Diese Liste von Subtypen des Influenza-A-Virus (FLUAV oder IAV) gibt einen Überblick über wichtige Varianten (Influenza-A-Subtypen) dieser Viren der „echten Grippe“ und – soweit belegbar – über deren Pathogenität für Tiere (→ Geflügelpest) und den Menschen (→ Influenza).
Eine umfassendere Übersicht über bislang bekannte Subtypen ist abrufbar auf der UniProt-Datenbank.UniProt-Datenbank: Taxonomy – Influenza A virus (no rank).
Subtypen mini|Nomenklatur von Subtyp-Varianten am Beispiel von A/H5N1 Das Genom der Influenza-A-Viren besteht aus 8 RNA-Segmenten, weshalb bei einer gleichzeitigen Infektion mit Viren zweier Influenza-Subtypen einzelne Segmente oder Teile davon zwischen den Viren beider Subtypen oder zwischen zwei Varianten eines Subtyps ausgetauscht werden können (eine Antigenshift zur Immunevasion). Epidemien mit Influenzaviren entstehen meistens durch eine mangelnde Herdenimmunität gegen ein neu rekombiniertes Virus (sowohl in Tieren als auch in Menschen). Die geringe Immunität gegen veränderte Influenzaviren liegt dann an der vergleichsweise großen Änderung der Zusammensetzung viraler Proteine nach einer Antigenshift. Die Ausbildung einer Immunantwort gegen diese veränderten Antigene muss folglich erneut erfolgen, was jedoch drei bis sieben Tage dauert. Insbesondere in dieser Zeit können sich ausgeprägte Symptome einer „Grippe“ zeigen. Als besonders bedrohlich für die Gesundheit von Geflügel und Menschen bewertet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Subtypen-Gruppen A/H5 und A/H9, da sie besonders rasch von niedrigpathogenen in hochpathogene Varianten übergehen können.. Im Original publiziert auf who.int vom Februar 2015.
Vermutlich sind die meisten heute beim Menschen zirkulierenden RNA-Segmente des Influenza-A-Virus im Jahr 1872 aus einer H3N8-Pferdeinfluenza über Nutzgeflügel auf den Menschen übergegangen.Michael Worobey et al.: A synchronized global sweep of the internal genes of modern avian influenza virus. In: Nature. Band 508, 2014, S. 254–257, . doi:10.1038/nature13016. PMID 24531761.Study on flu evolution may change textbooks, history books. Auf: eurekalert.org vom 16. Februar 2014.
Die Abkürzung ‚H‘ steht für Hämagglutinin, die Abkürzung ‚N‘ steht für Neuraminidase. Bislang wurden 18 ‚H‘-Varianten und 11 ‚N‘-Varianten nachgewiesen. Im Original publiziert auf ec.europa.eu vom 25. Februar 2014.
H1 A/H1N1
mini|Genetische Verankerung von Hämagglutinin (HA) und Neuraminidase (Na) bei A/H1N1 A/H1N1 ist ein häufig umlaufender Subtyp der Humaninfluenza. Er kann besonders leicht in menschliche Körperzellen eindringen und sein Erbgut einschleusen. Da sein erster Nachweis 1930 aus Schweinen erfolgt war,Richard E. Shope: Swine Influenza: III. Filtration and Ion Experiments and Etiology. In: Journal of Experimental Medicine. Band 54, 1931, S. 373–385. Im Original publiziert von Suburban Emergency Management Project in: Biot Report. Nr. 162 vom 9. Januar 2005. werden durch diesen Subtyp verursachte Infektionen beim Schwein als Schweineinfluenza und beim Menschen – bezogen auf eine bis 2009 unbekannte Variante – umgangssprachlich als „Schweinegrippe“ bezeichnet.
Eine Variante von A/H1N1 konnte als Auslöser der so genannten Spanischen Grippe von 1918/1920 im Lungengewebe von Opfern nachgewiesen werden. 2005 gelang Jeffery Taubenberger eine Rekonstruktion des Erregers der Spanischen Grippe aus Genfragmenten. 2007 wurde durch Forscher des St. Jude Children’s Hospital, Memphis (Tennessee), bekannt, dass ein nur 90 Aminosäuren großes Virusprotein mit der Bezeichnung PB1-F2 verantwortlich für die ungewöhnlich hohe Letalität von A/H1N1 in den Jahren nach 1918 zu sein scheint.Julie L. McAuley et al.: Expression of the 1918 Influenza A Virus PB1-F2 Enhances the Pathogenesis of Viral and Secondary Bacterial Pneumonia. In: Cell Host & Microbe. Band 2, Nr. 4, 2007, S. 240–249, doi:10.1016/j.chom.2007.09.001. Es bewirke besonders ausgeprägte Entzündungen bei den Infizierten. Testtiere erkrankten schon dann schwer, wenn nur ihre Nasenschleimhaut mit dem Protein in Berührung kam. Die heute noch kursierenden H1N1-Viren verfügen hingegen über ein verstümmeltes, nur 67 Aminosäuren umfassendes Protein: Dies sei die Folge davon, dass infolge einer Mutation ein Stopp-Signal ins PB1-F2-Gen eingefügt worden sei, so dass es nicht mehr vollständig abgelesen werde und das entstehende Protein daher minder pathogen sei.
Ein erneuter weltweiter Ausbruch – die so genannte Russische Grippe – ereignete sich 1977.Vogelgrippe (aviäre Influenza). Informationsschrift, erstellt in Zusammenarbeit mit Prof. Hans-Peter Seelig. Stand: Oktober 2005.
Ende Januar 2008 wurde von norwegischen Ärzten bei normalen Grippepatienten ein gegen Oseltamivir resistenter Virusstamm (A/H1N1-H274Y) entdeckt,. Im Original publiziert vom European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC), 20. September 2008. der sich inzwischen weltweit verbreitet hat. Im Original publiziert auf who.int vom 18. Juli 2008 (PDF; 29 kB). Mitte 2009 sind weltweit 96 %, in den entwickelten Ländern mit Benutzung von Oseltamivir praktisch alle Grafik der WHO. saisonalen A/H1N1-Viren resistent.WHO, 4. Juni 2009: Influenza A virus resistance to oseltamivir and other antiviral medicines.; vergl. dazu die . Im Original publiziert auf who.int im August 2009 (PDF; 553 kB).
Im April 2009 ereignete sich in Mexiko ein epidemieartiger Ausbruch einer bis dahin unbekannten Variante des H1N1-Subtyps, an dem zahlreiche Menschen erkrankten (siehe: Pandemie H1N1 2009/10). Einer 2016 publizierten Studie zufolge entstand die pandemische Variante des Virus (pdmH1N1) in Schweinen in Mexiko.Ignacio Mena et al.: Origins of the 2009 H1N1 influenza pandemic in swine in Mexico. In: eLife. Online-Veröffentlichung vom 28. Juni 2016, doi:10.7554/eLife.16777 ().
Im Juni 2020 wurde mit „G4 EA H1N1“ eine Variante bekannt, die für Influenzaerkrankungen bei Schweinen in China in den Jahren zwischen 2011 und 2018 verantwortlich war; die Gene dieser Variante entstammen teils einer aus europäischen und asiatischen Vögeln bekannten Linie, teils dem pandemischen H1N1-Virus aus dem Jahr 2009 und teils einer aus Nordamerika bekannten Linie, die ihrerseits aus mehreren Herkünften zusammengesetzt ist.Honglei Sun et al.: Prevalent Eurasian avian-like H1N1 swine influenza virus with 2009 pandemic viral genes facilitating human infection. In: PNAS. Band 117, Nr. 29, 2020, S. 17204–17210, doi:10.1073/pnas.1921186117 (). Dieser Dreifachkombination wurde ein erhebliches „Pandemiepotenzial“Neue Art der Schweinegrippe mit Pandemiepotenzial. Auf: science.orf.at vom 30. Juni 2020. zugeschrieben. Laut einer im Juni 2020 im Fachblatt PNAS veröffentlichten Studie sind bereits mehr als 10 Prozent der Schweinehalter (35 von 338 untersuchten Personen) infiziert. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass eine Infektion mit saisonaler Influenza keinen Schutz vor „G4 EA H1N1“ bietet.
A/H1N2 Der Subtyp A/H1N2 ist seit geraumer Zeit und von unterschiedlichen Kontinenten aus Geflügel und Schweinen bekannt,H1N2 Variant Virus Detected in Minnesota. Auf: cdc.gov vom 7. September 2012. ferner ist dieser Subtyp wiederholt – aber nur vereinzelt – von Schweinen auf Menschen übergegangen.Tapasi Roy Mukherjee et al.: Full genomic analysis of an influenza A (H1N2) virus identified during 2009 pandemic in Eastern India: evidence of reassortment event between co-circulating A(H1N1)pdm09 and A/Brisbane/10/2007-like H3N2 strains. In: Virology Journal. Band 9, 2012, S. 233, doi:10.1186/1743-422X-9-233. Zwischen 2005 und Ende 2023 wurden weltweit 50 Infektionen beim Menschen dokumentiert.Why has swine flu emerged in a person in the UK — and what’s next? Auf: nature.com vom 29. November 2023. Die Krankheitssymptome beim Menschen sind mild und vergleichbar mit anderen, saisonal auftretenden Subtypen.. Im Original publiziert auf who.int vom 19. Dezember 2016, S. 5.
Erstmals nachgewiesen wurde A/H1N2 1980 in Japan in Schweinen; detaillierte Analysen ergaben, dass einige der umlaufenden Varianten von A/H1N2 als Reassortierungen von A/H1N1 und A/H3N2 waren.Naomi Komadina et al.: A Historical Perspective of Influenza A(H1N2) Virus. In: Emerging Infectious Diseases. Band 20, Nr. 1, 2014, doi:10.3201/eid2001.121848, Volltext.
A/H1N3 Der Subtyp A/H1N3 entstand infolge einer Reassortierung auf der Basis von nicht-pandemischen A/H1N1- und A/H3N2-Viren; er ist seit 1998 in Nordamerika vereinzelt auch bei Menschen beobachtet worden, deren Krankheitsverläufe grippe-typisch, aber mild waren. Auf: virologie.uniklinikum-jena.deSupassama Chaiyawong et al.: Genetic characterization of influenza A virus subtypes H1N3 and H1N9 isolated from free-grazing ducks in Thailand. In: Archives of Virology. Band 161, Nr. 10, 2016, S. 2819–2824, doi: 10.1007/s00705-016-2962-0. Bereits 1976 wurde beschrieben, dass der Subtyp in einem Wal nachgewiesen werden konnte.Taxonomy: Influenza A virus, strain A/Whale/Pacific ocean/19/1976 H1N3 Auf: uniprot.org, zuletzt abgerufen am 21. April 2022.
A/H1N4 Der Subtyp A/H1N4 wurde erstmals 2006 aus einer Stockente in den Niederlanden isoliert (A/mallard/Netherlands/30/2006(H1N4)) und ist in der National Library of Medicine unter der Taxonomy ID 571454 registriert.Influenza A virus (A/mallard/Netherlands/30/2006(H1N4)). Eintrag in der National Library of Medicine. Weitere Nachweise gibt es aus Alberta (Kanada, eine Stockente), aus Zhejiang (China, eine Ente) und aus Delaware (USA, mehrere Steinwälzer).eol.org: Influenza A virus (AmallardNetherlands302006(H1N4)).
A/H1N5 Der Subtyp A/H1N5 wird in der NCBI taxonomy database unter der ID 352776 geführt; die ältesten Nachweise stammen aus Nordamerika (New York und Alberta), und zwar von einer Stockente (A/mallard duck/New York/6861/1978(H1N5)) aus dem Jahr 1978 und von einer Spießente (A/pintail duck/ALB/631/1981(H1N5)) aus dem Jahr 1981.NCBI taxonomy database: H1N5 subtype. Jüngere Nachweise stammen aus den Niederlanden (Cygnus columbianus bewickii und Truthuhn, 2007), Japan und Bangladesch (Enten, 2009 und 2013) sowie mehrfach aus Nordamerika, wodurch belegt ist, dass der Subtyp über mehrere Kontinente hinweg verbreitet ist.
A/H1N6 Der Subtyp A/H1N6 wird in der NCBI taxonomy database unter der ID 222770 geführt; der älteste Nachweise stammen aus England, und zwar von einer Spießente (A/R(pintail/Shimane/324/98-duck/England/1/1956)(H1N6)) aus dem Jahr 1956.NCBI taxonomy database: H1N6 subtype. Mehrere Dutzend jüngere Nachweise stammen aus Alaska (Trottellummen und Dickschnabellummen) aus dem Jahr 1976. Je ein Isolat aus Schweden (A/mallard/Sweden/98/2002(H1N6), Stockente 2002) und aus Korea (A/environment/Korea/UPO218/2008(H1N6), 2008) deuten darauf hin, dass A/H1N6 über mehrere Kontinente verbreitet ist.
A/H1N7 Der Subtyp A/H1N7 wurde erstmals 1992 in England nachgewiesen (A/swine/Eng/191973/92), und zwar in einer Schweinehaltung, in der zwei Tiere zuvor an A/H1N1 erkrankt waren. Ian H. Brown et al.: Isolation of an influenza A virus of unusual subtype (H1N7) from pigs in England, and the subsequent experimental transmission from pig to pig. In: Veterinary Microbiology. Band 39, Nr. 1–2, 1994, S. 125–134, doi:10.1016/0378-1135(94)90093-0. Schweine, die von Forschern mit A/H1N7 infiziert wurden, entwickelten nur leichte klinische Symptome und schieden das Virus bis zu neun Tagen nach der Infektion über die Nasengänge aus. Diese Befunde wurden dahingehend interpretiert, dass das H1N7-Virus eine nur geringe Pathogenität für Schweine aufweist. Weitere Nachweise von A/H1N7 stammen aus Schweden (A/mallard/Sweden/5/2003(H1N7), Stockente, 2003) sowie aus mehreren Bundesstaaten der USA (2008, 2009 und 2016).NCBI taxonomy database: H1N7 subtype.
A/H1N8