Robert Hübner (* 6. November 1948 in Köln-Mülheim; † 4. Januar 2025In einigen Nachrufen ist fälschlich der 5. Januar angegeben, die Emanuel-Lasker-Gesellschaft hat im Beitrag Schachmuseum Löberitz erbt schachlichen Nachlass von Großmeister Dr. Robert Hübner ein Dokument Der Robert Hübner Nachlass veröffentlicht, welches das Sterbedatum 4. Januar 2025 anhand der Sterbeurkunde des Standesamtes Köln belegt, abgerufen am 19. Januar 2026. Den bisher fälschlich angeführten Geburtsort Porz berichtigt anhand der Geburtsurkunden Michael Dombrowsky: Robert Hübner. Ein Leben in vielen Welten. Steinmeier, Deiningen 2026, S. 23: „Sowohl bei Wolfgang (geboren 1943), als auch bei Robert (1948) blieb Köln-Mülheim als Geburtsort unbekannt, weil man den Umzug von Köln-Rath nach Heumar, einem kleinen Ort, der zu jener Zeit zur unabhängigen Stadt Porz gehörte, für den ersten Wohnungswechsel der Familie hielt.“ in Köln) war ein deutscher Schachgroßmeister.Manfred van Fondern: Lexikon für Schachfreunde. Verlag C. J. Bucher, Luzern/Frankfurt am Main 1980, S. 137–138. Der 1973 an der Universität zu Köln promovierte Papyrologe gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Schachspieler. Von 1971 bis 1988 gehörte er durchgehend zu den 20 weltbesten Spielern, seine beste Platzierung in der Eloliste war der dritte Platz im Juli 1981.

Jugend mini|hochkant|Der 17-jährige Robert Hübner in Porz (1966) Hübner wurde 1948 als jüngerer Sohn von Johannes Josef Richard (genannt Hans) Hübner und seiner aus Antwerpen stammenden Ehefrau Germaine Hübner (geb. Hager) in Köln-Mülheim geboren.André Schulz: Herzlichen Glückwunsch, Robert Hübner! In: de.chessbase.com. 6. November 2008, abgerufen am 17. Oktober 2019.Johannes Fischer: Robert Hübner wird 65 In: de.chessbase.com. 6. November 2013, abgerufen am 18. Oktober 2019. Er lernte als Fünfjähriger das Schachspielen von seinem Vater, dem Kölner Studienrat Johannes Josef Richard (genannt Hans) Hübner, der am Hölderlin-Gymnasium in Köln-Mülheim die Fächer Deutsch, Latein und Griechisch unterrichtete.Städtisches HÖLDERLIN-Gymnasium, Köln-Mülheim (Hrsg.): Jubiläumsfestschrift Hölderlin 1912 2012 Hundert Jahre Hölderlin. Köln 2012, S. 195. Robert Hübner besuchte auf Wunsch seines Vaters das Gymnasium, an dem dieser lehrte, nur bis zur Quarta und ab der Untertertia das altsprachliche Friedrich-Wilhelm Gymnasium in Köln, wo er 1966 das Abitur ablegte. Danach begann er ein Studium der Fächer Altgriechisch, Latein und Alte Geschichte an der Universität zu Köln, das er 1973 mit der Promotion abschloss. Vgl. die Berichtigung der Fehlinformation durch Hübner selbst bei Michael Dombrowsky: Robert Hübner. Ein Leben in vielen Welten. Steinmeier, Deiningen 2026, S. 99–101, hier S. 100: „das (nämlich das Datum 1976) ist eine Fehlinformation, die sich hartnäckig weiterverbreitet. Tatsächlich fand meine Promotion 1973 statt [...] Man darf aber erst nach der Veröffentlichung der Arbeit den Doktortitel führen. Die Arbeit habe ich erst 1976 [...] in den ‚Kölner Papyri Band 1‘ veröffentlicht.“ 1968 leistete er seinen Wehrdienst ab, aus dem er nach zwölf Monaten krankheitsbedingt vorzeitig entlassen wurde.

1957 wurde er Mitglied im Eisenbahnschachverein Turm Köln. Mit seinem Verein spielte er 1961 in Minden um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft und erzielte am achten Brett fünf Punkte aus sieben Partien. 1963 wurde er in Bad Schwalbach mit vier Punkten Vorsprung Deutscher Jugendmeister. Ein Jahr später belegte er in Groningen in einem internationalen Jugendturnier mit Hans Ree den geteilten 1. Platz. Bei der 8. Jugend-Weltmeisterschaft in Barcelona 1965 erreichte er punktgleich mit dem ostdeutschen Teilnehmer Manfred Schöneberg Rang 5 bis 7.Willy Iclicki: FIDE Golden book 1924–2002. Euroadria, Slovenia, 2002, S. 56.Die Jugend-Weltmeisterschaft in Barcelona. Schach-Echo Nr. 18, 23. September 1965, 1. Umschlagseite. Bei der 9. Jugendweltmeisterschaft 1967 in Jerusalem wurde er hinter Kaplan, Keene und Timman Vierter.Milu Milescu: IX. Jugend-Weltmeisterschaft in Jerusalem. Schach-Echo Nr. 18, 2. Septemberheft 1967, 1. Umschlagseite.

Internationale Laufbahn Danach belegte er bei der Deutschen Meisterschaft in Kiel 1967 zusammen mit Hans Besser den geteilten ersten Platz.Deutsche Schacheinzelmeisterschaft 1967 in Kiel auf TeleSchach (Kreuztabelle und Partien) 1968 gewann er das internationale Turnier in Büsum. 1969 wurde er Internationaler Meister. Beim Zonenturnier in Athen qualifizierte er sich mit dem 2. bis 3. Platz für das Interzonenturnier.

In den 1970er Jahren entwickelte Hübner als Gegenmittel gegen das Rubinstein-System von Akiba Rubinstein in der Nimzowitsch-Indischen Verteidigung ein Blockadesystem auf den schwarzen Feldern, das nach dem schwarzen Gegenzug 4. … c7–c5 nur durch die Züge 5. Lf1–d3 Sb8–c6 6. Sg1–f3 Lb4xc3+ 7. b2xc3 d7–d6 eingeleitet wird. Mit 8. e3–e4 e6–e5 9. d4–d5 Sc6–e7 wäre das Zentrum verbaut. Für den wünschenswerten Hebel f2–f4 muss Weiß nun zuvor den eben dorthin entwickelten Sf3 wegziehen und verliert dadurch Tempi. Das legitimiert das freiwillige Lb4xc3+. Im Sämisch-System hat Weiß das Mehrtempo a2–a3 verbraucht, kann dafür aber bei solch einem Blockade-Aufbau sofortiges f2–f4 ziehen. Er wurde damit Namensgeber für das Hübner-System.

Interzonenturnier Palma und erster Anlauf zur Weltmeisterschaft Seinen internationalen Durchbruch schaffte er bei diesem Interzonenturnier Palma de Mallorca 1970, bei dem er hinter dem späteren Weltmeister Bobby Fischer (die Partie zwischen den beiden endete remis) den geteilten 2. Platz erreichte und sich für die Kandidatenkämpfe qualifizierte. Gleichzeitig erfüllte er die Großmeisternorm und wurde 1971 jüngster deutscher Großmeister.Willy Iclicki: FIDE Golden book 1924–2002. Euroadria, Slovenia 2002, S. 76.

Im Kandidatenturnier unterlag er in Sevilla im Viertelfinale dem Ex-Weltmeister Tigran Petrosjan. In diesem Wettkampf wurde Hübner durch den großen Lärm gestört, der im Turniersaal herrschte. Petrosjan, der schwerhörig war, konnte sein Hörgerät abstellen. Hübner konnte sich nicht konzentrieren, fühlte sich benachteiligt und brach nach der verlorenen siebten Partie den Wettkampf ab, nachdem zuvor sechs Remispartien gespielt worden waren.

Weitere Turniere (1972–1979) 1972 spielte er in der deutschen Nationalmannschaft bei der Schacholympiade in Skopje. Hier erzielte er an Brett eins das beste Ergebnis aller Spitzenbretter (+12 =6 −0) und schlug auch Petrosjan.

1973 konnte er sich beim Interzonenturnier in Leningrad als Fünfter nicht für das Kandidatenturnier qualifizieren. Ein Wettkampf mit Kortschnoi in Solingen ging mit 3,5:4,5 verloren. 1974 und 1975 wurde er mit der Solinger SG 1868 Deutscher Mannschaftsmeister.

Beim Interzonenturnier in Biel 1976 lag Hübner lange Zeit in Führung. In der vorletzten Runde verlor er seine Partie gegen Petrosjan, nachdem er eine klare Gewinnmöglichkeit ausgelassen hatte. Platz 5 bis 7 reichte nicht zur Qualifikation.

1979 belegte er beim Großmeisterturnier in München den geteilten 1. bis 4. Platz. Mittlerweile wieder für die SG Porz spielend wurde Hübner 1979 erneut deutscher Mannschaftsmeister.

Interzonenturnier Rio und zweiter Anlauf zur Weltmeisterschaft mini|hochkant|Robert Hübner 1979 in Rio Danach nahm er einen zweiten Anlauf für die Weltmeisterschaft. Beim Interzonenturnier in Rio de Janeiro 1979 qualifizierte er sich mit Rang 1 bis 3 (neben Portisch und Petrosjan) für das Kandidatenturnier. Hier besiegte er 1980 in Bad Lauterberg zunächst den Ungarn Adorjan mit 5,5:4,5 (+2 =7 −1) und danach im Halbfinale in Abano Terme (Italien) Portisch mit 6,5:4,5 (+2 =9 −0). Nach diesem Sieg stand Hübner auf Platz 3 der Weltrangliste (hinter Karpow und Kortschnoi).

Das auf 16 Partien angesetzte Kandidatenfinale gegen Kortschnoi, 1980 in Meran, brach Hübner nach zehn Partien ab. Nach sechs Partien führte er nach Siegen mit 2:1, übersah aber in der siebten in einem ausgeglichenen Endspiel eine Springergabel und verlor einen ganzen Turm. Hübner unterlag auch in der achten Partie, die beiden letzten Partien (Hängepartien) blieben unbeendet und wurden nach Hübners Abbruch für Kortschnoi gewertet.

1982 gewann Hübner ein doppelrundiges Turnier mit sechs Teilnehmern in Chicago mit 2,5 Punkten vor Walter Browne und drei Punkten vor Kortschnoi. In der Bundesliga spielte Hübner von 1981 bis 1983 beim Hamburger SK, kam mit ihm aber nicht über Plätze im Mittelfeld hinaus, obwohl er ausgezeichnete Einzelergebnisse erreichte (in der Saison 1981/82 9,5 Punkte aus 10 Partien, in der Saison 1982/83 9,5 Punkte aus 12 Partien). 1983 wechselte er zur Solinger SG 1868.

Dritter Anlauf zur Weltmeisterschaft 1983 spielte Hübner zum dritten Mal das Kandidatenturnier, für das er als Finalist von 1980 teilnahmeberechtigt war. Im Viertelfinale traf er in Velden am Wörther See auf den ehemaligen Weltmeister Wassili Smyslow. Nach zehn Partien stand es 5:5 unentschieden (+1 =8 −1). In der Verlängerung endeten alle vier Partien remis. Danach wurde der Wettkampf durch Los entschieden; Hübner schied aus.Nach 7:7 entschied die Kugel für Smyslow. Kortschnoi siegte über Portisch 6:3. Schach Aktiv 5/1983 (Bericht, Bilder). 1984 wurde Hübner für den Wettkampf UdSSR gegen den Rest der Welt nominiert; dort spielte er gegen Juri Rasuwajew viermal remis. In der Bundesliga wurde Hübner 1987 und 1988 mit Solingen deutscher Mannschaftsmeister, danach wechselte er zum FC Bayern München, mit dem er 1989, 1990, 1991, 1992, 1993 und 1995 deutscher Mannschaftsmeister wurde.

Vierter Anlauf zur Weltmeisterschaft 1990 qualifizierte sich Hübner beim Interzonenturnier in Manila (7. Platz, acht Punkte aus 13) nochmals für das Kandidatenturnier. Bei der Schacholympiade 1990 in Novi Sad erzielte er an Brett 1 ein Ergebnis von 7 aus 10; Aufsehen erregte sein Gewinn gegen Iwantschuk.

Im Januar 1991 scheiterte er in Sarajevo im Achtelfinale des Kandidatenturnieres an Jan Timman mit 2,5:4,5.

Partiebeispiel

In der folgenden Partie besiegte Hübner mit den weißen Steinen im Interpolisturnier in Tilburg 1987 den früheren Weltmeisterschaftskandidaten Kortschnoi in einer brillanten taktischen Kurzpartie.

Hübner–Kortschnoi 1:0 Tilburg, 18. September 1987 Spanische Partie (Offene Verteidigung), C82 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 a6 4. La4 Sf6 5. 0–0 Sxe4 6. d4 b5 7. Lb3 d5 8. dxe5 Le6 9. c3 Sc5 10. Lc2 Lg4 11. Te1 Le7 12. Sbd2 Dd7 13. Sf1 Td8 14. Se3 Lh5 15. Sf5 0–0 16. Sxe7+ Sxe7 17. b4 Sa4? Der erste und bereits ausreichende Fehler, der Springer fehlt am Königsflügel, besser 17. … Se4… 18. Lxh7+!! Kxh7 der zweite Fehler, nun steht der schwarze König viel zu offen 19. e6! hält die schwarze Dame von g4 fern 1:0

Nationalmannschaft Bei der Schacholympiade im Jahr 2000 in Istanbul hatte er am Gewinn der Silbermedaille der deutschen Mannschaft großen Anteil. Danach zog er sich aus der Nationalmannschaft zurück. Insgesamt nahm er von 1968 bis 2000 an 11 Schacholympiaden teil und erzielte dabei in 122 Partien 80,5 Punkte.Robert Hübners Ergebnisse bei Schacholympiaden auf olimpbase.org (englisch) Es waren dies die Schacholympiaden 1968 in Lugano, 1972 in Skopje, 1978 in Buenos Aires, 1982 in Luzern, 1984 in Thessaloniki, 1990 in Novi Sad, 1992 in Manila, 1994 in Moskau, 1996 in Jerewan, 1998 in Elista und 2000 in Istanbul. Seine besten Einzelergebnisse erzielte er 1972 (15 Punkte aus 18 Partien) und 1990 (7 aus 10) mit jeweils einer Goldmedaille am ersten Brett.

Hübner spielte in der deutschen Nationalmannschaft außerdem unter anderem bei den Mannschaftseuropameisterschaften 1965, 1989, 1997, 1999 und 2001, er erreichte mit der Mannschaft 1989, 1999 und 2001 den dritten Platz.Robert Hübners Ergebnisse bei Mannschaftseuropameisterschaften auf olimpbase.org (englisch)

Weitere Turniere (nach 1991) mini|Karpow und Hübner analysieren bei den Dortmunder Schachtagen 1997 mini|Slobodjan – Hübner, 1999 in Altenkirchen