Oschakan (), andere Umschriften Oshakan, Ōšakan, ist eine Kleinstadt in der zentralarmenischen Provinz Aragazotn, die vor allem als Begräbnisort von Mesrop Maschtoz bekannt ist, einem Heiligen der Armenisch-Apostolischen Kirche, der wegen der Einführung der armenischen Schrift im Jahr 405 verehrt wird. Die über seinem Kenotaph in den Jahren 1875–1879 anstelle eines Vorgängerbaus neu errichtete Kirche ist ein Pilgerziel. Auf dem Hügel Didikond wurde eine urartäische Festung freigelegt, die ältesten Grabfunde stammen aus der Späten Bronzezeit. In der Ortsmitte blieben eine kleine, Surb Sion oder Mankanoz genannte kreuzförmige Kirche mit vier Konchen aus dem 7. Jahrhundert und ein Tukh-Manuk-Schrein erhalten.

Lage mini|links|Brücke von 1705 über den Kassagh Oschakan liegt 23 Kilometer nordwestlich von Jerewan und ist über die nach Gjumri führende Schnellstraße M1 erreichbar. In der Provinzhauptstadt Aschtarak zweigt eine Nebenstraße (H19) nach Südwesten ab, die nach vier Kilometern durch Oschakan und weiter nach Etschmiadsin führt und dort eine Verbindung mit der M5 zwischen Jerewan und Armawir herstellt.

Eine fünf Kilometer lange Straße (H20) in nordwestlicher Richtung verbindet Oschakan beim Dorf Agarak ebenfalls mit der M1 und steigt anschließend am Hang des Aragaz nach Tegher und Bjurakan auf. Mit 1051 Metern Höhe liegt Oschakan noch in der breiten Ebene des Aras-Tals am Rand der südlichen Ausläufer des 4090 Meter hohen Aragaz. Dort entspringt der Fluss Kassagh, der in einer tiefen Schlucht Aschtarak durchquert, südlich des Ortszentrums an Oschakan vorbeifließt und später in den Aras mündet.

Geschichte Die Geschichte des Aras-Tals reicht bis in die Frühe Bronzezeit ab der Mitte des 4. Jahrtausends v. Chr. zurück. In der Späten Bronzezeit (ab dem 15. Jahrhundert v. Chr.) wurde auf dem Hügel Didikond am östlichen Ortsrand eine Siedlung angelegt. Dort befinden sich die Reste einer urartäischen Festung aus der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. und der hellenistischen Siedlung Nor Oschakan („Neu-Oschakan“).

Die Bedeutung des Ortes geht auf den Mönch Mesrop Maschtoz (um 360–440) zurück, dessen Grab nach seinem Tod zu einer Pilgerstätte wurde. Der Name Mesrop steht für die Einführung der armenischen Schrift im Jahr 440, ein Datum, das neben der Erklärung des Christentums zur Staatsreligion durch König Trdat III. 314 und der ersten, von Moses von Choren (Movses Chorenatsi) im 5. Jahrhundert verfassten armenischen Chronik einen der drei Eckpfeiler darstellt, auf denen sich der Geschichtsmythos der armenischen nationalen Identität gründet. Die armenische Dynastie der Arsakiden verlor 337 ihre Autonomie, als Armenien durch den römisch-persischen Machtkampf zum umstrittenen Gebiet zwischen dem Römischen Reich und den Sassaniden wurde. Zum Toponym „Armenien“ zählten Mitte des 4. Jahrhunderts das Arsakidenreich mit der Hauptstadt Dvin im Norden, mehrere Satrapien im Süden im römischen Einflussbereich und das römische Kleinarmenien nordwestlich des Euphrat. Zu den Arsakiden des 4. Jahrhunderts gehörte die armenische Dynastie (Nacharare) der Amatuni, die sich von ihrem Zentrum in Schavarschan (in der heutigen iranischen Provinz Aserbaidschan) bis in den Norden und Westen des Sewansees ausbreiteten, wo sie die Festung von Oschakan zu ihrem Stammsitz machten.

Nach der Legende ließ König Trdat, ein Anhänger der altarmenischen Götter, den Prediger Gregor einsperren, die christliche Jungfrau Hripsime und ihre 37 Begleiterinnen, die später zu Märtyrerinnen wurden, töten, worauf er selbst bald danach krank wurde und sich in einen Eber verwandelte. Ein Engel erschien im Traum Trdats Schwester und sagte ihr, nur Gregor könne den König heilen. Gregor wurde freigelassen und als er das Wunder vollbracht und der König wieder Menschengestalt angenommen hatte, trat dieser aus Reue zum Christentum über und erklärte den neuen Glauben 301 (tatsächlich wohl eher 314) zur Staatsreligion.Hamlet Petrosyan: In the Beginning. In: Levon Abrahamian, Nancy Sweezy (Hrsg.): Armenian Folk Arts, Culture, and Identity. Indiana University Press, Bloomington 2001, S. 18. Gregor machte sich fortan mit Eifer an die Vernichtung der heidnischen Tempel. Das Christentum wurde fortan im politisch instabilen 4. Jahrhundert zum wesentlichen Identifikationsfaktor der Armenier.Mihran Dabag: Gedächtnis und Identität. In: Armenien. Wiederentdeckung einer alten Kulturlandschaft. (Ausstellungskatalog) Museum Bochum 1995, S. 22.

Das Problem bei der Missionierung war, dass die ersten Prediger die Bibel in griechischer oder syrischer Sprache vorlasen und ihre Botschaft anschließend umständlich für das einfache Volk auf Armenisch übersetzen mussten; ein Verfahren, das einer weiteren Verbreitung des Christentums im Weg stand. Die Amtsträger sprachen Griechisch oder Parthisch und die sassanidischen Machthaber versuchten, ihre Kultur – und als strenge Anhänger des Zoroastrismus vor allem ihren Glauben – den Armeniern aufzudrängen. Nach der Teilung Armeniens zwischen dem oströmischen Kaiser Theodosius I. (reg. 379–395) und dem sassanidischen Großkönig Schapur III. (reg. 383–388) durch den Vertrag von Ekeghiats (Ekeleac) im Jahr 387 kamen die nordarmenischen Gebiete zu Ostrom.Simon Payaslian: The History of Armenia. From the Origins to the Present. Palgrave Macmillan, New York 2007, S. 39. Nunmehr übten die Byzantiner auf ähnliche Weise Druck auf die Armenier aus, indem sie Griechisch zur Liturgiesprache erklärten und auch nach dem 6. Jahrhundert noch versuchten, die chalkedonische Orthodoxie missionarisch zu verbreiten. Mesrop Maschtoz Erfindung des an das griechische Alphabet angelehnten armenischen Alphabets im Jahr 405 nach der kirchlichen Tradition begrüßten die Armenier daher als ein Wunder. Der Schrift wurde ein göttlicher Ursprung zugedacht. Mesrop habe die Schrift von Gott mit einem goldenen Hammer in Stein gemeißelt vorgefunden und habe sie nur noch abschreiben müssen. Vielleicht soll die Legende auch an ein uraltes armenisches Alphabet erinnern, das zur damaligen Zeit in Vergessenheit geraten war, und um diese wieder zu entdecken habe der König den Gelehrten Mesrop in alle Landesteile ausgesandt. Bis heute gilt die Schrift als das Mittel, mit dessen Hilfe Wissen und Weisheit erworben und tradiert werden kann.Hamlet Petrosyan: Writing and the Book. In: Levon Abrahamian, Nancy Sweezy (Hrsg.): Armenian Folk Arts, Culture, and Identity. Indiana University Press, Bloomington 2001, S. 52. Oschakan ist ein Ort, an dem der magischen, aus vorchristlicher Zeit überlieferten Bedeutung der Schrift gedacht wird, ein anderer ist ein aus Buchstaben bestehender Skulpturenpark auf freiem Feld 20 Kilometer südlich von Aparan.

Mit Mesrop Maschtoz begann die Übersetzung der Bibel in die armenische Sprache. Im 5. Jahrhundert erfolgte die offizielle Übernahme des Armenischen als Liturgiesprache.Nina G. Garsoïan: Janus: The formation of the Armenian church from the IVth to the VIIth century. In: Robert F. Taft (Hrsg.): The Formation of a Millenial Tradition: 1700 Years of Armenian Christian Witness (301–2001). (Orientalia Christiana Analecta 271) Pontificio Instituto Orientale, Rom 2004, S. 84. Die in den Klöstern im Mittelalter angefertigten illuminierten Handschriften gelten bis heute als die eigentlichen Träger des armenischen kulturellen Erbes.

Eine erste Kirche wurde nach Mesrop Maschtoz Tod um 443 von Vahan Amatuni gestiftet, ein von den Sassaniden als Assistent des Statthalters eingesetzter Fürst der Amatuni-Dynastie, der sich 451 mit anderen armenischen Dynastien gegen die Einführung der persischen Religion in seinem Land auflehnte und dafür nach Gorgan in die Verbannung geschickt wurde.Amatuni. Armenian dynastic house, known historically after the 4th century CE. Encyclopædia Iranica Von diesem Gebäude und den zahlreichen nachfolgenden ist abgesehen von der Gruft nichts erhalten geblieben. Die heutige Kirche wurde unter Katholikos Georg IV. 1875–1879 errichtet.

Oschakan wird zusammen mit Karbi (nördlich von Mughni) in einer 1244 datierten Inschrift des Fürsten Kurd, Sohn des Fürsten Vache Vachutyan, an der Hauptkirche des ehemaligen Klosters Astvatsnkal (am Kassagh halbwegs zwischen Saghmosavank und dem Aparan-Stausee) erwähnt. Beiden Orten stiftete der Fürst demnach Land.Brady Kiesling: Rediscovering Armenia Guidebook – Aragatsotn Marz. In der Amtszeit des Katholikos Movses Siunetsi (1620–1633) und seines ihm nachfolgenden Schülers Pilippos Haghbaketsi (1633–1655) wurden das Kloster von Oschakan und andere in den zwei unruhigen Jahrhunderten zuvor geschlossene armenische Klöster wiederaufgebaut.Vrej Nersessian: Treasures from the Ark. 1700 Years of Armenian Christian Art. The British Library, London 2001, S. 34.

1827 fand in der Nähe von Oschakan während des Russisch-Persischen Kriegs 1826–1828 ein Gefecht zwischen den Truppen des persischen Schahs Abbas Mirza und den unter der Führung des Generals AfanassiKrassowski stehen den Einheiten des Russischen Reichs statt. Als Erinnerung an die Niederlage der Russen, die zwischen 1154 und 3200 Mann verloren, wurde 1833 ein Denkmal aufgestellt.Aštarak. Encyclopædia Iranica 2011 wurde ein neues Denkmal südlich des Kassagh an der Straße nach Etschmiadsin eingeweiht. tert.am, 15. April 2011.

Ortsbild mini|Ortsmitte Richtung Voskevaz. Storchennester, Vorgärten mit Walnussbäumen und Weintrauben. Bei der Volkszählung des Jahres 2001 wurde die offizielle Einwohnerzahl mit 5106 angegeben.RA 2001 Population and Housing Census Results. armstat.am Im Januar 2012 lebten nach der amtlichen Statistik in Oschakan 5962 Einwohner.RA Aragatsotn Marz. armstat.am, 2012

Das geographische Zentrum des Ortes befindet sich etwa an der Einmündung der drei aus Süden, Nordosten und Nordwesten kommenden Straßen. Einen knappen Kilometer Richtung Kassagh liegen eng beieinander die Kirche mit der Grabgruft von Mesrop Maschtoz und der alte Friedhof am Rand des Siedlungshügels Didikond. Die ein- bis zweigeschossigen, häufig in ummauerten Gärten liegenden Wohnhäuser umgeben den Siedlungshügel an seiner West- und Nordseite, an den übrigen Seiten wird er durch einen großen Bogen des Kassagh-Flusstals begrenzt. Von der Kirche nach Süden führt die Straße nach wenigen Metern in die Schlucht hinunter zu einer Straßenbrücke von 1705. Die Zionskirche (Mankanoz) liegt entfernt nördlich der Einmündung. Entlang der nordwestlichen Ausfallstraße ist Oschakan mit dem Dorf Voskevaz zusammengewachsen, auf dessen umliegenden Feldern Weinbau betrieben wird.

Grabkirche des Mesrop Maschtoz mini|Mesrop-Maschtoz-Kirche von Südwesten Ein erster Schrein für den heiligen Mesrop soll hier bereits 443, drei Jahre nach seinem Tod gestanden haben. Dies geht aus einem Bericht des zeitgenössischen Chronisten Koriun (Koriwn) „Leben des Maschtoz“ (Varkʿ Maštocʿi), Kapitel 26, hervor:Koriun: The Life of Mashtots. Arthur Ambartsumian's Personal Web Page „Nachdem drei Jahre vorüber waren, gelang es dem Wahan Amatuni, mit Christus liebendem Eifer einen prächtigen Altar aufzubauen, mit verzierten gemeißelten Steinen, und im Innern des Altars bereitete er die Ruhestätte (Martyrosaran) des Heiligen.“Josef Strzygowski, S. 252 Während die ursprünglich über der Grabgruft erbaute Kapelle und spätere Nachfolgebauten längst verschwunden sind, soll die unterirdische Gewölbekammer noch original sein. Nach Koriuns Beschreibung sollte das zweigeschossige Gebäude ähnlich wie die Reliefabbildung eines Grabmonuments auf der Stele von Odsun ausgesehen haben. Sie zeigt einen kubischen Unterbau mit einem von vier Pfeilern getragenen Baldachin darüber. Derartige Tetrapylen sind auf dem Gebiet der syrischen Toten Städte aus Brad (3. Jahrhundert) und Dana (Nord) (2. Jahrhundert) bekannt. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass sich der oberirdische Altar in einer geschlossenen Kapelle befand.Annegret Plontke-Lüning, S. 242