Hydromyini ist die Bezeichnung für eine Tribus von Altweltmäusen innerhalb der Familie der Langschwanzmäuse. Sie umfassen zumeist in Australien und Neuguinea sowie benachbarter Inseln heimische Arten (old endemics auf Sahul). In seiner weiten Auffassung besteht die Tribus aus sieben Gruppen (divisions), die auch einige Vertreter der Philippinen mit einschließen (old endemics der Philippinen).
Die zentrale Gruppe bilden die Vertreter der Hydromys-Gruppe und der Xeromys-Gruppe bestehend aus etwa zehn Gattungen. Diese sind vor allem in den Gebirgslagen von Neuguinea verbreitet. Besondere verbindende Merkmale stellen die Einschnürung des Schädels hinter den Orbita, das vereinfachte, beckenförmige Kaumuster der hinteren Backenzähne und die Reduktion des dritten Molaren im Ober- und Unterkiefer bei einem Großteil der Arten dar. Die auffälligen Zahnmerkmale sind eine Anpassung an die Ernährungsweise, welche vor allem auf Wirbeltiere, Insekten und Krebstiere basiert. Spezielle Anpassungen an das Wasserleben finden sich in den vergrößerten Hinterfüßen, den verlängerten und dicht stehenden Schnurrhaaren, der breiten Schnauze und im seitlich flachen Schwanz.
Die Lorentzimys-Gruppe und die Pogonomys-Gruppe sind eine weitere große Gruppe aus wenigstens einem Dutzend Gattungen, die überwiegend Neuguinea und mit einer Form den Norden Australiens bewohnen. Sie setzen sich aus Vertretern zusammen, die teils baumbewohnend und mit beweglichen Greifschwänzen ausgestattet sind beziehungsweise große, rein bodenlebende Nagetiere darstellen.
Die Uromys-Gruppe wiederum besteht aus fünf Gattungen zumeist baumkletternder, rattenähnlicher Arten, deren Schwänze von sich nicht überlappenden Hornschuppen bedeckt sind und deren Backenzähne querverlaufende Höckerreihen auf der Kauoberfläche aufweisen. Die Arten sind weit verbreitet und kommen in Neuguinea, auf den Molukken und Salomonen und in Australien vor.
Die acht Gattungen der Pseudomys-Gruppe sind demgegenüber hauptsächlich in Australien anzutreffen. Sie bilden eine ökologisch vielfältige Einheit aus mausähnlichen Formen, an Trockenregionen angepassten, zweifüßigen Springern, nestbauenden oder baumbewohnenden Arten.
Die Tribus im weiteren Sinne nach Musser und Carleton 2005 sowie nach Lecompte 2008 unter Berücksichtigung neuere Erkenntnisse setzt sich folgendermaßen zusammen:
Tribus Hydromyini: Chrotomys-Gruppe Philippinen-Waldmäuse (Apomys , 1905) Nasenratten (Rhynchomys , 1895) Archboldmäuse (Archboldomys , 1982) Luzon-Streifenratten (Chrotomys , 1895) Soricomys , 2012 Pseudomys-Gruppe Australische Mäuse (Pseudomys , 1832) Australische Breitzahnratte (Mastacomys , 1882) ex Pseudomys Australische Hüpfmäuse (Notomys , 1842) Australische Kaninchenratten (Conilurus , 1838) Australische Häschenratten (Leporillus , 1906) Australische Baumratten (Mesembriomys , 1906) Australische Dickschwanzratten (Zyzomys , 1909) Leggadina , 1910 Hydromys-Gruppe Schwimmratten (Hydromys , 1804) Baiyankamys , 1943 ex Hydromys Crossomys , 1907 Microhydromys , 1941 Parahydromys , 1906 Neuguinea-Bergwasserratten (Paraleptomys , 1941) Xeromys-Gruppe Falsche Schwimmratten (Xeromys , 1889) Neuguinea-Moosmäuse (Pseudohydromys , 1934) Neuguinea-Wasserratten (Leptomys , 1897) Mirzamys & , 2009 Uromys-Gruppe Mosaikschwanzratten (Melomys , 1922) Paramelomys , 1936 ex Melomys Protochromys , 1996 ex Melomys Mosaikschwanz-Riesenratten (Uromys , 1867) Nacktschwanzratten (Solomys , 1922) Pogonomys-Gruppe Mammelomys , 1996 ex Melomys Pogonomelomys , 1936 Abeomelomys , 1990 ex Pogonomelomys Neuguinea-Bürstenratten (Coccymys , 1990) Xenuromys , 1941 Weißohr-Riesenratten (Hyomys , 1904) Riesenbaumratten (Anisomys , 1904) Mallomys , 1898 Neuguinea-Kleinzahnratten (Macruromys , 1933) † Spelaeomys , 1957 Chiruromys , 1888 Greifschwanzratten (Pogonomys , 1877) Lorentzimys-Gruppe Lorentzimys , 1911
In einer weitaus engeren Auffassung werden als Hydromyini heute teilweise nur die semiaquatisch lebenden Nagetiere und die terrestrisch lebenden Neuguinea-Moosmäuse bezeichnet, sie umfassen damit die Vertreter der Hydromys-Gruppe und der Xeromys-Gruppe. Die Lorentzimys-Gruppe und die Pogonomys-Gruppe werden dann zur Tribus Anisomyini zusammengefasst, die Uromys-Gruppe zu den Uromyini und die Pseudomys-Gruppe zu den Conilurini. Diese Gliederung wurde vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vertreten. Untersuchungen des Spermiums der austrasiatischen Langschwanzmäuse in den 1990er Jahren ergaben aber, dass die einzelnen Triben nicht in jedem Fall eine Einheit bildeten. Aus diesem Grund wurden bereits 1994 die Hydromyini, die Conilurini und die Uromyini zu einer einzigen Tribus vereint. Spätere molekulargenetische Analysen bestätigten die Monophylie der Hydromyini im weiteren Sinne, als Schwestertaxon gelten die Pinselschwanz-Baummäuse aus Südostasien.
Stammesgeschichtlich entstanden die Hydromyini nach der Abspaltung der Rattini vom übrigen Zweig der Altweltmäuse im Mittleren Miozän vor etwa 9,7 Millionen Jahren. Die austrasiatischen Langschwanzmäuse trennten sich dann von den gemeinsamen Vorfahren mit den Pinselschwanz-Baummäusen im Übergang zum Pliozän vor 5,5 Millionen Jahren. Die weitere Diversifizierung der Hydromyini fand im Verlauf des Pliozän statt, als Zentrum wird Neuguinea angesehen. Australien wurde ebenfalls in dieser Phase besiedelt, möglicherweise in mehreren Wellen bis zum Übergang zum Pleistozän vor etwa 2 Millionen Jahren.
Literatur Kristofer M. Helgen: The amphibious murines of New Guinea (Rodentia, Muridae): the generic status of Baiyankamys and description of a new species of Hydromys. Zootaxa 913, 2005, S. 1–20 Emilie Lecompte, Ken Aplin, Christiane Denys, François Catzeflis, Marion Chades, Pascale Chevret: Phylogeny and biogeography of African Murinae based on mitochondrial and nuclear gene sequences, with a new tribal classification of the subfamily. In: BMC Evolutionary Biology. Bd. 8, 199, 2008, S. 1–21, .
Einzelnachweise G. G. Musser und M. D. Carleton: Superfamily Muroidea. In D. E. Wilson & D. M. Reeder (Hrsg.): Mammal Species of the World. 3rd ed. 2005 Emilie Lecompte, Ken Aplin, Christiane Denys, François Catzeflis, Marion Chades, Pascale Chevret: Phylogeny and biogeography of African Murinae based on mitochondrial and nuclear gene sequences, with a new tribal classification of the subfamily. In: BMC Evolutionary Biology. Bd. 8, 199, 2008, S. 1–21, . Kristofer M. Helgen: The amphibious murines of New Guinea (Rodentia, Muridae): the generic status of Baiyankamys and description of a new species of Hydromys. Zootaxa 913, 2005, S. 1–20 Kevin C. Rowe, Michael L. Reno, Daniel M. Richmond, Ronald M. Adkins und Scott J. Steppan: Pliocene colonization and adaptive radiations in Australia and New Guinea (Sahul): Multilocus systematics of the old endemic rodents (Muroidea: Murinae). Molecular Phylogenetics and Evolution 47, 2008, S. 84–101 Sharon A. Jansa, F. Keith Barker und Lawrence R. Heaney: The Pattern and Timing of Diversification of Philippine Endemic Rodents: Evidence from Mitochondrial and Nuclear Gene Sequences. Systamtic Biology 55 (1), 2006, S. 73–88 Scott J. Steppan, R. M. Adkins, P. Q. Spinks und C. Hale: Multigene phylogeny of the Old World mice, Murinae, reveals distinct geographic lineages and the declining utility of mitochondrial genes compared to nuclear genes. Molecular Phylogenetics and Evolution 37, 200, S. 370–388 Fred Ford: A splitting headache: relationships and generic boundaries among Australian murids. Biological Journal of the Linnean Society 89, 2006, S. 117–138 Danilo S. Balete, Eric A. Rickart, Lawrence R. Heaney, Phillip A. Alviola, Melizar V. Duya, Mariano Roy M. Duya, Timothy Sosa und Sharon A. Jansa: Archboldomys (Muridae: Murinae) Reconsidered: A New Genus and Three New Species of Shrew Mice from Luzon Island, Philippines. American Museum Novitates 3754, 2012, S. 1–60 () Kristofer M. Helgen und Lauren E. Helgen: Biodiversity and Biogeography of the Moss-mice of New Guinea: A Taxonomic Revision of Pseudohydromys (Muridae: Murinae). Bulletin of the American Museum of Natural History 331, 2009, S. 230–313 doi: 10.1206/582-8.1 ()
Kategorie:Langschwanzmäuse Kategorie:Muridae