mini|hochkant|Evangelische Kirche Konz-Karthaus von Osten mini|Altarbereich im Weihnachtsschmuck 2018
Die Evangelische Kirche Konz-Karthaus der gleichnamigen evangelischen Kirchengemeinde steht in der Stadt Konz, Kreis Trier-Saarburg, in Rheinland-Pfalz. Sie wurde Ende des 19. Jahrhunderts für die durch Zuzug in der bisher rein katholischen Gegend neu entstandene Diasporagemeinde gebaut und ist bis heute ihr geistliches Zentrum.
Das im Stil des Historismus 1897 vollendete Kirchengebäude ist in seiner Bausubstanz nahezu unverändert erhalten und steht unter Denkmalschutz. Große Teile der originalen Ausstattung und die ursprünglichen Glasfenster wurden bei der Renovierung von 1966 durch Glasfenster des Künstlers Manfred Freitag aus Oberbillig ersetzt.
Geschichte Vorgeschichte Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs im Rahmen der Industrialisierung der Zuzug evangelischer Christen in Conz, Merzlich und umgebenden Dörfern an. Die ersten Evangelischen, die sich 1856/1857 in den damals noch getrennten Orten Conz (heute: Konz) und Merzlich (heute Konz-Karthaus) niederließen, waren beim Eisenbahnbau beschäftigte Rottenarbeiter und Beamte. Während die Beamten überwiegend aus dem Großraum Saarbrücken stammten, kamen die Rottenarbeiter aus St. Wendel und dem angrenzenden Hunsrück. Ein weiterer größerer Zuzug evangelischer Christen erfolgte mit dem Ausbau des Centralbahnhofs Karthaus zum Eisenbahnknotenpunkt und der Inbetriebnahme der Königlichen Eisenbahn-Nebenwerkstätte Karthaus im Jahr 1879. 1884 war ihre Zahl auf etwa 120 bis 150 angestiegen.
Die nächste Kirche befand sich neun Kilometer entfernt in Trier. Wegen der schwierigen Anreise suchten die Trierer Pfarrer einen für Gottesdienste geeigneten Raum in Conz zu mieten, was sich in dem rein katholischen Umfeld jedoch als äußerst schwierig herausstellte. Nach dem Scheitern dieser Bemühungen wandte sich Superintendent Klein mit Erfolg an verschiedene Behörden in Trier: Das Königliche Eisenbahn-Betriebsamt Trier stellte den im Verwaltungsgebäude der Königlichen Nebenwerkstätte gelegenen Speisesaal zur Verfügung. Der erste Gottesdienst fand am 17. August 1884 statt und Superintendent Klein predigte zum Text der Apostelgeschichte 17, V. 16–34 . Von da an wurde in vierwöchentlichen Abständen in Konz Gottesdienst gehalten.
Baugeschichte mini|Ansicht von 1897 mini|Innenansicht von 1897
Die evangelische Gemeinde Conz-Karthaus entstand 1889 für mittlerweile über 200 evangelische Christen als Vikariat und ist seit 1895 eine eigenständige Pfarrei. Vom Staat Preußen unterstützt, wurde der Kirchenbau an einem Platz in der Mitte zwischen den damaligen Orten Konz und Merzlich mit der Grundsteinlegung am 9. Juli 1896 begonnen. Die Bauarbeiten wurden – wie schon vorher bei Gemeindehaus und Schule – von dem Bauunternehmen Gebrüder Petry aus Sierk (heute Sierck-les-Bains in Lothringen) ausgeführt. Dem Kirchenbau vorausgegangen war ein vom Architektenverein zu Berlin unter seinen Mitgliedern 1892 ausgeschriebener Wettbewerb. Dabei wurden der gemeinsame Entwurf der Architekten Carl Schäfer und Hugo Hartung sowie das Projekt des Architekten Georg Lübke ausgezeichnet. Obwohl die Jury im Juni 1892 kein Projekt unmittelbar zur Ausführung empfahl, entschied sich die Kirchengemeinde für den Entwurf von Lübke. Sein Entwurf wurde vom preußischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten in einzelnen Teilen abgeändert und vom Trierer Kreisbauinspektor Brauweiler 1896/1897 ausgeführt. Die Kirche wurde am 19. September 1897 eingeweiht. Zusammen mit dem in vergleichbarer Bauweise 1894 errichteten, südlich an die Kirche angebauten Pfarrhaus und der im gleichen Jahr 15 Meter nördlich der Kirche gebauten und 1886 eingerichteten evangelischen Schule bildete die Kirche ein homogenes Ensemble.
Die Baukosten der Kirche beliefen sich einschließlich der Innenausstattung auf 27.600 Mark sowie 2275 Mark für die Glocken. Neben Spenden des Gustav-Adolf-Vereins unterstützte Kaiser Wilhelm II. den Bau mit 10.000 Mark als „allerhöchstes Gnadengeschenk“. Auf jeden der 130 Sitze im Kirchenschiff kam dabei ein rechnerischer Betrag von 212 Mark. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Monatslohn eines Industriearbeiters lag bei etwa 40 Mark, der eines mittleren Beamten zwischen 60 und 80 Mark.
Das Einzugsgebiet der Kirchengemeinde erstreckte sich neben den beiden namensgebenden Gemeinden auch über die damaligen Gemeinden Oberemmel, Wasserliesch, Cönen, Temmels, Tawern, Wellen, Wincheringen, heute im Saarland: Sinz, Nennig, Besch, Oberleuken, Perl, Tünsdorf, links der Mosel: Igel, Langsur, Ralingen und Minden.
Durch den Zusammenschluss der ehemals selbständigen Gemeinden Conz und Merzlich zur Gemeinde Konz im Jahr 1930 änderte sich der Name der evangelischen Gemeinde in Konz-Karthaus.
Bei einem Fliegerangriff auf Konz am 12. September 1915 fiel während des Gottesdienstes eine Brandbombe neben die Kirche.
Nahezu gleichzeitig wurden unter ähnlichen Rahmenbedingungen die Evangelische Kirche Saarburg, die Evangelische Kirche Hermeskeil und die Evangelische Christuskirche Wittlich erbaut.
Renovierungen von 1966 und 1984/1985 mini|Offener Dachstuhl von innen mini|Ehemaliges Schulhaus (rechts von der Kirche), im Mai 2017 abgerissen
Das über 65 Jahre alte Kirchengebäude war – nicht zuletzt durch zwei Kriege und wirtschaftlich schwierige Zeiten – stark renovierungsbedürftig geworden. Auch die neuen Gottesdienstformen der 1960er Jahre sollten sich in der Gestaltung des Kirchenraums bemerkbar machen. Zudem verdoppelte sich aufgrund mehrerer Industrieansiedlungen in der Umgebung die Zahl der Gemeindemitglieder.
Der 1966 durchgeführte Kirchenumbau wurde vom Architekten Nils-Wolff Hammer aus Trassem geleitet. Dabei wurden der neugotische Altartisch und die hohe Kanzel entfernt und durch einen steinernen Altartisch nach einem Entwurf des Künstlers Manfred FreitagInterview mit dem Künstler Manfred Freitag am 20. Mai 2014. und eine Kanzel in Form eines Lesepults im Design der 1960er Jahre ersetzt. Die fest eingebauten, schweren und die ganze Breite des Kirchenschiffs ausfüllenden Kirchenbänke wurden durch leichte, transportable und halb so lange Bänke ersetzt. Der Fußboden wurde mit einem schwarzen Steinbelag erneuert. Neu eingebaut wurde am Ende der Kirche eine 7 Meter lange und 4,45 Meter breite, durch eine Wendeltreppe erschlossene Empore für Orgel und Kirchenchor. Um das Kircheninnere heller erscheinen zu lassen, wurden die in Grautönen bemalten Glasfenster entfernt und durch im Stil der 1960er Jahre künstlerisch gestaltete und deutlich hellere ersetzt. Die helle, in Gelb und Weiß gehaltene Farbfassung der Kirche entwarf ebenfalls Manfred Freitag. Die Außentüren der Kirche wurden durch neue, mit Kupferplatten beschlagene Holztüren ersetzt. Der aus heizungstechnischen Gründen gefasste Plan, unterhalb der bestehenden Holzdecke eine tiefer gelegene Decke einzuziehen, wurde nicht realisiert.
Bereits vor der Renovierung der Kirche wurde 1961 das Pfarrhaus abgebrochen und durch einen Neubau im Stil der 1960er Jahre ersetzt. Die ehemalige evangelische Schule wurde am 1. September 1970 aufgelöst. Danach war das Schulgebäude im Besitz der Stadt Konz, diente zwischenzeitlich als Notunterkunft und wurde im Mai 2017 abgerissen. 1984/1985 wurde die Kirche nochmals renoviert. Im Zuge dieser Renovierung kam die heute genutzte Kanzel in die Kirche.Auskunft des ehemaligen Pfarrers Klaus Willbold vom 21. Mai 2014.
Kirchengebäude Baubeschreibung mini|Grundriss, veröffentlicht 1898 mini|hochkant|Holzschnitt von Otto Ebel, veröffentlicht 1898
Die Kirche ist ein giebelständiger, dreiachsiger Saalbau mit eingezogenem Rechteckchor. An der Südseite des Chores steht der Glockenturm, an der Nordseite ein Eingang mit Windfang. Die Konzeption der Kirche entspricht in etwa den Empfehlungen des Eisenacher Regulativs. Abweichungen hiervon betreffen den Standort der Orgel und die durch die bauliche Umgebung bedingte Ausrichtung der Kirche.
Die Kirche grenzt rechtwinklig an die Karthäuser Straße und ist dadurch etwa nach Südsüdosten ausgerichtet. Die Kirche ist aus Sandstein gemauert, die Fassaden sind bis auf die gliedernden Architekturelemente verputzt. Der Sockel besteht aus rotem Sandstein aus den acht Kilometer entfernten Tawerner Steinbrüchen. Eckquaderung, Strebepfeiler, Fenstergewände sowie das Maß- und Stabwerk der Kirche wurden aus wetterbeständigem hellen Sandstein, ebenfalls aus Tawern, hergestellt. Die Freitreppen und Türschwellen bestehen aus Niedermendiger Basaltlava. Das Dach wurde in Altdeutscher Deckung mit Schiefer gedeckt.Neue evangelische Kirche in Conz-Karthaus bei Trier. In: Centralblatt der Bauverwaltung, 18. Jahrgang 1898, Nr. 10 (vom 5. März 1898), S. 115 f.
Das Kirchenschiff besitzt an den Seitenwänden je zwei und an der Rückwand drei leicht spitzbogige Maßwerkfenster mit je zwei Lanzettfenstern und obliegendem Sechspass, ferner je eine kleine Fensterrose mit Sechspass an der Seitenwand neben der Orgel. Im Chor befindet sich hinter dem Altar ein großes, spitzbogiges Maßwerkfenster mit drei Lanzettfenstern und obliegendem Sechspass.
Zur Wölbung des Chores und des Vorder- und Seiteneingangs wurde Bimsstein verwendet. Das Kirchenschiff und die Sakristei sind mit Holzdecken gedeckt. Der Fußboden bestand zur Zeit der Erbauung aus zwei Zentimeter dicken getränkten Buchendielen, der übrige Kirchenraum war mit Tonplatten belegt. Im Zuge der Renovierung 1965/1966 wurden diese durch einen Steinbelag aus schwarzem Anröchter Stein ersetzt. Die Wendeltreppe bis zur Seitenempore besteht aus härtestem Sandstein, von dort ab ist die Turmtreppe aus Holz gefertigt. Die beweglichen Kirchenbänke boten Platz für etwa 146 Besucher. Weitere 20 Plätze können durch eine Zusatzbestuhlung geschaffen werden. An der Westseite der Kirche befindet sich die im Rahmen der Renovierung 1996 eingezogene Orgelempore. Die ursprüngliche Orgelempore befindet sich im ersten Stock des Turms über der Sakristei.
Glasfenster hochkant|mini|Glasfenster im Chor
Die ursprünglichen Glasfenster aus der Glasmalereianstalt von Binsfeld & Jansen in Trier sind heute nicht mehr vorhanden. Sie waren rein ornamental und in Grisaille-Technik ausgeführt. Die einzelnen Glasscheiben hatten die Form von Spitzrauten.
Im Zuge der Renovierung von 1966 wurden sie durch neue, helle Glasfenster mit Bleifassung in verschiedenen Breiten des Künstlers Manfred Freitag aus Oberbillig ersetzt. Das mittlere Fenster hinter dem Altar zeigt den segnenden, dornengekrönten Christus. Die flankierenden Fenster zeigen die Marterwerkzeuge und in der Rosette darüber wird ein Kreuz dargestellt. An den Seitenwänden und der Rückwand sind die Fenster rein ornamental gestaltet und bestehen aus farbigen und durchsichtigen, kleinen Glasscheiben.
Orgeln Die erste Orgel war ein Geschenk der Gemeinde Odenkirchen, die ihre alte Kirche 1894 niederlegte und die Orgel einer Diasporagemeinde als Geschenk anbot. Der Orgelbauer Lieck aus Mönchengladbach baute die Orgel an ihrem alten Standort ab und errichtete sie mit großer Zeitverzögerung und nach Mahnschreiben des Pfarrers Strauß auf der Empore über der Sakristei. Das Gebläse musste aus Platzmangel im Turm untergebracht werden.
I. Manual C– Burdon 16′ Prinzipal 8′ Hohlflöte 8′ Gambe 8′ Octave 4′ Dublette ′ Cornett III Trompete B/D 8′ II. Manual C– Geigenprinzipal 8′ Lieblich Gedackt 8′ Flautdolce 4′ Dolce 4′ Quinte ′ Flautino 2′