Aire-la-Ville (frz. [], im einheimischen frankoprovenzalischen Dialekt [])Chantal Schüle-Marro: Aire-la-Ville GE (Genève). In: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG). Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel. Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5, und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, S. 79. ist ein Dorf und eine politische Gemeinde des Kantons Genf in der Schweiz. Das Gemeindegebiet beherbergt 1173 Einwohner und ist vor allem landwirtschaftlich geprägt.
mini|Historisches Luftbild von Werner Friedli von 1953, links der Pont de Peney
Geographie Aire-la-Ville liegt am linken Ufer der Rhone an einer Flussschleife und umfasst eine Fläche von 2,93 km², bzw. 293 Hektar. Im Norden der Gemeinde grenzt diese an die Rhone, im Süden, im Uhrzeigersinn, an die Gemeinden Bernex und Cartigny.
Das Gemeindegebiet umfasst zu einem grossen Teil (43 %) landwirtschaftliche Flächen, weitere 24 % sind Waldflächen. Wohn- und Infrastrukturflächen machen 19 % der Gesamtfläche aus, die letzten 14 % sind unproduktive Flächen. Das 7,1 Hektar grosse Bois de Treulaz befindet sich teilweise in Aire-la-Ville, seit 2009 ist es als Naturschutzgebiet (Réserve naturelle) ausgewiesen.https://www.ge.ch/document/14414/annexe/file/25204 In diesem befindet sich der 0,002 km² grosse Étang Sous-Marlia (auch bekannt als La Gouille). Die Naturschutzgebiete La Petite Grave und Moulin de Vert grenzen ebenfalls an die Gemeinde.
Der Grossteil der Siedlungen gehört zum Dorf Aire-la-Ville, ferner befindet sich das als Colline-aux-Oiseaux bekannte Viertel im südlichen Teil des Gemeindegebiets.
Geschichte Auf Gemeindegebiet wurden Reste eines römischen Gutshofes und Gräber aus der Spätantike und dem Frühmittelalter gefunden. Zur römischen Zeit soll das Gebiet seinen Namen von einem römischen Bürger namens Eyria bekommen haben.
Erstmals urkundlich erwähnt wird der Ort 1496 als Herkunftsbezeichnung: Gervasius Barberii, de Eyria, carpentator; 1511 erscheint er als Ayria Villa, 1572 als Ayre-la-Ville. Der Ortsname geht wahrscheinlich zurück auf lat. ārea ‚Fläche, Platz, Markt‘; der spätere Zusatz Villa/-la-Ville bedeutet ‚Siedlung, Dorf‘ und dient der Unterscheidung zu anderen Ortschaften gleichen Namens.
Aire-la-Ville gehörte von 1536 bis 1564 zu Bern, danach bis 1601 zu Savoyen. Anschliessend gehörte die Gemeinde zu Frankreich, als Teil des Gebiets um Gex. Von 1716 bis 1816 war sie wiederum Teil von Savoyen. Mit dem Vertrag von Turin vom 16. März 1816 gelangte die Gemeinde schliesslich an den Kanton Genf.
Während des 19. Jahrhunderts wurde erstmals eine Brücke von Aire-la-Ville über die Rhone erbaut, welche die Gemeinde mit dem heutigen Satigny verband. Die Konstruktion von 1853 erwies sich jedoch als instabil und brach bei ihrer Einweihung zusammen, was mehrere Tote zur Folge hatte.
Bereits während des 20. Jahrhunderts wurde das damalige Dorf um einige einzelne Häuser erweitert, wobei jedoch erst in den 1970er-Jahren mit dem Bau eines neuen Viertels stärker anstieg.https://ge.ch/geodata/SIAMEN/PDL/PDCom_Aire_la_Ville/PDCom_Aire_la_Ville_03.pdf Zu der Zeit entstand ebenfalls das Viertel Colline-aux-Oiseaux.
Bei Grabungen wurden im Jahr 2022 mehrere merowingische Skelette in Aire-la-Ville gefunden.
Bevölkerung Bei der letzten Volkszählung 2024 lebten 1173 Einwohner in Aire-la-Ville, wobei die Gemeinde eine Einwohnerdichte von 400 Einw. pro km² aufwies.
Die Einwohner werden als Aériens bezeichnet. Früher waren sie ebenfalls als „Timbrés“ bekannt, was auf deren Gewohnheit am Ufer der Rhône Spargel anzubauen und diesen mit einem Feuchtstempel zu markieren, zurückgeht. Bevölkerungsentwicklung Jahr 1693 1850 1860 1900 1930 1950 1990 2000 2003 2010 2012 2014 20172024 Einwohner 149 243 254 186 159 169 499 736 736 1158 1108 1151 11611173
Politik
Legislative – Gemeinderat Die gesetzgeberische Gewalt wird durch den Munizipalrat (Conseil municipal) wahrgenommen. Er zählt 13 Sitze und wird alle fünf Jahre direkt vom Volk im Proporzwahlverfahren mit einer 7-Prozent-Hürde gewählt. Der Munizipalrat bestimmt das Budget und stimmt über Vorlagen der Regierung (Conseil administratif) ab. Ausserdem kann er selber Vorstösse lancieren. Die oben stehende Grafik zeigt die Sitzverteilung nach den letzten Gemeindewahlen vom März 2025.
Exekutive – Gemeinderegierung Die Gemeinderegierung (Conseil administratif, CA) besteht aus drei gleichberechtigten Mitgliedern, die alle fünf Jahre vom Volk in einer Majorzwahl einzeln gewählt werden. Bis zum 1. Juni 2025 bestand die Exekutive aus einem Bürgermeister und zwei Stellvertretern, seitdem wechselt das Amt des Stadtpräsidenten (Maire) jährlich im Turnus zwischen den Regierungsmitgliedern. Für den Zeitraum 2025 bis 2030 setzt sich die Gemeinderegierung wie folgt zusammen: RegierungsmitgliedParteiRessortChristine RambachEVSoziales und Jugend, Kultur, Freizeit und Mobilität, Personalwesen, KommunikationMichel ApothélozEVSport, Sicherheit, Gebäude, EnergiezentrumDominique NovelleEVFinanzen, Strassen, Abfall, Grünflächen, Allgemeine Verwaltung
Nationalratswahlen Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2023 betrugen die prozentualen Wähleranteile in Aire-la-Ville: SVPFDPGPSMCRSPMitteGLPPdA/SolEVP20,418,715,613,2811,38,36,21,50,5
Wirtschaft und Infrastruktur mini|links|Die Verbrennungsanlage (unten rechts) und der Barrage de Verbois
Wirtschaft Wie in grossen Teilen des Kantons wird in Aire-la-Ville vor allem Landwirtschaft betrieben, seltener auch Rebbau.https://ge.ch/geodata/SIAMEN/PDL/PDCom_Aire_la_Ville/PDCom_Aire_la_Ville_05.pdf Ferner befinden sich auch kleine Kiesgrubenbetriebsgebiete auf dem Gebiet der Gemeinde. Vereinzelte Lokalunternehmen und Betriebe sind vorhanden, wobei ein jedoch grosser Teil der Bevölkerung in die dichter besiedelten Teile des Kantons pendelt. Mit dem Bau eines Viertels mit Einfamilienhäusern in den 1970er-Jahren zogen viele Pendler in die Gemeinde. Gemessen an den Steuereinnahmen im Verhältnis zu den Einwohnern gehörte Aire-la-Ville 2025 zu den Genfer Gemeinden mit den geringsten finanziellen Mitteln.
Auf dem Gemeindegebiet befindet sich ein Teil des Laufwasserkraftwerks Barrage de Verbois. Bei dessen Ufer in Aire-la-Ville befindet sich mit 107 Becken die grösste Fischtreppe der Schweiz.
1966 nahm die Kehrichtverbrennungsanlage Les Cheneviers, welche der SIG gehört, ihren Betrieb auf. Es handelt sich um den drittgrössten Stromerzeuger im Kanton Genf. Die Anlage zählt ebenfalls zu den grössten ihrer Art in der Schweiz.
Verkehr Die Gemeinde ist mit Busverbindungen an das Netzwerk der Transports publics genevois angebunden und subventioniert die Nutzung der öffentlichen Transportmittel durch ihre Einwohner. Mit dem Barrage de Verbois ist Aire-la-Ville mit der Gemeinde Russin verbunden; der Pont de Peney überquert die Rhone in Richtung Satigny. Vor dem Bau letzterer Brücke fungierte eine Fähre als Verbindung zum anderen Ufer. Trotz den beiden Brücken ist die Gemeinde grösstenteils von den wichtigsten regionalen Verkehrswegen abgeschnitten.https://ge.ch/geodata/SIAMEN/PDL/PDCom_Aire_la_Ville/PDCom_Aire_la_Ville_02.pdf
Bildung Es gibt in Aire-la-Ville einen Kindergarten sowie eine Primarschule, aufgrund der geringen Einwohnerzahl müssen Schüler für die Sekundarstufe in benachbarte Gemeinden zur Schule gehen. Die 1995 errichtet lokale Primarschule unterrichtet ungefähr 140 Schüler.
Sicherheit Als kleine Gemeinde hat Aire-la-Ville keine eigene kommunale Polizei, sondern fällt, wie auch Confignon und Avully, unter das Einsatzgebiet der kommunalen Polizei aus dem benachbarten Bernex. Eine Gruppe der freiwilligen Feuerwehr ist sowohl für Aire-la-Ville als auch Cartigny zuständig.
Sehenswürdigkeiten und Kultur
Architektur und Ortsbild mini|Die Kirche Aire-la-Ville Das Dorf Aire-la-Ville ist ein für den Genfer Kanton typisches Strassendorf, wobei viele Häuser einen einfachen Zugang zu den Feldern aufweisen. Entlang der Hauptachse Rue du Vieux-Four findet ein grosses Teil des Dorflebens statt. An dieser befindet sich ebenfalls die Kirche Aire-la-Ville, welche zur katholische Kirche Genf gehört. In der Nähe der Dorfmitte ist eine hölzerne Schubkarre als öffentliches Denkmal ausgestellt, wobei diese an das landwirtschaftliche Erbe des Ortes erinnern soll. In der Nähe des Barrage de Verbois befindet sich ein Wasserturm.
Sport Die Gemeinde beherbergt das Inlinehockeyteam IHC Aire-la-Ville, welcher 2022 in die Nationalliga A, der höchsten Inlinehockeyliga in der Schweiz, aufstieg. Ansonsten beherbergt die Gemeinde verschiedene kleine Sportanlagen, darunter ein Fussballfeld. Ein lokaler Tennisverein ist ebenfalls vorhanden. Ein Teil der Rennen der Schweizer Meisterschaft im Strassenradrennen wird in Aire-la-Ville ausgetragen.
Wappen
Persönlichkeiten
Hans Berger, Maler, starb am 7. April 1977 in Aire-la-VilleHans Berger: 1882 Biel – 1977 Aire-la-Ville (GE). 30. November 2006 bis 27. Januar 2007. Galerie Nicolas Beurret, Zürich 2006, 56 S. ()
Weblinks
Website der Gemeinde Aire-la-Ville Aire-la-Ville auf der Website des Verbands der Genfer Gemeinden
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Kanton Genf Kategorie:Schweizer Gemeinde
Kategorie:Ort an der Rhone Kategorie:Ersterwähnung 1496