkten Zusammenhang zum Kauf von WhatsApp durch Facebook (heute Meta Platforms) stehen. Ähnliches widerfuhr Telegram ein Jahr später, im Februar 2015, als ein Richter in Brasilien die landesweite Sperrung von WhatsApp anordnete. Telegram meldete innerhalb kürzester Zeit einen Zuwachs von über 2,5 Millionen Nutzern. Im Jahr 2016 lag Telegram mit fast 50 Millionen neuen App-Downloads vor Signal (3,62 Millionen) und Wickr (3,8 Millionen), aber hinter WhatsApp mit etwa 225 Millionen Downloads im selben Jahr. Infolge der WhatsApp-Übernahme durch Facebook etablierte sich Telegram zudem als eine der erfolgreichsten Alternativen für alle gängigen Plattformen.
Im Mai 2015 gab Pawel Durow bekannt, dass Telegram 62 Millionen monatlich aktive Nutzer habe, die täglich 2 Milliarden Nachrichten versenden. Stand Februar 2016 hatte Telegram nach eigenen Angaben 100 Millionen monatlich aktive Nutzer und lieferte pro Tag 15 Milliarden Nachrichten aus. Im März 2018 gab das Entwicklerteam bekannt, die Anzahl von monatlich 200 Millionen Nutzern erreicht zu haben und am 24. April 2020 die 400-Millionen-Nutzer-Marke überschritten zu haben. Telegram gehört seither in Deutschland und weltweit zu den beliebtesten Messengern. Nach dem Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 sperrten große IT-Konzerne die Server von Parler und anderen Diensten, über die dazu mobilisiert wurde. Nach diesem Ereignis und den unmittelbaren Sperren der Dienste meldeten sich binnen 72 Stunden mehr als 25 Millionen neue Nutzer bei Telegram an, das im Januar 2021 global die App mit den meisten Downloads war. Im Oktober 2021 wurden 550 Millionen aktive Nutzer erreicht. Bis August 2021 wurde die App weltweit mehr als 1 Milliarde Mal heruntergeladen. Im Juni 2022 gab es weltweit mehr als 700 Millionen monatlich aktive Telegram-Nutzer. Im Dezember 2024 stieg die Zahl der aktiven Nutzer auf 950 Millionen.blockchaingamer.biz
Geschäftsmodell Telegram ist eine für Nutzer kostenlose App und wird seit November 2021 durch Werbeanzeigen in den Kanälen finanziert. Darüber hinaus wurde im Juni 2022 das Telegram-Premium-Abonnement eingeführt, welches gegen Entgelt verschiedene Funktionen und kosmetische Anpassbarkeiten innerhalb der App für die Laufzeit der Mitgliedschaft freischaltet. Gleichzeitig sollen private Unterhaltungen sowie Gruppen dauerhaft frei von Werbung bleiben und die Gründer schließen eine kommerzielle Ausrichtung des Dienstes bzw. einen Verkauf des Unternehmens aus. Funktionen mini|Telegram auf Android, Screenshot
In diesen Abschnitten werden nur die Funktionen beschrieben. Infos zur Sicherheit sind ausführlich im Abschnitt Sicherheit zu finden.
Nutzerkonto Die Anmeldung bei Telegram erfolgt über eine Rufnummer, die nicht die des Gerätes selbst sein muss. Die Telefonnummer wird anschließend via Kurzmitteilung (SMS) oder Anruf verifiziert. Zugelassen sind nur mobile Rufnummern (kein Festnetz); Dienste mit „Wegwerfnummern“ sind weitgehend ausgeschlossen. Beliebig viele Geräte können mit derselben Rufnummer angemeldet sein. Die dem Nutzerkonto zugehörige Nummer kann jederzeit geändert werden, dabei erhalten sämtliche Kontakte des Benutzers automatisch die neue Nummer. Darüber hinaus kann ein Benutzer einen Benutzernamen einrichten, der es ermöglicht, Nachrichten zu senden und zu empfangen, ohne die eigene Telefonnummer preiszugeben. Telegram-Konten können jederzeit manuell gelöscht werden, das Prozedere ist im Vergleich zu anderen Programmen bzw. Apps relativ einfach und funktioniert über die Website von Telegram. Alternativ kann man die Löschung des Kontos auch über die App (in den FAQ) vornehmen. Darüber hinaus wird das Konto automatisch nach sechs Monaten Inaktivität gelöscht; dies kann aber in den Einstellungen vom Benutzer auf ein, drei oder zwölf Monate geändert werden.
Weboberfläche Neben den Clients, die auf den betreffenden Geräten installiert werden können, stellt Telegram auch eine installationsfreie, offizielle Weboberfläche zur Verfügung. Diese ist in jedem aktuellen Webbrowser nutzbar, jedoch sind hier nur Cloud-basierte Chats möglich.
Social-Login Eine Funktion für das Login auf Websites von Drittanbietern können Telegram-Nutzer seit Februar 2018 unter dem Namen „Telegram Login“ verwenden. Das Gateway sendet dafür den Telegram-Namen, den Benutzernamen auf der Website und das Profilbild des Nutzers an den Eigentümer der Website, während eine mögliche mit dem Telegram-Konto verbundene Telefonnummer verborgen bleibt. Das Gateway ist in einem Bot integriert, der mit der spezifischen Website-Domain des Entwicklers verknüpft ist.
Chats In diesem Abschnitt werden nur die Funktionen beschrieben. Infos zur Sicherheit sind ausführlich im Abschnitt Sicherheit von Chats zu finden.
Cloud-basierte Chats Die Inhalte von Standard-Chats werden auf den Servern des Betreibers gespeichert. So können Benutzer ihre Nachrichten und Dateien auf mehreren Geräten synchronisieren und abrufen; beispielsweise am Desktop, Tablet oder Smartphone. Die Daten werden erst dann aus der Cloud gelöscht, wenn alle an den jeweiligen Chats beteiligten Nutzerkonten gelöscht wurden. Dadurch können nach Defekt oder bei Wechsel des Endgeräts diese auf dem neuen Gerät erneut abgerufen werden.
Gruppen Gruppen sind für den Austausch von Nachrichten mit Freunden und Familie oder die Zusammenarbeit in kleinen Teams gedacht. Gruppen erlauben bis zu 200.000 Mitglieder. Es gibt private und öffentliche Gruppen. Der Gruppenadministrator (Einrichter der Gruppe) kann festlegen, ob neue Mitglieder Zugriff auf Nachrichten haben, die vor Beginn ihrer Gruppenzugehörigkeit vorhanden waren. Administratoren können wichtige Nachrichten am oberen Bildschirmrand anheften oder auch Gruppenmitgliedern temporär oder dauerhaft bestimmte Rechte entziehen.
Kanäle Am 22. September 2015 gab Telegram bekannt, dass „Kanäle“ die vorherigen „Verteilerlisten“ ablösen. Dabei handelt es sich um Chats, in denen nur die Kanalersteller und Kanaladministratoren Nachrichten schreiben können. Es gibt private und öffentliche Kanäle. Kanäle haben keinerlei Teilnehmerbegrenzung. Jeder, der den Link hat, kann ihm beitreten und kann den gesamten Nachrichtenverlauf bis zum ersten Tag in einem Kanal sehen. Die Mitglieder können nicht sehen, wer den Kanal abonniert hat. Öffentlich wird nur die Anzahl der Teilnehmer angezeigt. Für jede Nachricht wird die Anzahl derjenigen, die diese gelesen haben, angezeigt. Die Beiträge werden standardmäßig unter dem Kanalnamen eingestellt, d. h. wer den Beitrag eingestellt hat, ist nicht ersichtlich. Optional können Autoren des Kanals auch ihre „Nachrichten unterschreiben“.
Entwürfe Nicht abgeschlossene Nachrichten werden in Cloud-basierten Chats und Gruppen als Entwürfe gespeichert und zwischen den Benutzergeräten synchronisiert. Der Entwurf bleibt in der Cloud bestehen, bis er gesendet oder entfernt wird.
Umfragen Ab Dezember 2018 (App-Version 5.1 Android, iOS, macOS) kann man in Gruppen und Kanälen auch ohne Skriptprogrammierungen Umfragen einfügen, die von den Teilnehmern beantwortet werden können. Es werden die Anzahl der abgegebenen Stimmen sowie die prozentuale Verteilung der Antworten auf die bis zu zehn im Freitext formulierbaren Fragen im Chat gezeigt, nachdem man selbst abgestimmt hat. Ab der Version vom 23. Januar 2020 sind auch Mehrfachantworten und ein Quiz-Modus möglich, und man kann bei der Erstellung auswählen, ob die Stimmen anonym abgegeben werden oder nicht.
Bots Telegram bietet seit dem 24. Juni 2015 außerdem eine umfangreiche API an, um eigene Bots zu erstellen. Mit verschiedenen Kommandos kann man diese im eigenen Chat oder auch in Gruppenchats steuern. Es lässt sich einstellen, ob Bots in Gruppenchats Leserechte auf alle Nachrichten haben oder nur auf solche, die Bot-Kommandos oder den Botnamen enthalten.Privacy mode Durch die Bot-Plattform sind viele kreative Bots entstanden. Im Januar 2016 wurde die Bot-Plattform um sogenannte Inline-Funktionen erweitert. Mit Inline-Funktionen ausgerüstete Bots können dann auch Funktionen in privaten Chats oder Gruppen ausführen, in denen sie nicht enthalten sind.
Sprachchats Seit Dezember 2020 sind in Gruppen Sprachchats möglich. Dazu muss einmalig der Gruppenadministrator diese Funktion aktivieren, danach kann jedes Gruppenmitglied dem Sprachchat jederzeit beitreten oder diesen verlassen.
Geheime Chats mini|Geheimer Chat von Telegram, englische Android-Version, Screenshot (2015)
Bei den optionalen „geheimen Chats“ werden die Mitteilungen und Dateien ausschließlich verschlüsselt auf den zwei Endgeräten der Nutzer gespeichert, von denen der Chat gestartet wurde; die Synchronisation über mehrere Geräte eines Benutzers hinweg ist nicht möglich. Es ist demnach ebenfalls nicht möglich, bei einem Defekt oder Wechsel des Smartphones diese auf das neue Gerät zu synchronisieren. Geheime Chats sind nur zwischen je zwei Nutzern möglich, nicht in Gruppen oder Kanälen und werden nicht von allen Clients unterstützt, insbesondere nicht von den offiziellen Desktop- und Web-Clients.