mini|Lageskizze Verlauf der Stanegatestraße und des Hadrianswalls mit Kastellstandorten mini|Lageskizze Kastelle an der Küste von Cumbria (130 n. Chr.) Der Hadrianswall war eine Grenzbefestigungsanlage im Norden der britischen Insel, die 122 n. Chr. auf Anordnung Kaiser Hadrians errichtet wurde. Er sicherte die nördlichste Grenze (Limes) des römischen Reiches. Der Wall ist die am umfangreichsten erforschte Befestigungsanlage am Limes Britannicus.
Zwischen dem Kastell Segedunum (Wallsend) am Fluss Tyne und dem Kastell Maia (Bowness-on-Solway) am Solway Firth verlief eine ca. 117 km lange, fünf Meter hohe und zwei bis drei Meter breite Steinmauer, die in regelmäßigen Abständen von 80 Kleinkastellen, sogenannten Meilenkastellen, verstärkt wurde. Zu diesen Befestigungen gehörten in den meisten Fällen auch zwei Wach- und Signaltürme, die die Abschnitte zwischen den Kastellen sicherten. Von diesen Befestigungsbauten sind vielfach ihre Grundmauern erhalten geblieben. Da sie bautechnisch in den Wall integriert waren, werden in diesem Artikel auch die Brücken bei Chesters und Willowford mitbehandelt.
Ein fast identisches, wenn auch einfacher aufgebautes Sicherungssystem, vermutlich aus bis zu 26 Kleinkastellen samt daran angeschlossenen Wach- und Signaltürmen, wurde an der Westküste der heutigen Grafschaft Cumbria angelegt (Cumberland-Coast-System). Es erstreckte sich vom Ende des Walls bei Bowness-on-Solway – wahrscheinlich – bis zum Kastell von Ravenglass und sollte Landungen von Invasoren und damit auch die Umgehung des Hadrianswalls verhindern. Verbunden war diese Festungskette nur durch eine hölzerne Palisade, durch die es keine Durchgänge gab. Sie schloss sich zwar nicht direkt an den Hadrianswall an, dennoch wird sie als funktioneller Bestandteil des Wallsicherungssystems angesehen.
Meilenkastelle Der Begriff „Meilenkastell“ wurde erstmals um 1708 von Robert Smith für die Kleinfestungen des Hadrianswalles verwendet und dürfte aus der Sprache der ortsansässigen Bevölkerung übernommen worden sein.Eric Birley: Research on Hadrian’s Wall. Titus Wilson & Son, Kendal 1961. Er wird heute vor allem für die Kleinkastelle am Hadrianswall angewendet.
Die Meilenkastelle wurden nicht an den für Beobachtung und Sicherung am besten geeigneten Standorten errichtet, sondern immer exakt im Abstand einer römischen Meile (1500 m). Ein gutes Beispiel hierfür ist MK 39 westlich von Housesteads. Selbst dieses Kastell hatte ein Nordtor, obwohl das davor liegende Terrain viel zu steil war, um mit Fuhrwerken oder auch nur mit Pferden gefahrlos passiert werden zu können. In den meisten Fällen sicherten die Meilenkastelle nur eine regional bedeutende Passage nach Norden. Seine Besatzung zählte vermutlich zwischen 20 und 30 Auxiliarsoldaten, die in zwei Barackenblöcken untergebracht waren. Ihre Besatzungen bemannten auch die Wachtürme, die jeweils im Abstand einer Drittelmeile (500 m) von den Kastellen entfernt standen. Zu den weiteren Aufgaben der Garnisonen zählten die Überwachung des Grenz- und Handelsverkehrs und die Erhebung von Zöllen und sonstigen Abgaben.
Alle Meilenkastelle des Walles wurden nach einem Standardplan mit spielkartenförmigem Grundriss errichtet. Im östlichen Abschnitt des Walls bestanden sie aus Stein, im westlichen Teil hingegen waren sie zunächst nur in Torf-Holz-Bauweise errichtet worden. Das 1973 rekonstruierte Tor eines Holz-Erde-Meilenkastells im archäologischen Park von Vindolanda ist schon stark baufällig. Es scheint wahrscheinlich, dass die Römer ihre Holz-Erde-Befestigungen schon nach etwa 10 Jahren wieder völlig neu errichten mussten. Deshalb wurden diese sukzessive durch Steinkastelle ersetzt. Insgesamt konnten am Wall bislang 80 dieser Kleinkastelle nachgewiesen werden. Die unterschiedlichen Bautypen der Meilenkastelle werden in der Forschung anhand der baulichen Gestaltung ihrer Durchgänge und an der Länge ihrer von Nord nach Süd ausgerichteten Hauptachsen unterschieden. Im Durchschnitt waren sie 15 m × 18 m groß. Die Seitenmauern waren besonders massiv. Die Umfassungsmauern maßen etwa drei Meter in der Breite und waren zwischen fünf Meter und sechs Meter hoch. Ihre Nordseite war bautechnisch in den Wall integriert. Sie verfügten weiters über zwei Durchgänge im Süden und im Norden. Teilweise waren sie auch von einem Graben umgeben. Die Nordtore müssen aufgrund ihrer Fundamentstärken noch einen Turmaufsatz bzw. eine Wachstube getragen haben. An beiden Seiten des straßenartigen Mitteldurchgangs befanden sich eine oder zwei mehrräumige Baracken, langgestreckte Gebäude aus Holz oder Stein. Sie dienten als Depots und Unterkunft für die Wachmannschaft. Ein Backofen befand sich in der Regel in der Nordwestecke, in der Nordostecke war ein Treppenaufgang eingebaut, der den Zugang zum Wehrgang und zur Wachstube des Torturms ermöglichte. In der Frühphase des Walles waren die Tore nach Norden noch geöffnet. Über einen aus Erde aufgeschütteten Damm konnte der vorgelagerte Graben passiert werden. Der Großteil davon wurde im späten 2. Jahrhundert n. Chr. wieder zugemauert, die Dammwege wurden entfernt. Bei den Meilenkastellen, die über diese Zeit hinaus weiter in Verwendung blieben, wurden die Nordtore verengt, sodass man sie nur zu Fuß passieren konnte. Einige Meilenkastelle wurden in der Spätantike offensichtlich nur noch als Metallwerkstätten genutzt (MK 35 und 39). Wie viele dieser Kastelle bis zum Ende der römischen Herrschaft über Britannien im Jahr 410 n. Chr. noch in Verwendung waren, kann derzeit nicht bestimmt werden.Margot Klee: 2006, S. 15–16 und 31, Peter Hill 2004, S. 23–25.
Zuordnung Beschreibung BautruppTyp I (Kurzachse)An diesen Toren wurden an beiden Seiten massive, an der Innen- und Außenseite leicht hervorstehende Pfeilerkonstruktionen eingebaut. Wände und Pfeiler bestanden aus großen, behauenen Steinblöcken, die Tore sind relativ breit (von Ost nach West) und tief (von Nord nach Süd, zwischen den Durchgängen). Typisch für diesen Bautyp sind MK 37 (Housesteads) und MK 42 (Cawfields).Tony Wilmot: Hadrian’s Wall: Archaeological Research by English Heritage 1976–2000, Frank Graham, S. 137–138, ISBN 978-1-905624-71-3Legio II AugustaTyp II (Langachse)Bei diesen Meilenkastellen sind die Tore wesentlich schmäler, die Seitenpfeiler treten nur an der Innenseite merklich hervor. Ihr Baumaterial bestand aus kleineren Steinblöcken als bei Typ I. Sie kommen nur an jenen Abschnitten vor, an denen eine verschmälerte Version der Wallmauer hochgezogen wurde. Ein gutes Beispiel für Bautyp II ist MK 9 (Chapel House/West Denton).Legio XX Valeria VictrixType III–IV (Langachse)Diese Tore haben – ähnlich wie bei Typ I – an beiden Seiten leicht hervorstehende Pfeiler und bestehen ebenfalls aus größeren Steinblöcken. Für die Torwände wurden allerdings kleinere Steine verwendet. Zu Bautyp III gehören u. a. MK 47 (Chapel House/Gilsland) und MK 48 (Poltross Burn). Die Meilenkastelle an der breiteren Sektion des Walles zählen zu Typ IV.Legio VI Victrix
Wachtürme Die Abschnitte zwischen den Meilenkastellen wurden von jeweils zwei Wachtürmen (turres, speculae) gesichert. Sie beherbergten ca. sechs bis acht Mann und ermöglichten ihnen einen geschützten Zutritt zum Wehrgang der Mauer. Es gibt keine konkreten archäologischen oder schriftlichen Nachweise dafür, wie die Türme verwendet wurden oder für welchen Zweck sie genau bestimmt waren. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass sie primär als Beobachtungsposten und Signalstationen dienten, speziell dort, wo unebenes Terrain die Sichtverhältnisse einschränkte. Auch waren sie als Unterkunft für die Wachmannschaft gedacht, obwohl es nicht klar ist, ob die Soldaten dort auch übernachteten. Es ist viel wahrscheinlicher, dass sie dazu jeden Tag in die benachbarten Kastelle zurückkehrten, sie also turnusmäßig abgelöst wurden. Obwohl im Gegensatz zu den Meilenkastellen keine Öfen gefunden wurden, beweisen diverse Funde und Herdstellen, dass die Besatzungen dort auch ihre Rationen zubereiteten.
Die ersten Wachtürme dürften unmittelbar nach Baubeginn des Walls (ab 122) bemannt worden sein. Nach Fertigstellung des Antoninuswalls um 142 wurden sie wieder aufgegeben. Während dieser Zeit wurden einige, vielleicht durch die Besatzung der am Hadrianswall verbliebenen römischen Garnisonen wieder abgebrochen, die wohl so an leicht zugängliches Baumaterial kam. Nach Rückzug der Armee vom Antoninuswall (um 162) scheinen die meisten der bis dahin verfallenen Türme teilweise wieder aufgebaut und neuerlich besetzt worden zu sein. Bei anderen wurden einfach die Eingänge zugemauert. Am Holz-Torf-Wall, der nun durch eine Steinmauer ersetzt wurde, wurden einige neue Türme an der Strecke westlich von Birdoswald erbaut. An der Küste von Cumbria wurden, wenn überhaupt, nur wenige Türme in dieser Zeit wieder besetzt. Um 180 wurden sie zusammen mit den meisten Kleinkastellen der Küstenverteidigung endgültig aufgegeben. Eine größere Anzahl der Türme am Hadrianswall wurde im späten 2. bzw. frühen 3. Jahrhundert unter Septimius Severus aber wieder in Stand gesetzt bzw. bis zum Obergeschoss aufgemauert. Bei Peel Gap wurde noch ein zusätzlicher Turm errichtet. An der Wende vom zweiten auf das dritte Jahrhundert wurden die Türme in den zentralen Abschnitten (zwischen WT 33B und WT 41B) aufgegeben und abgerissen. Die dabei entstandenen Lücken im Wall wurden mit Abbruchmaterial aufgefüllt, um strukturelle Schwächen an der Mauer auszugleichen. Im dritten Jahrhundert wurden auch die restlichen Türme nach und nach verlassen, nur sehr wenige blieben bis ins vierte Jahrhundert besetzt.
Ein Wachturm umfasste eine Fläche von acht bis neun Quadratmetern. Die Höhe wird auf neuneinhalb Meter geschätzt. Da es bislang keine Befunde für komplett in Stein ausgeführte Treppenaufgänge gibt, konnte man den oberen Teil des Turmes vermutlich nur über eine hölzerne Leiter erreichen, die auf sechs Steinstufen gesetzt und in der südlichen Ecke der Türme eingebaut war. Die Länge dieser Strukturen variiert zwischen 2,1 m und 2,4 m, die Breite betrug 0,91 m. Die Höhe (in WT 18A) ebenfalls etwa 0,91 m. Auch an der Küste von Cumbria wurden in zwei Türmen solche Plattformen entdeckt. Die Ausgrabungsergebnisse am Turm 18A zeigten, dass die Innenausstattung sehr einfach gehalten und auf das Notwendigste beschränkt war. Die Böden bestanden aus Stampflehm, der in vielen Fällen mehrmals ausgebessert wurde; entweder mit zweitverwendeten Steinplatten oder Sand, in einem Fall auch Stroh. Die offene Herdstelle befand sich direkt neben der Leiterplattform. Nach den Funden von Tierknochen und einfacher Gebrauchskeramik zu schließen, wurde sie wohl in erster Linie von der Besatzung zur Zubereitung ihrer Rationen benutzt. Teilweise waren die Türme auch mit kleinen Zisternen versehen oder wurden als Werkstätten verwendet.
Obwohl sie anscheinend gleichzeitig mit den Fundamenten des Walles errichtet wurden, waren ihre westlichen und östlichen Flügelwände (wie bei den Meilenkastellen) in den Wall eingearbeitet. Dies wird als ein Beweis dafür angesehen, dass sie noch vor Fertigstellung des Walls aufgebaut worden waren. Die Türme an der Breitversion des Walls hatten generell auch breitere Flügelwände, die der später errichteten Türme waren etwas kürzer. Bei den Wachtürmen an der Küste von Cumbria fehlten sie jedoch. Der Eingang befand sich in der Regel an der Südwand (in Cumbria an der Ostwand), entweder an ihrem östlichen oder westlichen Ende. Die Tür schloss hinter der Steinschwelle und war nach innen zu öffnen. Zwei Schwellentypen wurden identifiziert: Sie bestanden aus einem Steinblock oder aus einer Reihe von einzelnen Steinen. Bei mehreren Türmen wurden auch Zugangswege beobachtet. Basierend auf Wandstärke und Türstellung konnte man die Türme in drei Bautypen einteilen und den am Bau des Hadrianswalls beteiligten Legionen zuordnen:
Wandstärke Position des Eingangs Bautrupp LegionSchmalversionSüdostenLegio VI VictrixSchmalversionSüdwestenLegio XX Valeria VictrixBreitversionSüdostenLegio II Augusta